{"id":490,"date":"2021-04-23T10:28:36","date_gmt":"2021-04-23T08:28:36","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=490"},"modified":"2021-04-23T16:54:21","modified_gmt":"2021-04-23T14:54:21","slug":"was-kommt-nach-dem-wachstum","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=490","title":{"rendered":"Was kommt nach dem Wachstum?"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Vergleich von Konzepten f\u00fcr ein nachhaltiges Wirtschaften<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Karl Czasny<\/h5>\n\n\n\n<p><strong>1.Vorspann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Kein\nNachteil so ganz ohne Vorteil. Keine Pandemie so ganz ohne Gewinne f\u00fcr die\nKlima- und Umweltpolitik der Europ\u00e4ischen Union. Die hat 2020 ihr Reduktionsziel\nbei den Treibhausgasemissionen um einige Prozentpunkte \u00fcbererf\u00fcllt und weist auch\nbei anderen Umweltindikatoren deutlich entspannte Werte auf. W\u00e4hrend sich also Klima-\nund Umweltpolitiker richtig freuen k\u00f6nnen, hat die Wirtschaftspolitik zumindest\nGrund zur Vorfreude: eine Zeit lang darf sie demn\u00e4chst die Wirtschaft nach\nHerzenslust wachsen lassen, ohne sich mit allzu lautem Protest der Wachstumsskeptiker\nherumschlagen zu m\u00fcssen. Diese hatten in den letzten Jahren immer mehr Zulauf\nbekommen, denn es ist nicht l\u00e4nger zu leugnen: Die herk\u00f6mmliche\nWachstums\u00f6konomie ist am Ende. Wo sie ihr Ziel verfehlt, erzeugt sie\nMassenarbeitslosigkeit und eine gef\u00e4hrliche Zuspitzung aller Verteilungsk\u00e4mpfe.\nWo sie aber ihr Ziel erreicht, zerst\u00f6rt sie l\u00e4ngerfristig die physischen\nGrundlagen unseres Lebens auf diesem Planeten. So warnte etwa das Umweltprogramm\nder UNO in einem 2018 publizierten Bericht davor, dass die Weltwirtschaft bei\nunver\u00e4nderter Beibehaltung ihrer Wachstumsmuster den j\u00e4hrlichen Bedarf an\nMineralien, Erzen, fossilen Brennstoffen und Biomasse bis zum Jahr 2050 verdreifachen\nwerde.<a href=\"#_edn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Bevor uns die Pandemie in ihren\nBann zog, hatten daher neben Wachstumskritik auch Auseinandersetzungen zur\n\u00d6konomie einer Postwachstumsgesellschaft Hochkonjunktur. Mittlerweile liegen so\nviele einschl\u00e4gige Theorien und Konzepte auf dem Tisch, dass man sich immer\nschwerer zurechtfindet im Dickicht der einander teils \u00fcberlappenden, teils\nschroff widersprechenden Ans\u00e4tze. Die nun eingetretene Diskussionspause gibt\nuns Zeit, einige der am h\u00e4ufigsten diskutierten Standpunkte etwas genauer zu\nmustern, um die zwischen ihnen bestehenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten\nbesser verstehen zu lernen. Die folgende Zusammenfassung der Ergebnisse meiner\ndiesbez\u00fcglichen Recherchen und \u00dcberlegungen will zur Orientierung in dem neu\nentstandenen Diskussionsraum beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem im Vorjahr\nverfassten Aufsatz \u00fcber die \u00f6konomische Dimension der COVID-19-Pandemie<a href=\"#_edn2\">[2]<\/a>\nunternahm ich ebenfalls einen Streifzug durch mehrere \u00f6konomische Theorien.\nDort ging es aber um die in der Pandemie zutage tretende prinzipielle <strong>Krisenhaftigkeit<\/strong> unseres\nWirtschaftssystems, w\u00e4hrend nun seine <strong>Wachstumsfixierung<\/strong>\nim Focus steht. Der erw\u00e4hnte Text verglich neoliberale mit postkeynesianischen\nund marxistischen Ans\u00e4tzen. Und diese drei stark kontrastierenden Zug\u00e4nge zur\n\u00d6konomie spielen nat\u00fcrlich auch beim Thema &#8218;Wachstum&#8216; eine entscheidende Rolle.\nSie verbergen sich hier aber hinter anders benannten Konzepten und treten in\nKonkurrenz zu Ans\u00e4tzen, die bei der Diskussion der Krisenproblematik von\ngeringerer Bedeutung sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vorliegende Pr\u00e4sentation\nunterscheidet <strong>f\u00fcnf Gruppen<\/strong> von\n\u00f6konomischen Zug\u00e4ngen zum Wachstumsproblem. Sie beginnt mit der vom\nneoliberalen Mainstream propagierten Green Economy und setzt fort mit der\npostkeynesianischen \u00d6konomie des Guten Lebens. Es folgen die\nPostwachstums\u00f6konomie, die feministisch orientierte Wirtschaftstheorie des\nSorgens und der mir selbst am n\u00e4chsten stehende \u00d6komarxismus. Das letzte\nKapitel erg\u00e4nzt die vergleichende Darstellung der f\u00fcnf genannten Positionen mit\n\u00dcberlegungen zum Prozess der Transformation, der die aktuelle Wachstums\u00f6konomie\nin die angestrebte Post\u00adwachstumsgesellschaft \u00fcberf\u00fchren soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den f\u00fcnf nun zu\nvergleichenden Zug\u00e4ngen zum Wachstumsproblem handelt es sich keinesfalls um so\netwas wie monolithische Schulen, sondern viel eher um <strong>lockere<\/strong> <strong>Cluster<\/strong> mit\nstarker innerer Differenziertheit. Zudem gibt es jede Menge von\nZwischenpositionen, die sich keinem dieser f\u00fcnf Typen eindeutig zuordnen\nlassen. Die nachstehenden \u00dcberlegungen verfolgen daher <strong>nicht<\/strong> die Absicht, einzelne \u00d6konom*innen<a href=\"#_edn3\">[3]<\/a> oder\nbestimmte politische Bewegungen, wie etwa die Klimabewegung, in die eine oder\nandere Schublade zu stecken. Es geht mir vielmehr um die das vorliegende\nDiskussionsfeld strukturierenden <strong>theoretischen\nund politischen Motive<\/strong>. Sie kritisch zu reflektieren und die zwischen ihnen\nbestehenden Bez\u00fcge (N\u00e4he- bzw. Distanz, Spannungen, Widerspr\u00fcche) aufzuzeigen,\nist Ziel der folgenden Zeilen.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>2. Neoliberale Green Economy<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>a. Darstellung<\/strong><\/a><strong><br>\n<\/strong>Dass die umfassend\ndestruktive Dynamik des kapitalistischen Wirtschaftssystems selbst von dessen\nEliten nicht mehr klein geredet werden kann, zeigte sich erstmals bereits\nAnfang der Neunzehnsiebzigerjahre, als der Club of Rome, ein den F\u00fchrungsetagen nahestehender Thinktank, seine Studie zu den <em>&#8222;Grenzen des Wachstums&#8220; <\/em>ver\u00f6ffentlichte. In der Folge\nwurden \u00f6kologische und soziale Nachhaltigkeit zu allgemein anerkannten\nGrunds\u00e4tzen wirtschaftlicher Entwicklung, die in einschl\u00e4gigen Beschl\u00fcssen\nmehrerer UNO-Konferenzen ihren Niederschlag fanden. Schlie\u00dflich musste auch die\n\u00d6konomie diese neuen Grunds\u00e4tze in ihr Lehrgeb\u00e4ude integrieren. Und weil in\ndiesem seit Jahrzehnten die Gedanken des Neoliberalismus dominieren, entstand\ndas einschl\u00e4gig gepr\u00e4gte Konzept einer elitenkompatiblen Green Economy, die eine\nCO<sub>2<\/sub>-arme, ressourceneffiziente und sozial inklusive Wirtschaft\netablieren soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie will dieses Ziel\nerreichen, indem sie die Dynamik des Marktes noch st\u00e4rker entfacht, anstatt sie\nzu bremsen oder strengerer staatlicher Lenkung zu unterwerfen. Denn aus ihrer\nSicht kann nur der Markt selbst jene <strong>Effizienzsteigerungen<\/strong>\nerzielen, welche erforderlich sind, um die weltweite Produktion von G\u00fctern und\nDienstleistungen m\u00f6glichst weitgehend vom Verbrauch aller knappen nat\u00fcrlichen\nRessourcen unseres Planeten <strong>abzukoppeln<\/strong>.\nDa aber ein dynamischer Markt Wachstum impliziert, erhebt man schwere\nAnschuldigungen gegen allzu forsche Wachstumskritiker. Aus Sicht der Green\nEconomists leben sie meist selbst im Wohlstand und \u00fcbersehen in ihren <em>&#8222;flammenden Reden gegen das Streben\nnach immer mehr&#8220;<\/em>, dass wegbrechendes Wachstum alle bisherigen Erfolge\nin der weltweiten Armutsbek\u00e4mpfung zunichtemachen m\u00fcsste.<a href=\"#_edn4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Vorwurf ist insofern\nberechtigt, als <strong>innerhalb <\/strong>der\nSystemgrenzen kapitalistischen Wirtschaftens selbst eine blo\u00df ansatzweise\nL\u00f6sung des Weltarmutsproblems weiteres Wachstum voraussetzt. Letztlich geht das\nhier ins Spiel gebrachte Argument jedoch aus zwei Gr\u00fcnden ins Leere: Erstens\nimpliziert das von der Green Economy angestrebte Wachstum, weil wir es mit\neiner kapitalistisch organisierten Wirtschaft zu tun haben, auch ein Wachstum\nder sozialen Ungleichheit.<a href=\"#_edn5\">[5]<\/a>\nDieser Weg der Armutsbek\u00e4mpfung <strong>versch\u00e4rft<\/strong>\ndamit die Explosionsgefahr im Druckkessel &#8218;Welt\u00f6konomie&#8216;. Denn Benachteiligte\nk\u00e4mpfen noch w\u00fctender um das, was man ihnen vorenth\u00e4lt, wenn sie nicht mehr vom\nHunger geschw\u00e4cht sind. Zweitens gibt es eben auch alternativen Strategien zur\nglobalen Armutsbek\u00e4mpfung. Die w\u00e4ren aber systemsprengend, weil sie Eingriffe\nin die bestehenden Eigentums- und Verteilungsverh\u00e4ltnisse enthalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sich also die Green\nEconomy auch nicht vom Wachstumsideal verabschieden mag, so strebt sie doch\neinen zweifachen <strong>qualitativen Wandel<\/strong>\ndes Wachstums an. Einerseits m\u00f6ge es prim\u00e4r aus einem starken\nProduktivit\u00e4tsanstieg resultieren, um auf diesem Weg den Rohstoff- und\nEnergiebedarf der Wirtschaft zu minimieren. Andererseits soll es sich auf die\nsogenannten <em>&#8222;gr\u00fcnen Sektoren&#8220;<\/em>\nwie zum Beispiel den Ausbau der alternativen Energien, die Etablierung\nemissionsarmer Mobilit\u00e4tsl\u00f6sungen und die thermische Geb\u00e4udesanierung konzentrieren.\nDenn die Dynamik dieser Wirtschaftsbereiche schaffe wichtige Voraussetzungen\nf\u00fcr die Verhinderung der drohenden Klimakrise und helfe bei der Bew\u00e4ltigung\nschon eingetretener Umweltsch\u00e4den.<\/p>\n\n\n\n<p>Da sie prim\u00e4r auf die\nProbleml\u00f6sungskapazit\u00e4t des Marktes setzt, sieht die Green Economy eines ihrer\nwichtigsten Handlungsfelder in der behutsamen Umgestaltung von dessen\nSpielregeln und Rahmenbedingungen mit dem Ziel einer Steigerung seiner\nUmwelteffizienz. Es geht dabei nicht nur um Optimierung und Ausbau der bereits\nbestehenden Systeme des Handels mit CO<sub>2<\/sub>-Emissionsrechten, sondern\nauch um die Etablierung verschiedenster <strong>zus\u00e4tzlicher\nUmweltm\u00e4rkte<\/strong>. Beispielhaft erw\u00e4hnt seien hier der Handel mit Rechten zur\nEmission anderer Schadstoffe und der Handel mit <strong>Biodiversit\u00e4tszertifikaten<\/strong>. Dabei bewertet man Naturhabitate\nzun\u00e4chst im Hinblick auf ihre \u00f6konomischen Leistungen (z.B. Lieferung von\nGrundwasser, Speicherung von Treibhausgasen, Biodiversit\u00e4t, usw.). In der Folge\nk\u00f6nnen dann private Kapitalanleger, die im Zuge ihrer Investitionsvorhaben die\nZerst\u00f6rung des einen oder anderen Habitats planen, den zu erwartenden Schaden\nkompensieren, indem sie durch den Erwerb von Biodiversit\u00e4tszertifikaten den\nSchutz gleich hoch bewerteter Ausgleichsfl\u00e4chen finanzieren.<a href=\"#_edn6\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wegen ihres grunds\u00e4tzlichen\nVertrauens in das freie Spiel der Konkurrenz steht die Green Economy allen die\nMarktdynamik einschr\u00e4nkenden Regulierungen sehr skeptisch gegen\u00fcber. Das gilt\nsowohl f\u00fcr vermeintlich allzu strenge Umweltnormen als auch f\u00fcr zus\u00e4tzliche\nHandelsschranken zur Verhinderung von Umweltdumping (Stichwort: Klimaz\u00f6lle). So\nstimmt man zwar jenen Kritikern des Freihandels zu, welche beklagen, dass eine\nWegwerfmentalit\u00e4t entstehe, wenn der Ersatz eines defekten Elektroger\u00e4tes durch\nein billiges Importger\u00e4t g\u00fcnstiger ist als seine Reparatur. Man zieht aus\ndieser Feststellung aber g\u00e4nzlich andere Schlussfolgerungen als die\nFreihandelsskeptiker. Das Problem sind n\u00e4mlich aus neoliberaler Sicht nicht die\nniedrigen Importpreise sondern die hierzulande angeblich viel zu hohen\nArbeitskosten im Gefolge eines als weit \u00fcberh\u00f6ht empfundenen Steuer- und\nAbgabenniveaus.<a href=\"#_edn7\">[7]<\/a> Die Bek\u00e4mpfung der\nwachstumstreibenden Wegwerfmentalit\u00e4t sollte daher aus dieser Perspektive nicht\ndurch zus\u00e4tzliche Marktregulierungen geschehen sondern durch weitere Reduktion\nder Infrastruktur- und Sozialausgaben des Staates, dem man nur im Fall einer\nakuten Krise vermehrtes Handlungspotential zubilligt.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>b. Einsch\u00e4tzung<\/strong><\/a><strong><br>\n<\/strong>Die Green Economy ist ein\nneuer Beleg f\u00fcr die schon oft konstatierte Flexibilit\u00e4t des Kapitalismus. Was\neinst der Club of Rome noch als\nabsolute \u00f6kologische <strong>Grenze<\/strong> dieses\nWirtschaftssystems wahrnahm, wird f\u00fcr sie zum Ausgangspunkt einer <strong>neuen Strategie der Kapitalakkumulation<\/strong>.\nMan darf diese Form der <strong>Bearbeitung<\/strong>\nvon Symptomen der \u00f6kologischen Krise aber nicht mit einer <strong>L\u00f6sung<\/strong> jener Probleme verwechseln. Denn die resultieren aus der\ngrunds\u00e4tzlichen Widerspr\u00fcchlichkeit der Aneignung der Natur durch den\nKapitalismus und stehen nach jeder vermeintlichen Beseitigung in ver\u00e4nderter\nGestalt wieder auf.<a href=\"#_edn8\">[8]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Besagte Widerspr\u00fcchlichkeit\nfu\u00dft zu einem Teil auf dem erst weiter unten zu behandelnden \u00f6konomischen\nWachstumszwang des Kapitalismus und zum anderen Teil auf den\nFunktionsprinzipien des von der Green Economy zur obersten\nProbleml\u00f6sungsinstanz erhobenen Marktes. Das wichtigste dieser Prinzipien ist\nder Preismechanismus, der bei Knappheit eines Wirtschaftsgutes dessen Preis\nsteigen l\u00e4sst, w\u00e4hrend er bei Angebots\u00fcbersch\u00fcssen zu Preisreduktionen f\u00fchrt.\nDies hat zur Folge, dass unser Weg in eine kohlenstofffreie, energie- und\nrohstoffsparende Wirtschaft <strong>kein\nentschlossenes Voranschreiten<\/strong> ist. Letzteres w\u00fcrde n\u00e4mlich erfordern, dass\nwir den Preismechanismus auf den wichtigsten Energie- und Rohstoffm\u00e4rkten au\u00dfer\nKraft setzen und schrittweise anzuhebende Mindestpreise definieren, was\neinerseits Spekulationen verhindern und andererseits eine langfristige\nOrientierung der Investitionst\u00e4tigkeit erm\u00f6glichen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Weil wir uns zu einer so\nradikalen Absage an den Markt nicht entschlie\u00dfen, gleicht das Bewegungsmuster\nunserer Energie- und Klimapolitik einem <strong>verr\u00fcckten\nTanz<\/strong>. Da jede Energieeinsparung die Nachfrage und damit auch den\nEnergiepreis verringert, folgt bei diesem Tanz auf zwei Schritte vorw\u00e4rts im\nbesten Fall ein Schritt r\u00fcckw\u00e4rts. Oft ist es leider sogar umgekehrt: ein\nSchritt vorw\u00e4rts, zwei r\u00fcckw\u00e4rts. So f\u00fchrte etwa die vermehrte Produktion von\n\u00d6ko-Strom in Deutschland zu einem so starken Strom\u00fcberangebot, dass der Preis\nf\u00fcr eine Megawattstunde an der Leipziger Stromb\u00f6rse zwischen 2008 und 2016 von\n\u00fcber 80&nbsp;\u20ac auf weniger als 30&nbsp;\u20ac sank<a href=\"#_edn9\">[9]<\/a>,\nwas sich entsprechend kontraproduktiv auf alle Bem\u00fchungen um Energieeinsparung\nauswirken musste. \u00c4hnlich verr\u00fcckt die Entwicklung auf dem Erd\u00f6lmarkt: Hier\nbewirkte der am Ende der Neunzehnneunzigerjahre einsetzende und aus\n\u00f6kologischer Sicht h\u00f6chst sinnvolle Anstieg der \u00d6lpreise, dass es ab etwa 2010\nlohnend wurde, \u00d6l mittels der Fracking-Technologie aus Schiefersanden zu\nf\u00f6rdern. Im Gefolge des nun entstehenden Fracking-Booms sank dann der Preis so\nstark, dass auch auf dem \u00d6l-Sektor alle Energieeinsparbem\u00fchungen unterlaufen\nwurden.<a href=\"#_edn10\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wie sich besonders drastisch\nam Beispiel von Venezuela zeigt, hatte diese Entwicklung neben ihren negativen\nKonsequenzen f\u00fcr das Tempo der Dekarbonisierung auch verheerende Folgen f\u00fcr die\nwirtschaftliche Stabilit\u00e4t der vom \u00d6l-Gesch\u00e4ft abh\u00e4ngigen Entwicklungsl\u00e4nder.\nDa letztere als wichtige Rohstoff- und Energielieferanten besonders abh\u00e4ngig\nsind vom Preisniveau auf den internationalen \u00d6l- und Rohstoffm\u00e4rkten, haben sie\nam meisten zu leiden unter deren Instabilit\u00e4t. Und innerhalb dieser Staaten\nwerden die neuen Mittelschichten, auf deren Herausf\u00fchrung aus der Armut der\nNeoliberalismus so stolz ist, zum Hauptopfer von Einbr\u00fcchen der \u00d6l- und\nRohstoffpreise.<\/p>\n\n\n\n<p>Hoch problematisch ist auch\ndie Strategie der Schaffung neuer M\u00e4rkte, um mit ihrer Hilfe bestimmte Umweltziele\nzu erreichen. So hat etwa der CO<sub>2<\/sub>-Emissionshandel in den ersten 14\nJahren nach seiner Einf\u00fchrung in der EU kaum Anst\u00f6\u00dfe zu einer nachhaltigen\nEmissionsverminderung gegeben, weil der Preis der auf diesem Markt gehandelten\nCO<sub>2<\/sub>-Zertifi\u00adkate viel zu gering war. Kaum \u00e4ndert sich dies nun, wird\nder Zertifikathandel auch schon als hoffnungsfrohes Spekulationsobjekt\nentdeckt, um das herum sich allerlei Finanzinstrumente etablieren, mit denen\nman Wetten auf steigende oder fallende Zertifikatspreise abschlie\u00dfen kann.\nBesorgte Stimmen warnen bereits vor der Gefahr, dass sich bei weiterem Anstieg\nder Zertifikatspreise eine Finanzblase aufbauen k\u00f6nnte<a href=\"#_edn11\">[11]<\/a>,\nbei deren Platzen dann auch der Anreiz zur Emissionseinsparung platzen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch negativer als die CO<sub>2<\/sub>-Emissionszertifikate\nsind die sogenannten Biodiversit\u00e4tszertifikate zu beurteilen. Sie <strong>machen<\/strong> <strong>die Natur zum Finanzprodukt<\/strong>, und dadurch geschieht mit ihr, was bei\njedem Handel mit Finanzprodukten zu beobachten ist: Dieser <strong>spaltet<\/strong> nicht blo\u00df die Anleger in Winner und Loser, sondern stets\nauch die jeweils betroffenen Produzenten. Bei Aktien sind das die Arbeitnehmer\nder mit dem gehandelten Aktienkapital ausgestatteten Unternehmen, und bei den\nBiozertifikaten sind es die in den jeweils betroffenen Naturhabitaten beheimateten\nPflanzen, Tiere und Menschen. Denn in einer zum Finanzprodukt degradierten\nNatur werden wenige ausgew\u00e4hlte Winner-Habitate gesch\u00fctzt auf Kosten der gro\u00dfen\nMasse der auf der Verliererseite angesiedelten Lebensr\u00e4ume, die von den \u00fcber\nBiodiversit\u00e4tszertifikate verf\u00fcgenden Investoren mit bestem Gewissen besonders\nrasch und effizient zerst\u00f6rt werden d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die geradezu wahnhafte\nFixierung der neoliberalen \u00d6konomen auf das Probleml\u00f6sungsinstrument &#8218;Markt&#8216;\nkommt dem zuletzt wieder verst\u00e4rkt unter \u00dcberakkumulation leidenden Kapital<a href=\"#_edn12\">[12]<\/a>\nsehr entgegen, weil neue M\u00e4rkte stets neue Veranlagungsm\u00f6glichkeiten mit sich\nbringen. Deshalb sieht man es in den Kommandozentralen der Wirtschaft gern,\nwenn nun die Staaten (derzeit vor allem erst im angels\u00e4chsischen Bereich) auch\ndie sozialen Kollateralsch\u00e4den der Wachstumswirtschaft mit eigens daf\u00fcr\ngeschaffenen Finanzinstrumenten &#8218;beheben&#8216; wollen. Es handelt sich dabei um die\nsogenannten <strong>&#8218;Social Impact Bonds&#8216;<\/strong>\nmit deren Hilfe private Investoren innovative Projekte im sozialen und\nwohlfahrtsstaatlichen Bereich finanzieren k\u00f6nnen. Wenn die Projekte ihre vordefinierten\nZiele erreichen, bekommen die Investoren ihr Geld von der \u00f6ffentlichen Hand\nzur\u00fcck, plus eine Pr\u00e4mie von bis zu 30 Prozent der Investitionssumme.\nHauptproblem dabei sind die Definitionen der jeweiligen Projektziele. Sie gehen\nan der gesellschaftlichen Wurzel der Missst\u00e4nde vorbei und richten sich nur auf\ndie Beseitigung oberfl\u00e4chlicher Symptome bzw. die Reduktion von Folgekosten. Bei\neinem Projekt zu Obdachlosigkeit beispielsweise geht es dann nicht darum,\nsoziale Defizite wie mangelnden Wohnraum, hohe Mieten und Armut zu bearbeiten, sondern\nblo\u00df darum, die Obdachlosen irgendwie wegzubekommen, wenn n\u00f6tig auch durch\nAbschiebung.<a href=\"#_edn13\">[13]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In sich widerspr\u00fcchlich sind\naber nicht nur die Versuche, \u00f6kologische und soziale Pro\u00adbleme mittels des\nMarktmechanismus zu l\u00f6sen, sondern auch das oben erw\u00e4hnte Konzept eines in\nzweifacher Hinsicht qualitativ &#8218;gel\u00e4uterten&#8216; Wachstums. Betrachten wir zun\u00e4chst\ndie Konzentration der verbleibenden Zuw\u00e4chse des BIP auf gr\u00fcne\nWirtschaftssektoren:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erstens<\/strong> handelt es sich dabei um ein Projekt mit Ablaufdatum. Je mehr sich die\nWirtschaft ihren \u00f6kologischen Zielen (Umstellung auf alternative\nEnergiegewinnung, thermische Geb\u00e4udesanierung, usw.) ann\u00e4hert, desto <strong>schmaler<\/strong> wird der Spielraum f\u00fcr\nerlaubtes, weil \u00f6kologisch &#8218;gutes&#8216; Wachstum. Das eng mit der liberalen\nDemokratie westlicher Pr\u00e4gung verbundene neoliberale Akkumulationsregime kann\naber mit einer solchen Verkleinerung des letzten ihm verbleibenden\nWachstumsfeldes aus <strong>politischen<\/strong>\nGr\u00fcnden nur sehr schlecht leben. Denn innerhalb seiner \u00f6konomischen\nSystemgrenzen ist Wachstum unerl\u00e4ssliche Voraussetzung f\u00fcr die Vermeidung von\nschwer kontrollierbaren Verteilungskonflikten und demokratiepolitisch noch\ngef\u00e4hrlicherer Massenarbeitslosigkeit (Stichworte: Rechtspopulismus,\nNeofaschismus).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zweitens<\/strong> helfen die Green Growth-L\u00f6sungen zwar vordergr\u00fcndig bei der Erf\u00fcllung\nbestimmter Klima- und Umweltvorgaben, implizieren aber ihrerseits zum Teil\nerhebliche Fl\u00e4chen-, Materie- und Energieverbr\u00e4uche, ganz gleich ob es sich\ndabei um Passivh\u00e4user, Elektromobile, \u00d6kotextilien, Photovoltaik- und\nOffshore-Anlagen, solarthermische Heizungen, Carsharing, digitale Services usw.\nhandelt. Schon jetzt sind etwa die durch &#8218;gr\u00fcne&#8216; Technologien verursachten Landschaftszerst\u00f6rungen\nbetr\u00e4chtlich und es gilt daher der bitteren Wahrheit ins Auge zu sehen: Viele\ndieser Technologien f\u00fchren nicht zur L\u00f6sung der jeweils anvisierten\n\u00f6kologischen Probleme, sondern <strong>transformieren<\/strong>\nsie blo\u00df auf eine andere physische, r\u00e4umliche, zeitliche oder systemische\nEbene,<a href=\"#_edn14\">[14]<\/a>\nwobei die r\u00e4umliche Verschiebung einer besonders heimt\u00fcckischen Logik folgt.\nSie besteht n\u00e4mlich im Wesentlichen darin, dass reiche und hochentwickelte\nStaaten die schmutzigen Begleiterscheinungen ihrer &#8218;gr\u00fcnen&#8216; L\u00f6sungen in den\n\u00e4rmeren Teil unserer Welt verlagern. Musterbeispiel daf\u00fcr ist die \u00d6kobilanz der\nvermeintlich &#8217;sauberen&#8216; Elektroautos. Denn sie zeigt, dass dem emissionsfreien\nBetrieb dieser Fahrzeuge vermehrte Umweltbelastungen bei der ausgelagerten\nProduktion von Elektromotoren und Batterien gegen\u00fcberstehen.<a href=\"#_edn15\">[15]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht besser steht es um die\nAbsicht, Wachstum weitestgehend auf einen Anstieg der Produktivit\u00e4t zu\nreduzieren. Wer in dieser M\u00f6glichkeit die Zukunft des Kapitalismus sucht,\nzeigt, dass er die Augen vor den grundlegenden Funktionsmechanismen jenes\nWirtschaftssystems verschlie\u00dft, oder vielleicht nicht versteht, wie\nProduktivit\u00e4tsfortschritt und Wachstum zusammenh\u00e4ngen. Betrachten wir zun\u00e4chst\nden Fortschritt in der <strong>Arbeitsproduktivit\u00e4t<\/strong>.\nEr besteht darin, dass mit weniger Arbeitseinsatz ein gleich hoher Output\nerzielt wird und bringt daher zun\u00e4chst Vorteile f\u00fcr die innovativen Betriebe\nund deren Arbeitnehmer: Diese Unternehmen k\u00f6nnen vor\u00fcbergehend ihren\nMarktanteil, vielleicht auch ihre Gewinnspanne erh\u00f6hen und meist er\u00f6ffnen sich\nsogar Spielr\u00e4ume f\u00fcr Lohnerh\u00f6hungen bei den nicht eingesparten Arbeitskr\u00e4ften.\nSobald jedoch die Konkurrenz nachzieht, verschwinden die vor\u00fcbergehenden\nVorteile der innovativen Unternehmen und es resultiert in Summe nur ein mehr\noder weniger gro\u00dfer Verlust an Arbeitspl\u00e4tzen. Dieser aber kann nur\nausgeglichen werden, wenn an anderer Stelle zus\u00e4tzliche Arbeitsm\u00f6glichkeiten\nentstehen, weil man dort zus\u00e4tzliche Waren oder Dienstleistungen erzeugt, was\ngleichbedeutend ist mit entsprechendem Wirtschaftswachstum.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch alle<strong> anderen Formen <\/strong>des\nProduktivit\u00e4tsfortschritts, etwa der sparsamere Einsatz von Rohstoffen, oder\nderen Ersetzung durch synthetisch erzeugte Vorprodukte, f\u00fchren im Kapitalismus\nin letzter Konsequenz immer zu Wirtschaftswachstum. Dies liegt an dem schon von\nSchumpeter richtig beschriebenen Muster des Innovationswettbewerbs. Dabei\nversuchen die Innovatoren in den meisten F\u00e4llen sich durch die Entwicklung\nneuer, nicht so leicht imitierbarer Produkte oder Dienstleistungen <strong>Nischen<\/strong> zu schaffen, in denen sie vor\nder Preiskonkurrenz potentieller Mitbewerber gesch\u00fctzt sind und daher\nExtraprofite lukrieren k\u00f6nnen. M\u00e4rkte mit gegebenem (d.h. nicht wachsendem)\nNachfragevolumen k\u00f6nnen aber nur sehr begrenzt in Nischen unterteilt werden.\nDer eben beschriebene Innovationswettbewerb kann daher nur dann in gro\u00dfem Stil\n(d.h. von einer Vielzahl von Unternehmen) praktiziert werden, wenn die\nGesamtnachfrage entsprechend w\u00e4chst, was gleichbedeutend ist mit\nWirtschaftswachstum.<a href=\"#_edn16\">[16]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die verschiedenen Formen von\nProduktivit\u00e4tssteigerung sind nur Hebel, derer sich die einzelnen Kapitalien\nbedienen, um ihren individuellen Gewinn auf Kosten der Gewinne der Konkurrenz\nzu erh\u00f6hen. Und weil sich alle dieser Hebel bedienen, kommt es zu\ngesamtwirtschaftlichem Wachstum der Produktivit\u00e4t. Beim <strong>Produktivit\u00e4ts<\/strong>wachstum geht es also blo\u00df um die <strong>Verteilung<\/strong> der Summe aller Gewinne auf\ndie einzelnen Kapitalien. Beim <strong>Wachstum\ndes BIP<\/strong> dagegen steht die Gr\u00f6\u00dfe dieser Summe selbst zur Debatte: Nur wenn\ndie Gesamtwirtschaft entsprechend w\u00e4chst, kann die Summe der Gewinne wachsen.\nAngesichts eines wachsenden Bestands an privatem Kapital muss jene Gewinnsumme\naber wachsen, wenn es sich (im Durchschnitt) weiterhin lohnen soll, das\nvorhandene Kapital zu investieren. Und es muss weiterhin lohnend sein, jenes\nKapital zu investieren, sonst kommt der Wirtschaftskreislauf ins Stocken, was\nzum Sinken der Summe aller Gewinne f\u00fchrt. Mit anderen Worten: Ein von privaten\nRendite\u00fcberlegungen in Schwung gehaltener Wirtschaftskreislauf <strong>muss<\/strong> wachsen&nbsp;&#8211;&nbsp;oder er wird\nschrumpfen. Kurz gesagt: Der <strong>Kapitalismus\nist kein Gleichgewichtssystem<\/strong>. Das hat die marxistische Krisentheorie\nsp\u00e4testens im Gefolge der Weltwirtschaftskrise des vorigen Jahrhunderts erkannt<a href=\"#_edn17\">[17]<\/a>.\nUnd mittlerweile begreifen es auch die hellsten K\u00f6pfe unter den\nnicht-marxistischen Wachstumskritikern, wie etwa der Schweizer \u00d6konom Mathias\nBinswanger<a href=\"#_edn18\">[18]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>3. Postkeynesianische \u00d6konomie des Guten\nLebens<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>a. Darstellung<\/strong><\/a><strong><br>\n<\/strong>W\u00e4hrend sich die an einem\n&#8218;gel\u00e4uterten&#8216; Wachstum festhaltende Green Economy als Reaktion auf <strong>externe<\/strong> Klima- und Umweltprobleme\nversteht, hatte John Maynard Keynes schon in den Neunzehndrei\u00dfigerjahren ein\nZukunftsbild des Kapitalismus entworfen, in dem dieser auf eine \u00f6konomisch\nbegr\u00fcndete, also <strong>innere<\/strong>\nWachstumsgrenze st\u00f6\u00dft. Interessanterweise zeichnete Keynes dieses Bild einer\nmit Notwendigkeit stagnierenden Wirtschaft nicht als Dystopie, sondern als ein <em>&#8222;goldenes Zeitalter&#8220;, <\/em>in dem\nes den Menschen m\u00f6glich sein werde,<em> &#8222;<\/em><em>to live wisely, agreeably and well<\/em><em>&#8222;<a href=\"#_edn19\"><strong>[19]<\/strong><\/a><\/em>. Keynes wurde damit zum fr\u00fchen Vorreiter\njener derzeit immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Gruppe von \u00d6konom*innen, die daran\nglauben, dass man den Kapitalismus durch geeignete wirtschaftspolitische\nSteuerung in ein umwelt- und klimagerechtes Stadium der Stagnation \u00fcberf\u00fchren\nk\u00f6nne. Manche Positionen, wie etwa jene von Karl Georg Zinn, kn\u00fcpfen dabei ganz\nexplizit an Keynes Vision an<a href=\"#_edn20\">[20]<\/a>.\nZuletzt tritt aber an die Stelle der Rede vom <em>&#8222;goldenen Zeitalter&#8220;<\/em> immer \u00f6fter die Formulierung vom <em>&#8222;Guten Leben&#8220;<\/em>, das man durch\nWeiterentwicklung des Keynesschen Instrumentariums der weitaus \u00fcberwiegenden\nMehrheit aller Gesellschaftsmitglieder trotz fehlenden Wirtschaftswachstums\nsichern k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu ist zun\u00e4chst zu\nbemerken, dass der Topos des <strong>Guten\nLebens<\/strong> von recht diffuser Bedeutung ist.<a href=\"#_edn21\">[21]<\/a>\nEr wurde im Jahr 2000 in Lateinamerika von der Indigenenbewegung gepr\u00e4gt, fand\ndann Eingang in die neuen, unter reger Beteiligung des Volkes konzipierten\nVerfassungen von Bolivien und Ecuador und strahlte in der Folge immer st\u00e4rker\nauf die internationale Diskussion aus. Im Zentrum dieses Konzepts steht eine\nVorstellung von &#8217;nachhaltiger Entwicklung&#8216;, die sich als Alternative zu den vom\nglobalisierten Kapital bestimmten Entwicklungsmustern versteht und am Ideal\neiner Harmonie zwischen Mensch, Gesellschaft und Natur orientiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <strong>Mangel an weitergehender inhaltlicher Pr\u00e4zision<\/strong> ist das eigentliche\nErfolgsgeheimnis jenes neuen Begriffs. Denn er bietet Anschlussm\u00f6glichkeiten\nf\u00fcr ganz unterschiedliche \u00f6konomische Alternativkonzepte, die nur durch ihre\nGegnerschaft zur herk\u00f6mmlichen Wachstums\u00f6konomie geeint sind. Dieser Begriff\ngeistert mit unterschiedlicher Akzentuierung nicht nur durch die\nDegrowth-Bewegung und die feministisch gepr\u00e4gte Care-\u00d6konomie. Man begegnet ihm\nebenso in der \u00fcberwiegend links von der Sozialdemokratie angesiedelten und\nh\u00e4ufig \u00f6komarxistisch akzentuierten Diskussion um eine die Systemgrenzen des\nKapitalismus \u00fcberschreitende sozial-\u00f6kologische Transformation der\nGesellschaft&nbsp;&#8211;&nbsp;und eben auch in der (meist sozialdemokratisch\norientierten) post-keynesianischen \u00d6konomie. So bezeichnet etwa Kate Raworth,\nTr\u00e4gerin eines von SP\u00d6-Parlamentsklub und Renner-Institut verliehenen Preises\nf\u00fcr Wirtschaftspublizistik, ihr als Alternative zur neoklassischen bzw.\nneoliberalen<a href=\"#_edn22\">[22]<\/a> Wachstums-\u00d6konomie\nentworfenes Konzept als <em>&#8222;eine\n\u00d6konomie des guten Lebens&#8220;<\/em>.<a href=\"#_edn23\">[23]<\/a>\nUnd auch der bekannte Keynes-Biograph Robert Skidelsky gibt einem gemeinsam mit\nseinem Sohn verfassten Bestseller mit dem Titel <em>&#8222;Wieviel ist genug?&#8220; <\/em>den Untertitel <em>&#8222;Vom Wachstumswahn zu einer \u00d6konomie des guten Lebens&#8220;<\/em>.<a href=\"#_edn24\">[24]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Doch nun wieder zur\u00fcck zu\nKeynes&#8216; Befund eines an innere Wachstumsgrenzen sto\u00dfenden Kapitalismus. Er\nprognostiziert der nach dem Ende des zweiten Weltkriegs zun\u00e4chst rasch, dann\nlangsamer expandierenden Wirtschaft eine allm\u00e4hliche Stagnation. Denn einerseits\nwerde die Konsumg\u00fcternachfrage immer mehr an Dringlichkeit verlieren, w\u00e4hrend andererseits\ndurch laufende Akkumulation ein Kapital\u00fcberangebot entstehe, sodass infolge des\nZusammenspiels dieser beiden Tendenzen ein dauerhaftes Sinken der Rentabilit\u00e4t\nk\u00fcnftiger Investitionen (und damit der Investitionsbereitschaft) zu erwarten\nsei. Um die in dieser Situation drohende Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden\nund die Entwicklung in Richtung auf ein <em>&#8222;goldenes\nZeitalter&#8220;<\/em> zu drehen, seien vor allem <strong>drei Ma\u00dfnahmen<\/strong> erforderlich:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Eine gleichm\u00e4\u00dfigere\nVerteilung der Einkommen (durch eine Art &#8218;Volkskapitalismus&#8216; mit breit\ngestreutem Aktienbesitz), welche den noch weniger ges\u00e4ttigte Konsumbedarf der\nunteren Einkommensschichten besser zum Tragen bringen k\u00f6nne<\/li><li>Eine dauerhafte\nErh\u00f6hung des Anteils des Staates, der durch eine h\u00f6here Steuerquote\n\u00fcbersch\u00fcssiges Kapital abzusaugen habe und als Konsument von kollektiven G\u00fctern\n(Stichwort: materielle und soziale Infrastruktur) zur Stabilisierung der Gesamtnachfrage\nbeitragen m\u00fcsse, um das Einsetzen einer Abschwungdynamik zu verhindern<\/li><li>Eine\ndeutliche allgemeine Arbeitszeitverk\u00fcrzung, welche die durch Produktivit\u00e4tsanstiege\nbedingten Arbeitsplatzverluste ausgleichen k\u00f6nne und zugleich damit einen von\nentfremdeter Erwerbsarbeit freien Entfaltungsraum \u00f6ffnen w\u00fcrde<a href=\"#_edn25\">[25]<\/a><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend also der breit\nrezipierte konjunkturpolitische Keynes blo\u00df Rezepte f\u00fcr vor\u00fcbergehende\nWachstumseinbr\u00fcche lieferte, entwickelte der viel weniger bekannte\nLangfristprognostiker Keynes die Vision eines seine \u00f6kologischen Grenzen nicht\nmehr \u00fcberschreitenden Postwachstumskapitalismus, der an der Befriedung der im\nKapitalverh\u00e4ltnis systemisch angelegten Klassenkonflikte arbeitet und\nmenschliche Entwicklungspotentiale frei legt.<\/p>\n\n\n\n<p>Werfen wir nun am Beispiel\nder zuvor erw\u00e4hnten Kate Raworth einen kurzen Blick auf eines der an jener\nVision festhaltenden Konzepte. Raworth bezeichnet ihren Ansatz als <em>&#8222;<strong>Donut-\u00d6konomie<\/strong>&#8222;<\/em><a href=\"#_edn26\">[26]<\/a>und hat dabei das Bild eines\nringf\u00f6rmigen Donuts vor Augen. Dieser steht f\u00fcr einen <strong>Korridor<\/strong>, dessen innerer Rand durch die Mindeststandards Guten\nLebens definiert ist, w\u00e4hrend sein \u00e4u\u00dferer Rand mit den \u00f6kologischen Grenzen\nalles Wirtschaftens zusammenf\u00e4llt. Eine intelligente und nachhaltige Donut-\u00d6konomie,\nwelche die globale Wirtschaft durch diesen Korridor steuern wolle, d\u00fcrfe sich\nnicht mehr an dem f\u00fcr die Neoklassik noch als oberstes Ziel geltenden\nBIP-Wachstum orientieren. Raworth ruft daher zu einer <em>&#8222;<strong>BIP-Agnostik<\/strong>&#8222;<\/em>\nauf. Was wirklich z\u00e4hle, sei <em>&#8222;das\nWohlbefinden der Menschen&#8220;<\/em>, und ein m\u00f6glichst viele\nGesellschaftsmitglieder einschlie\u00dfendes Wohlbefinden sei nicht sicherzustellen,\nindem man die Wirtschaft undifferenziert ankurble.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Erwartung, dass so\nerzielte Zuw\u00e4chse dann irgendwann auch ganz unten ankommen, sei n\u00e4mlich ebenso\nvergeblich wie die Hoffnung, dass zus\u00e4tzliche Wirtschaftsdynamik eine\nnachtr\u00e4gliche Beseitigung aller durch das undifferenzierte Wachstum\nentstehenden Sch\u00e4den erm\u00f6glichen werde. Man m\u00fcsse daher eine <strong>von vornherein<\/strong> auf Verteilungsausgleich\nund Regeneration ausgerichtete Wirtschaft etablieren. Diese fu\u00dfe auf M\u00e4rkten,\ndie nach \u00fcbergeordneten Prinzipien wie Verteilungsgerechtigkeit,\nNachhaltigkeit, Vielfalt und Resilienz <em>&#8222;<strong>designt<\/strong>&#8222;<\/em> werden, wobei sich\njenes Design von M\u00e4rkten nicht am mechanischen Gleichgewichtsmodell der\nNeoklassik orientieren d\u00fcrfe. Vielmehr gelte es, ein systemisches Denken zu\npraktizieren, das Interdependenzen und R\u00fcckkoppelungseffekte ber\u00fccksichtige und\ndaher in der Lage ist, jene verh\u00e4ngnisvollen Fehlentwicklungen zu vermeiden,\ndie soziale und \u00f6kologische Kipppunkte \u00fcberschreiten.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>b. Einsch\u00e4tzung<\/strong><\/a><strong><br>\n<\/strong>Keimzelle s\u00e4mtlicher\nSpielarten der postkeynesianischen \u00d6konomie des Guten Lebens ist Keynes&#8216; Utopie\neines <em>&#8222;Goldenen Zeitalters&#8220;<\/em>.\nWir d\u00fcrfen uns ihr nur mit gro\u00dfer Vorsicht n\u00e4hern, stellte sie doch genau wie\ndie von der Geschichte widerlegte deterministische Interpretation des Marxismus\ndas politisch <strong>W\u00fcnschbare<\/strong> als\n\u00f6konomische <strong>Unvermeidlichkeit<\/strong> dar. W\u00e4hrend\nmarxistische Zusammenbruchstheoretiker dem Kapitalismus ein unausweichliches\nund zugleich erhofftes Ende vorhersagten, prognostizierte ihm Keynes die nicht\nvermeidbare Verwandlung in eine wachstumslose Wirtschaft. Diese sei dann durch\nkluge Politik so weit stabilisierbar, dass genau jene Entfaltung bisher\nversch\u00fctteter menschlicher Potentiale m\u00f6glich werde, die f\u00fcr Marxisten erst\nnach der \u00dcberwindung des Kapitalismus realisierbar erscheint.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben gibt es eine zweite,\nsehr wichtige Parallele zwischen marxistischer und keynesianischer\nLangfristbetrachtung. Jener Prozess, der im einen Fall die schiere Existenz des\nKapitalismus bedroht, im anderen jedoch blo\u00df zu dauerhafter Stagnation f\u00fchrt,\nhat n\u00e4mlich aus beiden Perspektiven <strong>dieselbe\nUrsache<\/strong>. Marx nennt diese Ursache den <em>&#8222;tendenziellen\nFall der Profitrate&#8220;<\/em>, w\u00e4hrend Keynes von der <em>&#8222;abnehmenden Grenzleistungsf\u00e4higkeit des Kapitals&#8220;<\/em>\nspricht. L\u00f6st man die marxistische Variante aus ihrem deterministischen\nKorsett, dann bleibt der <strong>von mir\ngeteilte<\/strong> Befund einer innerhalb der Systemgrenzen des Kapitalismus immer\nblo\u00df aufschiebbaren, aber nicht abzusch\u00fcttelnden Tendenz zur Verlangsamung des\nAkkumulationsprozesses. Anders als f\u00fcr Keynes ist aber f\u00fcr Marxisten die\nkapitalistische Wirtschaft prinzipiell nicht im Stadium eines langfristigen\nNullwachstums fixierbar. Denn sie haben, wie bereits oben festgestellt, in ihr ein<strong> System grunds\u00e4tzlichen Ungleichgewichtes<\/strong>\nerkannt, das immer nur zwischen Wachstum und Schrumpfung pendeln kann. Keynes&#8216;\nVision einer sozial und \u00f6konomisch stabilen Dauerstagnation erscheint daher aus\nihrer Perspektive als <strong>pure Illusion<\/strong>.\nDeren Realisierbarkeit kann auch nicht dadurch erh\u00f6ht werden, dass man Raworths\nVorschlag folgend komplexere Gleichgewichtsmodelle anwendet, welche die\nVerhinderung gravierender Abweichungen vom \u00f6konomischen Idealpfad durch\nBer\u00fccksichtigung von Interdependenzen und R\u00fcckkoppelungseffekten versprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese pessimistische\nEinsch\u00e4tzung ergibt sich aus der Perspektive der marxistischen\nArbeitswertanalyse und ist daher innerhalb des unzul\u00e4ssig verengten\nmethodischen Rahmens der (post-)&nbsp;keynesianischen \u00d6konomie nicht\nnachvollziehbar. Beschr\u00e4nkt man hier doch (so wie bei der neoklassischen\nKonkurrenz) alles Beobachten und Erkl\u00e4ren auf die durch <strong>Preise<\/strong> und deren Relationen gekennzeichnete <strong>Marktoberfl\u00e4che<\/strong>. Es fehlt daher jedes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den unter der\nOberfl\u00e4che ablaufenden Prozess der Schaffung und Aneignung von <strong>Arbeits-<\/strong> bzw. <strong>Mehrwert<\/strong>. Wegen der Ausblendung dieses unsichtbaren Vorgangs aus\nallen Analysen, kann man nicht erkennen, dass ein grunds\u00e4tzlicher Widerspruch\nzwischen <strong>kollektiver<\/strong> Produktion und <strong>privater<\/strong> Aneignung jenes Mehrwerts\nbesteht, der in weiterer Folge eine notwendig zum Ungleichgewicht tendierende\nDynamik der Kapitalakkumulation bewirkt.<a href=\"#_edn27\">[27]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Des Pudels Kern ist die zu\nArbeitswert gerinnende menschliche Arbeit. Weil der Mensch ein gr\u00f6\u00dferes Ma\u00df an\nArbeit vollbringen kann, als aufzuwenden ist, um seine Arbeitsf\u00e4higkeit zu\nerzeugen bzw. zu erhalten, ist ein Teil der geschaffenen Arbeitswerte Mehrwert.\nJedes Kapital muss sich m\u00f6glichst viel Mehrwert aneignen, wenn es die\nKonkurrenz mit anderen Kapitalien \u00fcberleben will. Der Mehrwert, als Substanz\nder an der Marktoberfl\u00e4che erscheinenden Wertsch\u00f6pfungen, fungiert daher im\nKapitalismus als Treibstoff eines prinzipiell auf Akkumulation angelegten\nWirtschaftens. Das Problem der vom (Post-) Keynesianismus angestrebten\nkapitalistischen Nullwachstumsgesellschaft mit dem Mehrwert liegt somit darin,\ndass das mittels BIP gemessene Wirtschaftswachstum <strong>Abbild<\/strong> jener vom Kapital vollzogenen Akkumulation von Mehrwert ist.\nDaraus resultieren zwei f\u00fcr den (Post-)&nbsp;Keynesianismus sehr unangenehme\nSchlussfolgerungen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Erstens\nmuss das BIP jeder kapitalistischen Gesellschaft wachsen, wenn sie nicht wegen\nr\u00fcckl\u00e4ufiger Kapitalakkumulation schrumpfen will.<\/li><li>Zweitens\nkann eine \u00f6konomisch stabile Nullwachstumsgesellschaft nicht nach den\nFunktionsprinzipien des Kapitalismus organisiert werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Raworth ist sich dieser\nProblematik offensichtlich nicht bewusst. Denn sie glaubt, die\nMainstream-\u00d6konomie habe sich die l\u00e4ngste Zeit nur deshalb sosehr am BIP\norientierte, weil <em>&#8222;<\/em><em>der Gedanke fortgesetzten\nProduktionswachstums sehr gut zu der allgemeinen Auffassung passte, dass\nFortschritt stets eine Vorw\u00e4rts- und eine H\u00f6herentwicklung sei&#8220;. <\/em>Diese\nVermutung stellt die tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse auf den Kopf. Die allgemeine\nAuffassung, dass Fortschritt stets eine H\u00f6herentwicklung sei, ist n\u00e4mlich nicht\nUrsache sondern <strong>Folge<\/strong> entsprechender\nErfahrungen in der kapitalistischen \u00d6konomie. Dar\u00fcber hinaus deutet die\ngenannte Vermutung auf ein grunds\u00e4tzliches Missverstehen der Bedeutung der\nMessgr\u00f6\u00dfe &#8218;BIP&#8216; hin. Ist dieses BIP doch eine n\u00e4herungsweise Abbildung der Summe\naller in der jeweils betrachteten Wirtschaftsperiode erzeugten Arbeitswerte. Vergleicht\nman jene Summe mit dem in der Vorperiode erzielten Ergebnis, erh\u00e4lt man eine\ngrobe Sch\u00e4tzung f\u00fcr das Gesamtvolumen des zuletzt erzeugten Mehrwerts. In\nRelation zum jeweils vorhandenen Kapitalstock ergibt sich daraus ein Hinweis\nauf die Entwicklung des Durchschnittsprofits, der seinerseits von\nentscheidender Bedeutung f\u00fcr die Dynamik der jeweiligen Wirtschaft ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Zusammenhang zwischen\ndem vom BIP gemessenen Wachstum und dem prinzipiell nur als auf- oder\nabw\u00e4rtsgerichtete <strong>Spirale<\/strong>, niemals\naber als <strong>Kreis<\/strong> vorstellbaren Muster\nder Kapitalakkumulation wird durch die von Raworth propagierte <em>&#8222;BIP-Agnostik&#8220;<\/em> verkannt.\nLetztere ist daher f\u00fcr jemanden, der die Steuerung einer kapitalistisch\norganisierten Wirtschaft verbessern m\u00f6chte, v\u00f6llig unangebracht. Gleiches gilt\nf\u00fcr s\u00e4mtliche Versuche, das BIP durch <strong>alternative\nMessgr\u00f6\u00dfen<\/strong> zu ersetzen, welche Wirtschaftsleistungen nur nach ihrer\nBedeutung f\u00fcr die Erzielung von Gutem Leben oder <em>&#8222;Gemeinwohl&#8220;<a href=\"#_edn28\"><strong>[28]<\/strong><\/a><\/em> beurteilen. Aus\nder Perspektive der marxistischen Arbeitswertanalyse verwechseln alle\nderartigen Messungen den <strong>Gebrauchswert<\/strong>\nvon G\u00fctern bzw. Leistungen mit ihrem vom Arbeitswert abgeleiteten <strong>Tauschwert<\/strong>. Denn sie messen die von den\nproduzierten G\u00fctern und Dienstleistungen repr\u00e4sentierten Gebrauchswerte,\nw\u00e4hrend die Dynamik der kapitalistischen Wirtschaft prim\u00e4r von der Entwicklung\nder auf den Arbeitswert bezogenen Tauschwerte aller Erzeugnisse und Leistungen\nabh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mangelndes\nVerstehen der Bedeutung des Mehrwerts f\u00fcr die Aufrechterhaltung der\nKapitalakkumulation ist auch Ursache f\u00fcr eine vermutlich allzu optimistische\nSicht des Postkeynesianismus auf die M\u00f6glichkeit einer Ausweitung des Anteils\nder \u00f6ffentlichen H\u00e4nde am Wirtschaftsgeschehen. Diese Strategie bew\u00e4hrt sich\ngl\u00e4nzend bei der Bew\u00e4ltigung krisenhafter Wirtschaftseinbr\u00fcche (Stichwort &#8218;Deficit Spending&#8216;). Denn jene\nEinbr\u00fcche resultieren aus einem die Kapitalakkumulation <strong>kurzfristig<\/strong> zum Stocken bringenden Mehrwertmangel. Und der kann\ndurch kreditfinanzierte <strong>Vorgriffe<\/strong>\ndes Staates <strong>auf erst k\u00fcnftig zu\nschaffenden Mehrwert<\/strong> vor\u00fcbergehend ausgeglichen werden. Vielleicht\nfunktioniert \u00c4hnliches auch noch in der zeitlich begrenzten Phase eines <em>&#8222;Green\nNew Deals&#8220;, <\/em>in deren\nVerlauf man die Wirtschaft dekarbonisiert. Was aber geschieht\ndanach, wenn man die Kapitalakkumulation aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden <strong>dauerhaft<\/strong> drosselt, sodass ein\nentsprechend dauerhafter Mehrwertmangel entsteht? In dieser Situation ist es\nh\u00f6chst fraglich, ob der Wirtschaftskreislauf bei einem\nNullwachstumsgleichgewicht stabilisiert werden kann, wenn man gleichzeitig den\nAnteil der \u00f6ffentlichen H\u00e4nde am gesamten Wirtschaftsgeschehen ausweitet, um\nden von der \u00d6konomie des Guten Lebens propagierten Ausbau der sozialen Infrastruktur und der\n\u00f6ffentlich angebotenen sozialen Dienstleistungen (Bildung, Gesundheit, Pflege,\n&#8230;) zu realisieren. Hier besteht wohl gr\u00f6\u00dfte Gefahr, dass durch das damit\neinhergehende Anwachsen von Staatsschuld und\/oder Steuerbelastung zus\u00e4tzlicher\nSand ins Getriebe kommt und eine krisenhafte Abw\u00e4rtsspirale einsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schranken einer die\nSystemgrenzen des Kapitalismus nicht \u00fcberschreitenden \u00d6konomie des Guten Lebens\nzeigen sich aber nicht erst in dieser (vorl\u00e4ufig noch weit entfernten) finalen\nPhase stabilen Nullwachstums. Auch schon in der noch ein wenig Wachstum ge\u00adstattenden\nGegenwart st\u00f6\u00dft jeder Versuch eines entschiedenen Ausbaues von sozialer In\u00adfrastruktur\nund \u00f6ffentlich angebotenen sozialen Dienstleistungen auf eine hohe \u00f6konomische\nH\u00fcrde. Das hier zu beachtende Hindernis ist ebenfalls wieder am deutlichsten\nsichtbar aus der Perspektive der marxschen Arbeitswerttheorie. Denn es beruht darauf,\ndass der Preis jeder Ware ma\u00dfgeblich von ihrem Arbeitswert abh\u00e4ngt, welcher\nseinerseits durch die Menge der f\u00fcr ihre Produktion <em>&#8222;gesellschaftlich notwendigen&#8220;<\/em> Arbeit gegeben ist.\nLetztere umfasst nicht nur die in ihrer unmittelbaren Fertigung enthaltenen\nT\u00e4tigkeiten, sondern auch die Gesamtheit aller begleitenden und vorauslaufenden\nAktivit\u00e4ten, von der Ausbildung der Arbeitskr\u00e4fte bis hin zur Sorgearbeit f\u00fcr\ndie noch nicht bzw. nicht mehr arbeitsf\u00e4higen Angeh\u00f6rigen der Arbeitskr\u00e4fte.\nDie Frage ist nun: <strong>Wer legt fest<\/strong>,\nwelche und wie viele von diesen nur indirekt im jeweiligen Arbeitswert\nenthaltenen Aktivit\u00e4ten wirklich <em>&#8222;gesellschaftlich\nnotwendig&#8220;<\/em> sind?<\/p>\n\n\n\n<p>In einer <strong>isolierten <\/strong>nationalen \u00d6konomie bestimmt\ndas der Staat bzw. die ihm zugrunde liegende politische Willensbildung. Wenn\nsie etwa entscheidet, dass f\u00fcr ein Gutes Leben viel mehr hochqualifizierte\nSorgearbeit als derzeit \u00fcblich erforderlich ist, dann wird der Arbeitswert und\nmit ihm der Durchschnittspreis aller in der betreffenden Wirtschaft gehandelten\nWaren entsprechend ansteigen. In einer <strong>globalisierten<\/strong>\n\u00d6konomie, in der immer gr\u00f6\u00dfere Teile des Warenangebots f\u00fcr einen weitgehend\nfreien Weltmarkt produziert werden, hat nun aber der einzelne Staat bzw. die\nihm zugrunde liegende politische Willensbildung jene Autonomie des Festlegens\nder Kriterien eines Guten Lebens verloren. Denn hier entscheidet die\ninternationale Konkurrenz der Warenanbieter mittels des Preismechanismus, was <em>&#8222;gesellschaftlich notwendig&#8220; <\/em>ist,\num ein bestimmtes Produkt zu erzeugen. Bei gegebener Qualit\u00e4t einer Ware setzen\nsich die jeweils billigsten Angebote durch. Und das sind die Exportprodukte aus\nden nationalen \u00d6konomien mit den niedrigsten Standards daf\u00fcr, was als ein <strong>gerade noch ertr\u00e4gliches Leben<\/strong>\nanzusehen ist. Gutes Leben f\u00fcr die gro\u00dfe Mehrzahl der Menschen r\u00fcckt daher mit\neinem freien Weltmarkt in weite Ferne.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eben ge\u00e4u\u00dferte Vorbehalt\nbezieht sich zwar prim\u00e4r auf jene Politik des Guten Lebens welche sich\nunmittelbar in h\u00f6heren Lohn- bzw. Lohnnebenkosten niederschl\u00e4gt. Er ist aber\nauch zu ber\u00fccksichtigen bei den \u00fcber h\u00f6here Besteuerung von Verm\u00f6gen und\nEinkommen oder \u00fcber Budgetdefizite finanzierten Ma\u00dfnahmen im Dienste eines\nGuten Lebens. Denn in beiden F\u00e4llen wirkt ebenfalls der limitierende Einfluss\nder internationalen Konkurrenz. Zu hohe Steuern beeintr\u00e4chtigen die sogenannte\n&#8218;Standortqualit\u00e4t&#8216; und f\u00fchren zu Kapitalflucht, w\u00e4hrend zu hohe Budgetdefizite\ndie W\u00e4hrung unter Druck bringen und die M\u00f6glichkeit des Staates, sich \u00fcber Anleihen\nzu finanzieren, verschlechtern. Gleichwohl bestehen hier (vor allem wegen des\naktuell sehr niedrigen Zinsniveaus) gewisse Spielr\u00e4ume f\u00fcr eine geschickte\nPolitik des Guten Lebens. Hat doch die Erh\u00f6hung der Lebensqualit\u00e4t bei den\nunteren Einkommensschichten auch positive Effekte f\u00fcr die Standortqualit\u00e4t.<a href=\"#_edn29\">[29]<\/a>\nEntscheidende Durchbr\u00fcche zu einem nachhaltig Guten Leben dieser\nBev\u00f6lkerungsgruppen werden aber auf diesem Weg sehr schwer zu erzielen sein.\nDenn sp\u00e4testens dann, wenn die Zinsen wieder steigen, wird auch die\nDefizitfinanzierung wieder zu einem gro\u00dfen Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Eng begrenzt sind nicht nur\ndie M\u00f6glichkeiten der \u00f6ffentlichen H\u00e4nde, durch vermehrte Aktivit\u00e4t selbst f\u00fcr\nGutes Leben zu sorgen. Betrachtet man die bisherigen &#8218;Erfolge&#8216; beim Bem\u00fchen,\ndie erforderliche Energiewende mit dem marktwirtschaftlichen Instrumentarium zu\nbew\u00e4ltigen, dann sind wohl auch gro\u00dfe Zweifel angebracht, ob durch das von Raworth\npropagierte <em>&#8222;Designen&#8220;<\/em> der\nM\u00e4rkte entscheidende Schritte in Richtung auf die \u00f6kosoziale Transformation\nunserer Wirtschaft gelingen k\u00f6nnen. Ganz generell sind offensichtlich die in\nder <strong>\u00f6konomischen Basis<\/strong> des\nKapitalismus verankerten Schranken f\u00fcr seine grundlegende \u00f6kosoziale\nTransformation sehr eng gezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus wirken auch\nim <strong>politischen \u00dcberbau<\/strong> dieses\nWirtschaftssystems Beharrungsmechanismen, denen der (Post-) Keynesianismus\nziemlich hilflos gegen\u00fcbersteht. Besonders deutlich zeigt sich das am Beispiel\nder schon von Keynes ins Spiel gebrachten Forderung, die durch den\nProduktivit\u00e4tsfortschritt &#8218;freigesetzten&#8216; Arbeitskr\u00e4fte mittels allgemeiner <strong>Arbeitszeitverk\u00fcrzung<\/strong> wieder in\nBesch\u00e4ftigung zu bringen. Aus \u00f6konomischer Perspektive w\u00e4re dieses Vorgehen\ndurchaus systemkonform. Denn rein rechnerisch ist eine solche allgemeine\nArbeitszeitverk\u00fcrzung selbst bei vollem Lohnausgleich v\u00f6llig <strong>kostenneutral<\/strong>. Es stehen ihr aber zwei <strong>politische Hindernisse<\/strong> entgegen. Zum\neinen w\u00fcrde dadurch der in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich angewachsene\nSockel an Arbeitslosen entscheidend verringert, was in weiterer Folge zu einer\nentsprechende St\u00e4rkung der gesellschaftlichen Position der Arbeitskr\u00e4fte sowie\nihrer gewerkschaftlichen und politischen Organisationen f\u00fchren m\u00fcsste. Zum\nanderen w\u00e4ren f\u00fcr die erfolgreiche Durchf\u00fchrung dieses Vorhabens gewaltige\n\u00f6ffentliche Anstrengungen bei der Umschulung von Arbeitskr\u00e4ften und eine\nwesentlich aktivere, an sektoralen Pl\u00e4nen orientierte Arbeitsmarkt- und\nWirtschaftspolitik erforderlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein solches Zusammenspiel\nvon gest\u00e4rkter gesellschaftlicher Position der Arbeitskr\u00e4fte und h\u00f6herer\nBedeutung von planorientierter Steuerung durch die \u00f6ffentlichen H\u00e4nde mag\ndurchaus auch in dem vom (Post-)&nbsp;Keynesianismus betonten <strong>langfristigen<\/strong> Interesse des Kapitals\nliegen. Denn man w\u00fcrde ja dadurch die Massenkaufkraft st\u00e4rken und die soziale\nSpaltung der Gesellschaft vermindern. F\u00fcr das politische Agieren des Kapitals\nund seiner Interessenvertreter sind aber meist <strong>kurzfristigere<\/strong> \u00f6konomische Ziele ausschlaggebend. Geht es doch f\u00fcr\njedes einzelne Kapital prim\u00e4r ums \u00dcberleben im Konkurrenzkampf, und da sitzt\ndas Hemd (sprich die eigene Lohnsumme) stets n\u00e4her als der Rock (sprich: die\nMassenkaufkraft). Langfristige Orientierungsmuster pr\u00e4gen das Agieren der\npolitischen Vertreter des Kapitals meist nur in dem Ausma\u00df, in dem sich die\nInteressen jener Einzelkapitalien bzw. Kapitalfraktionen durchsetzen, welche\ndie \u00f6konomische Kraft f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Zeitr\u00e4ume umfassende Planung aufbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben der eben skizzierten\nKonstellation von kurz- und langfristigen Interessen auf der Seite des Kapitals\nspielt auch der zuvor erw\u00e4hnte Arbeitslosensockel eine entscheidende Rolle beim\npolitischen Widerstand gegen alle Versuche, das System ausgehend von dem durch\nden (Post-)&nbsp;Keynesianismus beanspruchten Standpunkt der langfristigen\nInteressen aller Kapitalien zu reformieren. Hohe Sockelarbeitslosigkeit f\u00fchrt\nn\u00e4mlich zu einer sehr starken Bindung der meisten Arbeitskr\u00e4fte an die\nkurzfristigen Interessen ihrer aktuellen (bzw. potentiellen) Arbeitgeber. Dies\nhat zur Folge, dass alle auf langfristige Stabilit\u00e4t und Nachhaltigkeit des\ngesamten Wirtschaftssystems bezogenen Forderungen, die in Widerspruch zu jenen\nkurzfristigen Interessen der Einzelkapitale stehen, auch seitens der\nArbeitnehmer auf sehr breiten Widerstand sto\u00dfen. Und so <strong>sinken<\/strong> paradoxerweise die Chancen f\u00fcr die Realisierung einer\nallgemeinen Arbeitszeitverk\u00fcrzung in dem Ma\u00dfe, in dem jene\nSockelarbeitslosigkeit, welche sie abbauen soll, <strong>ansteigt<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>4. Postwachstums\u00f6konomie<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>a.\nDarstellung<\/strong><\/a><strong><br>\n<\/strong>Waren\ndie \u00f6konomischen Auseinandersetzungen um die Zukunft des Kapitalismus in der\nwestlichen Welt w\u00e4hrend des gesamten zwanzigsten Jahrhunderts von Neoklassik\nund (Post-)&nbsp;Keynesianismus bestimmt, so betrat nach der Jahrtausendwende\neine neue Bewegung die Diskussionsb\u00fchne. Sie sammelt sich seither unter den\nSchlagworten <strong>&#8218;Postwachstum&#8216;<\/strong> bzw. <strong>&#8218;Degrowth&#8216;<\/strong> und umfasst mittlerweile\neine Vielzahl sehr unterschiedlicher Ans\u00e4tze. Geeint werden sie durch die\n\u00dcberzeugung, dass Wachstum und nachhaltige Entwicklung unvereinbar sind und\ndaher durch alternative Wirtschaftsmuster ersetzt werden m\u00fcssen. Die folgende\nDarstellung wesentlicher Thesen dieser Bewegung konzentriert sich auf den\nAnsatz des bekannten Postwachstumstheoretikers Niko Peach, weil es sich dabei\num die derzeit wohl elaborierteste einschl\u00e4gige Position im deutschen\nSprachraum handelt.<a href=\"#_edn30\">[30]<\/a> Wenn ich sie anschlie\u00dfend\naus marxistischer Perspektive kritisiere, ist im Auge zu behalten, dass das\nbreite Spektrum der Postwachstums\u00f6konomie auch Konzepte umfasst, die dem marxistischen\nDenken n\u00e4her stehen als die hier beispielhaft dargestellte Position von Peach.<\/p>\n\n\n\n<p>Dessen\nvon vielen Degrowth-Bewegten geteilte Sicht auf das Thema &#8218;Wachstum&#8216;\nunterscheidet sich in einem wichtigen Punkt grunds\u00e4tzlich vom Problemzugang der\ndrei bisher mit einander verglichenen Ans\u00e4tze. Sowohl neoklassische \u00d6konomen\nals auch Postkeynesianer und Marxisten gehen bei ihrer Betrachtung der\nWirtschaft vom kapitalistisch verfassten <strong>Markt<\/strong>\naus. Dieser ist f\u00fcr sie das zentrale Instrument zur Steuerung der Entwicklung\nvon Produktion und Konsumtion. Und ihre Problemstellung besteht darin, unser\ndurch dieses Instrument gesteuertes Wirtschaften mit der Natur zu vers\u00f6hnen.\nDie Differenzen zwischen Neoklassik und Keynesianismus r\u00fchren vor allem aus\neiner jeweils unterschiedlichen Auffassung von der Rolle des Staates auf diesem\nMarkt. Und der Marxismus grenzt sich von den beiden anderen Ans\u00e4tzen nur durch\nzwei Besonderheiten ab. Er beachtet n\u00e4mlich zum einen bei all seinen Analysen\nneben den an der Marktoberfl\u00e4che ablaufenden Tauschvorg\u00e4ngen auch die diesen\nzugrunde liegenden, aber unsichtbaren Ausbeutungsbeziehungen. Zum anderen ist\nder Markt f\u00fcr ihn nicht das einzig denkbare Steuerungsinstrument. Ist er doch\n\u00fcberzeugt, dass Vers\u00f6hnung mit der Natur nur bei seiner Abl\u00f6sung durch eine auf\nkollektivem Eigentum an den Produktionsmitteln fu\u00dfende Planwirtschaft m\u00f6glich\nist.<\/p>\n\n\n\n<p>Peach\nsieht demgegen\u00fcber bei seinen \u00dcberlegungen zum Wachstumsproblem in unseren\n\u00f6konomischen Aktivit\u00e4ten zun\u00e4chst blo\u00df einen durch bestimmte Muster der\nArbeitsteilung und des Konsums gekennzeichneten Stoffwechsel mit der Natur.\nDass diese Produktions- und Konsumtionsmuster in eine kapitalistisch verfasste\nMarktwirtschaft eingebettet sind, spielt f\u00fcr ihn beim ersten Zugriff auf das\nProblem keine Rolle. Er fragt sich daher nicht, ob (bzw. inwieweit) die\njeweilige Gestalt dieser Muster das Resultat besagter Wirtschaftsordnung ist.\nTheoretische Zug\u00e4nge zur Wachstumsfrage, die bei ihren \u00dcberlegungen von den\nGesetzlichkeiten des kapitalistisch verfassten Marktes ausgehen, um die in\nihnen implizierten Wachstumszw\u00e4nge zu entsch\u00e4rfen, repr\u00e4sentieren f\u00fcr Peach\neine <em>&#8222;institutionelle\nPerspektive&#8220;<\/em>. Seine eigene Ann\u00e4herung an das Problem bezeichnet er\ndagegen als <em>&#8222;substanziell&#8220;<\/em>,\nweil er sie als Beispiel f\u00fcr <em>&#8222;weitreichendere\nKonzepte&#8220;<\/em> ansieht<a href=\"#_edn31\">[31]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Substanzieller\nbzw. weitreichender als der institutionelle Ansatz erscheint ihm diese\nAnn\u00e4herung an das Problem deshalb, weil man dabei die zu behebenden M\u00e4ngel\ngleichsam <strong>im Inneren<\/strong> jener\nProduktions- und Konsummuster sucht und nicht in ihrer\nkapitalistisch-marktwirtschaftlichen Organisation. Peach st\u00f6\u00dft bei dieser Suche\nauf <strong>zwei Hauptdefizite<\/strong> unseres\nStoffwechsels mit der Natur. Das eine besteht darin, dass die <strong>immer feiner gegliederte industrielle\nArbeitsteilung<\/strong> und die strikte <strong>Trennung\nvon Produktion und Konsumtion<\/strong> sowohl bei den Produzenten als auch bei den\nKonsumenten zu <strong>verantwortungslosem<\/strong>\nVerhalten f\u00fchren. Das andere Defizit sieht er in unmittelbar <strong>wachstumstreibenden Strukturmerkmalen<\/strong>\nunserer Produktions- und Konsumtionsmuster.<\/p>\n\n\n\n<p>Letztere\nkranken f\u00fcr ihn daran, dass der Nutzen vieler Konsumg\u00fcter vor allem symbolischer\nArt ist, weil er auf Distinktion, sozialem Prestige oder der Zugeh\u00f6rigkeit zu\neiner bestimmten gesellschaftlichen Gruppe fu\u00dft. Mit jedem Wachstumsschub\nk\u00f6nnen bestimmte Konsumenten ihren Status zulasten der relativen Position\nanderer Konsumenten verbessern. Diese werden in der Folge zu Bef\u00fcrwortern weiteren\nWachstums, sodass ein vom Statuswettbewerb in Gang gehaltener steter\nWachstumsdruck entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p>In\nder industriellen Produktion macht Peach drei strukturelle Wachstumstreiber\naus:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>den bereits bei Behandlung der Green\nEconomy erw\u00e4hnten Innovationswettbewerb, der nur bei wachsendem Gesamtvolumen\ndes jeweiligen Marktes funktioniert.<\/li><li>den jedes industrielle\nFremdversorgungssystem kennzeichnenden <em>&#8222;Aufbau\nfunktional hoch ausdifferenzierter&nbsp;&#8211;&nbsp;also\n&#8218;langer&#8216;&nbsp;&#8211;&nbsp;Wertsch\u00f6pfungsketten&#8220;<\/em>. Dabei entsteht notwendig Wachstum,\nweil jede zus\u00e4tzliche Aufgliederung der Produktionskette zwar die einzelne Ware\nverbilligt, aber dazu f\u00fchrt, dass insgesamt mehr gleichartige Waren produziert\nwerden.<\/li><li>den gesellschaftspolitischen Zwang,\nzumindest einen Teil der durch derartiges Produktivit\u00e4tswachstum frei gesetzten\nArbeitskr\u00e4fte wieder in die Produktion zu integrieren, was nur durch Ausweitung\ndes Wertsch\u00f6pfungsprozesses m\u00f6glich ist.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Peach\nversteht die von ihm propagierte nachhaltige Postwachstums\u00f6konomie in\nexpliziter Absetzung von Green Growth-L\u00f6sungen als ein <em>&#8222;\u00f6konomisches Reduktionsprogramm&#8220;<\/em> mit Versorgungsmustern,\nwelche <em>&#8222;die zeitgen\u00f6ssische\nKomfortzone in Frage stellen&#8220;.<\/em> Auf Basis einer gewiss m\u00fchsamen\nHerausbildung reduzierter Konsumerwartungen gelte es, das Gesamtvolumen der\nWertsch\u00f6pfung einerseits zur\u00fcckzufahren und andererseits so weit wie m\u00f6glich\nvon der <strong>globalen<\/strong> zur <strong>regionalen<\/strong> \u00d6konomie und von hier aus\nweiter zur <strong>Selbstversorgung<\/strong> der\nEndverbraucher zu verlagern. Dabei entstehe eine eng mit der industriellen\nProduktion verzahnte <strong><em>&#8222;moderne Subsistenz&#8220;<\/em><\/strong>, bei\nwelcher der Endverbraucher nicht mehr blo\u00dfer Konsument sei. Vielmehr werde er\ndurch eigenst\u00e4ndig erbrachte Inputs zu einem <em>&#8222;Prosumenten<\/em>&#8222;, der bei den global bzw. regional erzeugten\nProdukten eine entkommerzialisierte Nutzungsdauerverl\u00e4ngerung und\nNutzungsintensivierung erziele, die man als <strong>nicht-industrielle Verl\u00e4ngerung<\/strong> von Versorgungsketten auffassen\nk\u00f6nne.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>b.\nEinsch\u00e4tzung<\/strong><\/a><strong><br>\n<\/strong>Die\nhier am Beispiel Peachs pr\u00e4sentierte Postwachstums\u00f6konomie bereichert die\nDiskussion von Alternativen zur Wachstumsgesellschaft durch <strong>drei sehr wichtige Impulse<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>die entschiedene Zur\u00fcckweisung der\nM\u00f6glichkeit eines dauerhaft &#8217;sauberen&#8216; Wachstums auf Basis von\nProduktivit\u00e4tsfortschritt und &#8218;gr\u00fcner&#8216; Technologie<\/li><li>das Bekenntnis zu einem \u00f6konomischen\nReduktionsprogramm mit deutlich vermindertem individuellem Warenkonsum<\/li><li>die Einsicht, dass die in einer\nnachhaltigen \u00d6konomie grundlegend ver\u00e4nderten Produktions- und\nKonsumtionsmuster auch v\u00f6llig neu gestaltete Beziehungen zwischen Produzenten\nund Konsumenten implizieren<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Der\nerste Punkt findet weitgehende Zustimmung bei vielen Postkeynesianern und\nMarxisten. Bei den zwei anderen Punkten zeigen sich dagegen Differenzen zu den\nbeiden letztgenannten Positionen, die nun etwas n\u00e4her zu beleuchten sind.\nZuerst zu dem in <strong>Punkt&nbsp;zwei<\/strong>\nangesprochenen individuellen Warenkonsum. Hier geht es um das Thema des Guten\nLebens, das auch f\u00fcr die Degrowth-Bewegung eine wichtige Rolle spielt<a href=\"#_edn32\">[32]<\/a>. Man versteht darunter\naber nicht genau dasselbe wie die davor dargestellten Postkeynesianer.<\/p>\n\n\n\n<p>Peach\netwa gibt dem Ziel einer Vers\u00f6hnung des Menschen mit der Natur <strong>Vorrang<\/strong> vor allen der Vers\u00f6hnung des\nMenschen mit sich selbst dienenden gesellschaftlichen Strukturreformen. Diese\nstellen aus seiner Perspektive keine eigenst\u00e4ndigen Ziele dar, sondern k\u00f6nnen\nimmer <em>&#8222;nur Mittelcharakter\nhaben&#8220;<\/em>. Wie die Marxisten sehen dagegen die Post\u00adkeynesianer wegen\nihrer N\u00e4he zur gewerkschaftlich-sozialdemokratischen Gedankenwelt in der\nAufhebung gesellschaftlicher Widerspr\u00fcche ein ganz zentrales, eigenst\u00e4ndiges\nZiel. Gutes Leben hat deshalb in ihren Augen einen starken Akzent auf\numfassender sozialer Gerechtigkeit und besserer Verteilung der individuellen\nKonsumm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb\ndes Problemkreises der Vers\u00f6hnung des Menschen mit sich selbst geht die\nPostwachstumstheorie ebenfalls einen eigenen Weg. Denn f\u00fcr sie stehen die vom\nIndustrialisierungsprozess verursachten <strong>Aufspaltungen\ndes Kollektivs<\/strong> &#8218;Menschheit&#8216; in konkurrierende wenn nicht gar feindliche\nKlassen, Staaten, Regionen, usw. nicht so sehr im Zentrum ihrer Aufmerksamkeit\nwie die mit ihm verbundene <strong>Entfremdung\ndes<\/strong> <strong>Individuums<\/strong> von sich selbst.\nGutes Leben enth\u00e4lt daher f\u00fcr die Degrowth-Bewegten neben der Vers\u00f6hnung mit\nder Natur vor allem personenbezogene Zielvorstellungen wie &#8218;Entschleunigung&#8216;, &#8218;Zeitwohlstand&#8216;\nund &#8218;Konvivialit\u00e4t&#8216;<a href=\"#_edn33\">[33]<\/a>. Wegen geringerer\nRelevanz der mit gesellschaftlichen Spaltungstendenzen verbundenen\nVerteilungsproblematik ist den Postwachstums\u00f6konomen auch die Verteidigung\nindividueller Konsumchancen kein vorrangiges Anliegen. Den als unerl\u00e4sslich\nerachteten Verzicht auf viele uns ans Herz gewachsene Konsumg\u00fcter m\u00f6chte man\nmit jenen Gewinnen an Lebensqualit\u00e4t aufwiegen, die im Zuge der in <strong>Punkt drei<\/strong> erw\u00e4hnten grundlegenden\nUmgestaltung der Produktions- und Konsumtionsmuster entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei\ndieser Umgestaltung spielt die mit der &#8218;modernen Subsistenz&#8216; angesprochene\n\u00c4nderung des Verh\u00e4ltnisses der Konsumtion zur Produktion eine wichtige Rolle.\nSie ist aber nicht die einzige Alternative der Postwachstumstheorie zu der in\nder Green Economy unverdrossen beibehaltenen Orientierung am individuellen\nKonsum. Man betont n\u00e4mlich erg\u00e4nzend die Wichtigkeit des ressourcenschonenden\nUmstiegs auf <strong>kollektive<\/strong> Formen des\nKonsums. Dabei stimmt man zwar im Prinzip \u00fcberein mit Marxisten und\nPostkeynesianern<a href=\"#_edn34\">[34]<\/a>,\nes ist jedoch ein Akzentunterschied bei der Art des jeweils angestrebten\nkollektiven Konsums festzustellen. Die beiden letztgenannten Gruppen denken\nprim\u00e4r an zentral organisierte, \u00fcberregionale Konsumformen wie etwa den\n\u00f6ffentlichen Verkehr. Die Postwachstumsbewegung dagegen unterstreicht\nrichtigerweise auch die Relevanz von <strong>kleinteiligen,\ndezentralen<\/strong> Konsummustern (Stichworte: Gemeinsame Nutzung von Ge\u00adbrauchsg\u00fctern,\nTauschkreise, usw.), wobei man aber leider kaum \u00dcberlegungen zur Verkn\u00fcpfung\nbeider Spielarten des kollektiven Konsums anstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Umfang\nund Tiefe des Reformprogramms der Degrowth-Bewegung \u00fcberschreiten das Ausma\u00df\nder Ver\u00e4nderungsabsichten vieler Postkeynesianer und er\u00f6ffnen\nAnschlussm\u00f6glichkeiten zur Radikalit\u00e4t des marxistischen Zugangs zum\nWachstumsproblem. Dieser gemeinsamen Offenheit f\u00fcr eine grundlegende\nTransformation unseres Wirtschaftssystems stehen aber bedeutende Differenzen\nzwischen der von der Degrowth-Bewegung angestrebten Postwachstumsgesellschaft\nund der marxistischen Nachhaltigkeitsutopie gegen\u00fcber. Sie wurzeln im\nunterschiedlichen analytischen Zugang zur aktuellen Wachstums\u00f6konomie, der\ndaher nun etwas genauer zu betrachten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nGegensatz zu Peachs <em>&#8222;substanziellem&#8220;\n<\/em>Vorgehen weigert sich der <em>&#8222;institutionell&#8220;<\/em>\noperierende Marxismus, Wirtschaft auf einen Stoffwechsel zwischen Mensch und\nNatur zu reduzieren. Weil Wirtschaften kollektives Handeln ist, konstituiert es\nf\u00fcr ihn nie blo\u00df ein Verh\u00e4ltnis zwischen Mensch und Natur, sondern <strong>zugleich<\/strong> immer auch bestimmte\nVerh\u00e4ltnisse zwischen den Menschen. Und weil diese Verh\u00e4ltnisse stets gewisse\nEntscheidungs-, Kooperations- und Verteilungsmuster umfassen, handelt es sich dabei\nimmer um <strong>Herrschaftsverh\u00e4ltnisse<\/strong>.\nDas der jeweiligen Wirtschaftsform entsprechende Verh\u00e4ltnis des Menschen zur\nNatur entwickelt sich niemals unabh\u00e4ngig von diesen Herrschaftsverh\u00e4ltnissen,\nsondern wird stets durch sie beeinflusst. Im Kapitalismus \u00e4u\u00dfert sich diese\nunaufhebbare Herrschaftsproblematik unseres Stoffwechsels mit der Natur darin,\ndass alle Produkte Waren sind, die nur deshalb erzeugt werden, damit\nKapitalverwertung (sprich: Ausbeutung von Arbeitskraft) stattfinden kann. Die\nWare ist daher f\u00fcr Marx nicht einfach Ergebnis einer Gebrauchswerte schaffenden\n<strong>Arbeits<\/strong>t\u00e4tigkeit, sondern <strong>zugleich<\/strong> immer auch Resultat eines\nTauschwerte erzeugenden <strong>Verwertungs<\/strong>vorgangs.\nDas gesamte Produktionsgeschehen erscheint aus seiner Perspektive als eine von\nder Logik der Kapitalverwertung bestimmte, in sich widerspr\u00fcchliche <strong>Einheit von Arbeits- und Verwertungsprozess<\/strong>.<a href=\"#_edn35\">[35]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Peach\n<strong>unterschl\u00e4gt<\/strong> diese\nHerrschaftskomponente alles Wirtschaftens im Namen eines vermeintlich\nsubstanzielleren Zugangs zu unserem Stoffwechsel mit der Natur.\nKapitalverwertung ist f\u00fcr ihn daher nicht ein den gesamten Produktions- und\nKonsumtionsprozess durchdringendes Prinzip, sondern wird nur dort <strong>punktuell<\/strong> ins Spiel gebracht, wo es ihm\nf\u00fcr seine Argumentation gerade passt. Dadurch bleiben <strong>ganzheitliche bzw. systemische<\/strong> Effekte und Erfordernisse der\nKapitalverwertung unterbelichtet. Ein Beispiel f\u00fcr das \u00dcbersehen der\numfassenden Wirkungsmacht der Logik der Kapitalverwertung ist Peachs\nkurzschl\u00fcssige Vermutung, dass der <em>&#8222;industriell\narbeitsteilige Wertsch\u00f6pfungsprozess<\/em> &#8230; (durch den) <em>dabei eingesetzte<\/em>(n) <em>technische<\/em>(n)\n<em>Fortschritt fortw\u00e4hrend die\nArbeitsproduktivit\u00e4t steigert&#8220;<\/em>. Tats\u00e4chlich bietet die arbeitsteilige\nGestaltung der Wertsch\u00f6pfungsprozesse blo\u00df g\u00fcnstige <strong>Ansatzpunkte<\/strong> f\u00fcr derartigen technischen Fortschritt. Der <strong>Zwang<\/strong> zur kontinuierlichen und\nexzessiven Nutzung dieser M\u00f6glichkeiten resultiert dann erst aus den\nErfordernissen der Kapitalverwertung. Verfehlt ist deshalb auch der Versuch die\nKritik an den immanenten Wachstumszw\u00e4ngen des Kapitalismus durch Kritik am <em>&#8222;Produktivismus und<\/em><em>\n<\/em><em>Industrialismus&#8220;<\/em>\nzu ersetzen.<a href=\"#_edn36\">[36]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderes Beispiel f\u00fcr die Folgen des\nAusblendens systemischer \u00dcberlegungen ist das fehlende Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die\nZusammenh\u00e4nge zwischen Konsumtion und Produktion in einer von der Logik der\nKapitalverwertung gepr\u00e4gten Wirtschaft. Wegen dieses blinden Flecks \u00fcbersieht\nPeach bei seiner Kritik an dem vom Konsumwettbewerb ausgehenden Wachstumszwang,\ndass die meisten Wettbewerbs- und Wachstumsaspekte unseres Konsumverhaltens\nblo\u00dfe <strong>Reflexe<\/strong> der im Bereich der\nProduktion wirkenden Wettbewerbs- und Wachstumszw\u00e4nge sind (Stichworte:\nMarketing, Werbung). Im Gefolge dieses Fehlers versteigt sich dann zu einer\nv\u00f6llig \u00fcberzogenen und verzerrten moralischen Anklage gegen das Konsumieren als\nsolches. F\u00fcr ihn besteht<em> &#8222;das\nWesensprinzip des Konsumierens &#8230; darin, sich &#8230; den materiellen Ertrag der\nandernorts verbrauchten Ressourcen und Fl\u00e4chen zunutze zu machen.&#8220; <\/em>Diese\nErtr\u00e4ge aber sind aus seiner Perspektive blo\u00df eine der Natur abgerungene <em>&#8222;Beute, die aus \u00f6kologischer Sicht gar\nnicht erst h\u00e4tte entstehen d\u00fcrfen und die zweitens alles andere als \u00bbverdient\u00ab\nund \u00bberarbeitet\u00ab wurde.<\/em><em>&#8222;<a href=\"#_edn37\"><strong>[37]<\/strong><\/a> <\/em>Hauptschuldiger\nan dieser Ausbeutung der Natur ist f\u00fcr Peach niemand anderer als das einst\nselbst ausgebeutete Proletariat. In diesem Sinne kritisiert er bei Marx die\nVerengung des Ausbeutungsbegriffs auf ein innergesellschaftliches\nHerrschaftsverh\u00e4ltnis und fragt polemisch, warum das zu einer <em>&#8222;globale(<\/em>n<em>) Konsumentenklasse&#8220;<\/em> herangereifte Proletariat, dessen <em>&#8222;<\/em><em>ruin\u00f6ser Lebensstil inzwischen die \u00f6kologische\nKapazit\u00e4t mehrerer Planeten verschlingt, aus marxistischer Sicht nicht auch als\n\u00bbausbeuterisch\u00ab bezeichnet&#8220; <\/em>wird.<a href=\"#_edn38\">[38]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Diese\nProblembeschreibung ist so grotesk verzerrt, dass man sie durchaus als\nb\u00f6swillig bezeichnen kann. Denn sie <strong>verschleiert<\/strong>,\ndass der Antrieb f\u00fcr die immer brutalere und immer universellere Ausbeutung der\nNatur in den von der Logik der Kapitalverwertung ausgehenden Handlungszw\u00e4ngen\nliegt und nicht in den Konsumw\u00fcnschen der lohnabh\u00e4ngigen Arbeitskr\u00e4fte. Die\neigentliche Ursache f\u00fcr die immer sch\u00e4rfere Ausbeutung der Natur durch den\nMenschen ist also die Existenz einer auf der Ausbeutung des Menschen durch den\nMenschen fu\u00dfenden Wirtschaftsordnung, in welcher der Konsum gar nicht eines der\nZiele des Wirtschaftens ist, sondern blo\u00df ein Zwischenstadium in dem\nallesbestimmenden Prozess der Selbstverwertung des Kapitals. Mehr dazu im\nabschlie\u00dfenden Kapitel \u00fcber Strategien der Transformation.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben\nseiner Analyse des Ist-Zustands leidet auch Peachs Skizzierung des m\u00f6glichen\nWeges in die Postwachstumsgesellschaft an fehlendem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Enge\nder Verflechtung von Arbeits- und Verwertungsprozess. So m\u00fcsste etwa die von\nihm angestrebte sukzessive Ersetzung von Teilen der globalen und regionalen Warenproduktion\ndurch &#8218;moderne Subsistenz&#8216; dem verbleibenden Rumpfsystem der industriellen Kapitalverwertung\neine immer gr\u00f6\u00dfere Menge menschlicher Arbeit entziehen. Letztere ist aber als\neinzige Quelle von Mehrwert der &#8218;Treibstoff&#8216; des Verwertungsprozesses. Peachs\nWeg in eine nachhaltige Wirtschaft w\u00fcrde somit den weiterhin kapitalistisch\norganisierten industriellen Nukleus der Postwachstumsgesellschaft in eine\nschwere Dauerkrise st\u00fcrzen. Die erhoffte <em>&#8222;Synchronisation\nvon Industrier\u00fcckbau und kompensierendem Subsistenzaufbau&#8220;<\/em> erscheint\ndaher als eine <strong>Entwicklungsidylle<\/strong>,\ndie nicht weniger illusion\u00e4r ist als der postkeynesianische Traum von einem\nlangfristig stabilen Nullwachstumskapitalismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nUntersch\u00e4tzung der zentralen Rolle des institutionellen Rahmens unseres\nWirtschaftens beeintr\u00e4chtigt dar\u00fcber hinaus Peachs Pl\u00e4ne f\u00fcr die Organisation\ndes industriellen Nukleus der Postwachstumsgesellschaft. Diese umfassen zwar\nExperimente mit ver\u00e4nderten <em>&#8222;Unternehmensformen\nwie Genossenschaften, Non-Profit-Organisationen&#8220; <\/em>oder Konzepten<em> &#8222;des solidarischen Wirtschaftens&#8220;<\/em>,\nweil man damit wachstumstreibende <em>&#8222;Gewinnerwartungen\nd\u00e4mpfen&#8220;<\/em> k\u00f6nnte. Alle derartigen Reformen verbleiben aber <strong>innerhalb der Systemgrenzen <\/strong>einer von\nKonkurrenz und Gewinnorientierung gesteuerten Marktwirtschaft. Denn Peachs\nexplizit nicht-institutioneller Problemzugang erschwert es wohl, eine\ngrundlegende \u00c4nderung der Eigentumsverh\u00e4ltnisse ins Auge zu fassen, um damit\njene Wachstumszw\u00e4nge und Krisentendenzen bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, die im\nregional-globalen Industrieskelett seiner Postwachstumsgesellschaft fortwirken.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine\nFehleinsch\u00e4tzung der Rolle des institutionellen Rahmens unseres Wirtschaftens\nkennzeichnet schlie\u00dflich auch Peachs Zukunftsvision einer Alternative zu den\ngro\u00dfen technisch-institutionellen Apparaten der Industrie. In Anlehnung an Ivan\nIllich sieht er in ihnen eine Bedrohung des Individuums, weshalb man man sie im\nSinne von Leopold Kohrs <em>\u201eKleine-Einheiten-Prinzip&#8220;<\/em>\ndurch eine <em>&#8222;de-globalisierte,\nwom\u00f6glich regionalisierte \u00d6konomie&#8220;<\/em> ersetzen sollte. Diese kleinen\nEinheiten g\u00e4lte es nat\u00fcrlich im Rahmen einer umfassenden\nNachhaltigkeitsstrategie \u00fcberregional, ja weltweit zu koordinieren. \u00dcber die\n\u00f6konomische bzw. politische Basis dieser Koordination erf\u00e4hrt man jedoch nichts\nbei Peach. Wie im Fall der oben angesprochenen Frage der Verkn\u00fcpfung von\nkleinr\u00e4umigen und \u00fcberregionalen Formen des kollektiven Konsums zeigt sich also\nauch hier wieder ein konzeptionelles Defizit der Postwachstums\u00f6konomie beim\nVerbinden von dezentralen mit zentralen Aktionsmustern.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>5.\nFeministische Wirtschaftstheorie des Sorgens<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>a.\nDarstellung<\/strong><\/a><strong><br>\n<\/strong>Sorgearbeit\n(Care Work) ist seit je eines der zentralen Themenfelder der feministischen\n\u00d6konomie. Urspr\u00fcnglich ging es dabei nur um jenes Sorgen f\u00fcr andere Menschen,\nwelches unbezahlt innerhalb der Haushalte stattfindet und bis heute \u00fcberwiegend\nauf den Schultern von Frauen liegt. In der ersten Phase der wissenschaftlichen\nAufarbeitung dieses Themas bem\u00fchte man sich einfach darum, die von der\nMainstream-\u00d6konomie und ihrer Statistik weitgehend ausgeblendete Sorgearbeit <strong>sichtbar zu machen<\/strong> und ihre Bedeutung f\u00fcr\ndas klaglose Funktionieren des gesamten Wirtschaftssystems darzustellen.<a href=\"#_edn39\">[39]<\/a> Anschlie\u00dfend kam es dann\nzu einer nun kurz zu skizzierenden Weiterentwicklung dieser Aufgabenstellung,\nim Zuge derer sich die Care-Thematik schlie\u00dflich eng mit den Diskussionen \u00fcber\ndas Ende des Wachstums verkn\u00fcpfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst\nwurde den mit Care Work befassten \u00d6konominnen immer deutlicher bewusst, dass in\nden von ihnen untersuchten Sorgebeziehungen ein Interaktionsmuster dominiert,\ndas nicht unter die vom neoklassischen Paradigma postulierte Handlungslogik\nsubsumierbar ist. Letztere unterstellt einen zweckrational orientierten Akteur,\nden sogenannten &#8218;homo&nbsp;oeconomicus&#8216;, der ausschlie\u00dflich seine eigenen,\ng\u00e4nzlich egoistischen Interessen verfolgt.<a href=\"#_edn40\">[40]<\/a> Sorgebeziehungen sind\ndemgegen\u00fcber seitens der Sorgenden gekennzeichnet durch Zuwendung zum jeweils\numsorgten Gegen\u00fcber, auf dessen W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse mit Feingef\u00fchl\neinzugehen ist. Dies hat unter anderem zur Folge, dass sich die f\u00fcr die\nSorgearbeit charakteristischen Zeitstrukturen und Zeitbedarfe gegen alle von\nder Handlungslogik des homo&nbsp;oeconomicus diktierten Versuche der\nRationalisierung und Zeiteinsparung sperren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nEtablierung des neoliberalen Akkumulationsregimes f\u00fchrte zu einer dramatischen <strong>Zuspitzung der Widerspr\u00fcche zwischen beiden\nHandlungslogiken<\/strong>. Denn einerseits st\u00fctzte sich nun die Ausbeutung\nmenschlicher Arbeitskraft vermehrt auf die Lohnarbeit der Frauen, was eine\ngravierende Destabilisierung der Familien zur Folge hatte. Andererseits fand\nkompensatorisch eine massive Verwandlung von urspr\u00fcnglich famili\u00e4ren\nSorgeleistungen in externe Erwerbsarbeit statt (Stichwort: &#8218;Kommodifizierung\nvon Sorgearbeit&#8216;)<a href=\"#_edn41\">[41]<\/a>.\nDie Antwort der feministischen \u00d6konominnen auf diese brisante Konstellation war\ndie Entwicklung einer neuen <strong>Wirtschaftstheorie\ndes Sorgens<\/strong> (Care-\u00d6konomie), die sich in zwei entscheidenden Punkten\nexplizit als Gegenentwurf zur neoklassischen \u00d6konomie versteht:<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nerste betrifft den <strong>Gegenstandsbereich<\/strong>\nder \u00d6konomie. W\u00e4hrend sich die herk\u00f6mmliche Wirtschaftswissenschaft fast\nausschlie\u00dflich mit Marktprozessen und Geldstr\u00f6men befasst, konzentriert sich\ndie Wirtschaftstheorie des Sorgens als eine <em>&#8222;<strong>Lebenswelt\u00f6konomie<\/strong> auf die Versorgung\nder Menschen durch bezahlte und unbezahlte Arbeit&#8220;<\/em>.<a href=\"#_edn42\">[42]<\/a> Der zweite Punkt betrifft\ndie <strong>Grunds\u00e4tze<\/strong> des Wirtschaftens,\nwelche das von feministischen \u00d6konominnen gegr\u00fcndete <em>&#8222;Netzwerk Vorsorgendes Wirtschaften&#8220;<\/em> folgenderma\u00dfen\nbestimmt: <em>&#8222;Kooperation statt\nKonkurrenz, Vorsorge statt Nachsorge, Orientierung am Lebensnotwendigen statt\nan monet\u00e4ren Gr\u00f6\u00dfen&#8220;<a href=\"#_edn43\"><strong>[43]<\/strong><\/a>\n<\/em>&#8211; wobei an dieser Stelle wieder unser altbekanntes <em>&#8222;Gutes Leben&#8220;<\/em> auftaucht. Denn man definiert das\nLebensnotwendige als das <em>&#8222;f\u00fcr das\nGute Leben Notwendige&#8220;<\/em>.<a href=\"#_edn44\">[44]<\/a> Der Geltungsanspruch\ndieser neuen Grunds\u00e4tze geht weit \u00fcber die Grenzen der Reproduktionssph\u00e4re\nhinaus. Sie werden n\u00e4mlich von den Care-Theoretiker\u00adinnen <em>&#8222;als allgemeine Prinzipien betrachtet, die auch f\u00fcr die bezahlte\nErwerbswirtschaft g\u00fcltig sind und eine sozial und \u00f6kologisch zukunftsf\u00e4hige\nWirtschaftsweise unterst\u00fctzen w\u00fcrden.&#8220;<a href=\"#_edn45\"><strong>[45]<\/strong><\/a>\n<\/em>Das der Wirtschaftstheorie des Sorgens zugrunde liegende Verst\u00e4ndnis von\nCare wurde damit so umfassend, dass es <em>&#8222;auch\ndie Sorgearbeiten f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen und Natur, Tiere und Pflanzen mit\nein<\/em>(schlie\u00dft).<em>&#8222;<\/em><a href=\"#_edn46\">[46]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt\nwird klar, wieso sich im Gefolge der skizzierten Weiterentwicklung der\nfeministischen \u00d6konomie die Care-Thematik eng mit den Diskussionen \u00fcber das\nEnde des Wachstums verkn\u00fcpfte. Denn ein \u00f6konomisches Programm, das die gesamte\nWirtschaft und deren Verh\u00e4ltnis zur Natur der Logik des Sorgens unterwerfen\nwill, trifft ziemlich genau den Punkt, an dem sich die angestrebte\nPostwachstumsgesellschaft von der unseren unterscheiden soll. Es ist daher\ngeradezu selbstverst\u00e4ndlich, dass sich \u00d6konominnen und Frauennetzwerke seit der\nUN-Konferenz \u00fcber Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 immer\nintensiver in die internationale Auseinandersetzung um ein sozial und\n\u00f6kologisch nachhaltiges Wirtschaften einschalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie\ntun dies zwar vor dem Hintergrund ihres gemeinsamen Leitgedankens einer\nanzustrebenden \u00d6konomie des Sorgens. Dieser Leitgedanke tr\u00e4gt jedoch bei all\nihren konkreten Analysen und Handlungsvorschl\u00e4gen unterschiedliche &#8218;F\u00e4rbungen&#8216;.\nLetztere sind vom theoretischen Umfeld gepr\u00e4gt, vor dessen Hintergrund die\njeweilige \u00d6konomin ihre Care-Perspektive entwickelt. Es gibt daher Lesarten des\nCare-Konzepts, die auf einen marxistischen oder einen postkeynesianischen\nHintergrund verweisen, oder aber eher dem Umfeld der Postwachstumsbewegung\nzuzuordnen sind. Verbindungen zwischen der neoliberalen Green Economy und einer\nernst gemeinten Care-Perspektive sind dagegen nur sehr schwer vorstellbar, da\nsich ja das Sorge-Prinzip als Gegenentwurf zum Menschenbild der Neoklassik\nversteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen\nvon diesen durch individuelle Forschungsbiographien erkl\u00e4rbaren Relationen\nzwischen verschiedenen Spielarten des Care-Konzepts und den \u00fcbrigen hier\nbetrachteten Ans\u00e4tzen fielen mir bei meinen Recherchen folgende N\u00e4he- bzw.\nDistanzverh\u00e4ltnisse auf:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Eine wichtige <strong>Gemeinsamkeit<\/strong> des Care-Konzepts mit den drei anderen\nGegenpositionen zur neoliberalen Green Economy besteht darin, dass man der\naktuellen Wachstums\u00f6konomie die Idee eines Wirtschaftens gegen\u00fcberstellt, das\neinen nicht von Profiterfordernissen diktierten, bewusst vorsichtigen Umgang\nmit seinen humanen und nat\u00fcrlichen Ressourcen pflegt.<\/li><li>\u00c4hnlich wie bei Postkeynesianern und \u00d6komarxisten\nliegt bei den Vertreterinnen des Care-Konzepts tendenziell ein st\u00e4rkeres\nGewicht auf <strong>sozialer<\/strong> Nachhaltigkeit\nals bei den Degrowth-Bewegten, die ihrerseits zumeist den <strong>\u00f6kologischen<\/strong> Aspekt der Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen.<a href=\"#_edn47\">[47]<\/a><\/li><li>Im Verh\u00e4ltnis des Care-Ansatzes zur\nPostwachstumsbewegung deuten sich f\u00fcr mich zwei weitere Akzentunterschiede an:\nVielen Degrowth-Bewegten scheint es im Hinblick auf die Umweltressourcen vor\nallem um deren m\u00f6glichst vollst\u00e4ndige <strong>Erhaltung<\/strong>\nzu gehen. Im Care-Ansatz ist dieses Anliegen noch enger verkn\u00fcpft mit dem\nBem\u00fchen um ein qualitativ neues (partnerschaftliches, sorgendes) <strong>Verh\u00e4ltnis zur Natur<\/strong>. Ferner d\u00fcrften\nviele Anh\u00e4nger der Postwachstumsbewegung beim Umgang mit den Umweltressourcen\nprim\u00e4r an <strong>verminderte Inanspruchnahme<\/strong>\ndenken, w\u00e4hrend Vertreterinnen des Care-Ansatzes eher den Wechsel von der\naktuell dominierenden Reparaturgesinnung zu vorausschauendem <strong>Pr\u00e4ventions- und Vorsorgeverhalten<\/strong>\nanstreben.<\/li><li>Eine strukturelle N\u00e4he zwischen Care\nund Degrowth resultiert dagegen aus der Konzentration der Care-Theoretikerinnen\nauf die in den Haushalten geleistete unbezahlte Sorgearbeit und deren\nVerzahnung mit bezahlter Sorgearbeit. Hier ergeben sich Querverbindungen zum\nPostwachstums-Konzept der &#8218;modernen Subsistenz&#8216;, das auf eine optimierte\nVerzahnung von Selbstversorgung und industrieller Produktion abstellt.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><a><strong>b.\nEinsch\u00e4tzung<br>\n<\/strong><\/a>Die\nfeministische \u00d6konomie und die in ihrem Kontext entstandene Wirtschaftstheorie\ndes Sorgens bringen zwei wesentliche Beitr\u00e4ge in die Kritik der\nWachstumsgesellschaft ein. Zum einen lenken sie unseren Blick auf die in der\nSph\u00e4re der Reproduktion stattfindende gesellschaftliche Arbeit und verweisen\nauf gravierende Defizite der m\u00e4nnerdominierten \u00f6konomischen Lehre bei deren\nAnalyse.<a href=\"#_edn48\">[48]<\/a> Zum anderen machen sie\ndeutlich, dass vor allem in den nicht-gewerblichen Bereichen der Reproduktionssph\u00e4re\nArbeits- und Kooperationsformen dominieren, die f\u00fcr ein sozial und \u00f6kologisch\nnachhaltiges Wirtschaften von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung sind. W\u00e4hrend der Marxismus die\nin der Produktionssph\u00e4re des Kapitalismus dominierenden Muster eines durch\nVerwertungszw\u00e4nge entstellten Arbeitens <strong>aufheben<\/strong>\nund durch nicht-entfremdete Arbeit <strong>ersetzen<\/strong>\nwill, m\u00f6chten die Care-Theoreti\u00adkerinnen die in den nicht-gewerblichen\nBereichen der Reproduktionssph\u00e4re anzutreffende Handlungslogik <strong>verallgemeinern<\/strong> bzw. zu einem unsere\nGesamtwirtschaft leitenden Verhaltensprinzip <strong>aufwerten<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer Utopie\nunterscheiden sich also Marxisten und Care-Theoretikerinnen nur wenig\nvoneinander. Die einen denken dabei an die von Marx erw\u00e4hnte <em>&#8222;freie bewusste T\u00e4tigkeit&#8220;<\/em>,\nwelche f\u00fcr ihn ein Gegenbild der im Kapitalismus vorgefundenen Arbeit war, bei\nwelcher der Mensch sich von der Natur, von seinem Mitmenschen und von seinem <em>&#8222;menschlichen Gattungswesen&#8220;<a href=\"#_edn49\"><strong>[49]<\/strong><\/a><\/em> entfremdet. Die\nanderen haben dabei das von Kooperationsbereitschaft, Empathie und\nzukunftsorientierter Umsicht gekennzeichnete Sorgehandeln im Auge. Ich selbst\nhalte letzteres f\u00fcr einen \u00e4u\u00dferst wichtigen Spezialfall von Marxens freier\nbewusster T\u00e4tigkeit, w\u00e4hrend manche Care-Theoretikerinnen dazu neigen, das\nHandlungsmuster des Sorgens zum allgemeinen \u00dcberbegriff f\u00fcr alle\nWirtschaftst\u00e4tigkeit aufzublasen.<a href=\"#_edn50\">[50]<\/a>\nAber diese kleine Differenz sei nur am Rande vermerkt. Wichtiger erscheint mir\nfolgendes Problem mancher Zug\u00e4nge zur \u00d6konomie des Sorgens:<\/p>\n\n\n\n<p>Verkn\u00fcpft man das Konzept\ndes Sorgehandelns nicht von vornherein systematisch mit den Befunden einer\numfassenden (am besten nat\u00fcrlich: marxistischen) Wirtschafts- und\nGesellschaftsanalyse, kann daraus sehr leicht ein Idealmodell wirtschaftlichen\nHandelns werden, dessen Bez\u00fcge zur Logik der Kapitalverwertung im Unklaren\nbleiben. Wird etwa behauptet, <em>&#8222;das\nHandlungsmodell des Sorgens <\/em>(k\u00f6nne)<em>\nals allgemeines und \u00fcbergeordnetes Handlungsmodell betrachtet werden, von dem\nder homo oeconomicus eine extreme Sonderform darstellt&#8220;<\/em><a href=\"#_edn51\">[51]<\/a>,\ndann muss man im Sinne der geforderten systematischen Verkn\u00fcpfung nat\u00fcrlich\nweiterfragen,<\/p>\n\n\n\n<ul><li>wie es\ngeschehen konnte, dass jene <em>&#8222;extreme\nSonderform&#8220;<\/em> wirtschaftlichen Handelns zum alles dominierenden\nHandlungsmuster eines weltumspannenden Wirtschaftssystems wurde, das der <em>&#8222;\u00fcbergeordneten&#8220;<\/em> Handlungsform\ndes Sorgens lange Zeit nur ein Schattendasein an den R\u00e4ndern der\nErwerbswirtschaft zugestand,<\/li><li>wieso\ndiese <em>&#8222;\u00fcbergeordnete&#8220;<\/em>\nHandlungsform des Sorgens dort, wo man sie neuerdings auch in die\nErwerbswirtschaft hereinholt, massiv beeintr\u00e4chtigt wird durch die von der\nHandlungslogik des homo oeconomicus ausgehenden Verhaltenszw\u00e4nge,<\/li><li>und wo\nsich in dem System globaler Kapitalverwertung Ansatzpunkte f\u00fcr die Entwicklung\nzivilgesellschaftlicher und politischer Bewegungen zeigen, welche die\ndominierende Handlungslogik des homo oeconomicus ernsthaft in Frage stellen\nk\u00f6nnten.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Bei unzureichender oder\nfehlerhafter Beantwortung dieser und weiterer \u00e4hnlich gelagerter Fragen, kann\nanalog zu der oben am Beispiel von Nico Peach dargestellten\nPostwachstums\u00f6konomie die <strong>Illusion<\/strong>\nentstehen, dass die angestrebte Neuorientierung der Wirtschaftsbetrachtung und\ndes wirtschaftlichen Handelns <strong>innerhalb\nder Grenzen<\/strong> der kapitalistischen \u00d6konomie realisierbar sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie weit das Idealmodell des\nSorgehandelns die engen Grenzen der unserer \u00f6konomischen Realit\u00e4t \u00fcberschreitet\n(wie illusion\u00e4r also die Vorstellung ist, es k\u00f6nne im aktuellen\nWirtschaftssystem je zum dominanten Handlungsprinzip werden), zeigte sich\nk\u00fcrzlich schlaglichtartig beim verbalen Vorgepl\u00e4nkel zu einem Arbeitskonflikt\nin einem wichtigen heimischen Unternehmen. Als dieses coronabedingt in\nSchieflage geriet, klagte seine forsche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin \u00fcber allzu hohe <em>&#8222;Altlasten und Altvertr\u00e4ge&#8220;<\/em>.\nDas veranlasste den Betriebsrat zu einer Gegenstellungnahme, in der er\nbekannte, dass er <em>&#8222;von einer Frau in\neiner F\u00fchrungsposition &#8230; und einer werdenden Mutter&#8220;<\/em> einen\nsensibleren Problemzugang erwartet h\u00e4tte. Damit kam er bei der Gegenseite ganz\nschlecht an. Die Aufsichtsratschefin sprach von einer <em>&#8222;sexistischen Aussage&#8220;<\/em> und meinte, <em>&#8222;die pers\u00f6nliche Lebenssituation einer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin\nheranzuziehen sei unlauter. &#8230; An die Mutterrolle zu appellieren, grenze an\nMobbing.&#8220;<\/em> Und der Aufsichtsrats-Vizechef sah sich gar mit einem <em>&#8222;mittelalterlichen Frauenbild&#8220; <\/em>konfrontiert.<a href=\"#_edn52\">[52]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Dabei hat unser Betriebsrat\nblo\u00df die Thesen der Care-\u00d6konomie beim Wort genommen. Denn die beziehen sich\nunter dem Stichwort <em>&#8222;Lebenswelt\u00f6konomie&#8220;<\/em>\nganz explizit auf die pers\u00f6nliche Lebenssituation der Menschen im Haushalt und\nfordern, diese in die Wirtschaftsbetrachtung zu integrieren. Auch der Appell an\ndie Mutterrolle ist beste Care-Tradition, propagiert doch die Sorge\u00f6konomie ein\nneues Menschenbild, das vom allt\u00e4glichen Handeln der Menschen, insbesondere von\nder Lebensrealit\u00e4t der Frauen, ausgeht. Wahrscheinlich war der R\u00fcckgriff des\nArbeitnehmervertreters auf Thesen der Care-\u00d6konomie nur als Provokation der\nManagerinnen gedacht. Wom\u00f6glich aber hat der Kollege einfach \u00fcbersehen, dass\ndiese Thesen von einem utopischen Idealmodell des Handelns ausgehen, welches\nf\u00fcr die Entscheidungstr\u00e4ger*innen einer von der Profitlogik gesteuerten\nWirtschaft nicht betrachtungsleitend und schon gar nicht handlungsorientierend\nwerden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>6. \u00d6komarxismus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>a. Die Position von Marx<\/strong><\/a><strong><br>\n<\/strong>Rekapitulieren wir\nzun\u00e4chst kurz, welche Position Marx selbst in dem von der Wachstumskritik\nadressierten Themenfeld bezog. Klarerweise hat er sich zu keiner der von uns im\nvorliegenden Kontext diskutierten Fragen direkt ge\u00e4u\u00dfert, da der\nWachstumsaspekt der kapitalistischen \u00d6konomie zu seiner Zeit noch kein Problem\ndarstellte. Der damalige Kapitalismus zehrte von scheinbar unersch\u00f6pflichen\nRohstoffreserven der Natur und wuchs in eine unendlich aufnahmef\u00e4hig und\nduldsam erscheinende Umwelt hinein. Auch an einen Zusammenhang zwischen der\ngerade erst Fahrt aufnehmenden Karbonwirtschaft und der Entwicklung des\nWeltklimas dachte zu jener Zeit noch kein Mensch. Ohne die daraus f\u00fcr uns heute\nresultierenden Probleme unmittelbar anzusprechen, lieferte Marx jedoch einen\nentscheidenden Beitrag zum Verst\u00e4ndnis der Ursachen von Wirtschaftswachstum.\nDar\u00fcber hinaus bezog er auch sehr klar Stellung zur m\u00f6glichen Zukunft der\nArbeit und zur Rolle von Wissenschaft und Technik beim Stoffwechsel des\nMenschen mit der Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>Seinen Beitrag zur Analyse\ndes Wirtschaftswachstums habe ich bereits bei der Kritik der\npostkeynesianischen Postwachstumskonzepte unter den Stichworten <em>&#8222;Wachstumszwang&#8220;<\/em> und <em>&#8222;spiralf\u00f6rmiges Muster der\nKapitalakkumulation&#8220;<\/em> behandelt. Und auch die daraus resultierende\nSchlussfolgerung, dass eine \u00f6konomisch stabile Nullwachstumsgesellschaft nicht auf\nder Basis privater Akkumulation von Kapital organisiert werden kann, wurde an\nder genannten Stelle schon angesprochen. W\u00e4hrend Marx also in dieser\nentscheidenden Frage auch heute noch durchaus beim Wort zu nehmen ist, liegen\ndie Dinge bei seiner Einsch\u00e4tzung der Rolle der Produktivkr\u00e4fte &#8218;Wissenschaft&#8216;\nund &#8218;Technik&#8216; und bei seiner Vorstellung von einer m\u00f6glichen Zukunft der Arbeit\nkomplizierter. In beiden F\u00e4llen spielt sein Bild von der Natur sowie vom\nVerh\u00e4ltnis des Menschen zur Natur eine entscheidende Rolle. Und da gibt es zwei\nProbleme.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>erste<\/strong> der beiden besteht darin, dass das neunzehnte Jahrhundert von\nzwei stark konkurrierenden Naturbildern gepr\u00e4gt ist, die beide bei der\nEntstehung des Werks von Marx eine bedeutende Rolle spielen. Der junge Marx,\nder in den &#8218;\u00d6konomisch-philosophischen Manuskripten&#8216; die <strong>Entfremdung<\/strong> des Arbeiters im Kapitalismus beklagt, stand noch\ndeutlich unter dem Einfluss des <strong>romantischen<\/strong>\nZugangs zur Natur. Denn auch f\u00fcr diesen war die von Industrialisierung und\nVerst\u00e4dterung bedrohte Natur ein verlorener Sehnsuchtsort, von dem sich der\nmoderne Mensch entfremdet hatte. Schon bald darauf zeigt sich dann bei Marx die\nKehrseite jenes resignativ-r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Zugangs zur Natur: Das\noptimistisch in die Zukunft blickende Naturbild der <strong>Moderne<\/strong>. In ihm sieht der davor jahrtausendelang durch eine\n\u00fcberm\u00e4chtige Natur bedroht Mensch nun erstmals die M\u00f6glichkeit, dies\nHerrschaftsverh\u00e4ltnis mittels Wissenschaft und Technik umzukehren. Und jener\nLogik der <strong>Umkehrung eines\nHerrschaftsverh\u00e4ltnisses<\/strong> folgt auch Marx, wenn er in dem nur wenige Jahre\nnach den &#8218;\u00d6konomisch-philosophischen Manuskripten&#8216; entstandenen Kommunistischen\nManifest davon spricht, dass <em>&#8222;die\nBourgeoisie &#8230; in ihrer kaum hundertj\u00e4hrigen Klassenherrschaft massenhaftere\nund kolossalere Produktionskr\u00e4fte geschaffen <\/em>(hat)<em> als alle vergangenen Generationen zusammen&#8220;<\/em>, und dass diese\nProduktionskr\u00e4fte nun eine &#8222;<em>Unterjochung\nder Naturkr\u00e4fte&#8220; <\/em>erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt zum <strong>zweiten<\/strong> Problem bei Marxens Zugang zur\nNatur: Auch wenn er bei seinen \u00f6konomischen Analysen als einer der ersten schon\nsystemisch dachte, war doch jenes schlie\u00dflich von ihm \u00fcbernommene Naturbild der\nModerne des neunzehnten Jahrhunderts weitgehend <strong>mechanisch<\/strong> gepr\u00e4gt. In diesem Bild hatte Natur noch nicht den\nStellenwert eines <strong>Systems<\/strong>, das an\ndie Wand f\u00e4hrt, wenn sich Wissenschaft und Technik ihm nicht mit ganzheitlichem\nVerst\u00e4ndnis f\u00fcr alle Neben- und Sp\u00e4tfolgen unseres Handelns n\u00e4hern. Die auf dem\nmechanischen Naturbild fu\u00dfende und von der Bourgeoisie entwickelte Technik\nverstand daher ihr Handeln nicht als ein behutsames Steuern, sondern hatte\nkeinerlei Scheu vor brutalen Eingriffen in die Natur. Erst nachdem jene Technik\nnoch viel m\u00e4chtiger geworden war als zu Marxens Zeiten, und erst nachdem der\nKapitalismus sich zu einem globalen Wirtschaftssystem entwickelt hatte,\nbegannen wir endlich zu verstehen, dass wir auch uns selbst bei allem\ntechnisch-wirtschaftlichen Handeln als Teil des umfassenden \u00d6kosystems &#8218;Erde&#8216;\nzu begreifen haben, und dass die in jenem System vorhandenen Ressourcen nicht\nunersch\u00f6pflich sind. Diese Erkenntnisse aber bringen uns nun zu der Einsicht,\ndass <strong>unser Ziel<\/strong> <strong>nicht die Umkehr<\/strong> des zwischen Natur und Mensch bestehenden\nHerrschaftsverh\u00e4ltnisses sein kann, sondern im Aufbau einer <strong>partnerschaftlichen<\/strong> <strong>und<\/strong> <strong>sorgenden<\/strong> Beziehung zum \u00fcbrigen Leben auf dieser Erde bestehen\nsollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Man hat den von einer\nUnterjochung der Natur sprechenden Marx ein St\u00fcck weit hinter sich zu lassen,\nwenn man als Marxist der Gegenwart diese durch Postwachstums- und Care-Theorie\nin die \u00f6konomische Diskussion eingebrachten Einsichten aufnehmen will. In der\nFolge kommt man dann aber mit diesen Einsichten sehr schnell an einen Punkt, an\ndem nun wieder einer der zentralen marxschen Gedanken in die\nPostwachstumsdiskussion einflie\u00dfen muss. Es geht dabei um das ber\u00fchmte Konzept\neiner Dialektik zwischen Produktivkr\u00e4ften und Produktionsverh\u00e4ltnissen. Im\nVorwort von <em>&#8222;Zur Kritik der\nPolitischen \u00d6konomie&#8220;<\/em> fand Marx daf\u00fcr folgende Worte: <em>&#8222;Auf einer gewissen Stufe ihrer\nEntwicklung geraten die materiellen Produktivkr\u00e4fte der Gesellschaft in\nWiderspruch mit den vorhandenen Produktionsverh\u00e4ltnissen oder, was nur ein\njuristischer Ausdruck daf\u00fcr ist, mit den Eigentumsverh\u00e4ltnissen, innerhalb\nderen sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkr\u00e4fte\nschlagen diese Verh\u00e4ltnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche\nsozialer Revolution ein. Mit der Ver\u00e4nderung der \u00f6konomischen Grundlage w\u00e4lzt\nsich der ganze ungeheure \u00dcberbau langsamer oder rascher um.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage ist nun: Welcher\nder derzeit in Gang befindlichen Entwicklungen der Produktivkr\u00e4fte werden durch\ndie aktuellen Produktionsverh\u00e4ltnisse (sprich: durch den Kapitalismus) Fesseln angelegt?\nEin Marxismus, f\u00fcr den die Menschheit ein Teil des umfassenden \u00d6kosystems\n&#8218;Erde&#8216; ist, versteht, dass es bei der fraglichen Entwicklung nicht um das\nvielerorts zu beobachtende Hindr\u00e4ngen des technisch-wirtschaftlichen Handelns\nzu noch brutalerer Unterjochung der Natur gehen kann. Was der Kapitalismus\nbehindert, ist vielmehr die Radikalisierung der vorerst nur sehr z\u00f6gerlichen\nAns\u00e4tze zur <strong>Umorientierung<\/strong> jenes\nHandelns in Richtung auf das nun erforderliche neue Verh\u00e4ltnis zur Natur. Denn\nzum einen erschwert das derzeit universell etablierte <strong>Konkurrenzprinzip<\/strong> das Praktizieren eines ganzheitlichen Zugangs zum\n\u00d6kosystem&nbsp;Erde und zu seinen vielf\u00e4ltigen regionalen Subsystemen. Zum\nanderen steht die alle Wirtschaftsentscheidungen pr\u00e4gende Logik der kurzfristigen\nProfitmaximierung im Widerspruch zu dem nun ebenfalls notwendigen umfassenden\nAufbau einer partnerschaftlich-sorgenden Beziehung zur Natur.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ver\u00e4nderte Verst\u00e4ndnis\ndes k\u00fcnftig notwendigen Verh\u00e4ltnisses zur Natur hat auch Folgen f\u00fcr die Sicht\nauf eine m\u00f6gliche <strong>Zukunft der Arbeit<\/strong>.\nVor deren Darstellung ist zun\u00e4chst wieder kurz auf die diesbez\u00fcgliche Position\nvon Marx einzugehen. Soweit er sich zur Utopie einer maximalen\nNaturbeherrschung bekennt, ist es nur folgerichtig, wenn er jenen Vorgang der <em>&#8222;Unterjochung&#8220;<\/em> weitestm\u00f6glich\nan die automatisierte Maschinerie ausgelagert sehen will, sodass der Mensch\nselbst m\u00f6glichst wenig mit dieser unsch\u00f6nen, aber notwendigen Angelegenheit zu\ntun hat. Die Befreiung der Arbeit kann bei dieser Sicht der Dinge <em>&#8222;nur darin bestehen, dass &#8230; die\nassoziierte Produzenten, diesen ihren Stoffwechsel mit der Natur &#8230; mit dem\ngeringsten Kraftaufwand und unter den ihrer menschlichen Natur w\u00fcrdigsten und\nad\u00e4quatesten Bedingungen vollziehen. Aber es bleibt dies immer ein Reich der\nNotwendigkeit. Jenseits desselben beginnt die menschliche Kraftentwicklung, die\nsich als Selbstzweck gilt, das wahre Reich der Freiheit, das aber nur auf jenem\nReich der Notwendigkeit als seiner Basis aufbl\u00fchen kann. Die Verk\u00fcrzung des\nArbeitstags ist die Grundbedingung.&#8220;<a href=\"#_edn53\"><strong>[53]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hier ist nun allerdings\ndaran zu erinnern, dass der junge Marx der &#8218;\u00d6konomisch-philosophischen\nManuskripte&#8216; das Verh\u00e4ltnis Mensch-Natur noch ganz anders denkt als der Marx\ndes &#8218;Kapital&#8216;, aus dem das vorangehende Zitat stammt. Wenn er n\u00e4mlich in jenen\nfr\u00fchen Manuskripten die verschiedenen Aspekte der vom Kapitalismus verursachten\nEntfremdung der Arbeit untersucht, geht er bei der Beschreibung der dieser\nEntfremdung vorangehenden Situation davon aus, dass die Natur bildlich\ngesprochen urspr\u00fcnglich der <strong>Leib<\/strong> des\narbeitenden Menschen ist: <em>&#8222;Die Natur\nist sein <strong>Leib<\/strong>, mit dem er in best\u00e4ndigem Prozess bleiben muss, um\nnicht zu sterben. Dass das physische und geistige Leben des Menschen mit der\nNatur zusammenh\u00e4ngt, hat keinen andren Sinn, als dass die Natur mit sich selbst\nzusammenh\u00e4ngt, denn der Mensch ist ein Teil der Natur. &#8230; Die entfremdete\nArbeit macht also &#8230; die Natur &#8230; zu einem <strong>ihm fremden<\/strong>\nWesen.&#8220;<a href=\"#_edn54\"><strong>[54]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Unsere aktuelle Erkenntnis,\ndass die Erde ein auch alle menschlichen Aktivit\u00e4ten umfassendes \u00d6kosystem ist,\nzwingt meiner Ansicht nach dazu, wieder an jene Sicht des\nMensch-Natur-Verh\u00e4ltnisses beim jungen Marx anzukn\u00fcpfen. Ausgehend von dieser\nPosition ergibt sich dann f\u00fcr den Marxismus der Gegenwart zwingend die\nZur\u00fcckweisung der sp\u00e4ter von Marx im &#8218;Kapital&#8216; entwickelten Utopie einer an die\nMaschinerie delegierten maximalen Unterjochung der Natur, aus der sich der\nMensch m\u00f6glichst weitgehend <strong>auszuklinken<\/strong>\nhabe. An ihre Stelle muss jetzt eine neue Utopie der befreiten Arbeit treten,\ndie sich f\u00fcr eine aus der Postwachstumsbewegung kommende Anregung \u00f6ffnet. Diese\nbesagt, dass es nicht unser Ziel sein kann, als g\u00e4nzlich passive Konsumenten <strong>neben<\/strong> eine weitestgehend automatisierte\nIndustrie zu treten, und selbst nur mehr im Dienstleistungsbereich und in der\nFreizeit aktiv zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielmehr gilt es <strong>neue Lebensstile<\/strong> zu entwickeln, in\nderen Kontext die Endverbraucher vermehrt Eigenleistungen zu erbringen h\u00e4tten.\nDiese &#8218;Prosumenten&#8216; w\u00fcrden sich im Kontext jener &#8218;modernen Subsistenz&#8216; einige\nder zwischenzeitlich verloren gegangenen handwerklichen F\u00e4higkeiten wieder\naneignen, sodass es zu einer teilweisen Aufhebung der schon vom jungen Marx bei\nseiner Kritik an der entfremdeten Arbeit beklagten Trennung der Arbeitenden von\nden gegenst\u00e4ndlichen und nat\u00fcrlichen Grundlagen ihres Lebens k\u00e4me<a href=\"#_edn55\">[55]<\/a>.\nIm Unterschied zur Postwachstumstheorie w\u00e4re dieser \u00dcbergang zu moderner\nSubsistenz f\u00fcr den Marxismus der Gegenwart aber selbstverst\u00e4ndlich nur <strong>Teilschritt<\/strong> einer viel <strong>umfassenderen<\/strong> Aufhebung jener\nEntfremdung. Denn diese m\u00fcsste den Arbeitskr\u00e4ften auch die Kontrolle \u00fcber jene\nregionalen und globalen Bereiche der \u00d6konomie bringen, mit deren Produkten und\nLeistungen sie ihre moderne Subsistenz zu verzahnen h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>b. Positionen im gegenw\u00e4rtigen\nMarxismus<\/strong><\/a><strong><br>\n<\/strong>Resultat der vielfachen\nBem\u00fchungen um Fortf\u00fchrung der eben skizzieren marxschen Gedanken ist ein neuer\n\u00d6komarxismus, in dem sich <strong>zwei\nHauptstr\u00f6mungen<\/strong> abzeichnen.<a href=\"#_edn56\">[56]<\/a>\nDie <strong>erste<\/strong> der beiden, repr\u00e4sentiert\netwa durch John Bellamy Foster<a href=\"#_edn57\">[57]<\/a>,\nverweist auf das von der Sehnsucht nach <strong>Vers\u00f6hnung<\/strong>\nmit der Natur gepr\u00e4gte Natur- und Entfremdungskonzept des jungen Marx. So wie\ndie von einer \u00e4hnlichen Sehnsucht geleiteten Postwachstumstheoretiker sehen die\nVertreter dieser Position den \u00dcbergang zu einer nicht mehr wachsenden, wenn\nnicht gar schrumpfenden Wirtschaft in den Industriestaaten f\u00fcr unvermeidbar an.\nVor dem Hintergrund der marxschen Einsicht in die notwendige Einbindung der\nKapitalakkumulation in eine sich ausdehnende Gesamtwirtschaft geht man jedoch\nim Gegensatz zur Degrowth-Bewegung davon aus, dass eine nicht im Krisenmodus\nverlaufende langfristige Stagnation nur in einer \u00d6konomie mit\nvergesellschafteten Produktionsmitteln m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich schlie\u00dfe mich dieser\nPosition an, m\u00f6chte aber betonen, dass der geforderte Abschied vom Wachstum\nblo\u00df das Ausma\u00df der Beanspruchung von nat\u00fcrlichen Ressourcen in Ge\u00adstalt von\nRohstoffen und Naturr\u00e4umen betreffen darf, nicht jedoch das Ausma\u00df von\ninnergesellschaftlichen Aktivit\u00e4ten etwa im Bereich der Sorge\u00f6konomie. Dass ein\nderart differenzierter Modus des Schrumpfens <strong>und<\/strong> Wachsens im Kontext einer den Gesetzen internationaler\nStandortkonkurrenz und kurzfristiger Profitmaximierung unterliegenden\nWirtschaftsordnung kaum realisiert werden kann<a href=\"#_edn58\">[58]<\/a>,\nist aus meiner Sicht eines der schlagendsten Argumente f\u00fcr die notwendige\n\u00dcberwindung des Kapitalismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>zweite<\/strong> Hauptstr\u00f6mung des \u00d6komarxismus \u00fcbernimmt Marxens Utopie\neiner immer weiter gehenden <strong>Beherrschung<\/strong>\nder Natur und hat somit wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das vor allem von den\nCare-\u00d6konominnen aber auch von vielen Vertretern des Degrowth-Ansatzes hoch\ngehaltene Ideal einer partnerschaftlich-sorgenden Beziehung zur ihr.\n\u00d6komarxisten jenes zweiten Typs sind beispielsweise Reiner Grundmann<a href=\"#_edn59\">[59]<\/a>\nund Damian White<a href=\"#_edn60\">[60]<\/a>. Diese Repr\u00e4sentanten <em>&#8222;eines \u00f6komodernistisch gewendeten\n\u00d6komarxismus&#8220;<a href=\"#_edn61\"><strong>[61]<\/strong><\/a><\/em> kn\u00fcpfen an den\nTechnik-Optimismus des reifen Marx an und gehen daher so wie die neoliberale\nGreen Economy von der technischen L\u00f6sbarkeit der dr\u00e4ngendsten Umweltprobleme\naus. W\u00e4hrend aber marktbegeisterte &#8218;Green Economists&#8216; glauben, dass wir die\nDynamik des Kapitalismus noch st\u00e4rker entfachen m\u00fcssen, um unsere \u00f6kologischen\nProbleme in den Griff zu bekommen, denken \u00f6komodernistische Marxisten, dass <em>&#8222;der Kapitalismus &#8230;&nbsp;&#8211;&nbsp;ganz\nim Sinne seiner historischen Berechtigung&nbsp;&#8211;&nbsp;bereits die notwendigen\nTechnologien entwickelt hat, eine \u00f6kologische Transformation ohne erhebliche\nAuswirkungen auf die Lebensweise der Bev\u00f6lkerung in die Wege zu leiten.&#8220;<\/em> Aus ihrer Sicht\nstehen <em>&#8222;einer Entfesselung dieser\nTechnologien vor allem die Profiteure des fossilen Kapitalismus im Wege&#8220;<\/em>.\nDeren Macht sei aber <em>&#8222;nicht\n\u00bbnaturgegeben\u00ab&#8220;<\/em>. Sie beruhe vielmehr blo\u00df <em>&#8222;auf einer sozialen Konstruktion und k\u00f6nnte, als solche erkannt,\nmit einem Handstreich beseitigt werden&#8220;<\/em>.<a href=\"#_edn62\">[62]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In den vorangehenden Zeilen\nwurden bereits wichtige Unterschiede zwischen den beiden Hauptstr\u00f6mungen des\n\u00d6komarxismus und auch einige Relationen zu den nicht-marxisti\u00adschen Konzepten\neiner klima- und umweltgerechten Zukunftsgesellschaft angesprochen. Erg\u00e4nzend\nm\u00f6chte ich nun weitere Wechselbez\u00fcge zwischen den hier untersuchten Positionen\nfesthalten. Zuerst eine erg\u00e4nzende Bemerkung zum Verh\u00e4ltnis zwischen den zwei\nStr\u00f6mungen des \u00d6komarxismus. W\u00e4hrend die \u00d6komodernisten, wie eben erw\u00e4hnt, den\nmarxschen Technik-Optimismus \u00fcbernommen haben, w\u00e4re es sehr irref\u00fchrend, wollte\nman die der Postwachstums- und Care-Bewegung n\u00e4herstehenden Vertreter der\nanderen Gruppe generell als <em>&#8222;Techno-Pessimisten&#8220;<a href=\"#_edn63\"><strong>[63]<\/strong><\/a><\/em> charakterisieren.\nIch selbst zum Beispiel zweifle blo\u00df daran, dass eine einfache <em>&#8222;Entfesselung&#8220;<\/em> der vom\nKapitalismus entwickelten Technik durch \u00c4nderung ihrer gesellschaftlichen\nRahmenbedingungen bereits unsere \u00f6kologischen Probleme l\u00f6sen kann. Meine\ndiesbez\u00fcgliche Skepsis resultiert aus <strong>drei\n\u00dcberlegungen<\/strong>:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erstens<\/strong> w\u00fcrde bei einer blo\u00dfen <em>&#8222;Entfesselung&#8220;<\/em>\nder vom Kapitalismus entwickelten Technologie weiterhin bei jeder Bew\u00e4ltigung\neines unserer \u00d6ko-Probleme mindestens ein weiteres vergr\u00f6\u00dfert oder gar neu\naufgerissen. Die Beseitigung des Privateigentums an den Produktionsmitteln\nsollte uns daher nicht als Voraussetzung f\u00fcr eine noch schnellere und\numfassendere Entfaltung dieser &#8218;alten&#8216; Technik gelten. Wir m\u00fcssen sie vielmehr\nals Schaffung von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verstehen, in deren Kontext\nsich die im vorigen Abschnitt angesprochene <strong>neue<\/strong> Technik etablieren kann&nbsp;&#8211;&nbsp;eine Technik, welche nicht\neinfach auf <em>&#8222;Unterjochung&#8220;<\/em>\nder Natur abstellt und daher ein umfassendes und nachhaltiges L\u00f6sen unserer\n\u00d6ko-Probleme erm\u00f6glicht. Wer somit beim jungen Marx ankn\u00fcpft, ist nicht\nunbedingt ein genereller Technik-Pessimist, sondern hat m\u00f6glicherweise blo\u00df\neine entsprechende <strong>Neuorientierung<\/strong>\nder Technik und der ihr zugrunde liegenden Naturwissenschaft im Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zweitens<\/strong> w\u00fcrden technische Probleml\u00f6sungen allein viel zu kurz\ngreifen&nbsp;&#8211;&nbsp;und zwar selbst dann, wenn es sich dabei um Resultate jener\nnach Beseitigung des Privateigentums an den Produktionsmitteln entwickelten\n&#8217;neuen&#8216; Technik mit einem partnerschaftlich gel\u00e4uterten Verh\u00e4ltnis zur Natur\nhandelte. Denn selbstverst\u00e4ndlich sind zur nachhaltigen Bew\u00e4ltigung unserer\ndr\u00e4ngendsten Klima- und Umweltprobleme auch die von den modernistischen\n\u00d6komarxisten zur\u00fcckgewiesenen <em>&#8222;erheblichen&#8220;<\/em>\n\u00c4nderungen der <em>&#8222;Lebensweise der\nBev\u00f6lkerung&#8220; <\/em>erforderlich. Auf der einen Seite kann n\u00e4mlich die breite\nMittelschicht der alten Metropolen des Kapitalismus dem Rest der\nWeltbev\u00f6lkerung nicht das Recht verweigern, ihrem Lebensstil nachzueifern. Auf\nder anderen Seite ist keine Art der Technik vorstellbar, welche es allen f\u00fcr\ndas Jahr 2100 prognostizierten knapp elf Milliarden Menschen erm\u00f6glichen w\u00fcrde,\nt\u00e4glich Fleisch zu essen, zwei Autos pro Haushalt zu nutzen, j\u00e4hrlich eine\nFernreise und einen St\u00e4dte-Trip per Flugzeug zu absolvieren, usw.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Drittens<\/strong> schlie\u00dflich ist die Fixierung der modernistischen \u00d6komarxisten auf\nblo\u00dfe <em>&#8222;Entfesselung&#8220;<\/em> der\nTechnik auch deshalb zur\u00fcckzuweisen, weil das Sprachbild der Entfesselung\nunterschl\u00e4gt, dass der mit einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel\nverkn\u00fcpfte Wandel der <strong>Produktionsmuster<\/strong>\nseinerseits Einfluss auf die Entwicklung der Technik h\u00e4tte. So w\u00fcrde etwa eine\nstark dezentralisierte und selbstverwaltete Produktion, die in eine\n\u00fcberregional koordinierende, von Produzenten-Konsumenten-R\u00e4ten gesteuerte\nPlanwirtschaft eingebettet ist, auf allen Ebenen (angefangen von der\nEnergieversorgung bis hin zur Datenkommunikation) andere technische\nProbleml\u00f6sungen stimulieren als eine Produktion, in der die globalisierten\nFertigungsketten von multinational agierenden Konzernen dominieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der unter den\nver\u00e4nderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stattfindende Wandel der<strong> Konsumtionsmuster<\/strong> w\u00fcrde die\nEntwicklung der Technologien in ganz neue Richtungen lenken. Ich sehe beim\nfolgenden Argument f\u00fcr diesen Einwand v\u00f6llig ab von der durch die\nPostwachstumstheorie ins Spiel gebrachten Etablierung moderner Subsistenz. Denn\ndiese br\u00e4chte zwar radikal neue Anforderungen an die Technik mit sich, wird\naber von modernistischen \u00d6komarxisten vermutlich als eine zu erhebliche\n\u00c4nderung des Lebensstils zur\u00fcckgewiesen. Ich beziehe daher mein Argument\nausschlie\u00dflich auf den wohl auch von modernistisch denkenden Marxisten\nangestrebten R\u00fcckgang des <strong>individuellen<\/strong>\n<strong>Konsums<\/strong> zugunsten immer gr\u00f6\u00dferer\nBedeutung der <strong>kollektiven<\/strong> <strong>Bereitstellung <\/strong>von Gebrauchswerten.\nVergegenw\u00e4rtigt man sich beispielhaft die konkreten Auswirkungen einer solchen\nVerschiebung auf das Konsumverhalten in den Sektoren des Personenverkehrs\n(\u00d6ffis statt Autos) und des Wohnbaues (genossenschaftliches Gruppenwohnen in\nverdichteten Flachbauten statt Eigenheim), dann wird sofort klar, dass sich die\nin den betreffenden Sektoren zum Einsatz kommende Technik bei zunehmender\nBedeutung der kollektiven Bereitstellung von Gebrauchswerten v\u00f6llig anders\nentwickeln w\u00fcrde als bei fortbestehender Dominanz des individuellen Konsums.<\/p>\n\n\n\n<p>Die eben angesprochene\nAbl\u00f6sung des individuellen Konsums durch Nutzung von kollektiv bereit\ngestellten Gebrauchswerten ist generell eine der effizientesten M\u00f6glichkeiten\nzur Lenkung der Wirtschaft auf einen klima- und umweltvertr\u00e4glichen Pfad. In\nder Bef\u00fcrwortung m\u00f6glichst konsequenter Nutzung dieses Hebels d\u00fcrften sich\n\u00d6komarxisten aller Schattierungen einig sein &#8211; ganz im Unterschied anderen in\nder &#8218;linken&#8216; Sph\u00e4re der Postwachstumsdiskussionen angesiedelten Positionen. Ein\nBeispiel daf\u00fcr ist der bekannte \u00d6konom Thomas Piketty. \u00c4hnlich wie die\npostkeynesianischen Wachstumsskeptiker*innen will das er Ziel der\nWachstumsreduktion mit dem Gedanken der Verteilungsgerechtigkeit verkn\u00fcpfen. Er\nforderte daher schon in seinem viel besprochenen &#8218;Klassiker&#8216; \u00fcber <em>&#8222;Das Kapital im 21. Jahrhundert&#8220;<\/em>,\ndass <em>\u201edie Kapitalrendite k\u00fcnftig auf die\nRate des Wirtschaftswachstums sinkt.\u201c<\/em> Zur Erreichung dieses Ziels warf er\nzun\u00e4chst seine Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine radikale Verm\u00f6gensbesteuerung in die\nDiskussion. In dem 2019 nachgeschobenen Werk <em>&#8222;Kapital und Ideologie&#8220;<\/em> erg\u00e4nzte er diesen Vorschlag dann\ndurch die Idee eines <em>&#8222;Erbes f\u00fcr\nalle&#8220;<\/em>. Dieses soll jeden jungen Erwachsenen zu seinem 25. Geburtstag\nmit einem Kapital ausstatten, das 60 Prozent des aktuellen\nDurchschnittsverm\u00f6gens pro Erwachsenem im jeweiligen Land entspricht. In\nDeutschland w\u00e4ren das etwa 120.000&nbsp;\u20ac. Mittels dieser durch kr\u00e4ftigere\nBesteuerung von hohen Verm\u00f6gen und Erbschaften solide finanzierbaren Ma\u00dfnahme\nm\u00f6chte Piketty f\u00fcr die <em>&#8222;jungen\nB\u00fcrger ohne Verm\u00f6gen&#8220;<\/em> einen <em>&#8222;Zugewinn\nan Handlungsoptionen&#8220;<\/em> erzielen, sodass jeder von ihnen etwa <em>&#8222;eine eigene Wohnung oder ein Haus\nkaufen&#8220;<\/em> kann<a href=\"#_edn64\">[64]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch mehr als die\npotentiellen neuen Erben freuen sich \u00fcber diesen Vorschlag wohl die Immobilienspekulanten.\nDenn zum einen verhei\u00dft dieses Konzept einen Ausweg aus der v\u00f6llig verfahrenen\nSituation auf den st\u00e4dtischen Wohnungsm\u00e4rkten, der ohne Preiskontrollen oder\ngar Enteignungen auskommt. Zum anderen \u00f6ffnet es auf dem flachen Land die Tore\nf\u00fcr ein weiterhin ungebremstes Ausleben des Zersiedelungs- und\nBodenversiegelungswahns. Die marxistische Alternative w\u00e4re eine entschiedene <strong>Vergesellschaftung des Wohnungsangebots<\/strong>.\nAusgehend von der durch Piketty genannten Zahl k\u00f6nnte man dabei j\u00e4hrlich\ngewaltige Summen in den sukzessiven Aufbau eines ausreichend gro\u00dfen, klima- und\numweltgerechten Angebots an vergesellschafteten Alt- und Neubauwohnungen\ninvestieren<a href=\"#_edn65\">[65]<\/a>. Beim <em>&#8222;Erbe f\u00fcr alle&#8220;<\/em> gingen diese\nBetr\u00e4ge dagegen der kollektiven Bereitstellung von Wohnraum verloren.\nStattdessen w\u00fcrden sie als entsprechend gro\u00dfer Impuls f\u00fcr die <strong>individuelle<\/strong> <strong>Wohnungsnachfrage<\/strong> fungieren und damit einen weiteren gewaltigen\nInfla\u00adtionsschub auf den Immobilienm\u00e4rkten ausl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>7. Transformationsprozess<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>a.\n<a>Zum Begriff der Transformation<\/a><br>\n<\/strong>Die bisherige\nGegen\u00fcberstellung verschiedener Zug\u00e4nge zur Krise der Wachstums\u00f6konomie\nfokussierte auf Unterschiede in der Beschreibung der <strong>Ursachen<\/strong> dieser Krise, der m\u00f6glichen <strong>Ma\u00dfnahmen<\/strong> zu ihrer Bew\u00e4ltigung und des <strong>Ziels<\/strong> aller vorgeschlagenen Schritte, also der jeweiligen Utopie\neiner klima- und umweltgerechten Wirtschaft. Nun ist noch die Sicht auf den <strong>gesellschaftlichen<\/strong> und <strong>politischen<\/strong> <strong>Prozess<\/strong> der \u00dcberwindung unserer Wachstumsprobleme in den Vergleich\neinzubeziehen. Denn die genannten Probleme sind Resultate einer Form des\nWirtschaftens, welche die Interessen sehr m\u00e4chtiger Eliten bedient und daher\nvon ihnen mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln verteidigt wird. Es m\u00fcssen\ndaher entsprechend machtvolle Prozesse des gesellschaftlichen Wandels in Gang kommen,\nwenn sich dieses Wirtschaftsmuster grundlegend \u00e4ndern soll. Welches Bild hat\nman von besagten Prozessen und ihren Entstehungsbedingungen? Welche politischen\nM\u00f6glichkeiten zur St\u00e4rkung von Kraft und Dynamik jener Prozesse werden gesehen?<\/p>\n\n\n\n<p>In vielen Auseinandersetzungen\n\u00fcber die Krise der Wachstums\u00f6konomie wird der immer dringendere Wandel von\nWirtschaft und Gesellschaft als <strong>Transformation<\/strong>\nbezeichnet. \u00c4hnlich wie das mehrfach erw\u00e4hnte Konzept des Guten Lebens ist\ndieser Begriff gerade wegen seiner Unsch\u00e4rfe ein sehr gutes Diskussionsvehikel.\nIm vorliegenden Fall besteht der <strong>Vorteil<\/strong>\ndarin, dass eine mehr oder weniger umfassende Transformation vorstellbar ist.\nAuf der einen Seite darf selbst die Green Economy die von ihr beabsichtigte\nModernisierung des Kapitalismus als Transformation bezeichnen.<a href=\"#_edn66\">[66]<\/a>\nUnd auf der anderen Seite kann man Transformation so radikal denken, dass es an\neinem bestimmten Punkt jenes Prozesses so etwas wie einen revolution\u00e4ren Bruch\ngibt. Aber dieser Bruch geschieht eben nicht spontan, aus dem Nichts heraus,\nsondern ist Gipfelpunkt einer Dynamik, die durch vorangehende Transformationen\nin Gang gesetzt und beschleunigt wurde und nach dem Bruch weitere\nTransformationen zur Folge haben muss&nbsp;&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem erw\u00e4hnten Vorteil\nbirgt der Transformationsbegriff allerdings auch eine gro\u00dfe <strong>Gefahr<\/strong>. Sie besteht darin, dass er eben\nwegen seiner nicht zwingenden Verkn\u00fcpfung mit der Vorstellung eines scharfen\nBruchs zu einem sehr sorglosen, ja naiven Umgang mit den Beharrungsmechanismen\nund -kr\u00e4ften der herrschenden Wirtschaftsordnung verleitet. Wie Ulrich Brand\nund Christine Schickert in einem Artikel zum Konzept der Transformation richtig\nbemerken, sind sehr viele <em>&#8222;Beitr\u00e4ge\nzur Transformationsdebatte &#8230; radikal in der Diagnose der \u00f6kologischen Krise\nund normativ durchaus auf weitreichende Ver\u00e4nderungen zielend, aber weitgehend\nmacht- und herrschaftsblind und mit einem geringen Verst\u00e4ndnis der\npolit\u00f6konomischen Krisendynamiken ausgestattet&#8220;.<\/em> Dadurch l\u00e4uft die\nTransformationsdebatte <em>&#8222;Gefahr \u2013\nvielleicht sogar gegen ihr eigenes Anliegen \u2013, allenfalls zur partiellen\n\u00f6kologischen Modernisierung des Kapitalismus beizutragen&#8220;<\/em>.<a href=\"#_edn67\">[67]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der von Brand und Schickert\nkonstatierte Mangel an Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die polit\u00f6konomischen Krisendynamiken\nfindet sich nicht nur bei vielen von der \u00d6kologie und vom Feminismus her\nkommenden Wachstumskritiker*innen, sondern kennzeichnet auch so manchen\nmarxistischen Debattenbeitrag. Wenn etwa Andreas Mayert in einer bereits im\nvorangehenden Abschnitt zitierten Passage seines Pl\u00e4doyers f\u00fcr einen\nmodernistischen \u00d6komarxismus davon schw\u00e4rmt, dass die Macht der <em>&#8222;Profiteure des fossilen Kapitalismus\n&#8230; mit einem Handstreich beseitigt werden&#8220;<\/em> k\u00f6nnte, dann ist ihm zwar\nnicht zu widersprechen. Es muss jedoch daran erinnert werden, dass ein solcher\nHandstreich erst in einer daf\u00fcr <strong>reifen<\/strong>\ngesellschaftlichen und politischen Situation m\u00f6glich w\u00e4re. Damit aber ist man\nnun wieder auf die bereits eingangs gestellten Fragen zur\u00fcckgeworfen, die ein\nganzes B\u00fcndel von nicht handstreichartig l\u00f6sbaren Problemen ansprechen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Unter\nwelchen Bedingungen kann eine solche Situation heranreifen?<\/li><li>Wie\nk\u00f6nnen politische Bewegungen zur Entstehung dieser Bedingungen und zur\nBeschleunigung jenes Heranreifens beitragen?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><a><strong>b. Imperiale Lebensweise und Transformation<\/strong><\/a><strong><br>\n<\/strong>Das f\u00fcr die Beantwortung\ndieser Fragen am besten geeignete begrifflich-methodische R\u00fcstzeug bietet\nmeiner Meinung nach die marxistische Gesellschaftstheorie. Zum exemplarischen\nBeleg dieser Behauptung vergleiche ich nun die bereits in Abschnitt&nbsp;4.b\nzur\u00fcckgewiesene Kritik des Postwachstumstheoretikers Peach am \u00f6kologisch\nbedenklichen Lebensstil der Nachfolger des klassischen Industrieproletariats\nmit der Interpretation desselben Ph\u00e4nomens durch den \u00d6komarxismus. Wie erw\u00e4hnt,\nwirft Peach dem zu einer globalen Konsumentenklasse herangereiften Proletariat\neinen Seitenwechsel vor. Durch seine Fixierung auf den Verbrauch billiger\nMassenprodukte der globalisierten Industrie sei aus der einstigen Klasse der\nAusgebeuteten nun eine Klasse von Naturausbeutern geworden. Dass Peach damit\nein sehr wichtiges Problem auf v\u00f6llig falsche Weise thematisiert, wird deutlich\nbei einer historischen Betrachtung der l\u00e4ngerfristigen Entwicklung des\nGesamtsystems der Kapitalakkumulation:<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Betrachtung zeigt\nn\u00e4mlich, dass nicht \u00f6kologisch bedenkliche W\u00fcnsche der Konsumenten sondern\nVerwertungsprobleme des Kapitals als treibende Kr\u00e4fte bei der Entstehung der\nvon Peach beklagten Globalisierung des industriellen Fertigungsprozesses\nfungierten. Denn deren Ausgangspunkt war ein in den neunzehnsechziger Jahren\neinsetzender R\u00fcckgang der in der boomenden Nachkriegswirtschaft noch recht\nhohen durchschnittlichen Profitrate. Eine der Hauptursachen dieses R\u00fcckgangs\nlag im Sinken der mittleren Mehrwertrate in den alten Metropolen des Kapitals\naufgrund der durch zunehmende Vollbesch\u00e4ftigung immer st\u00e4rker werdenden\nVerhandlungsposition der Arbeitskr\u00e4fte. Die Antwort des Kapitals auf dieses\nProblem war der \u00dcbergang zu einem <strong>neuen\nAkkumulationsmuster<\/strong>, in dessen Zentrum ein entschiedenes Internationalisieren\nder industriellen Arbeitsteilung stand. Die anschlie\u00dfende Stabilisierung der\ndurchschnittlichen Profitrate war Resultat von drei einander wechselseitig\nst\u00fctzenden Aspekten jenes Globalisierungsprozesses<a href=\"#_edn68\">[68]<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Durch\nVerlagerung der industriellen Massenproduktion von Konsumg\u00fctern an die neue\nPeripherie des Weltmarkts gelangten ungeheure Massen von v\u00f6llig unorganisierten\nund daher wehrlosen Arbeitskr\u00e4ften in das R\u00e4derwerk der Ausbeutung, was in den\nneuen Zentren der Massenproduktion die Durchsetzung einer sehr hohen\ndurchschnittlichen Mehrwertrate erm\u00f6glichte.<\/li><li>In den\nalten Metropolen des Kapitals \u00fcbte die Abwanderung der Industrie so starken\nDruck auf das Proletariat aus, dass seine vormalige Verhandlungsmacht gebrochen\nwurde. Dadurch gelang auch in diesem Bereich des nun weltumfassenden Systems\nder Ausbeutung von Arbeitskraft eine deutliche Anhebung der Mehrwertrate.<\/li><li>Die\nSchw\u00e4chung der gesellschaftlichen Position der Arbeitskr\u00e4fte in den alten\nMetropolen des Kapitals erm\u00f6glichte zugleich die Abl\u00f6sung des davor\npraktizierten Keynesianismus durch neoliberale Wirtschafts- und Finanzpolitik.\nDies bewirkte zum einen (durch den damit einhergehenden R\u00fcckbau des\nSozialstaates) einen weiteren Anstieg der Mehrwertrate und beschleunigte zum\nanderen (im Gefolge einschl\u00e4giger Reformen der Finanzm\u00e4rkte sowie des\nWeltw\u00e4hrungs- und Handelssystems) den Globalisierungsprozess.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Der skizzierte Wandel des Akkumulationsmusters\nf\u00fchrte zu neuen Formen des Konsumverhaltens, die f\u00fcr Ulrich Brand und Markus\nWissen Bestandteile einer <em>&#8222;<strong>imperialen Lebensweise<\/strong>&#8222;<a href=\"#_edn69\"><strong>[69]<\/strong><\/a><\/em> darstellen. Bei\ndieser handelt es sich <em>&#8222;nicht\neinfach um einen von unterschiedlichen sozialen Milieus praktizierten Lebensstil&#8220;.\n<\/em>Wir haben es dabei vielmehr mit einem nur systemisch begreifbaren\nGesamtzusammenhang <em>&#8222;herrschaftliche(r)\nProduktions-, Distributions- und Konsummuster&#8220; <\/em>zu tun,<\/p>\n\n\n\n<ul><li>in\ndessen Kontext <em>&#8222;Ressourcen\n(Rohstoffe wie Erd\u00f6l und Land, aber auch Arbeitskraft) aus dem S\u00fcden\nextrahiert, im Norden verbraucht und \u00fcber die Senken des S\u00fcdens wieder\nentsorgt&#8220; <\/em>werden,<\/li><li>und dessen\nsoziale Konsequenzen <em>&#8222;tief in die\nAlltagspraktiken&#8220;<\/em> gro\u00dfer Bev\u00f6lkerungsteile des globalen Nordens und\nwachsender Teile der Ober- und Mittelklassen der Schwellenl\u00e4nder des globalen\nS\u00fcdens <em>&#8222;eingelassen sind&#8220;<\/em>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die These von der imperialen\nLebensweise beschreibt also die Verkn\u00fcpfung der in der j\u00fcngsten Entwicklungsphase\nder Kapitalismus notwendig gewordenen Produktions- und Distributionsmuster mit\ndarauf abgestimmten Lebensstilen und Konsumformen. Letztere werden so\nverstehbar als Teil der Antwort des nun weltweit integrierten Akkumula\u00adtionssystems\nauf die neuen Anforderungen und Probleme der Kapitalverwertung.<\/p>\n\n\n\n<p>Um zu erkl\u00e4ren, wie es der\nherrschenden Klasse m\u00f6glich war, die Alltagskulturen und Konsumgewohnheiten der\nvon ihr ausgebeuteten Bev\u00f6lkerungsgruppen derart reibungslos in das globale\nAusbeutungssystem einzubetten, heben die Autoren den <strong>hegemonialen<\/strong> Stellenwert der imperialen Lebensweise hervor. Sie\nbeziehen sich damit auf das vom italienischen Marxisten Antonio Gramsci\ngepr\u00e4gte Konzept der &#8218;Hegemonie&#8216;. Letzteres beschreibt die F\u00e4higkeit der\njeweils Herrschenden, ihre besonderen Interessen als die der Allgemeinheit\ndarzustellen und dadurch ihre Herrschaft zu stabilisieren.<a href=\"#_edn70\">[70]<\/a> Einen\nnicht unwesentlichen Beitrag zum Gelingen dieses Kunstst\u00fccks leisten die\nHandlanger des Kapitals in den von Marx als &#8218;\u00dcberbau&#8216; bezeichneten\nGesellschaftssektoren (Kultur, Bildung, Wissenschaft, Recht, Politik, Religion).\nSie haben n\u00e4mlich die Aufgabe, den in allen Lebensbereichen steuernd wirkenden inneren\nKompass der jeweils dominierten Klassen (Lebensziele und -stile,\nGesellschaftsbilder, Moralvorstellungen, \u00e4sthetische Pr\u00e4ferenzen,&nbsp;&#8230;) systemkonform\nzu justieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die mit diesem Konzept der\nHegemonie arbeitenden Analysen zeichnen ein viel differenzierteres Bild von den\nNachfolgern des alten Industrieproletariats als Peachs allzu simpel gestrickte\nVermutung, es handle sich dabei um eine neue Klasse von Ausbeutern. Auf der <strong>moralischen<\/strong> Ebene k\u00f6nnen besagte Analysen\ndie in die imperiale Lebensweise integrierten Klassen zwar <strong>nicht freisprechen<\/strong> von ihrer Mitverantwortung f\u00fcr die Fortexistenz eines\nauf maximale Ausbeutung aller menschlichen und nat\u00fcrlichen Ressourcen unseres\nPlaneten angelegten Wirtschaftssystems. Sie erm\u00f6glichen aber eine Beurteilung\nvon Art und Ausma\u00df jener Verantwortung, die wesentlich ausgewogener ist als\nPeachs v\u00f6llig \u00fcberzogener Ausbeuter-Vorwurf.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese gr\u00f6\u00dfere Ausgewogenheit\nfolgt aus dem differenzierten Zugang des systemisch orientierten Hegemonie-Konzepts\nzu den hochkomplexen Interessenlagen und Aktionspotentialen der jeweils\nuntersuchten Bev\u00f6lkerungsschichten. Im Fall der imperialen Lebensweise erm\u00f6glicht\ndas ein besseres Verst\u00e4ndnis der trotz aller Ambivalenz sehr stabilen Bindungen\nan das <em>&#8222;an Unternehmensstrategien\ngekoppelt<\/em>(e)<em> und staatlich\nabgesichert<\/em>(e)<em>&#8220; <\/em>Angebot von\nwachstumsorientierten Lebensstilen. So k\u00f6nnen wir auch begreifen, wieso diese <em>&#8222;nicht nur durch gesellschaftliche\nInstitutionen, sondern auch in den Mikrostrukturen des Alltags hegemonial\nreproduziert(e)&#8220; <\/em>Lebensweise eine Art der <em>&#8222;Politisierung des Klimawandels&#8220; <\/em>beg\u00fcnstigt, <em>&#8222;die dessen spezifische soziale Vermittlung\nunsichtbar macht und deshalb die Strukturprinzipien der kapitalistischen\nProduktionsweise nicht l\u00e4nger als Krisenursache, sondern als alternativlose\nL\u00f6sungsmechanismen erscheinen l\u00e4sst.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der systemisch fundierte\nZugang der marxistischen Gesellschaftstheorie zu Motivationsstrukturen,\nInteressenlagen und allt\u00e4glichen Verhaltensmustern erm\u00f6glicht aber nicht nur\neine ausgewogenere moralische Beurteilung des \u00f6kologisch bedenklichen\nKonsumverhaltens der in die imperiale Lebensweise integrierten Bev\u00f6lkerungsschichten.\nEr bietet dar\u00fcber hinaus im Vergleich zu der von Peach bezogenen Position auch\nviel breitere Ankn\u00fcpfungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr <strong>transformationsorientiertes\npolitisches Handeln<\/strong>. Die moralische Verdammung aller Konsumenten von\nMasseng\u00fctern f\u00fchrt n\u00e4mlich bei Peach dazu, dass er sich voreilig von den\nwichtigsten politischen Zielgruppen aller Transforma\u00adtionsbestrebungen\nabwendet. <em>&#8222;<\/em><em>Denn um derzeit breite Mehrheiten zu\nerreichen, m\u00fcssten die hierzu n\u00f6tigen Nachhaltigkeitsstrategien so beschaffen\nsein, dass sie das zeitgen\u00f6ssische Wohlstandsmodell gerade nicht in Frage\nstellen, w\u00e4ren also entsprechend wirkungslos.&#8220;<\/em> Der einzige ihm\nverbleibende Ansprechpartner ist jene kleine <em>&#8222;Avantgarde&#8220;<\/em>, die bereits jetzt alternative Lebensstile\nund Versorgungsmuster praktiziert. Sie erzeugt einen &#8222;<em>Vorrat an vitalen, abrufbereiten Praktiken&#8220;<\/em>, auf den dann <em>&#8222;auch ohne vorherige soziale Diffusion\nzur\u00fcckgegriffen werden kann, wenn ver\u00e4nderte Rahmenbedingungen dies nahelegen\noder erzwingen. Den Rest erledigen das Schicksal und die absehbare\nKrisendynamik.&#8220;<a href=\"#_edn71\"><strong>[71]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Peach\nbleibt also nur das <strong>Warten auf die\nKatastrophe<\/strong> in Verbindung mit der Hoffnung auf die dann einsetzende\nKrisendynamik. Wie gef\u00e4hrlich diese Haltung ist, machen die aktuellen\nErfahrungen mit dem Verlauf der Corona-Krise deutlich. Diese zeigen, dass staatlichen Institutionen die Durchsetzung\nvon <strong>autorit\u00e4ren Top-Down-Probleml\u00f6sun\u00adgen<\/strong>\nsehr leichtf\u00e4llt, wenn sie sich dabei auf den unmittelbar bevorstehenden, oder\ngar bereits eingetretenen Ausbruch einer Katastrophe berufen k\u00f6nnen. Das wird\njenen Institutionen auch in Zukunft umso eher gelingen, je besser sie es\nschaffen, die kontinuierliche Zuspitzung von Problemen so lange zu <strong>verschleiern<\/strong>, bis der Katastrophenfall\neintritt. Derartige Verschleierung aber ist eine der zentralen Funktionen aller\nhegemonialen Interpretations- und Motivationsmuster. Ernst gemeinte\nTransformationsbem\u00fchungen m\u00fcssen daher am Aufbau einer <strong>Gegenhegemonie<\/strong> arbeiten. Denn nur sie kann <strong>rechtzeitig<\/strong> geistige, soziale und \u00f6konomische Spielr\u00e4ume f\u00fcr die\nEntstehung und Ausbreitung von <strong>nicht-autorit\u00e4ren\n<\/strong><strong>Bottom-Up<\/strong><strong>-Alternativen<\/strong> \u00f6ffnen und zugleich die\nWiderstandsbereitschaft gegen autorit\u00e4re Ambitionen der Staatsmacht st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6gliche Ansatzpunkte f\u00fcr\ndie Entstehung einer solchen Gegenhegemonie gibt es in vielen Situationen des\nAlltags genau jener von Peach vorschnell abgeschriebenen Bev\u00f6lkerungsgruppen,\ndie derzeit noch an den von der imperialen Lebensweise angebotenen Konsum- und\nVerhaltensmustern festhalten. Sie klammern sich zwar weiterhin an das\nzeitgen\u00f6ssische Wohlstandsmodell, sto\u00dfen aber immer h\u00e4ufiger an dessen Grenzen.\nDie dadurch entstehende Verunsicherung bewirkt zwar wachsende Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr\ndie kurzschl\u00fcssigen Interpretations- und Probleml\u00f6sungsangebote des\nRechtspopulismus. Sie erh\u00f6ht aber auch die Bereitschaft zur Teilnahme an\nverschiedensten <strong>Initiativen<\/strong> der\nSelbsthilfe, des gemeinsamen Wohnens, der Energieautarkie, des\nZusammenschlusses von Konsumenten und regionalen Produzenten, usw.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>c. <a>Politik der Transformation<\/a><br>\n<\/strong>Best\u00e4rkung erf\u00e4hrt dieses\nInteresse f\u00fcr neue Formen der Daseinsbew\u00e4ltigung immer \u00f6fter durch alternative\nStimmen aus dem \u00dcberbau. Denn auch in Wissenschaft und Kultur wurde im Gefolge\nder j\u00fcngsten Finanz-, Umwelt- und Gesundheitskrisen die Hegemonie von\nLeitkonzepten der Wachstumsgesellschaft br\u00fcchig. Ein Beispiel daf\u00fcr sind die\nneoliberalen Dogmen der Steuer- und Budgetpolitik, zu denen sich selbst die\nber\u00fcchtigtsten einschl\u00e4gigen Experten derzeit nur mehr hinter vorgehaltener\nHand bekennen. Ein anderes Beispiel ist die Sicht auf die sogenannten\n&#8218;Leistungstr\u00e4ger&#8216; unserer Wirtschaft. Weil schon beim ersten Lock Down allen\nklar wurde, wo die wahren &#8218;Systemerhalter&#8216; werken, f\u00e4llt es nun auch den\ndiskussionsst\u00e4rksten Mainstream-\u00d6konom*innen schwer, gute Argumente f\u00fcr die\nLeistungsgerechtigkeit der bestehenden Einkommenspyramide zu finden.<a href=\"#_edn72\">[72]<\/a>\nMit einem Wort: Postkeynesianische und care-\u00f6konomische Sichtweisen befinden\nsich sp\u00e4testens seit dem Beginn der Corona-Krise im Aufwind. Und weil der nach\ndieser Krise unvermeidlich einsetzende Wachstumstaumel wieder zu einer raschen\nZuspitzung unserer Klima- und Umweltprobleme f\u00fchren muss, wird mittelfristig\nauch die Postwachstums-Theorie wieder verst\u00e4rkt Geh\u00f6r finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vorangehenden Abschnitte\nmachten deutlich, dass jede dieser Positionen eine sehr weitgehende\nTransformation unseres Wirtschaftens anvisiert und somit wichtige Impulse f\u00fcr\ndie zu schaffende Gegenhegemonie geben k\u00f6nnte. Leider verweisen die Ergebnisse\nder bisherigen \u00dcberlegungen in allen drei F\u00e4llen auf gravierende\nReflexionsdefizite bzw. Illusionen bez\u00fcglich der Vereinbarkeit des Kapitalismus\nmit den angestrebten Verh\u00e4ltnissen des wirtschaftenden Menschen zur Natur und\nzum anderen Menschen. Meiner Ansicht nach erm\u00f6glicht allein der \u00f6komarxistische\nZugang zum Wachstumsproblem eine realistische Sicht auf die Grenzen dieser\nWirtschaftsordnung. Denn nur die marxistische Analyse zeigt,<\/p>\n\n\n\n<ul><li>dass\nder Kapitalismus zwar unglaublich flexibel ist, was m\u00f6gliche <strong>Muster<\/strong> der Akkumulation von Kapital\nbetrifft,<\/li><li>dass\ner aber prinzipiell nicht lassen kann von dieser Akkumulation als\nsolcher&nbsp;&#8211;&nbsp;und damit auch nicht von dem das Klima, die Umwelt und\nletztlich sogar uns selbst zerst\u00f6renden <strong>Wachstum<\/strong>.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Trotz aller Differenzen\nzwischen den an tiefgreifendem Wandel unserer Wirtschaft orientierten\nPositionen sind meines Erachtens die in den vorangehenden Abschnitten deutlich\ngewordenen <strong>\u00dcbereinstimmungen<\/strong> gro\u00df\ngenug, um als Basis fruchtbarer Diskussionen \u00fcber die angestrebte\nTransformation fungieren zu k\u00f6nnen. Diese Diskussionen h\u00e4tten die gemeinsamen\nAnliegen zu b\u00fcndeln&nbsp;&#8211;&nbsp;etwa in Anlehnung an die bereit 2013 von Dieter\nKlein vorgeschlagenen Leitideen.<a href=\"#_edn73\">[73]<\/a>.\nDar\u00fcber hinaus sollte man sich um die Formulierung einer gegenhegemonialen <strong>Rahmenerz\u00e4hlung<\/strong> bem\u00fchen, welche dabei\nhilft, die Erfahrungen zu verarbeiten, welche Anlass geben f\u00fcr die Experimente\nund Initiativen zu neuen Formen der Daseinsbew\u00e4ltigung bzw. im Verlauf der\ngenannten Aktivit\u00e4ten entstehen. Besagte Rahmenerz\u00e4hlung m\u00fcsste diese\nErfahrungen verdichten und in einen gr\u00f6\u00dferen Kontext einordnen, sodass jene\nExperimente und Initiativen als Teilschritte des Weges in die\nPostwachstumsgesellschaft begreifbar werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle einschl\u00e4gigen\nBasis-Projekte sowie die durch sie auf der politisch-institutionellen Ebene\nangesto\u00dfenen Reformen setzen Prozesse in Gang, die einer der Wachstums- und\nProfitlogik des kapitalistischen Wirtschaftsystems entgegengesetzten Logik\nfolgen. Wenn der eben zitierte Dieter Klein fordert, dass es diese alternative\nLogik zu <strong>entfalten<\/strong> gelte<a href=\"#_edn74\">[74]<\/a>,\ndann ist dem zuzustimmen. Man muss sich aber fragen, was es konkret bedeutet,\ninnerhalb des Systems der Kapitalverwertung eine ihm widersprechende Logik zu entfalten.\nDazu nun abschlie\u00dfend einige kl\u00e4rende Bemerkungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Klein und manche anderen\nMarxisten tendieren dazu, diesen Widerspruch zwischen der Logik von\nTransformationsprojekten und der dominanten Wachstums- und Profitlogik in ein <strong>\u00e4u\u00dferliches<\/strong> <strong>Nebeneinander<\/strong> verschiedener Arten der Transformation aufzul\u00f6sen.\nF\u00fcr Klein etwa gibt es auf der einen Seite die <em>&#8222;kleine Transformation&#8220;<\/em> der immer destruktiveren\nneoliberalen Gesellschaftsformation in einen <em>&#8222;postneoliberalen&#8220;<\/em> Kapitalismus. Ihr gegen\u00fcber steht aus\nseiner Sicht die <em>&#8222;gro\u00dfe\nTransformation&#8220;<\/em> in den demokratischen Sozialismus, den er <em>&#8222;als eine von Grund auf demokratisch\nerneuerte, solidarische, gerechte, dem Erhalt der Biosph\u00e4re verpflichtete\nmoderne Friedensgesellschaft&#8220;<\/em> definiert. In manchen Passagen seiner\nArgumentation wird ihm dieses Nebeneinander zu einem <strong>Nach<\/strong>einander<a href=\"#_edn75\">[75]<\/a>, an\nanderen Stellen <em>&#8222;schiebt&#8220;<\/em>\nsich die Gro\u00dfe Transformation in die kleine hinein, oder <em>&#8222;rumort&#8220;<\/em> in ihr. Es ist aber auch die Rede davon, dass\ndie <em>&#8222;Transformation im Rahmen des\nKapitalismus &#8230; zunehmend bereits Tendenzen einschlie\u00dfen <\/em>(wird)<em>, die \u00fcber den Kapitalismus\nhinausweisen&#8220;<\/em>.<a href=\"#_edn76\">[76]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>All diese Formulierungen\nsind nicht falsch, treffen aber nicht den Kern dessen, was es bedeutet,\ninnerhalb des Systems der Kapitalverwertung eine ihm widersprechende Logik zu\nentfalten. Um wirklich zu verstehen, was bei dieser Entfaltung geschieht, muss man\nsich an eine der zentralen Einsichten der marxschen Kapitalismuskritik\nerinnern. Ich meine damit die Erkenntnis, dass der in privater Aneignung des\nkollektiven Produkts liegende Grundwiderspruch des Systems der\nKapitalverwertung durch Reformen immer nur auf eine h\u00f6here Stufe gehoben werden\nkann, wo er dann zu <strong>neuen Widerspr\u00fcchen<\/strong>\nf\u00fchrt. F\u00fcr die Beurteilung der die Grenzen der Profitlogik \u00fcberschreitenden\nProjekte bedeutet diese Einsicht folgendes: Jede Realisierung eines derartigen\nProjekts l\u00f6st zwar einen der Widerspr\u00fcche des aktuellen Wirtschaftssystems auf\nund holt damit ein St\u00fcck Utopie in die Gegenwart herein. Es erzeugt damit aber\nzugleich in dem diese Gegenwart bestimmenden Wirtschaftssystem einen neuen,\npotentiell systemsprengenden Widerspruch, der nur durch die Realisierung\nweiterer grenz\u00fcberschreitender Vorhaben vor\u00fcbergehend aufgehoben werden kann.\nPolitik mit ernsthafter Transformationsabsicht wird also gut beraten sein, wenn\nsie dieses von Widerspr\u00fcchen angetriebene und zu immer neuen Widerspr\u00fcchen\nhinf\u00fchrende Bewegungsmuster von vornherein ins Zentrum ihres Bildes vom\nangestrebten Transformationsprozess stellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Als marxistisch geschulter\nGesellschaftstheoretiker gibt Klein zwar den inneren Widerspr\u00fcchen des\nKapitalismus breiten Raum in seinen \u00dcberlegungen. Er reflektiert jedoch zu\nwenig den engen Bezug zwischen dem Muster der Weiterentwicklung dieser\nWiderspr\u00fcche und der <strong>Dynamik von\npolitischen K\u00e4mpfen<\/strong>. In dieser Dynamik aber liegt die Antwort auf die\nFrage, wie sich unter bestimmten Bedingungen innerhalb des Systems der\nKapitalverwertung eine ihm widersprechende Logik entfalten kann. Warum das so\nist, wird deutlich, wenn man sich kurz vergegenw\u00e4rtigt, dass der Anlass f\u00fcr\njeden politischen Kampf das Aufbrechen eines solchen Widerspruchs ist. Bei dem\ndarauffolgenden Kampf stehen einander dann (im einfachsten Fall) zwei m\u00f6gliche\nL\u00f6sungen gegen\u00fcber, die beide eine vor\u00fcbergehende L\u00f6sung des\nAusgangswiderspruchs versprechen. Eine der beiden gehorcht der dominierenden\nProfitlogik und bedient prim\u00e4r die Interessen der herrschenden Eliten, w\u00e4hrend\ndie andere einer systemtranszendierenden Logik unterliegt und sich an den\nInteressen der Systemverlierer orientiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus deren Perspektive hat\nalso jeder derartige Kampf folgenden Ablauf:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Man\nsetzt an bei einem bestehenden Widerspruch des herrschenden Systems,<\/li><li>findet\neine der Profitlogik widersprechende L\u00f6sung f\u00fcr diesen Widerspruch,<\/li><li>um\ndann festzustellen, dass jene L\u00f6sung nur weitere Widerspr\u00fcche aufrei\u00dft,<\/li><li>die\nreflektiert und in der n\u00e4chsten Etappe des Kampfes weitergetrieben werden k\u00f6nnen,\nsofern es gelingt, den neu aufgerissenen Widerspr\u00fcchen neue politische Ziele\nent\u00adgegenzusetzen, die zus\u00e4tzliche Kampfkraft mobilisieren.<a href=\"#_edn77\">[77]<\/a><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Dieses Ablaufmuster zeigt,\ndass politischen K\u00e4mpfe auf der Seite der Systemverlierer einen <strong>kollektiven Lernprozess<\/strong> etablieren, in\ndessen Verlauf sich (bei entsprechend g\u00fcnstigen Rahmenbedingungen und\numsichtiger Wahl der jeweiligen Etappenziele) das Anstreben von kleinen\nTransformationen kontinuierlich zur Orientierung an gr\u00f6\u00dferen Ver\u00e4nderungen\nerweitern kann, um schlie\u00dflich in die weite Perspektive der gro\u00dfen\nTransformation zu m\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie schwer der korrekte\ntheoretische Zugang zu dieser vom <strong>Aufgreifen\nund Weitertreiben des Widerspruchs <\/strong>lebenden Transformationsdynamik auch\ninnerhalb des marxistischen Diskurses f\u00e4llt, belegt die bunte Vielfalt\neinschl\u00e4giger Irrt\u00fcmer. Eines der diesbez\u00fcglichen Beispiele findet sich in\neinem Text des 2019 verstorbenen US-amerikanischen Soziologen Erik&nbsp;Olin&nbsp;Wright.\nHier wird unterschieden zwischen <em>&#8222;drei\nLogiken der Transformation&#8220;<\/em><a href=\"#_edn78\">[78]<\/a>,\nwelche aus Wrights Sicht die Geschichte aller antikapitalistischen K\u00e4mpfe pr\u00e4gen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Bruch-Strategien\n(rupture\nstrategies), mit der Absicht,\neinen <em>&#8222;scharfen Bruch&#8220;<\/em> mit\nden existierenden Institutionen herbeizuf\u00fchren,<\/li><li>Nischen-Strategien\n(interstitial\nstrategies) mit dem Bestreben,\nreale Alternativen (Wright spricht hier von Realutopien) <em>&#8222;in den Nischen und Grenzbereichen der kapitalistischen\nGesellschaften aufzubauen, oft dort, wo sie keine unmittelbare Bedrohung f\u00fcr\ndie herrschenden Klassen und Eliten darzustellen scheinen&#8220;<\/em><\/li><li>Symbiotische\nStrategien (symbiotic strategies)\nmit dem Bem\u00fchen um <em>&#8222;Ausweitung und\nVertiefung institutioneller Formen der sozialen Erm\u00e4chtigung, die den Staat und\ndie Zivilgesellschaft einschlie\u00dfen, zugleich dazu beitragen, praktische<\/em> <em>Probleme zu l\u00f6sen, mit denen die dominanten\nKlassen und Eliten konfrontiert sind.&#8220;<\/em><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Wegen der bisher eher\ntristen Erfahrungen mit den Bruch-Strategien h\u00e4lt Wright es f\u00fcr sinnvoll, <em>&#8222;eine strategische Orientierung zu\nw\u00e4hlen, die um ein Wechselspiel von interstitiellen und symbiotischen\nStrategien herum organisiert ist, vielleicht mit periodischen Episoden, die\nElemente einer auf den Bruch orientierten Strategie einschlie\u00dfen&#8220;<\/em>.<a href=\"#_edn79\">[79]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Hinter Wrights\nUnterscheidung von drei Transformationsstrategien steht offenbar die Absicht, das\nMoment des Widerspruchs auf eine einzige der drei Strategien zu konzentriert,\ndamit dann im n\u00e4chsten Schritt das Hauptaugenmerk auf die beiden anderen, <strong>konfliktfrei gestellten<\/strong> Strategien\ngelenkt werden kann. Um die Leser*innen vom &#8218;linken Fl\u00fcgel&#8216; zu beruhigen, wird\nzwar zugestanden, dass man den Widerspruch in <em>&#8222;periodischen Episoden&#8220;<\/em> wieder <em>&#8222;vielleicht&#8220;<\/em> in die Strategie hereinholen werde. Dieses\nvage Versprechen sollte aber nicht vom eigentlichen Fehler des vorliegenden\nAnsatzes ablenken. Denn der besteht darin, dass das Element des Widerspruchs\nvon vornherein <strong>nur mit<\/strong> <strong>einer von mehreren<\/strong> m\u00f6glichen Strategien\nverbunden wird, w\u00e4hrend es doch, wie zuvor dargelegt, als das Energiezentrum\nder gesamten Dynamik des Transformationsprozesses verstanden werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Einsicht in die durch\nden Widerspruch getriebene Dynamik von Transformationsprozessen ist ein\nErbst\u00fcck, das Hegel dem Marxismus in die Wiege legte. Neben dem Beharren auf den\nSchlussfolgerungen aus der zwanghaften Verkn\u00fcpfung von Kapitalakkumulation mit\nWirtschaftswachstum halte ich jenes hegelsche Erbst\u00fcck f\u00fcr den wahrscheinlich\nwichtigsten Diskussionsbeitrag des \u00d6komarxismus zu den Auseinandersetzungen um\ndie Transformation der Wachstumswirtschaft in eine solidarische\nPostwachstums\u00f6konomie. Mit Konzepten, welche das Moment des Widerspruchs in ein\n\u00e4u\u00dferliches Nebeneinander von kleiner und gro\u00dfer Transformation aufl\u00f6sen oder\ngar in <em>&#8222;periodische Episoden&#8220; <\/em>des\nKonflikts verbannen, wird es allerdings nicht gelingen, diesen Beitrag zu\nleisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein strategischer Ansatz,\nwelcher der zentralen Bedeutung des Widerspruchs f\u00fcr den Transformationsprozess\nviel eher gerecht werden k\u00f6nnte, ist das von Joachim Hirsch schon in den\nneunzehnachtziger Jahren ins Spiel gebrachte Konzept eines <em>&#8222;radikalen Reformismus&#8220;<\/em>. Hirsch kn\u00fcpft an bei der von\nRosa Luxemburg gepr\u00e4gten Formel von der <em>&#8222;revolution\u00e4ren\nRealpolitik&#8220;<\/em> und verweigert damit so wie Luxemburg selbst das Konzept\neines Nebeneinanders von Reform (kleine Transformation) und Revolution (gro\u00dfe\nTransformation). Nachdem sie erstmals 1903 in einem Zeitungsartikel von <em>&#8222;revolution\u00e4rer\nRealpolitik&#8220;<\/em> gesprochen\nhatte, gab Luxemburg in ihrer 1906 verfassten Schrift <em>&#8222;Massenstreik, Partei und Gewerkschaften&#8220;\n<\/em>eine ausf\u00fchrlichere Beschreibung dieses strategischen Ansatzes. Sie\nmachte darin deutlich, dass sie an eine Politik dachte, die <em>&#8222;aus dem Handeln der Menschen selbst\nhervorgeht, von ihnen vorangebracht wird&#8220;<\/em>. Es ist dies eine Politik,\nbei der die Akteure <em>&#8222;mit immer neuen\nFormen und Inhalten experimentieren, lernen und eigene Schl\u00fcsse ziehen, sich\nOrganisationsformen geben und \u00fcberkommene zerst\u00f6ren.&#8220;<\/em><a href=\"#_edn80\">[80]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In diesem\nSinne muss sich meiner Ansicht nach auch eine <strong>radikal&nbsp;reformistische Postwachstumspolitik<\/strong> als Teil eines\ngesellschaftlichen Prozesses verstehen, der sein dynamisches Zentrum in den von\nden Menschen selbst hervorgebrachten Initiativen und Projekten hat. Sie selbst bem\u00fcht\nsich um deren Zusammenwachsen zu einer alle Daseinsbereiche erfassenden gegenhegemonialen\nKraft, die sich nicht nur gegen die wachstumsorientierten Wirtschaftseliten in\nStellung bringt, sondern auch gegen die eng mit ihnen vernetzten und f\u00fcr ihre\nInteressen agierenden Teile der Staatsmacht. An den kollektiven Lernprozessen,\ndie beim Kampf um die Realisierung der gemeinsamen Anliegen jener Bewegung stattfinden,\nbeteiligt sich diese Politik vor allem lernend, nicht aber Lerninhalte vorgebend.\nUnd in den nach jedem Etappensieg auf einer neuen Ebene aufbrechenden Widerspr\u00fcchen\nder bestehenden Wirtschaftsordnung sieht sie keinen Grund f\u00fcr das Abweichen vom\nangestrebten Ziel einer solidarischen Postwachstumsgesellschaft, sondern einen\nAnsporn f\u00fcr konsequentes Weitertreiben aller das zerst\u00f6rerische Wachstumssystem\nsprengenden Projekte und Initiativen.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nachbemerkung<br>\nAktuelles Beispiel f\u00fcr die oben beschriebene Verkn\u00fcpfung des Musters der\nBewegung von Widerspr\u00fcchen mit der Dynamik politischer K\u00e4mpfe ist das Geschehen\nim Zusammenhang mit dem sogenannten &#8218;Mietendeckel&#8216; in Berlin:<br>\no&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ausgangswiderspruch: Die\nNiedrigzinspolitik der EZB f\u00fchrte zu Preisblasen auf den Immobilienm\u00e4rkten der\nGro\u00dfst\u00e4dte und machte hier die Mietwohnungen unerschwinglich.<br>\no&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Der Profitlogik widersprechende\nL\u00f6sung des Ausgangswiderspruchs in Berlin: Die rot-rot-gr\u00fcne\nKoalitionsregierung erl\u00e4sst Preisobergrenzen und verhindert damit weitere\nPreisanstiege im Bestand der Altmietwohnungen.<br>\no&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Aufrei\u00dfen neuer Widerspr\u00fcche\ndurch die L\u00f6sung des Ausgangswiderspruchs: Im Gefolge der Preisregulierung\nsinkt das Angebot an Altmietwohnungen, weil die Vermieter Wohnungen leer stehen\nlassen oder ins Eigentum umwandeln. Zugleich verst\u00e4rkt sich wegen des\nversch\u00e4rften Ungleichgewichts von Angebot und Nachfrage der Preisauftrieb im\nNeubausektor.<br>\no&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; M\u00f6gliche L\u00f6sungen der neu\naufgerissenen Widerspr\u00fcche treiben diese nun je nach Ausgang des politischen\nKampfs entweder auf systemkonforme oder auf potentiell systemsprengende Weise\nweiter:<br>\n\uf0fc&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die systemkonforme (und im\nvorliegenden Fall wachstumstreibende!) Probleml\u00f6sung besteht in der Aufhebung\ndes Mietendeckels bei gleichzeitiger Ankurbelung der Baut\u00e4tigkeit nach dem von\nder Immobilienwirtschaft ausgegebenen Motto: &#8222;Bauen, bauen, bauen&#8220;.<br>\n\uf0fc&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Dem Weitertreiben des\nWiderspruchs in eine potentiell systemsprengende Richtung stehen verschiedene\nWege offen. Etwa die Einhebung einer empfindlich hohen Leerstandsabgabe, u.\/o.\ndas Verbot von Eigentumsumwandlungen, u.\/o. die Vergesellschaftung gro\u00dfer Teile\ndes Bestands an Altmietwohnungen. Die Berliner Mieterbewegung entscheidet sich\nf\u00fcr die am weitesten gehende letztgenannte L\u00f6sungsvariante und startet ein\nVolksbegehren, das bei ausreichender Unterschriftenzahl zur Durchf\u00fchrung eines\nVolksentscheids \u00fcber die Vergesellschaftung von rund 15 Prozent des gesamten\nMietwohnungsbestandes der Hauptstadt f\u00fchren wird.<br>\nDie n\u00e4chsten Monate werden zeigen, ob man mit dieser hohen Zielsetzung den\nBogen \u00fcberspannt hat, oder ob es gelingt, aus der vorangehenden Versch\u00e4rfung\nder Widerspr\u00fcche auf dem Wohnungsmarkt ausreichend gro\u00dfe politische Kampfkraft\nzu sch\u00f6pfen, um diese wichtige Etappe der Vergesellschaftung zu realisieren.<br>\n<br>\n<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref1\">[1]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Der Standard, 29.\/30.9.2018, S. 5<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref2\">[2]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. (7) in der Liste der zitierten Texte<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref3\">[3]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Warnhinweis f\u00fcr\nidentit\u00e4tspolitisch hochsensible Leser*innen: Der folgende Text kann Ihr emotionales\nGleichgewicht ernsthaft gef\u00e4hrden, da ich die sprachliche Gleichbehandlung der\nGeschlechter in ihm nicht durchg\u00e4ngig praktiziere. Um meinem Unbehagen \u00fcber das\nUmsichgreifen identit\u00e4tspolitischer Beckmesserei Ausdruck zu verleihen, habe\nich das politisch korrekte Gendern auf einige wenige ausgew\u00e4hlte F\u00e4lle\nbeschr\u00e4nkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref4\">[4]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. (31)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref5\">[5]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anders als von neoliberalen \u00d6konomen\nversprochen, hat die H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung in den vergangenen 35 Jahren <em>&#8222;nur mickrige zw\u00f6lf Prozent des\nglobalen Einkommenszuwachses f\u00fcr sich verbuchen k\u00f6nnen&#8220;<\/em>. (28)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref6\">[6]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Wirtschaft und Umwelt 2\/2014<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref7\">[7]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. (32)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref8\">[8]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. (38), Session 1<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref9\">[9]<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Vgl. Kurier, 11.12.2015<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref10\">[10]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (40)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref11\">[11]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. profil, 14.3.2021, S.\n35<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref12\">[12]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (6), Abschnitt II.4d (<em>&#8222;Krise des Postfordismus&#8220;<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref13\">[13]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (10)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref14\">[14]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (24), Abschnitt 2.3.1 (<em>&#8222;Entstehungsseite des BIP: Materielle\nRebound-Effekte&#8220;<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref15\">[15]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. akin, 3.2.2021, S.\n10&nbsp;f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref16\">[16]<\/a>&nbsp;&nbsp; (24), Abschnitt 3.2 (<em>&#8222;Strukturelle Wachstumstreiber&#8220;<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref17\">[17]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (22)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref18\">[18]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (2)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref19\">[19]<\/a>&nbsp;&nbsp; Keynes&#8216; \u00c4u\u00dferungen zu diesem Thema finden sich sowohl im letzten Kapitel seiner Allgemeinen Theorie als auch in mehreren Aufs\u00e4tzen. Dazu z\u00e4hlen insbesondere: Wirtschaftliche M\u00f6glichkeiten unserer Enkelkinder (1929\/30), einige wirtschaftliche Folgen einer abnehmenden Bev\u00f6lkerung (1937), das Langzeitproblem der Vollbesch\u00e4ftigung (1943)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref20\">[20]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (36)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref21\">[21]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. zum Folgenden: (1)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref22\">[22]<\/a>&nbsp;&nbsp; Der Neoliberalismus ist eine\nSonderentwicklung der neoklassischen \u00d6konomie, die mit dieser die Markt- und\nWachstumsorientierung teilt. Im Unterschied zur \u00fcbrigen Neoklassik fokussiert\nder Neoliberalismus bei seinen Marktanalysen aber nicht so sehr auf mathematisch\nexakt modellierbare Gleichgewichte. Vielmehr sieht man im Markt prim\u00e4r einen Informationsprozessor,\ndessen \u00fcberragende Steuerleistung darauf beruhe, dass er wesentlich mehr\nInformationen verarbeite als jeder einzelne Marktteilnehmer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref23\">[23]<\/a>&nbsp;&nbsp; (29)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref24\">[24]<\/a>&nbsp;&nbsp; (33)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref25\">[25]<\/a>&nbsp;&nbsp; Im &#8218;Kapital&#8216; bezeichnete\nMarx diesen Entfaltungsraum als das &#8222;<em>Reich\nder Freiheit&#8220;<\/em> (21), S. 828. In seiner Jugend hatte er dieselbe Sache\naber noch etwas anders gesehen. Mehr zu dieser Entwicklung bei Marx und zu\nihrer Relevanz f\u00fcr unsere Diskussionen zur Postwachstumsgesellschaft im\nAbschnitt 6.a<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref26\">[26]<\/a>&nbsp;&nbsp; (30)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref27\">[27]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. die diesbez\u00fcglichen\nAusf\u00fchrungen in (7), sowie die ausf\u00fchrliche Darstellung meiner Sicht auf die\nmarxistische Krisentheorie in (6)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref28\">[28]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. die <em>&#8222;Gemeinwohlbilanzen&#8220;<\/em> der\nsogenannten <em>&#8222;Gemeinwohl-\u00d6konomie<\/em>&#8222;,\neiner Sonderform der postkeynesianischen \u00d6konomie des Guten Lebens<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref29\">[29]<\/a>&nbsp;&nbsp; N\u00e4hme man auf EU-Ebene jene\npositiven Standorteffekte einer Politik des Guten Lebens ernst, w\u00e4re eine\nAusweitung ihrer Spielr\u00e4ume m\u00f6glich. Dann w\u00fcrden n\u00e4mlich \u00f6ffentliche Ausgaben\nim Bildungs-, Gesundheits- und Pflegebereich als <strong>Investition<\/strong> anerkannt und nicht mehr als defiziterh\u00f6hende <strong>Kosten<\/strong> klassifiziert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref30\">[30]<\/a>&nbsp;&nbsp; Einen \u00dcberblick \u00fcber die international\nprominentesten Vertreter der Postwachstumstheorie gibt (8)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref31\">[31]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. dazu und zu den folgenden\nAusf\u00fchrungen: (24)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref32\">[32]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (37)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref33\">[33]<\/a>&nbsp;&nbsp; Der Begriff der\n&#8218;Konvivalit\u00e4t&#8216; wurde schon in den neunzehnsiebziger Jahren von Ivan Illich\ngepr\u00e4gt und stellt auf die Einbettung des Menschen in seine\nProduktionsverh\u00e4ltnisse ab. Konvivalit\u00e4t ist gegeben, wenn der Einzelne nicht\nversklavt wird durch das ihn umschlie\u00dfende Ensemble von Technik und\nInstitutionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref34\">[34]<\/a>&nbsp;&nbsp; Wie die Marxisten sind sich\nauch die Vertreter*innen der \u00d6konomie des Guten Lebens v\u00f6llig im Klaren\ndar\u00fcber, <em>&#8222;dass ein gutes Leben f\u00fcr\nalle nicht \u00fcber ein Mehr an individuellem Konsum zu haben ist.&#8220;<\/em> (18),\nSeite&nbsp;V<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref35\">[35]<\/a>&nbsp;&nbsp; In diesem Sinne tr\u00e4gt das\nf\u00fcnfte Kapitel des ersten Bandes des &#8218;Kapital&#8216; den Titel <em>&#8222;Arbeitsprozess und Verwertungsprozess&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref36\">[36]<\/a>&nbsp;&nbsp; Diese mit Peachs Thesen\nv\u00f6llig kompatible Sicht auf das Wachstumsproblem wird nicht von Peach selbst\nsondern vom Jenaer Soziologen Stephan Lorenz vertreten. Vgl. (38), Session 3<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref37\">[37]<\/a>&nbsp;&nbsp; (25), S. 37 f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref38\">[38]<\/a>&nbsp;&nbsp; (26)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref39\">[39]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (17), S. 26 ff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref40\">[40]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (16), S. 16<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref41\">[41]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (12)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref42\">[42]<\/a>&nbsp;&nbsp; (17), S. 40; Hervorhebung\ndurch Ulrike Knobloch<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref43\">[43]<\/a>&nbsp;&nbsp; (16), S. 16<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref44\">[44]<\/a>&nbsp;&nbsp; (41)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref45\">[45]<\/a>&nbsp;&nbsp; (16), S. 16<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref46\">[46]<\/a>&nbsp;&nbsp; (13)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref47\">[47]<\/a>&nbsp;&nbsp; Die aktuelle Corona-Krise\nf\u00fchrt Postkeynesianern und \u00d6komarxisten das hier angesprochene Naheverh\u00e4ltnis\nzur Wirtschaftstheorie des Sorgens sehr deutlich vor Augen. Denn sowohl\nPostkeynesianer als auch \u00d6komarxisten betonen, wie negativ sich die sozialen\nNachhaltigkeitsdefizite unserer Gesellschaft auf deren Pandemie-Resilienz\nauswirken. Von zentraler Bedeutung f\u00fcr Aufbau und Aufrechterhaltung einer\nsolchen Resilienz sind aber gerade jene vom neoliberalen Akkumulationsregime\nbesonders geschw\u00e4chten Bereiche der Alltags\u00f6konomie, deren Analyse im Zentrum\ndes Forschungsinteresses der Care-Theoretikerinnen stehen. Vgl. (18)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref48\">[48]<\/a>&nbsp;&nbsp; Lange Zeit fanden sich\nderartige Defizite auch in der marxistischen \u00d6konomie. Als in den\nneunzehnsiebziger Jahren noch viele Marxisten den produktiven, d.h.\nmehrwertschaffenden Charakter der Haus- und Familienarbeit bezweifelten, wiesen\nfeministische \u00d6konominnen bereits darauf hin, dass diese Arbeit zur Herstellung\nund best\u00e4ndigen Reproduktion der Ware Arbeitskraft dient und daher\nmehrwertschaffend ist. Vgl. (9)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref49\">[49]<\/a>&nbsp;&nbsp; Karl Marx: \u00d6konomisch-philosophische\nManuskripte, 1844. Es handelt sich hier also um zwei Zitate aus einer Schrift\ndes jungen Marx. Sp\u00e4ter entwickelte Marx eine anders akzentuierte Utopie von\nder Befreiung der Arbeit. Mehr dazu im Kapitel zum \u00d6komarxismus<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref50\">[50]<\/a>&nbsp;&nbsp; F\u00fcr Daniela Gottschlich etwa\n<em>&#8222;bilden soziale und \u00f6kologische\nSorgearbeiten &#8230; die Grundlage allen Wirtschaftens&#8220;<\/em>.(13) Tats\u00e4chlich\nsind diese Arbeiten zwar <strong>eine<\/strong> ganz\nwesentliche, aber sicher nicht <em>&#8222;die&#8220;<\/em>\n(im Sinne von <em>&#8222;die einzige&#8220;<\/em>)\nGrundlage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref51\">[51]<\/a>&nbsp;&nbsp; (17), S. 43<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref52\">[52]<\/a>&nbsp;&nbsp; Alle Zitate aus dem Kurier\nvom 11.8.2020<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref53\">[53]<\/a>&nbsp;&nbsp; (21), S.&nbsp;828<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref54\">[54]<\/a>&nbsp;&nbsp; (20), S. 516 (Hervorhebungen\ndurch K.&nbsp;Marx)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref55\">[55]<\/a>&nbsp;&nbsp; F\u00fcr den junge Marx hat diese\nTrennung des Arbeitenden von den gegenst\u00e4ndlichen und nat\u00fcrlichen Grundlagen seines\nLebens zwei Aspekte, und zwar erstens, <em>&#8222;dass\nimmer mehr die sinnliche Au\u00dfenwelt aufh\u00f6rt, ein seiner Arbeit angeh\u00f6riger\nGegenstand, ein <strong>Lebensmittel<\/strong> seiner\nArbeit zu sein; zweitens, dass sie immer mehr aufh\u00f6rt, <strong>Lebensmittel<\/strong> im unmittelbaren Sinn, Mittel f\u00fcr die physische\nSubsistenz des Arbeiters zu sein.&#8220;<\/em> (20) (Hervorhebungen durch\nK.&nbsp;Marx)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref56\">[56]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (23)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref57\">[57]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (11)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref58\">[58]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. meine diesbez\u00fcgliche\nArgumentation bei der Einsch\u00e4tzung der postkeynesianischen \u00d6konomie des Guten\nLebens<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref59\">[59]<\/a>&nbsp;&nbsp; (14)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref60\">[60]<\/a>&nbsp;&nbsp; (34)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref61\">[61]<\/a>&nbsp;&nbsp; (23), S. 19<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref62\">[62]<\/a>&nbsp;&nbsp; (23), S. 52<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref63\">[63]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (23), S. 29<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref64\">[64]<\/a>&nbsp;&nbsp; (27)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref65\">[65]<\/a>&nbsp;&nbsp; Zur Gr\u00f6\u00dfenordnung der hier\nim Spiel befindlichen Betr\u00e4ge: Geht man f\u00fcr Deutschland von den gut 950.000 F\u00fcnfundzwanzigj\u00e4hrigen\ndes Jahres 2019 aus, dann ergibt sich bei einem Betrag von 120.000 Euro pro\nPerson eine j\u00e4hrliche Gesamtsumme von mehr als 110 Milliarden Euro. Selbst wenn\nnur die H\u00e4lfte davon f\u00fcr die kollektive Bereitstellung von Wohnraum reserviert\nw\u00e4re, k\u00e4me man auf mehr als 50 Milliarden Euro pro Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref66\">[66]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. z.B. das Projekt <em>&#8222;Green\nEconomy Transformation&#8220;<\/em> der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Internationale\nZusammenarbeit (GIZ), das <em>&#8222;ein\nbesonderes Augenmerk &#8230; auf finanzpolitische Ans\u00e4tze <\/em>(richtet)<em>, die finanzielle Anreize f\u00fcr eine gr\u00fcne\nWirtschaft schaffen&#8220;<\/em>.(39)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref67\">[67]<\/a>&nbsp;&nbsp; (4)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref68\">[68]<\/a>&nbsp;&nbsp; Vgl. (6), Teil&nbsp;II,\nKapitel&nbsp;4 (<em>&#8222;Krise und\nNeoliberalismus&#8220;<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref69\">[69]<\/a>&nbsp;&nbsp; Dieses und die folgenden\nZitate aus (3)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref70\">[70]<\/a>&nbsp;&nbsp; Gramscis Konzept der <em>&#8222;Hegemonie&#8220;<\/em> wurzelt in\nfolgender schon von Marx und Engels in der Deutschen Ideologie formulierten\nEinsicht: <em>&#8222;Die Gedanken der\nherrschenden Klasse sind in jeder Epoche herrschende Gedanken, d.h. die Klasse,\nwelche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre\nherrschende geistige Macht.&#8220;<\/em> (19)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref71\">[71]<\/a>&nbsp;&nbsp; (24), Kapitel 5 (<em>&#8222;Die Rolle der Politik&#8220;<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref72\">[72]<\/a>&nbsp;&nbsp; Zur Belegung des Aufbrechens\nder herk\u00f6mmlichen Bewertung von wirtschaftlichen Leistungen erinnere ich hier\nnochmals an die bereits in Abschnitt&nbsp;5.a zitierte Studie (18). Weitere\nBeispiele f\u00fcr das umsichgreifende Infragestellen von Lehrbuchdogmen der\nMainstream-\u00d6konomie durch alternativ denkende \u00d6konom*innen finden sich in einem\nArtikel in der ZEIT vom 28.1.2021 mit dem Titel <em>&#8222;Das Mainstream-Monopol&#8220;<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref73\">[73]<\/a>&nbsp;&nbsp; Klein benennt vier derartige\nIdeen, und zwar: die gerechte Umverteilung von Lebenschancen und Macht, den\nsozial-\u00f6kologischen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft, die demokratische\nUmgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft sowie umfassende Friedenssicherung\nund Solidarit\u00e4t. Vgl. (15)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref74\">[74]<\/a>&nbsp;&nbsp; <em>&#8222;Alle Werte, Elemente, Institutionen und Praxen, die schon in den\nb\u00fcrgerlichen Gesellschaften eine dem Kapital entgegengesetzte Logik der\nEntwicklung bergen, m\u00fcssen &#8230; aus dem Abseits gerissen und entfaltet werden.&#8220;<\/em>\nAus dem Kurztext zu (15)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref75\">[75]<\/a>&nbsp;&nbsp; &#8222;<em>Eine &#8230; Gro\u00dfe Transformation wird zur Aufgabe des 21. Jahrhunderts.\nAber sie wird in Europa voraussichtlich nicht unmittelbar der n\u00e4chste Akt der\nGeschichte sein.&#8220;<\/em> Die L\u00f6sung unserer Probleme &#8222;<em>wird eher mit einer \u00bbkleinen\u00ab Transformation,\ndas hei\u00dft mit einer Transformation im Rahmen des Kapitalismus beginnen. Den\ninnerkapitalistischen Transformationen vom Konkurrenz- zum Monopolkapitalismus,\nvon diesem zum sozialstaatlich regulierten fordistischen Kapitalismus und\nschlie\u00dflich zum neoliberalen Kapitalismus k\u00f6nnte nach der hier entwickelten\nErwartung eine postneoliberale Transformation folgen.&#8220; <\/em>(15), Seite 13<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref76\">[76]<\/a>&nbsp;&nbsp; Alle vorangehenden Zitate\naus (15), Kapitel&nbsp;1 mit dem Titel <em>&#8222;Doppelte\nTransformation &#8211; die Herausforderung&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref77\">[77]<\/a>&nbsp;&nbsp; Aktuelles Beispiel f\u00fcr die hier beschriebene Verkn\u00fcpfung des Musters der Bewegung von Widerspr\u00fcchen mit der Dynamik politischer K\u00e4mpfe ist das Geschehen im Zusammenhang mit dem sogenannten &#8218;<strong>Mietendeckel<\/strong>&#8218; in Berlin.  Um Konkretisierung der hier beschriebenen Verkn\u00fcpfung des Musters der Bewegung von Widerspr\u00fcchen mit der Dynamik politischer K\u00e4mpfe bem\u00fcht sich die Nachbemerkung zum vorliegenden Text.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref78\">[78]<\/a>&nbsp;&nbsp; (35)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref79\">[79]<\/a>&nbsp;&nbsp; (35), S. 102 f.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ednref80\">[80]<\/a>&nbsp;&nbsp; (5)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>B\u00fccher, Artikel, Interviews<br> <\/strong>(1) Altmann, P.: Das Gute Leben als Alternative zum Wachstum? Der Fall Ecuador, Sozialwissenschaften und Berufspraxis, 2013, 36(1), S. 101-111<br> (2) Binswanger, B.: Der Wachstumszwang. Warum die Volkswirtschaft immer weiterwachsen muss, selbst wenn wir genug haben, Weinheim, 2019, Wiley-VCH<br> (3) Brand, U., Wissen, M.: Sozial-\u00f6kologische Krise und imperiale Lebensweise. Zu Krise und Kontinuit\u00e4t kapitalistischer Naturverh\u00e4ltnisse; in: Demirovi\u0107, A., D\u00fcck, J., Becker, F., Bader, P. (Hrsg.): VielfachKrise im finanzdominierten Kapitalismus. Hamburg, 2011, VSA Verlag<br> (4) Brand, U., Schickert, C.: \u00d6kosozialistische Strategien f\u00fcr eine sozial-\u00f6kologische Transformation. Postkapitalismus als wachstumskritische Praxis; in: D\u00f6rre, K., Schickert, C. (Hrsg.): Neosozialismus. Solidarit\u00e4t, Demokratie und \u00d6kologie vs. Kapitalismus, M\u00fcnchen, 2019, oekom verlag<br> (5) Brie, M.: Revolution\u00e4re Realpolitik I; in: Brie, M., Candeias, M.: ABC der Transformation: Revolution\u00e4re Realpolitik; in: LUXEMBURG (Zeitschrift der Rosa-Lux\u00ademburg-Stiftung), J\u00e4nner 2019<br> (6) Czasny, K.: Kritik des Arbeitswerts. Zum zentralen Begriff der \u00f6konomischen Theorie von Karl Marx, K\u00f6ln, 2018, PapyRossa Verlag<br> (7) Czasny, K.: Zur \u00f6konomischen Dimension der COVID-19-Pandemie; in: Zukunft, 05\/2020<br>(8) D&#8217;Alisa, G., Demaria, F., Kallis, G.: Degrowth \u2013 A Vocabulary for a New Era, London, 2014, Routledge<br> (9) Dalla Costa, M.: Die Frauen und der gesellschaftliche Umsturz; in: Die Macht der Frauen und der Umsturz der Gesellschaft. Internationale Marxistische Diskussion 36, Berlin, 1973, Merve Verlag<br> (10) Dowling, E.: The Care Crisis. What Caused It and How Can We End It? London &#8211; New York, 2021, Verso<br> (11) Foster, J. B.: Marx\u2019s Ecology \u2013 materialism and nature, Monthly Review Press, New York, 2000<br> (12) Fraser, N.: Feminismus ohne Strategie; Interview mit Nancy Fraser in: LUXEMBURG (Zeitschrift der Rosa-Luxemburg-Stiftung), Dezember 2012<br> (13) Gottschlich, D.: Nachhaltiges Wirtschaften: Zum Verh\u00e4ltnis von Care und Green Economy; in: https:\/\/www.frauenpolitischer-rat.de\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Care-Economy_finalx.pdf<br> (14) Grundmann, R.: Marxism and Ecology, Oxford, 1991, Clarendon Press<br> (15) Klein, D.: Das Morgen tanzt im Heute. Transformation im Kapitalismus und \u00fcber ihn hinaus, Hamburg, 2013, VSA Verlag<br> (16) Knobloch, U.: Sorge\u00f6konomie als kritische Wirtschaftstheorie des Sorgens; in: Denknetz, Jahrbuch 2013<br> (17) Knobloch, U.: Jonglieren mit Zeiten. Wirtschaftstheorie der bezahlten und unbezahlten Arbeit; in: Budowski, M., Knobloch, U., Nollert, M. (Hrsg.): Unbezahlt und dennoch Arbeit, S. 25-54, Z\u00fcrich, 2016, Seismo Verlag<br> (18) Krisch, A., Novy, A., Plank, L., Schmidt, A. E., Blaas, W.: Die Leistungstr\u00e4gerinnen des Alltagslebens. Covid-19 als Brennglas f\u00fcr die notwendige Neubewertung von Wirtschaft, Arbeit und Leistung; Foundational Economy: Research Report, Wien, 2020<br> (19) Marx, K., Engels, F.: Die deutsche Ideologie; in: MEW, Bd. 3, Berlin, 1969, Dietz Verlag<br> (20) Marx, K.: \u00d6konomisch-philosophische Manuskripte, MEW Bd. 40, Berlin, 1968, Dietz Verlag<br> (21) Marx, M.: Das Kapital, dritter Band, Berlin, 1969, Dietz Verlag<br> (22) Mattick, P.: Krisen und Krisentheorien; in: Krisen und Krisentheorien, Frankfurt am Main, 1974, Fischer Taschenbuch Verlag<br> (23) Mayert, A.: Marx, \u00d6komarxismus und Postwachstumstheorie; in: Ethik und Gesellschaft Nr. 1, 2018<br> (24) Peach, N.: Jenseits der Wachstumsspirale; in: DFG-Kolleg Postwachstum Jena, 30.\/31. Mai 2013<br> (25) Peach, N.: Befreiung vom \u00dcberfluss. Auf dem Weg in die Postwachstums\u00f6konomie, M\u00fcnchen, 2014, oekom-Verlag<br> (26) Peach, N.: Postwachstums\u00f6konomik. Wachstumskritische Alternativen zu Karl Marx; in: Aus Politik und Zeitgeschichte 67, 2017<br> (27) Piketty, T.: Interview mit &#8222;brand eins&#8220;; in: https:\/\/www.brandeins.de\/magazine\/brand-eins-wirtschaftsmagazin\/2020\/neuer-generationenvertrag\/erbschaft-fuer-alle<br> (28) Pistor, K.: Der Code des Kapitals. Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft. Suhrkamp Verlag, Frankf. a. M., 2020; zitiert nach: Die Zeit, 4.3.2021, S. 53<br> (29) Raworth, K.: \u00d6kologisch und sozial: Eine \u00d6konomie des guten Lebens; in: Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale Politik 5\/2018, S. 97-108<br> (30) Raworth, K.: Die Donut-\u00d6konomie. Endlich ein Wirtschaftsmodell, das den Planeten nicht zerst\u00f6rt, M\u00fcnchen, 2018, Hanser<br> (31) Schellhorn, F.: Warum Wachstum gut ist; in: Der Standard, 29.\/30.9.2018<br> (32) Schellhorn, F.: Schrumpfen um zu wachsen; in: profil, 28.6.2020<br> (33) Skidelsky, R. &amp; E.: Wieviel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer \u00d6konomie des guten Lebens. M\u00fcnchen, 2014, Goldmann<br> (34) White, D. , Rudy, A., Gareau, B.: Environments, Natures, and Social Theory, London, 2016, Palgrave<br> (35) Wright, O. E.: Durch Realutopien den Kapitalismus transformieren, S. 100 ff.; in: Brie M. (Hrsg.): Mit Realutopien den Kapitalismus transformieren? Beitr\u00e4ge zur kritischen Transformationsforschung 2, Hamburg, 2015, VSA Verlag<br> (36) Zinn, K. G.: Wachstumszw\u00e4nge im Kapitalismus: Die gespaltene Keynes-Rezeption und Keynes&#8216; Prognose auslaufenden Wachstums, DFG-Kolleg Postwachstum Jena, 30.\/31. Mai 2013<br><br><strong>Namentlich nicht zuordenbare Texte aus dem Internet<\/strong><br>(37) <a href=\"https:\/\/www.degrowth.info\/de\/was-ist-degrowth\/\">https:\/\/www.degrowth.info\/de\/was-ist-degrowth\/<\/a><br> (38) <a href=\"http:\/\/www.kolleg-postwachstum.de\/Ver%C3%B6ffentlichungen\/Vortr%C3%A4ge+_+Berichte\/Berichte\/Wachstumskritik+und+kapitalistische+Wachstumszwa%CC%88nge.html\">http:\/\/www.kolleg-postwachstum.de\/Ver%C3%B6ffentlichungen\/Vortr%C3%A4ge+_+Berichte\/Berichte\/Wachstumskritik+und+kapitalistische+Wachstumszwa%CC%88nge.html<\/a><br> (39) <a href=\"https:\/\/www.giz.de\/de\/weltweit\/78187.html\">https:\/\/www.giz.de\/de\/weltweit\/78187.html<\/a><br> (40) <a href=\"https:\/\/www.tecson.de\/historische-oelpreise.html\">https:\/\/www.tecson.de\/historische-oelpreise.html<\/a><br> (41) <a href=\"https:\/\/www.vorsorgendeswirtschaften.de\/idee\/\">https:\/\/www.vorsorgendeswirtschaften.de\/idee\/<\/a><br> <br> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Karl Casny<\/p>\n<p>Vor der Pandemie hatten neben Wachstumskritik auch Auseinandersetzungen zur \u00d6konomie einer Postwachstumsgesellschaft Hochkonjunktur. Mittlerweile liegen so viele einschl\u00e4gige Theorien und Konzepte auf dem Tisch, dass man sich immer schwerer zurechtfindet im Dickicht der einander teils \u00fcberlappenden, teils schroff widersprechenden Ans\u00e4tze. Hier werden einige der am h\u00e4ufigsten diskutierten Standpunkte etwas genauer betrachtet.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/490"}],"collection":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=490"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/490\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":493,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/490\/revisions\/493"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=490"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=490"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=490"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}