{"id":589,"date":"2023-03-02T17:35:46","date_gmt":"2023-03-02T16:35:46","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=589"},"modified":"2023-03-02T17:37:22","modified_gmt":"2023-03-02T16:37:22","slug":"haushalte-als-soziale-infrastruktur-zum-betreiben-eines-eigenen-lebens-welche-soziale-infrastruktur-schafft-und-braucht-arbeit-am-sozialen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=589","title":{"rendered":"Haushalte als soziale Infrastruktur zum \u201eBetreiben eines eigenen Lebens\u201c. Welche soziale Infrastruktur schafft und braucht Arbeit am Sozialen?"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Ellen Bareis und Helga Cremer-Sch\u00e4fer<\/h5>\n\n\n\n<p>Die Bezeichnung \u201eSozialpolitik als Bereitstellung einer sozialen Infrastruktur f\u00fcr das Betreiben eines eigenen Lebens\u201c formulierte Heinz Steinert, um die Logik des 2003 des von der AG links-netz formulierten Vorschlags \u201eSozialpolitik als allgemein zug\u00e4ngliche Infrastruktur\u201c, auf einen Begriff zu bringen.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Eine von Lohnarbeit unabh\u00e4ngige soziale Infrastruktur f\u00fcr das Betreiben eines eigenen Lebens w\u00fcrde die in einer Lebensweise notwendigen \u201eMittel des Lebens\u201c (die Ressourcen der Re-Produktionsarbeit) f\u00fcr die Leute zug\u00e4nglicher\/ brauchbarer\/ nutzbarer bereitstellen, als \u201ereal existierende Sozial-staatlichkeit\u201c dies leistet. (Vgl. Steinert 2005: 57) Die lohnarbeitszentrierte Sozialpolitik nannte Steinert \u201esoziale Infrastruktur nach den Bed\u00fcrfnissen des Kapitals\u201c. Lohnarbeit reproduziere \u201esich nur unter der Bedingung einer Infrastruktur von gesellschaftlichen Beziehungen und Arrangements nicht warenf\u00f6rmiger Art. Wenn das stimmt, kann sich das kapitalistische Organisationsprinzip grunds\u00e4tzlich nicht exklusiv durchsetzen, muss es [das Nicht-Warenf\u00f6rmige] als Bedingung seines eigenen Funktionierens zumindest zulassen, eventuell suchen, notfalls sogar selbst herstellen. Der Ort, an dem das geschieht, ist der Haushalt in der heute durchgesetzten Form die Kleinfamilie, als Organisation der nicht-warenf\u00f6rmigen Reproduktions- und Hausarbeit, die das notwendige Komplement zur Lohnarbeit darstellt.\u201c (Steinert 1989: 623) Ph\u00e4nomene, die in der Soziologie als \u201eSubkultur\u201c diskutiert wurden und sich gerade <em>nicht <\/em>nach dem Prinzip der Kleinfamilie gegen herrschaftliche Zumutungen (selbst)organisieren, w\u00e4ren konsequenterweise zu diesem Orten zu rechnen. \u201ePh\u00e4nomene, die wir mit \u201aSubkultur\u2018 benennen, geh\u00f6ren ebenfalls dazu.\u201c (Ebd.) Was <em>\u00f6ffentliche<\/em> Infrastruktur als \u201eMittel des Lebens\u201c (technisch gesprochen als \u201eRessourcen\u201c) bereitstellt, muss sich nach dem Konzept von links-netz inhaltlich dadurch ausweisen, dass es dem \u201eBetreiben des eigenen Lebens\u201c der Leute dient und nicht von den einzelnen Haushalten und Betrieben hergestellt werden kann (oder jedenfalls nur mit viel h\u00f6heren \u201eGesamt-Kosten\u201c als wenn es \u00f6ffentlich geschieht). Ein weiteres Kriterium w\u00e4re, dass potentiell alle eine bestimmte Leistung in schwierigen Situationen brauchen k\u00f6nnen, weil alle bestimmte Lebenslauf-Situationen erleben (Kindheit, Jugend, Alter), oder durch ihre K\u00f6rperlichkeit (behindert, krank, pflegebed\u00fcrftig), lebensphasenweise oder dauerhaft auf Unterst\u00fctzung angewiesen sind, in Haushalts-Konstellationen leben, die sich vom unterstellten \u201eNormal-Haushaltsmodell\u201c unterscheiden und vorherrschend als \u201eabweichend\u201c oder \u201ebesonders\u201c bestimmt werden (alleinlebend, als Haushalt mit viele Kinder, mit Pflegebed\u00fcrftigen, herumziehend) oder sie sind das Ergebnis von staatlichen Diskriminierungen (Ausl\u00e4nderstatus, Gefl\u00fcchtete, Paria-Bev\u00f6lkerung, Illegalisierte, Vorbestrafte).<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht bei \u201eMitteln des Lebens\u201c einerseits um Existenzielles und Banales: Luft zum Atmen, Wasser, Nahrungsmittel, ein Dach \u00fcber dem Kopf, Schutz vor Krankheit und Verletzung, Kleidung, Heizung und gegenseitige Hilfe in Zwangs- und Notsituationen. Andererseits geht es um Transformationen institutionalisierter \u00f6ffentlicher Infrastruktur in eine Infrastruktur, die nicht von Betrieben (und Genossenschaften) und auch nicht von Individuen und den Haushaltsformen, in denen sie leben, alleine hergestellt werden kann, um Grundbed\u00fcrfnisse wie M\u00f6glichkeiten der Selbstbildung, Teilnahme an der Entwicklung von Produktivkraft, M\u00f6glichkeiten f\u00fcr soziale Erfindungen zu realisieren; hoch gegriffen: um M\u00f6glichkeiten von \u201eFortschritt\u201c und \u201eBefreiung\u201c: also Wege der Verwirklichung eines eigenen Selbst unter der Bedingung kapitalistischer Produktionsweise und (institutionalisierter) Herrschaft durch Verdinglichung auszuweiten. Wir denken im Folgenden weiter \u00fcber das nicht unkomplizierte (Vermittlungs-)Verh\u00e4ltnis von \u00f6ffentlicher Sozialer Infrastruktur und dem Haushalt nach, als ein \u201esubkulturelles Ph\u00e4nomen\u201c, das sich gerade <em>nicht <\/em>nach dem Prinzip der Kleinfamilie gegen herrschaftliche Zumutungen organisiert und \u00f6ffentlich bereit gestellte Ressourcen als Mittel zum \u201eBetreiben eines eigenen Lebens\u201c in Gebrauch nimmt \u2013 soweit die Verh\u00e4ltnisse es zulassen. Wir kn\u00fcpfen dabei an unseren Beitrag in dem Buch <em>Sozialpolitik anders gedacht: Soziale Infrastruktur<\/em>, hrsg. von der AG links-netz (Hirsch\/Br\u00fcchert\/Krampe et al. 2013).<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Haushalte als Teil Sozialer Infrastruktur \u201ezum Betreiben eines eigenen Lebens\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Individualisierungs- und die Subsidiarit\u00e4ts- bzw. Familiarisierungslogik der sozialstaatlichen Form sozialer Infrastruktur \u201enach den Bed\u00fcrfnissen des Kapitals\u201c wurde durch das neoliberale Programm der \u201eResponsibilisierung\u201c noch einmal verst\u00e4rkt. In der Kritik der Subsidiarit\u00e4ts- und der Individualisierungslogik macht die Unterscheidung von <em>Ebenen<\/em> der Bereitstellung von Ressourcen (gesamtstaatliche Politik, lokale Politik, Betrieb, Haushalt und Individuum) Sinn. Die Herstellung und Garantie der sozialen Infrastruktur w\u00e4ren in der Tat nicht \u201evorschnell\u201c auf die Ebene des Haushalts und des Individuums zu verweisen. (Hirsch\/Br\u00fcchert\/Krampe et al. 2013: 58) Um dem eigen\u00adst\u00e4ndigen Beitrag von Haushalten (als einem nicht-warenf\u00f6rmigen Zusammenschluss) sowohl zur realexistierenden lohnarbeitszentrierten wie dem Beitrag im Rahmen einer transformierten sozialen Infrastruktur zum Betreiben eines eigenen Lebens gerecht zu werden, haben wir (Bareis\/Cremer-Sch\u00e4fer 2013) im Rahmen der aktualisierende Diskussion des Vorschlags von links-netz betont, dass unter gegebenen Bedingungen sozialstaatlich bereitgestellter \u201eSicherheit\u201c der Haushalt der zentrale Ort ist, an dem Ressourcen f\u00fcr die Individuen <em>aktiv<\/em>, durch <em>Reproduktionsarbeit<\/em> nutzbar und zu \u201eMitteln des Lebens\u201c gemacht werden m\u00fcssen \u2014 um \u00fcberhaupt von einem \u201eGebrauchswert\u201c sozialer Dienstleistungen zu sprechen, selbst in metaphorischer Weise. Aus Alltagsforschung, den Mustern der \u201ewelfare policy from below\u201c und den \u201eArbeitsweisen am Sozialen\u201c haben wir gelernt: Einerseits greifen Haushalte (in der (sozial)politisch durchgesetzten Form des Familien-Haushalts) ganz selbstverst\u00e4ndlich auf bereitgestellte Ressourcen der lohnarbeitsbezogenen Infrastruktur zur\u00fcck. Doch erst im Prozess des In-Gebrauch-Nehmens von organisierter sozialer Sicherheit (verstanden als vorgehaltene Ressourcen der Bearbeitung schwieriger Situationen) entsteht eine soziale Infrastruktur auch \u201ezum Betreiben eines eigenen Lebens\u201c. Das trifft auch auf Transferleistungen zu. Aus Mustern dieser \u201eArbeitsweisen am Sozialen\u201c haben wir auch gelernt, dass mit der neoliberalen Transformation Chancen der Nutzbarmachung schwinden. <a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Unsere Schluss\u00adfolgerungen f\u00fcr Zukunft waren:<\/p>\n\n\n\n<p>1\/ Haushalte werden gegenw\u00e4rtig und zuk\u00fcnftig gebraucht als Vermittlung zwischen Infrastruktur und den M\u00f6glichkeiten der Leute unter der Bedingung von jeder Form von Institutionalisierung ein \u201eeigenes Leben zu betreiben\u201c. Haushalte sind daher Teil der sozialen Infrastruktur zum Betreiben eines eigenen Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>2\/ Zu dem eigenst\u00e4ndigen Beitrag von Haushalten als Teil der etablierten und transformierten sozialen Infrastruktur geh\u00f6rt, dass sie als ein selbstorganisierter Zusammenschluss gegr\u00fcndet und gew\u00e4hlt werden k\u00f6nnen. Es kann keine Verpflichtung geben, in einem Familien-Haushalt zu leben \u2014 schon gar nicht als Voraussetzung f\u00fcr einen Zugang zu \u201eMitteln des Lebens\u201c. Vielmehr geh\u00f6ren Besch\u00e4digungen des Lebens und Konflikte um Lebensweisen, die sich aus mit der sozialen Institution Familie ergeben k\u00f6nnen, zu jenen \u201eschwierigen Situationen\u201c, deren Bearbeitung durch bereitgestellte Ressourcen erm\u00f6glicht werden muss. Auch daher braucht der Haushalt als selbstorganisierter Zusammenschluss eine entsprechende \u00f6ffentliche soziale Infrastruktur.<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind die Haushalte, die \u201egleichsam in der Funktion von Anti-Institutionen\u201c an der Machtasymmetrie von institutionalisierten Konflikten arbeiten. Die Worte \u201egleichsam in der Funktion von Anti-Institutionen\u201c habe wir uns von Hans Thiersch geborgt. Eine \u201eAlltagsorientierten Sozialp\u00e4dagogik\u201c erinnerte er daran, dass \u201eInstitutionen zweideutig sind, ist altes Wissen der p\u00e4dagogischen Tradition\u201c. (Thiersch 1986: 182) Um den durch institutionalisierte Ordnungs- und Normalisierungsm\u00e4chte und organisierte Ungleichheit entfremdeten Alltag in einen \u201egelingenderen Alltag\u201c zu umzuwandeln, schreibt Thiersch \u201e[d]azu braucht es Institutionen, die, in der Funktion gleichsam von <em>Anti-Institutionen<\/em> einen besch\u00fctzenden und strukturierten Raum daf\u00fcr bieten, dass in ihnen Erfahrungen und Entwicklungschancen, wie sie im Alltag angelegt (oft aber verdeckt sind), dargestellt und entfaltet werden k\u00f6nnen.\u201c (Ebenda, Hervorhebung die Verf.). In Modifikation dieser sch\u00f6nen Stelle haben wir in unserem Beitrag \u201eHaushalt und soziale Infrastruktur. Komplizierte Vermittlungen\u201c (Bareis\/Cremer-Sch\u00e4fer 2013) zu zeigen versucht, dass Haushalte die \u201eFunktion von Anti-Institutionen\u201c bereits praktizieren und gar nicht so verdeckt und gar nicht so verkehrt, als dass wir nicht davon lernen k\u00f6nnen. Wir wissen aus Alltagsforschung, aus Institutionenforschung, die die Perspektive der Produktion des Sozialen <em>from below<\/em> aufgreifen, aus Nicht-Nutzungsforschung zu sozialen Dienst\u00adleistungen \u201eex negativo\u201c eine ganze Menge \u00fcber die notwendige und erbrachte haushaltspezifische \u201eArbeit am Sozialen\u201c. Wir werden im Folgenden diesen Lernprozess als Ausgangspunkt nehmen um \u00fcber die nichtfamili\u00e4re Haushaltsform sprechen, \u00fcber die Arbeitsweisen an diesem Ort als einem \u201esingul\u00e4ren Schnittpunkt\u201c, die Logik der Sorge-Beziehungen und die Bedeutung von Haushalten f\u00fcr die Entwicklung einer sozialen Infrastruktur zum Betreiben eines eigenen Lebens.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den <em>Prozess der Entwicklung<\/em> einer \u201e\u00f6ffentlichen\u201c, allgemein zug\u00e4nglichen, nicht lohnarbeitszentrierten sozialen Infrastruktur haben wir festgehalten, dass diese von den Mustern der Ingebrauchnahme und Aneignung <em>from below<\/em> gedacht werden m\u00fcsse, nicht nur von der Organisierung her. Das \u201enicht nur\u201c gilt allerdings auch f\u00fcr die Perspektive \u201evon unten\u201c. Aus den in einer spezifischen Phase der kapitalistischen Produktionsweise und der disziplinierten Lebensweise beobachteten Alltagspraktiken der Nutzbarmachung und Herstellung sozialer Infrastruktur am Ort des Haushalts, kann nicht unmittelbar ein verallgemeinerbares Bereitstellungsprinzip abgeleitet werden. Das w\u00e4re naiv. Im Haushalt, verstanden als \u201esingul\u00e4rer Schnittpunkt\u201c, verschr\u00e4nken sich mit den Arbeitsformen, Einkommen und Beziehungen auch alle gesellschaftlichen Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse. Insofern ist der Haushalt als ein durch Institutionen und Ungleichheit bestimmter und strukturierter \u201esozialer Ort\u201c zu fassen. Aber zugleich als ein Ort zu begreifen, an dem genau diese strukturelle \u201eZugewiesenheit\u201c umk\u00e4mpft bleibt; und an dem sie wird bearbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Haushalt als \u201esingul\u00e4rer Schnittpunkt\u201c und \u201esozialer Ort\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein zentrales Argument von uns bleibt, Haushalt in Anlehnung an Doreen Massey (1994) als einen \u201eOrt\u201c und \u201esingul\u00e4ren Schnittpunkt\u201c zu fassen. Dies erlaubt es, quer zu den politisch-r\u00e4umlich durchgesetzten Hierarchien zu denken: ein \u201esingul\u00e4rer Schnittpunkt\u201c verschiedener Arbeitsformen, multipler Einkommen, diverser Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, Unterdr\u00fcckungsformen und sozialen Beziehungen. Orte bilden im Konzept von Massey \u201eBlasen\u201c im Geflecht von gesellschaftlichen Beziehungen. In diesen Blasen \u00fcberschneiden sich gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsbeziehungen; globale, nationalstaatliche, regionale Regierungstechnologien, pers\u00f6nliche Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnisse und spezifische Eigenheiten und Eigensinnigkeiten bilden jeweils singul\u00e4re \u201eOrte\u201c (<em>places<\/em>). Diese Orte sind nicht notwendigerweise physisch bzw. stofflich und sie sind auch nicht einem spezifischen Raum (<em>space<\/em>), sei es dem Lokalen oder gar Privaten) zugeordnet; sie sind in erster Linie <em>Praktiken<\/em>. Die Fokussierung von Praktiken erm\u00f6glicht es, das Herstellen von sozialer Infrastruktur anders als hierarchisch in Ebenen \u2013 vom Staat zum Individuum \u2013 zu denken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beziehungen, die Personen und die Arbeit in einem Haushalt tragen zumindest die Potenzialit\u00e4t von Freiwilligkeit in sich, auch wenn sich dies innerhalb der gegebenen Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnisse kaum umstandslos behaupten l\u00e4sst. Es sollte hier deutlich werden, dass Haushalt keineswegs mit dem Familienhaushalt gleichzusetzen ist. Eher schon als ein Ort, an den die Flucht aus Familien f\u00fchren k\u00f6nnte. Auch wenn wir das \u201eAnti-Institutionelle\u201c des Haushalts fokussierten, wollten wir vermeiden, die gegenseitigen paternalistischen Arbeits- und Gef\u00fchlsverpflichtungen, die Privatheit sowie die weder waren- noch b\u00fcrokratief\u00f6rmigen Machtbeziehungen im herrschenden Familienhaushalt schon f\u00fcr einen Kern von \u201ereziproken\u201c und bedingungslos \u201esolidarischen\u201c Beziehungen zwischen Ungleichen (und Abh\u00e4ngigen) zu halten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Haushalt \u2013 Zur Form des Zusammenschlusses<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Haushaltungen verstehen wir als sozialen Zusammenschluss, der zielorientiert \u00fcber eine lange Zeitperiode Individuen verschiedenen Alters und Geschlechts in die Lage versetzt, Ressourcen (also notwendige \u201eMittel des Lebens\u201c), die aus multiplen Quellen kommen, zusammenzuf\u00fchren, um f\u00fcr individuelle und kollektive Reproduktion zu sorgen. Den Haushalt kennzeichnet, dass die sozialen Beziehungen <em>unter Ansehen<\/em> der konkreten Personen gestaltet werden (und nicht etwa nach Positionen, Funktionen, Standards, \u00c4quivalenzen, Vorleistungen). Auch Alleinlebende oder in Wohngemeinschaften Lebende bilden eine Form des Haushalts, wenn sie auch meist nicht das Leben lang diese Form w\u00e4hlen bzw. nicht ohnehin einem (verwandten oder befreundeten oder benachbarten) Haushalt \u201eassoziiert\u201c bleiben bzw. werden. Haushalte sind eine Arbeitsst\u00e4tte, an der jedoch nach anderen Regeln Dienste erbracht werden als im warenproduzierenden Betrieb, anders als im b\u00fcrokratisch organisierten Dienstleistungsbetrieb und anders als in einer Dienstleistungsanstalt (mit bekannten Tendenzen zur totalen Institution). Der Reproduktionsarbeit (als Praktiken im Haushalt) liegen die Regel der Reziprozit\u00e4t und das Prinzip \u201esomething for nothing\u201c zugrunde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Haushalt \u2014 zu Praktiken und Formen der Reproduktionsarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Haushalt schlie\u00dfen sich \u201eUngleiche\u201c zusammen. Die Mitglieder befinden sich stets, wenn auch in der Regel nicht gleichzeitig, in einer Situation der Abh\u00e4ngigkeit voneinander. Sie stehen vor Situationen, die daf\u00fcr notwendigen mehr oder weniger gegenseitigen Dienste bereitstellen zu k\u00f6nnen und Sorgearbeit tun zu m\u00fcssen \u2014 auch wenn sie es nach Lage der Dinge nicht k\u00f6nnen. Den Haushalt verstehen wir daher als Ort der Produktion sozialer Infrastruktur <em>und <\/em>der Konsumption von Ressourcen zum \u201eBetreiben eines eigenen Lebens\u201c. Zwei Grundformen sozialer Beziehung treffen aufeinander. Als wirtschaftlicher und sozialer <em>Zusammenschluss<\/em> hat die Arbeit in und von Haushalten einen Zweck: Personen mit verschiedenem Arbeits- und Beziehungsverm\u00f6gen in die Lage zu versetzen, Ressourcen zusammenzuf\u00fchren und zu produzieren, die die Mitglieder als Person f\u00fcr die Lebensweise als Individuum in Gesellschaft brauchen, um sich in einer herrschenden Produktions- und Lebensweise zu reproduzieren, die dieser Lebensweise entgegensteht. Zudem m\u00fcssen die Grundlagen des Haushalts als <em>Zusammenschluss von Ungleichen<\/em> und <em>Verschiedenen<\/em> erhalten und entwickelt werden. Damit wird die Haushaltung der Ort von \u201eerweiterter Reproduktion\u201c, eine notwendige (wenn auch allein nicht hinreichende) Grundlage f\u00fcr das \u201eBetreiben eines eigenen Lebens\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Reproduktionsarbeit reduziert sich allgemein nicht auf die Herstellung der Funktionsf\u00e4higkeit und der Qualifikation der (Lohn-)Arbeitskraft, sondern wurde (in der Arbeitssoziologie) als allgemeiner Oberbegriff f\u00fcr alle T\u00e4tigkeiten von Menschen eingef\u00fchrt, mittels derer sie sich gesellschaftliche Teilnahme organisieren. Anders als \u201eIntegration\u201c meint gesellschaftliche Teilnahme (wie zun\u00e4chst als Gegenbegriff \u201ePartizipation\u201c) auch M\u00f6glichkeiten, sich in einer anderen als der herrschenden Arbeits- und Lebensweise entfalten k\u00f6nnen. Reproduktionsarbeit will durchaus eine Ver\u00e4nderung der Welt bezwecken \u2013 dies gilt in erster Linie f\u00fcr allt\u00e4gliche K\u00e4mpfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wissen alle welche Formen von Arbeit im Haushalt zu leisten sind:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>die allt\u00e4gliche, banale, aber zeit- und kraftaufwendige Haus- und Eigenarbeit (Waschen, Kochen, Putzen, Einkaufen, Reparieren, Geld verwalten, Planen, Erziehen, gegenseitiges Disziplinieren, f\u00fcreinander Sorge tragen etc. pp.).<\/li><li>Weniger beachtet wird die Umwandlung von Waren und von b\u00fcrokratief\u00f6rmig bzw. expertokratisch angebotenen sozialen Dienstleistungen in Ressourcen f\u00fcr das Betreiben eines eigenen Lebens; unser Begriff daf\u00fcr wurde \u201eNutzbarmachung\u201c der <em>etablierten<\/em> sozialstaatlichen Wohlfahrt. In Banalit\u00e4ten des Alltags ausgedr\u00fcckt: Bearbeitung der administrativen Anforderungen, Pflichten und Blockierungen: Antr\u00e4ge, Steuer\u00aderkl\u00e4rungen, Versicherungsb\u00fcrokratien etc.<\/li><li>Hinzu kommt das mehr oder weniger bedingungslose bzw. parteiliche zur Verf\u00fcgung halten von \u201eguten Diensten\u201c; \u2014 f\u00fcr das \u00dcberstehen von Lebenskatastrophen, die Bearbeitung von Zwangs-, Not- und Ausschlie\u00dfungssituationen (Einspringen, eigene Pl\u00e4ne umwerfen, mit Geld aushelfen, mit Tipps und Alltagsexpertise die zuvor genannte Arbeit erm\u00f6glichen etc.) und schlie\u00dflich<\/li><li>die nur begrenzt \u201egegenseitig\u201c leistbare Arbeit der Betreuung und Versorgung von Haushaltmitgliedern, die sich tempor\u00e4r oder dauerhaft in einer extremen (doch nicht seltenen) Situation der \u201eAbh\u00e4ngigkeit\u201c befinden. Dazu geh\u00f6rt auch die (solidarische) Bereitschaft den Haushalt f\u00fcr \u201eAssoziierte\u201c zu \u00f6ffnen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Die \u201ekritische Alltagsforschung\u201c zu bornierter und findiger Arbeit am Sozialen war f\u00fcr uns lehrreich, weil sie gezeigt hat, dass in Situationen der Abh\u00e4ngigkeit (und wer kommt in seinem Leben nicht einmal in eine solche Situation) der Haushalt auch als zentraler soziale Ort der <em>Herstellung<\/em> sozialer Infrastruktur zu begreifen ist. Dies vor allem, weil Arbeit an und in dieser Situation nicht in waren- oder b\u00fcrokratief\u00f6rmig organisierte Einrichtungen (\u201eAnstalts-Haushalte\u201c) verlagert werden kann. Schwierige Situationen, wie die der Abh\u00e4ngigkeit, die von Ausschlie\u00dfung oder Stigmatisierung brauchen Praktiken in der Art von \u201eAnti-Institutionen\u201c. Manche Situationen brauchen sogar die Suspendierung von Reziprozit\u00e4t; sie brauchen Dienste, die nach dem Prinzip \u201esomething for nothing\u201c zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Unser Thema im Folgenden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gegenseitigkeit in der Reproduktionsarbeit<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gegenseitigkeit, \u201eReziprozit\u00e4t\u201c im Haushalt hei\u00dft, alle produzieren und konsumieren, alle tragen f\u00fcr etwas und jemanden Sorge. Im Haushalt wird Reziprozit\u00e4t aber nicht als Vorbedingung f\u00fcr Sozialleistungen definiert oder mit einer k\u00fcnftigen Verpflichtung zu \u201eNormalit\u00e4t\u201c verkn\u00fcpft. Reziprozit\u00e4t ist als \u201eRoutinegrundlage\u201c von Interaktion zu verstehen; denn Reproproduktionsarbeit ist Interaktion. Reziprozit\u00e4t bringt eine in der Alltags-Praxis beobachtbare <em>Regel <\/em>von (Arbeits-) Handlungen auf den Begriff. Sie begr\u00fcndet jedoch keine <em>Norm <\/em>oder eine<em> Verpflichtung <\/em>zu (ungleichzeitig) zu erbringenden \u201eGegenleistungen\u201c. Das Gegenseitige der Arbeit in Haushalten ist nicht mit der institutionalisierten Komplementarit\u00e4t von Vertragsrechten, auch nicht mit der Alltagsrede von \u201e(meinen) Rechten als (deinen) Pflichten\u201c zu verwechseln, auch nicht mit der sozialpolitischen Devise \u201ewer Rechte in Anspruch nehmen will, muss auch Pflichten \u00fcbernehmen\u201c. Das neoliberale Junktim von \u201efordern und f\u00f6rdern\u201c steht f\u00fcr das gegenteilige Prinzip. Es dr\u00fcckt keine Gegenseitigkeit aus, sondern steht f\u00fcr einen Zwangsvertrag bzw. f\u00fcr Legitimationen zum Ressourcenentzug. Allt\u00e4glich beschreibt Reziprozit\u00e4t die Regel, dass jede Teilnehmerin\/ jeder Teilnehmer eines Koope\u00adrationszusammenhangs Ressourcen in Gebrauch nimmt (konsumiert); und Jede und Jeder beteiligt sich (zu anderen Zeiten, in anderen Zusammenh\u00e4ngen, wenn er oder sie in der Lage dazu ist) an T\u00e4tigkeiten, Ressourcen herzustellen und zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Exkurs:<\/p>\n\n\n\n<p>Reziprozit\u00e4t als \u201eRoutinegrundlage\u201c von allt\u00e4glicher Reproduktionsarbeit ist nicht identisch mit dem Verst\u00e4ndnis, das die wiederbelebte \u201eSoziologie der Reziprozit\u00e4t\u201c annimmt. Reziprozit\u00e4t als Wechselseitigkeit von Gabe und Gegengabe, wurde f\u00fcr die Soziologie der Sozialpolitik interessant, um auf andere Logiken des Wirtschaftens als den Warentausch und Marktmechanismus aufmerksam zu machen. Herausgestellt wird z.B. bei Lessenich\/Mau (2005) die \u201eEinbettung\u201c der kapitalistischen Marktwirtschaft in den Sozialstaat als ein \u201eReziprozit\u00e4tsarrangement\u201c und \u201emoderne Moral\u00f6konomie\u201c (2005: 271ff). Bei Lessenich\/Mau (2005, vgl. insbesondere S. 271ff.) wird Reziprozit\u00e4t zum analytischen Oberbegriff f\u00fcr verschiedene, politisch durchgesetzte Formen von Wechselseitigkeit; alle dienen dazu das \u201esoziale Band\u201c einer Gesellschaft zu kn\u00fcpfen. Mit dem Wohlfahrtsstaat, so die These, wurden verschiedene Kompromisse \u201ezwischen \u201aInteresse\u2018 und \u201aMoral\u2018\u201c institutionalisiert. Der Sozialstaat wird auf diese Weise ordnungstheoretisch als ein \u201eReziprozit\u00e4tsarrangement\u201c bestimmt (vgl. Lessenich\/Mau 2005: 260 ff). Es handelt sich um ein Arrangement von (sozialen) Rechten auf Leistungen oder Risikoausgleich und (sozial und zeitlich versetzten) Verpflichtungen zu Gegenleistungen. Man k\u00f6nnte es auch als moderne Moral\u00f6konomie bezeichnen, in die wirtschaftliche T\u00e4tigkeiten (also kapitalistische Markwirtschaft) \u201eeingebettet\u201c waren bzw. eingebettet bleiben sollten. Das in der fordistischen Phase des Kapitalismus etablierte sozialstaatliche Reziprozit\u00e4tsarrangement gilt dabei als ein Modell f\u00fcr \u201efaire Reziprozit\u00e4t\u201c (ebenda, S. 273). Aus diesem Arrangement wird eine abstrakte Norm von Reziprozit\u00e4t, bei der es nicht um konkrete Muster bzw. Inhalte von Gegenseitigkeit geht, sondern um einen \u201eReziprozit\u00e4ts<em>glauben<\/em>\u201c (ebd., S. 273, Hervorhebung die Verf.), den der Wohlfahrtsstaat und seine Institutionen laut Lessenich und Mau geeignet war zu erzeugen. Als Bezugspunkt der Kritik von neoliberaler Sozialpolitik w\u00fcrde damit bereits ein spezifisches Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis und der zugeh\u00f6rige politische Kompromiss als selbstverst\u00e4ndlich \u00fcbernommen. Wir w\u00fcrden damit als Bezugspunkt f\u00fcr Reproduktionsarbeit ein Muster w\u00e4hlen (und naturalisieren), das sich in der allt\u00e4glichen Arbeit am sozialstaatlich institutionalisierten Kompromiss herausgebildet hat: die Reziprozit\u00e4tsprinzipen des fordistischen Sozialstaats; diese oszillieren zwischen Versicherungsprinzip und Zwang zur Selbsthilfe. Wir sehen den Haushalt dagegen als einen Ort, an dem konkrete Reziprozit\u00e4ts-<em>Erfahrungen<\/em> gemacht werden. Was eine Erwartung erm\u00f6glicht, dass \u201eGeben und Nehmen\u201c indirekt, letztlich \u00fcber einen langen Zeitraum und ziemlich grob ausgeglichen werden wird; jeder nach seinen M\u00f6glichkeiten und jeder nach ihren Bed\u00fcrfnissen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Situationen der Abh\u00e4ngigkeit und die Praxis von \u201ebeneficience\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die bereits in den 1950er Jahren formulierten \u00dcberlegungen von Alwin Gouldner (2005\/1960) zu einer mehr oder weniger universellen <em>Regel<\/em> der Reziprozit\u00e4t (leider \u00fcbersetzt als \u201eNorm der Reziprozit\u00e4t\u201c) bleiben f\u00fcr unsere Diskussion aktuell, weil er die Grenzen reziproker sozialer Beziehungen auf der Interaktionsebene diskutiert. Die Bedingung einer gleichzeitigen oder zeitversetzten Gegenseitigkeit reicht, so seine Beobachtung, in keiner bekannten Lebens- und Produktionsweise daf\u00fcr aus, dass <em>jedes<\/em> Mitglied <em>immer<\/em> die Ressourcen bekommt, die es braucht, um sich als Person (und Individuum) zu reproduzieren. Es klingt etwas universalistisch; gleichwohl ist bedenken, dass es Positionen in der Gesellschaft (und damit Situationen) gibt, in denen prospektive \u201eEmpf\u00e4nger\u201c nicht in der Lage waren, sind oder gewesen sein werden, im Rahmen der gesellschaftlich notwendigen Arbeit eine (Gegen-)Gabe zu erbringen. Die Standardbeispiele der wissenschaftlichen und politischen Diskussion daf\u00fcr sind \u201eKinder und Alte\u201c sowie \u201eKranke und Behinderte\u201c. Im kurzen 20. Jahrhundert wurden sogar phasenweise graduell ausgeschlossene Personen und Kollektive hinzugenommen, ebenso \u201eexistenzielle Au\u00dfenseiter\u201c: Au\u00dfenseiter durch ihre (minorit\u00e4re) Existenzweise.<\/p>\n\n\n\n<p>Um die \u201eProblemgruppenperspektive\u201c zu vermeiden, welche die hegemoniale Sozialpolitik hier einnimmt, und um die institutionalisierte Reziprozit\u00e4ts<em>norm<\/em> zu \u00fcberwinden, denken wir Abh\u00e4ngigkeit nicht als ein Merkmal (und Makel) der Person, sondern als eine <em>Situation der graduellen Ressourcenlosigkeit<\/em>. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich daher nicht auf die im Zusammenhang mit Care-Arbeit anerkannten \u201eAbh\u00e4ngigen\u201c, sondern auf \u201eSituationen der Abh\u00e4ngigkeit\u201c. In Situationen der Abh\u00e4ngigkeit kommen wir nicht nur lebensgeschichtlich (als \u201eKinder\u201c oder \u201eAlte\u201c) oder durch unsere K\u00f6rperlichkeit (als \u201eKranke\u201c oder \u201eBehinderte\u201c). In eine Situation der Abh\u00e4ngigkeit geraten alle, die in einer kapitalistisch organisierten Gesellschaft nicht gegen Lohn, nicht im Normal\u00adarbeitsverh\u00e4ltnis und nicht diszipliniert arbeiten k\u00f6nnen, d\u00fcrfen oder wollen; und vor allem alle, die nicht als legitimes Mitglied gez\u00e4hlt werden, sondern als Fremde und Andere.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine reziproke Beziehung impliziert, wie oben gezeigt, Bedingungen; sie kann, als eine institutionalisierte Norm und Verpflichtung verstanden, sogar zu sozialer Ausschlie\u00dfung f\u00fchren. Damit wird eine Umkehrung m\u00f6glich: Solchen, die Hilfen oder andere (Vor-)Leistungen unterlassen haben, braucht nicht geholfen zu werden. Gewendet auf \u201eVergeltung\u201c oder \u201eBeitragsgerechtigkeit\u201c kann Reziprozit\u00e4t als institutionalisierte Norm sogar ein ziemlich kaltes Ideal werden. Daher geht Alvin Gouldner davon aus, dass Reziprozit\u00e4t als soziales Motiv nicht ausreicht, f\u00fcr alle ein Dasein und ein gutes Leben zu sichern. Daf\u00fcr bed\u00fcrfe es der Praxis und Haltung der <em>beneficience<\/em>: \u201eHilfe wird nicht abh\u00e4ngig gemacht von fr\u00fcheren, empfangenen Wohltaten oder von zu erwartenden, k\u00fcnftigen Wohltaten.\u201c (Ebenda: 110) In einem Wort l\u00e4sst sich das in der Sozialpolitik selten gebrauchte Wort der <em>beneficience<\/em> schlecht \u00fcbersetzen. Die \u00fcblichen \u00dcbersetzungen als <em>Norm<\/em> von \u201eWohlt\u00e4tigkeit\u201c und \u201eG\u00fcte\u201c haben eine starke Assoziation an individuelle Tugenden, damit auch an \u201eUntugenden\u201c derer die das Objekt werden: wie die Unf\u00e4higkeit z.B. der Armen, die anderen nichts geben k\u00f6nnen. Wir \u00fcbersetzen die Praktiken von <em>beneficience<\/em> mit vier Worten: \u201efreundliche F\u00fcrsorglichkeit ohne Erwartungen\u201c. In anderer Wendung bedeutet <em>beneficience:<\/em> Das Erbringen von Diensten, von \u201eWohltaten\u201c, f\u00fcr die ein Arbeitsb\u00fcndnis der Solidarit\u00e4t und der Freundlichkeit konstitutiv ist. Freundlichkeit l\u00e4sst sich weder durch Organisation steuern, weder b\u00fcrokratisch noch warenf\u00f6rmig herstellen. Obgleich unm\u00f6glich auf Dauer zu stellen, begegnet sie uns (nicht nur im Werk von Bertolt Brecht) immer wieder. Doch am seltensten wohl auf M\u00e4rkten, in Organisationen und Verwaltungen. Oft als Trauerarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSomething for nothing\u201c, Sorgearbeit, Freundlichkeit als soziale Beziehung herzustellen ist kr\u00e4ftezehrend und hat anspruchsvolle Voraussetzungen. Daher ben\u00f6tigt Sorgearbeit eine eigene \u00f6ffentliche Infrastruktur der Erm\u00f6glichung. Hinzu kommt, dass wir zwar wissen, dass soziale Praktiken der F\u00fcrsorglichkeit, der Freundlichkeit und der Solidarit\u00e4t immer wieder \u201esubkulturell\u201c entstehen, aber durch Organisation und im Zuge von Institutionalisierungen wieder in Entfremdung und Verdinglichung \u00fcbergehen werden. Ein weiterer Grund, den Ort Haushalt als \u201eSchnittpunkt\u201c und als einen spezifischen \u201esozialen Ort\u201c zu analysieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Entstehung sozialer Infrastruktur vom Ort des Haushalts aus betrachtet oder: Nicht-Nutzungsprozesse als Lernprozess<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alle \u00dcberlegungen zum Konzept einer sozialen Infrastruktur sehen einen Teil der komplizierten Vermittlungen zwischen Haushalt und sozialer Infrastruktur darin, dass das organisierte Bereitstellen von Ressourcen nicht nach einer \u201eBlaupause\u201c und nicht ohne Beteiligung der Leute geschehen kann. Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass auch Alltagspraktiken als \u201eBornierungen\u201c zu verstehen sind. Indem sie begrenzte Handlungsm\u00f6glichkeiten mit begrenzten Mitteln angehen, eine institutionalisierte Struktur \u201ein-Gebrauch-nehmen\u201c, werden die Grenzen des vorgefundenen Rahmens reproduziert und mitproduziert. Wir nennen dies allt\u00e4gliche \u201eArbeitsweisen am Sozialen\u201c (Bareis 2012), um deren Beschr\u00e4nktheit und Gebundenheit in Hinblick auf die jeweilig hegemoniale \u201eProduktionsweise\u201c kenntlich zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichwohl w\u00e4ren Muster und Regeln der Reproduktionsarbeit (als Praktiken von Alltag) nicht nur auf ihre Grenzen hin zu analysieren, sondern auch ihre Potentialit\u00e4t und die implizierten \u201egenerativen Themen\u201c (Paolo Freire) von bornierten Alltagspraktiken zu benennen. Eine soziale Infrastruktur, die allen \u201egez\u00e4hlten\u201c und \u201eungez\u00e4hlten\u201c (Jaques Ranci\u00e8re) Bewohner*innen einen gleichen Zugang zu notwendigen Ressourcen erm\u00f6glicht, kann zudem nicht ohne konfliktreiche Prozesse gedacht werden. Dies gilt umso mehr, da im Konzept \u201esoziale Infrastruktur\u201c Gesellschaft tendenziell als nationalstaatlich abgrenzbare gedacht ist. Dies scheint f\u00fcr die Institutionen bislang noch angemessen, f\u00fcr die Haushalte allerdings nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Komplexe und Unfertige von Alternativen gr\u00fcndet darin, dass auch das Denken und nicht nur das Tun des Transformierenden in einer Situation von \u201eNicht-Wissen\u201c geschieht. Manches l\u00e4sst sich schon wissen. Es geht aus der Perspektive \u201evon unten\u201c haupts\u00e4chlich um Regeln und Bedingungen, die gegeben sein m\u00fcssen, damit infrastrukturell vorgehaltene Ressourcen in Gebrauch genommen werden k\u00f6nnen, ohne allzu viele Formen von \u201eVerdinglichung\u201c zu erfahren, die in Selbstverdinglichung umgewandelt werden muss. \u00dcberlegungen zu \u201eradikalen Reformen\u201c sind eine notwendige Voraussetzung, der Drift in die institutionelle Perspektive entgegenzuarbeiten. Dazu braucht es Kritik verdinglichender Sozialstaatlichkeit, eine reflexive Perspektive auf Institutionalisierung und einen Lernprozess, der die allt\u00e4glichen \u201eArbeitsweisen am Sozialen\u201c aufgreift. Eine gute Referenzgr\u00f6\u00dfe b\u00f6te das Lernen aus \u201eArbeitsweisen am Sozialen\u201c, die eine Teilnahme an der hegemonialen Vergesellschaftungsform verweigern und Personen f\u00fcr ihren Eigensinn auch Existenzielles riskieren. (Vgl. Cremer-Sch\u00e4fer 2020) Daf\u00fcr braucht es Ressourcen zum Denken und Handeln, nicht nur auf Seiten von lernbereiten Beobachter*innen, sondern auch f\u00fcr die Haushalte; um in ihren Alltagen Erfahrungen zu machen. Eine bedingungslos zug\u00e4ngliche soziale Infrastruktur k\u00f6nnte danach beurteilt werden, inwiefern die jeweils implizierte Partizipations- und die Nutzungsform gerade mal zu einer dauerhaft auf Prekarit\u00e4t gestellten Subsistenzsicherung f\u00fchrt oder sich ein Raum \u00f6ffnet f\u00fcr die Entwicklung eigensinniger und eigenst\u00e4ndiger Haushaltsf\u00fchrungen und Lebensformen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige weitere Beurteilungsfragen und -kriterien w\u00e4ren: Die Bereitstellung welcher Infrastruktur erweitert die M\u00f6glichkeit zur Bildung m\u00f6glichst selbst gew\u00e4hlter Zusammenschl\u00fcsse in Haushalten? Und wie kann mit der Gleichwertigkeit von nicht gleichzeitig zu realisierenden Zielen von Reproduktionsarbeit umgegangen werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Empirisch zeigte sich in empirischen Untersuchungen der allt\u00e4glichen Arbeit an schwierigen Situationen (der Ausschlie\u00dfung) deutlich eine Hierarchie von \u201edefensiven\u201c Praktiken. Zuerst ist das \u00dcberleben als einzelne Person zu bewerkstelligen. Dann kann man f\u00fcr die Reproduktion von Haushaltsmitgliedern sorgen, die noch oder wieder oder zeitweise von jemandem abh\u00e4ngig sind. Erst danach kommen Versuche, die zeitliche und soziale Sicherung der Mittel des \u00dcberlebens als Person und der erweiterten Reproduktion anzugehen. In Bezug auf die Strategien, die \u00f6konomische, politische und gesellschaftliche Partizipation erweitern, haben wir dem Allt\u00e4glichen deutlich weniger Vorstellungskraft entnehmen k\u00f6nnen als \u00fcber die vertrauten defensiven Praktiken. Wir denken an Ideen und Aktivit\u00e4ten, eine selbstbestimmtere Organisation der sozialen Infrastruktur durchzusetzen, an das gro\u00dfe Ziel der (im weiten Sinn unsch\u00e4dlichen) Entwicklung der Produktivkraft, an Teilnahme an sozialem Fortschritt und damit verbundenen Befreiungsm\u00f6glichkeiten und Emanzipierung \u2013 um einmal ganz \u201eunbescheidene\u201c Projekte in den Blick zu nehmen. In den allt\u00e4glichen \u201eArbeitsweisen am Sozialen\u201c sind diese Ziele nicht ganz verschwunden. Die Option auf ein \u201egutes Leben\u201c, \u201ezufriedenstellende Arbeit\u201c und ein \u201eeigenbestimmtes, weniger abh\u00e4ngiges Leben\u201c bleiben in Erz\u00e4hlungen der Leute \u00fcber die defensiven Praktiken als <em>generative <\/em>Themen sichtbar. Das pragmatische Organisieren der Existenzsicherung und die Vorstellung von einem selbstbestimmten Leben sind gleichwertige, wenn auch nicht gleichzeitig realisierbare Ziele.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir formulieren zum Schluss einige Fragen und Kriterien, die es erm\u00f6glichen zu beurteilen, ob Politik die Entwicklung einer \u201esozialen Infrastruktur zum Betreiben eines eigenen Lebens\u201c offenh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Welche Ressourcen stellt eine etablierte soziale Infrastruktur bzw. ein Infrastrukturkonzept zur Verf\u00fcgung, um Konflikte um die disziplinierte Lebensweise zu bearbeiten?<\/li><li>Welche Ressourcen stellt eine etablierte soziale Infrastruktur bzw. ein Infrastrukturkonzept zur Verf\u00fcgung, um schwierige Situationen sozialer Ausschlie\u00dfung zu bearbeiten?<\/li><li>Gibt es die M\u00f6glichkeit aus einem Wirtschafts- und Lebenszusammenhang tempor\u00e4r oder dauerhaft \u201eauszusteigen\u201c bzw. sich \u201eeigensinnig\u201c zu einem Haushalt bzw. einer Wohnform zusammenzuschlie\u00dfen?<\/li><li>In welche Relation werden die unterschiedlichen Rationalit\u00e4ten von je institutionalisierter Infrastruktur und Haushalten gebracht? Institutionalisierte und professionalisierte Praxis der Bereitstellung von Ressourcen erzeugen, nach allem, was wir wissen, im besten Fall Orte der \u201everbindlichen Begegnungen\u201c. (Kunstreich 2012) Haushalte betonen dagegen eher die \u201eVerl\u00e4sslichkeit der Begegnung\u201c mit Professionen; d.h. Bedingungslosigkeit und die situative Tauglichkeit von Ressourcen, die bereitgestellt werden. In welche Relation wird also die b\u00fcrokratisch verbindliche Bereitstellung einer sozialen Infrastruktur zur \u201eNachfragelogik\u201c des Haushalts nach \u201everl\u00e4sslichen Begegnungen\u201c und gebrauchswerthaltigen Diensten gebracht?<\/li><li>Welche M\u00f6glichkeiten (und Haushaltungsformen) w\u00fcrden durch eine bedingungslos zug\u00e4ngliche Infrastruktur abgesichert? Welche hingegen unzureichend?<\/li><li>Welche soziale Infrastruktur braucht es, um Konflikte als Konflikte zu regulieren und z.B. nicht als \u201eKriminalit\u00e4t\u201c oder andere Formen der Devianz. Eine Frage, die im Nachdenken \u00fcber eine allgemein zug\u00e4ngliche Infrastruktur in der Regel vergessen wird.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich: Wir interpretieren auch Alternativen als \u201eZwischenergebnisse\u201c auf dem Weg zu einer allgemein und bedingungslos verf\u00fcgbaren sozialen Infrastruktur. Man kann auch nach radikalen Reformen (sogar im emphatischen Sinn) nicht von Konsens und Konfliktlosigkeit ausgehen. Im Kontext von Verrechtlichung, im Zusammenhang mit Expert*innenmacht und dem Handeln von Professionellen wird \u201eEigensinn\u201c immer wieder zu erk\u00e4mpfen bleiben \u2013 auch gegen die Zwischenergebnisse von Reformen. Es bleibt, soll ein Verhandlungs-Prozess beginnen, die Notwendigkeit, sekund\u00e4re Widerspr\u00fcche und Konflikte des Prozesses der Umorganisierung erneut zum Gegenstand reflexiven Kritik zu machen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Wir beziehen uns im Folgenden sowohl auf die Analysen und Vorschl\u00e4ge der von der AG links-netz 2013 herausgegebenen Publikation <em>Sozialpolitik anders gedacht: Soziale Infrastruktur<\/em> wie auf das 2005 gemeinsam gestaltete Heft 97 der Widerspr\u00fcche \u201e<em>Politik des Sozialen \u2013 Alternativen zur Sozialpolitik. Umrisse einer sozialen Infrastruktur<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Der folgende Teil ist eine gek\u00fcrzte und leicht \u00fcberarbeitete Fassung unseres Beitrags zu einem Tagungsband <em>Soziale Dienstleistungen als soziale Infrastruktur: Optionen f\u00fcr Soziale Arbeit<\/em>, der von Gertrud Oelerich und Andreas Schaarschuch herausgegeben wird. Zu unseren theoretischen Bez\u00fcgen gestatten wir uns auf unseren Beitrag in <em>Sozialpolitik anders gedacht: Soziale Infrastruktur<\/em> zu verweisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a id=\"_ftn3\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Wir haben dies am Exempel mehrerer \u201eFallgeschichten\u201c des \u00dcbergangs zur neoliberalen Phase dargelegt. (Bareis\/Cremer-Sch\u00e4fer 2012; 2021; Bareis\/Cremer-Sch\u00e4fer\/ Klee 2015) Ausgangs- und Orientierungspunkt war die \u201eCASE\u201c-Studie, die die \u201eWelfare Policy from Below\u201c beschrieben hat. (Steinert\/Pilgram 2007) Ellen Bareis hat im Tagungsband <em>Befreiungswissen als Forschungsprogramm. Denken mit Heinz Steinert<\/em> die Relevanz der Studie f\u00fcr die Weiterarbeit an der Forschungsperspektive \u201efrom below\u201c und damit an der Weiterentwicklung einer \u201esozialen Infrastruktur zum Betreiben eines eigenen Lebens\u201c expliziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Literatur:<\/p>\n\n\n\n<p>Adloff, Frank\/ Mau, Steffen (Hg.) (2005): Vom Geben zum Nehmen. Zur Soziologie der Reziprozit\u00e4t. Frankfurt\/Main: Suhrkamp<\/p>\n\n\n\n<p>Hirsch, Joachim\/ Br\u00fcchert, Oliver\/ Krampe, Eva-Maria et al. (Hg.) (2013): Sozialpolitik anders gedacht: Soziale Infrastruktur. Hamburg: VSA-Verlag<\/p>\n\n\n\n<p>Bareis, Ellen (2012): Nutzbarmachung und ihre Grenzen \u2013 (Nicht-)Nutzungsforschung im Kontext von sozialer Ausschlie\u00dfung und der Arbeit an der Partizipation. In: Schimpf, Elke\/ Stehr, Johannes (Hg.): Kritisches Forschen in der Sozialen Arbeit. Gegenstandsbereiche \u2013 Kontextbedingungen \u2013 Positionierungen \u2013 Perspektive. Wiesbaden: Springer VS, 291-314<\/p>\n\n\n\n<p>Bareis, Ellen (2022): Wohlfahrt von unten. In: Kranebitter, Andreas\/Pilgram, Arno\/Reidinger, Veronika\/Reinprecht, Christoph\/Reitter, Karl (Hg.): Befreiungswissen als Forschungsprogramm. Denken mit Heinz Steinert. M\u00fcnster: Westf\u00e4lisches Dampfboot, 121-144<\/p>\n\n\n\n<p>Bareis, Ellen\/ Cremer-Sch\u00e4fer, Helga (2012): Alltagsforschung als Kritik. Grundlagen der Forschungsperspektive der \u201eWohlfahrtsproduktion von unten\u201c. In: Gra\u00dfhoff, Gunther (Hg.): Adressaten, Nutzer, Agency. Akteursbezogene Forschungsperspektiven in der Sozialen Arbeit. Wiesbaden: Springer VS, 139-159<\/p>\n\n\n\n<p>Bareis, Ellen\/Cremer-Sch\u00e4fer, Helga (2013): Haushalt und soziale Infrastruktur: komplizierte Vermittlungen. In: Hirsch, Joachim\/ Br\u00fcchert, Oliver\/ Krampe, Eva-Maria et al.:161-184<\/p>\n\n\n\n<p>Bareis, Ellen\/ Cremer-Sch\u00e4fer, Helga\/ Klee, Shalimar (2015): Arbeitsweisen am Sozialen. Die Perspektive der Nutzungsforschung und der Wohlfahrtsproduktion \u201evon unten\u201c. In: Bareis, Ellen\/Wagner, Thomas (Hg.), Politik mit der Armut. Europ\u00e4ische Sozialpolitik und Wohlfahrtsproduktion \u201evon unten\u201c. M\u00fcnster: Westf\u00e4lisches Dampfboot, 310-340<\/p>\n\n\n\n<p>Bareis, Ellen\/Cremer-Sch\u00e4fer, Helga (2021): Bearbeitung von Situationen sozialer Ausschlie\u00dfung \u2013 Praktiken des Alltags. In: Anhorn, Roland\/Stehr, Johannes (Hg.): Handbuch Soziale Ausschlie\u00dfung und Soziale Arbeit. Wiesbaden: Verlag VS, 701-737<\/p>\n\n\n\n<p>Clarke, John (2007): Die Neuerfindung der Community? Regieren in umk\u00e4mpften R\u00e4umen. In: Kessl, Fabian\/ Otto, Hans-Uwe (Hg.): Territorialisierung des Sozialen. Regieren \u00fcber soziale Nahr\u00e4ume. Opladen &amp; Farmington Hills: 57-79<\/p>\n\n\n\n<p>Cremer-Sch\u00e4fer, Helga (2020): Ent-Stigmatisierung \u2014 eine parteiliche Gegenstrategie zu \u201einstitutioneller Stigmatisierung\u201c? Schwierig, aber nicht ganz unm\u00f6glich, In: Forum Erziehungshilfe, Heft 3\/2020 \u201eParteilichkeit heute\u201c, 156-160<a><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Gouldner, Alwin W. (2005\/1960): Etwas gegen nichts. Reziprozit\u00e4t und Asymmetrie. In: Adloff, Frank\/ Mau, Steffen (Hg.), 109-123<\/p>\n\n\n\n<p>Kunstreich, Timm (2012): Sozialer Raum als \u201eOrt verl\u00e4sslicher Begegnung\u201c. Ein Essay \u00fcber Verbindlichkeit und Verl\u00e4sslichkeit. In: Widerspr\u00fcche 125 \u201eSag mir wie? Methodisches Handeln zwischen Heilsversprechen und klugem Takt\u201c, 87-92<\/p>\n\n\n\n<p>Lessenich, Stephan\/ Mau, Steffen (2005): Reziprozit\u00e4t im Wohlfahrtsstaat. In: Adloff, Frank\/ Mau, Steffen (Hg.), 257-276<\/p>\n\n\n\n<p>Massey, Doreen (1994): A Place Called Home? In: Dies.: Space, place and gender. Minneapolis: University of Minnesota Press, 157-173<\/p>\n\n\n\n<p>Steinert, Heinz (2005): Eine kleine Radikalisierung von Sozialpolitik: Die allgemein verf\u00fcgbare \u201esoziale Infrastruktur zum Betreiben des eigenen Lebens\u201c ist notwendig und denkbar. In: Widerspr\u00fcche, Heft 97 \u201ePolitik des Sozialen \u2013 Alternativen zur Sozialpolitik. Umrisse einer sozialen Infrastruktur\u201c, Bielefeld: Kleine Verlag, 51-67<\/p>\n\n\n\n<p>Thiersch, Hans (1986): Die Erfahrung der Wirklichkeit, Weinheim: Beltz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>vvon Ellen Bareis und Helga Cremer-Sch\u00e4fer<\/p>\n<p>Wir denken im Folgenden weiter \u00fcber das nicht unkomplizierte (Vermittlungs-)Verh\u00e4ltnis von \u00f6ffentlicher Sozialer Infrastruktur und dem Haushalt nach, als ein \u201esubkulturelles Ph\u00e4nomen\u201c, das sich gerade nicht nach dem Prinzip der Kleinfamilie gegen herrschaftliche Zumutungen organisiert und \u00f6ffentlich bereit gestellte Ressourcen als Mittel zum \u201eBetreiben eines eigenen Lebens\u201c in Gebrauch nimmt \u2013 soweit die Verh\u00e4ltnisse es zulassen. <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/589"}],"collection":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=589"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/589\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":590,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/589\/revisions\/590"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=589"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=589"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=589"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}