{"id":595,"date":"2023-03-26T16:27:41","date_gmt":"2023-03-26T14:27:41","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=595"},"modified":"2023-03-26T16:27:41","modified_gmt":"2023-03-26T14:27:41","slug":"fuer-eine-doppelstrategie-linke-literatur-und-informationsstrategie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=595","title":{"rendered":"F\u00fcr eine Doppelstrategie: Linke Literatur- und Informationsstrategie"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\"><strong>Bernd H\u00fcttner, Sebastian Klauke<\/strong><\/h5>\n\n\n\n<p>Felix Syrovatka hat mit seinem Artikel \u201eKritische Wissenschaft: Alleine machen wir uns ein: Am Rande der Unsichtbarkeit: Kritische wissenschaftliche Publizistik verschwindet, wenn sie sich nicht digitalisiert und zusammenschlie\u00dft\u201c<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> im Sommer 2019 einen lesens- und bedenkenswerten Aufschlag zur \u2013 in unseren Augen dringend n\u00f6tigen Debatte \u2013 zu einem Themenkomplex geliefert, der leider nicht nur von ihm nicht weiterverfolgt worden ist. Wir m\u00f6chten im Folgenden seine Betrachtungen zur Auffindbarkeit linker \u201eTheorietexte\u201c vertiefen und erweitern.<\/p>\n\n\n\n<p>Syrovatka pl\u00e4dierte daf\u00fcr, dass sich linke Zeitschriften und Verlage digitalisieren und vereinigen sollen und wirft dabei einen vergleichenden Blick auf die englischsprachige Welt. V\u00f6llig korrekt h\u00e4lt er fest, dass linke wissenschaftliche Publizistik nur randst\u00e4ndig wahrgenommen wird und kaum eine Rolle in der akademischen Debatte spielt \u2013 was er auch \u2013 zu Recht \u2013 auf die fehlende Digitalisierung zur\u00fcckf\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine entscheidende Erweiterung zu seiner Argumentation liegt darin, dass wir es f\u00fcr einen entscheidenden Punkt halten, dass die Welt \u00fcberhaupt von der digitalen Existenz von einzelnen Titeln bis hin zu ganzen Archiven erf\u00e4hrt. Denn Digitalisierung allein n\u00fctzt nichts, wenn nicht aktiv daf\u00fcr gesorgt wird, dass dar\u00fcber m\u00f6glichst breit berichtet wird und die Angebote bekannt (gemacht) werden. Wir stimmen mit Syrovatka darin \u00fcberein, dass linke wissenschaftliche Publizistik weitestgehend verschwunden ist oder zumindest au\u00dferhalb der eigenen Reihen kaum noch wahrgenommen wird. Es stimmt auch, dass die englischsprachigen Zeitschriften hier besser aufgestellt sind, wobei vor allem f\u00fcr Leser_innen au\u00dferhalb der akademischen Welt (und selbst f\u00fcr die akademische Welt au\u00dferhalb des globalen Nordens) der Zugang wiederum teuer ist und damit ausschlie\u00dfend wirkt. Und es ist nat\u00fcrlich dabei nicht ausgemacht, dass Universit\u00e4ten und andere Einrichtungen sich die verf\u00fcgbaren Zug\u00e4nge dann auch wirklich anschaffen. Aber zumindest sollten wir als Linke versuchen, die entsprechenden Instanzen von einer Anschaffung zu \u00fcberzeugen bzw. diese vorzuschlagen. Ein entscheidender Gegensatz zu Syrovatka besteht darin, dass wir nicht auf Digitalisierung allein setzen, sondern f\u00fcr eine Doppelstrategie pl\u00e4dieren. Wir stimmen ihm aber darin zu, dass es ohne Kooperationen nichts werden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuvor stellt sich aber noch eine grundlegende Frage: Geht es darum, dass kritische Wissenschaft im neoliberalisierten Wissenschaftsbetrieb vorkommt? Wenn ja, aus welchen Gr\u00fcnden? Um Inhalte zu transportieren? Aus Karriereaspekten? Die (unerreichbare) Professur ist ja als linke Berufsutopie weiterhin sehr attraktiv.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder geht es darum, Gegen-Wissen f\u00fcr die sozialen Bewegungen und ihre K\u00e4mpfe zu produzieren? Und zu debattieren, wie dieses Wissen zu diesen kommt \u2013 und vice versa, denn das in den sozialen K\u00e4mpfen erzeugte Wissen und die dort geronnenen Erfahrungen bestimmen auch die akademische Textproduktion und Forschungskonjunkturen?<\/p>\n\n\n\n<p>Diese beiden Zug\u00e4nge haben Schnittmengen, und die interessieren (uns) hier, sie sind aber bei weitem nicht deckungsgleich.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon l\u00e4nger entstehen viele B\u00fccher aus Dissertationen heraus. Ein solches Werk ist die grundlegende Eintrittskarte in die Universit\u00e4t als Arbeitsumgebung, mit ungewissem Ausgang. Zugleich auch hier eine Flut an Titeln, die \u00dcbersicht zu behalten, f\u00e4llt schwer. Akademische Prekarit\u00e4t ist <strong>der<\/strong> Elefant im Raum: eine Laufbahn an der Universit\u00e4t, an deren Ende in Deutschland zwingend die Professur steht, ist unter den derzeitigen Bedingungen nicht planbar (u.a. gibt es viel zu wenige Stellen f\u00fcr viel zu viele Anw\u00e4rter; das Wissenschaftszeitgesetz begrenzt den Zeitraum, um die Qualifizierungsstufen zu erreichen u. v. m.) und insbesondere unter sozialen Gesichtspunkten eine Zumutung. Hinzu kommen schwerwiegende Ungleichheiten mit Blick auf die Geschlechterverh\u00e4ltnisse \u2013 noch immer dominieren wei\u00dfe, m\u00e4nnliche Professoren bei weitem.<\/p>\n\n\n\n<p>Und au\u00dferdem:<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00d6konomie des Lesens: wer hat noch Zeit zum Lesen? Und vor allem: Wer soll das alles lesen? Die Zielgruppe ist sehr klein, und es wird trotz allem ja noch im Print und online viel geschrieben.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Redaktionen sind vor allem unbezahlte Arbeit, wer hat die Zeit daf\u00fcr noch? Sp\u00e4testens wenn Kinder da sind, wird es sehr eng. Man braucht f\u00fcr Zeitschriften die n\u00f6tige Arbeitszeit und -kraft von Menschen f\u00fcr Produktion (Akquise von Texten, Lektorat, etc.) und es braucht einen Vertrieb (AbonnentInnen, Buchl\u00e4den, Pr\u00e4senz auf Konferenzen). Das zweite ist heute noch schwieriger geworden, als das erste. Deutsch ist eine kleine Sprache, englisch wird weltweit gelesen, hat einen weit gr\u00f6\u00dferen Markt, was wiederum von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die economy of scale ist. Die Anzahl der (linken) Buchl\u00e4den geht zur\u00fcck, bzw. die bestehenden entpolitisieren sich, verkaufen Reisef\u00fchrer, Kinderb\u00fccher und Krimis. Linke Zeitschriften sind da eher nur Deko.<\/p>\n\n\n\n<p>Ferner bestehen Mythen \u00fcber die H\u00f6he der Druck-Auflagen (meist erstaunlich gering, meist eher drei als vierstellig) und Reichweiten, und wird auch wirklich gelesen was z.B. an Periodika abonniert oder gekauft wird? Viele lesen vermutlich nicht mal ein Viertel der Texte der Zeitschriften, die sie gegen Geld abonniert haben und werden ausgelacht, wenn sie erz\u00e4hlen, dass sie B\u00fccher, die sie rezensieren, vorher auch wirklich komplett durchlesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt generationenspezifische Theorie- und auch Lesegewohnheiten. J\u00fcngere lesen eher einzelne Aufs\u00e4tze, die sie online suchen und nutzen. Die identit\u00e4tsstiftende Funktion von Zeitschriften und Zeitschriftenabonments d\u00fcrfte sich dem Ende zuneigen, bzw. bereits zu Ende sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sich in der Corona-Pandemie zeigt, ist Digitalisierung ein wichtiger Baustein, um bspw. die Lehre an den Universit\u00e4ten aufrecht zu erhalten und den Zugang zu Literatur auch angesichts geschlossener oder nur eingeschr\u00e4nkt nutzbarer Bibliotheken zu sichern. F\u00fcr die linke Literaturlandschaft ergibt sich hier aber eine besondere Problemlage: denn wenn Bibliotheken den eingeschlagenen Weg der Anschaffung weitestgehend digital verf\u00fcgbarer Titel fortsetzen und wohlm\u00f6glich noch fokussieren und versch\u00e4rfen, dann bleiben B\u00fccher und Zeitschriften, die \u201enur\u201c gedruckt erscheinen, auf der Strecke und sind quasi <strong>nicht existent<\/strong>, oder finden zumindest keine weite Verbreitung. Das wiederum birgt f\u00fcr die gesellschaftliche Linke die Gefahr, aus der ohnehin nicht sonderlich breiten Rezeption in der \u00d6ffentlichkeit weiter an den Rand gedr\u00e4ngt zu werden oder gar ganz zu verschwinden. Aber selbst in Pr\u00e4-Corona-Zeiten gab es unseres Erachtens die verbreitete Tendenz in der akademischen Welt, dass nur die Titel f\u00fcr Studierende und Lehrende existierten, die \u00fcber den lokalen UB-Katalog heruntergeladen werden konnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Diagnose bedeutet nun nicht, dem Digitalisierungsfetisch das Wort zu reden. Denn nur weil linke Literatur digital auffindbar ist, hei\u00dft das noch lange nicht, dass linke Debatten wahrgenommen oder rezipiert werden (oder \u00fcberhaupt als Wissenschaft anerkannt werden). Au\u00dferdem: auch in digitaler Form k\u00f6nnen B\u00fccher und andere Druckerzeugnisse massenhaft auf irgendwelchen Festplatten vergammeln, ohne jemals gelesen zu werden &#8211; ganz analog zu den Buchtiteln, die im Regal stehen und nur sch\u00f6n aussehen, aber nie gelesen werden, egal aus welchen Gr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ein hybrider Weg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Insofern pl\u00e4dieren wir hier f\u00fcr einen konsequent hybriden Weg, der das digitale Erscheinen von Buchtiteln und Zeitschriften wie Zeitungen neben die physische Ausgabe stellt. Es gibt dankenswerterweise einige linke Zusammenh\u00e4nge, die diesen Weg bereits \u2013 durchaus erfolgreich \u2013 verfolgen oder zu beschreiten gedenken<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Einige sehr wichtige Verlage scheinen diesen Weg (noch) nicht gehen zu wollen, denn g\u00fcnstig zu haben ist er sicherlich nicht. Der Vorteil liegt darin, dass man so in beiden Welten verf\u00fcgbar und auffindbar bleibt: sowohl eben in den Regalen der Universit\u00e4ten wie auch in den digitalen Katalogen, sowohl f\u00fcr die digitalen Generationen von Leser_Innen wie auch die analog ausgerichteten Menschen. Nur so kann man auch m\u00f6glichst neue, und das bedeutet in der Regel: j\u00fcngere Leser_innen-Kreise erschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Digitalisierung verbunden sind au\u00dferdem weitere Sachverhalte und Problemzusammenh\u00e4nge: Informationen sind im Netz prinzipiell wesentlich einfacher zu finden, wenn man denn a) wei\u00df, wo man zu suchen hat und b) die Informationen \u00fcberhaupt irgendwo gespeichert sind. Elektronisch vorliegende Titel k\u00f6nnen wesentlich gezielter nach spezifischen Worten, Namen etc. durchsucht werden (bzw. lassen sich bspw. PDF-Dateien problemlos durchsuchbar machen, das gilt auch f\u00fcr Dokumente in Frakturschrift). Entscheidend ist aber unseres Erachtens, wie bereits eingangs erw\u00e4hnt, dass man \u00fcberhaupt von der digitalen Existenz von einzelnen Titeln bis hin zu ganzen Archiven erf\u00e4hrt: und exakt hier sehen wir gro\u00dfen Handlungsbedarf in der Linken &#8211; wir m\u00fcssen uns besser vernetzen, Informationen solidarisch austauschen und vor allem das Wissen nachhaltig sichern! Und: wir m\u00fcssen uns auf das Erscheinen von B\u00fcchern, Artikeln, Analysen etc. gegenseitig aufmerksam machen, ohne das als reine Werbung (miss)zuverstehen, sondern als integralen Bestandteil der linken Diskussionen, die ja auch das Ziel haben, die Verh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndern zu wollen. Wir m\u00fcssen versuchen, das Prinzip Zufall zu minimieren. Anstatt irgendwie und nebenher von der Existenz bspw. frei zug\u00e4nglicher Textarchive zu erfahren, w\u00e4re es zielf\u00fchrend, direkt nach der Freischaltung hier\u00fcber informiert zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist insbesondere f\u00fcr Menschen wichtig, die in Zeiten von Corona derma\u00dfen mit anderen Aufgaben und Problemen konfrontiert sind, die es ihnen nicht erlauben, auch noch gro\u00dfartig eigene Recherche zu betreiben. Denn die Zeit und Kraft werden hemmungslos durch andere Sachverhalte in Beschlag genommen. Aber auch in \u201enormalen\u201c Zeiten halten wir es f\u00fcr fahrl\u00e4ssig, wenn jede_r f\u00fcr sich selbst recherchiert und die Informationen nicht geteilt werden, sondern im privaten Raum oder kleinen Kreisen verbleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurzum: Der Informationsfluss muss besser organisiert werden, wohlm\u00f6glich zentral, auf einer linken Datenbank. In einer Datenbank k\u00f6nnte dann, zum Beispiel monatlich, die Auflistung frei zug\u00e4nglicher Literatur, aktualisiert werden. Die linken Menschen w\u00e4ren dann gebeten, die Ergebnisse ihrer individuellen Recherchen gelegentlich einfach weiterzuleiten. So w\u00e4re allen geholfen. Wobei sich hier auch die Frage stellt, ob nicht Informationen und Wissen zur\u00fcckgehalten werden, weil es eben auch eine akademische Konkurrenzsituation gibt, die ein solches Verhalten bedingt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema linke Literatur w\u00e4re dann noch um die Betrachtung der Probleme von internationaler Verf\u00fcgbarkeit, sprich \u00dcbersetzungen, und dem Rezensionswesen zu erweitern<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a>. Auch fachwissenschaftliche Plattformen sind durchaus geeignet, auf linke Ver\u00f6ffentlichungen aufmerksam zu machen und dort Rezensionen zu publizieren. Denkbar w\u00e4re aber auch hier eine linke Sammelplattform, die einfach nur die verschiedenen Orte zusammenf\u00fchrt. Gleiches gilt f\u00fcr die Dokumentation von Tagungen: das bestehende Videomaterial sollte ebenfalls leicht zug\u00e4nglich zentraler als heute, sprich: gesammelt pr\u00e4sentiert werden. Derzeit geschieht dies zerstreut auf vielen Plattformen. Es k\u00f6nnte aber auch in einem ersten Schritt an das existierende Verzeichnis digitalisierter Drucke<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a> angeschlossen werden. Hier k\u00f6nnen Meldungen \u00fcber neue frei zug\u00e4ngliche Titel selbstst\u00e4ndig gemeldet werden. F\u00fcr die englischsprachige Welt gibt es das Directory of Open Access Books<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a>, die Online Library and Publication Platform<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\">[7]<\/a>, ferner das Directory of Open Access Journals<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\">[8]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz praktisch ist allerdings zu bedenken: Open access ist etwas anderes als bessere Sichtbarkeit, das zeigen z.B. die Erfahrungen der RLS als gro\u00dfem Akteur deutlich \u2013 open access macht nicht mehr Resonanz oder Impact (soweit l\u00e4sst sich das zumindest anhand der teilweise miserablen Zugriffszahlen auf freien Content der RLS sagen). Nahezu alle Zugriffe auf die Website der RLS kommen aus social media (Facebook, twitter) und google. Sind wir also als kritische historische oder politische Bildner oder ProduzentInnen kritischen (Gegen-)Wissens abh\u00e4ngig von der Existenz und den Regeln und Algorithmen privater Firmen? Sollen linke Publikationen nur dank der google-Suche und einer geschickten Verschlagwortung auffindbar sein? Es scheint so. Und was bedeutet das dann eigentlich?<\/p>\n\n\n\n<p>An <a href=\"http:\/\/www.kobib.de\/\">www.kobib.de<\/a>, einer kooperativen Bibliografie, haben zum Beispiel immer nur zwei Leute mitgearbeitet, aktuell nur noch einer. Diese , vor \u00fcber zehn Jahren begonnene &#8222;kooperativen Bibliografie&#8220; hat auch nie kollaborativ funktioniert, obwohl es genauso gedacht war. \u00c4ltere GenossInnen haben auch studiert, ohne Internet und ohne Literaturverwaltungsprogramme wie Zotero und solche Dinge , da w\u00e4re also \u2013 etwas frech verallgemeinert \u2013 aus linker Perspektive noch Nachhol-, Informations- und Austauschbedarf.<\/p>\n\n\n\n<p>In Sachen Print: Die Erfahrungen vieler AutorInnen mit linken und auch Wissenschaftsverlagen sind oftmals wenn nicht durchweg negativ. Schlechte Betreuung, unqualifiziertes Lektorat, hohe Zusch\u00fcsse werden erbeten (und oft auch gezahlt). Dass man alle Rezensionen selbst organisiert, ist eh bereits vorher bekannt. Selbst linke Verlage lassen in Einzelf\u00e4llen dann die Autoren oder HerausgeberInnen das Layout ihrer B\u00fccher machen, unbezahlt versteht sich.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Gr\u00fcndungszeit des Internets startete im Jahre 2000 (!!) das linksnet, als Portal linker Zeitschriften<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\">[9]<\/a>. Nach einer gewissen Hochphase wurde dieses Portal von den beteiligten Redakteur_Innen und auch den dort versammelten Zeitschriften nicht mehr richtig gepflegt und genutzt. Aber etwas Empirie zum linksnet: Dort waren 2022 als aktiv 52 meist Printtitel gelistet, von denen einer doppelt aufgef\u00fchrt ist. Von den 51 Titeln hatten zwei noch nie etwas in linksnet publiziert, und weitere mindestens sieben haben das Erscheinen mittlerweile eingestellt. Aber immerhin 12 Titel haben von Januar bis Sommer 2022 etwas eingespeist, und weitere sieben zuletzt 2020. Aber fast die H\u00e4lfte (24Titel) hat zuletzt 2016 und sp\u00e4ter etwas gepostet. Linksnet wirkt alles in allem seit Jahren einfach auch schlampig gepflegt, es ist f\u00fcr uns eine vertane Chance, eine Fata Morgana. Es gibt offensichtlich noch Leute, die sich darum k\u00fcmmern, aber mehr schlecht als recht.<\/p>\n\n\n\n<p>Private Bibliotheken (alle sind bis oben voll) ebenso wie institutionelle. Bewegungsarchive auch voll, und prek\u00e4r. In der Zeitschriftendatenbank https:\/\/www.zeitschriftendatenbank.de\/startseite\/ kann jede\/r nachsehen, an welchen wissenschaftlichen Bibliotheken welche Zeitschriften mit welchem Bestand vorhanden sind. Selbst viele Bewegungsarchive, wie etwas das Apabiz, das Informationszentrum dritte Welt und das Archiv Soziale Bewegungen (beide in Freiburg), die anarchistische Bibliothek der Freien und viele andere, wie auch die Bibliotheken und Archive der Heinrich-B\u00f6ll und der Rosa-Luxemburg Stiftung speisen hier ihre Best\u00e4nde ein. Dass diese nicht genutzt und auch nicht gesucht werden, liegt auch am Programm deutscher Universit\u00e4ten, wo linke Themen immer noch systematisch exkludiert \u2013 also nicht systematisch angeschafft werden \u2013 werden und auch, so m\u00f6chte man kulturpessimistisch ausrufen, am Desinteresse j\u00fcngerer Studierender.<\/p>\n\n\n\n<p>Und: Probleme der Verschlagwortung von solchen Plattformen ist auch Herrschaft und Transparenzproblem, da m\u00fcssen Fachleute der Informationswissenschaft ran. Eine weitere offene Flanke: der Umgang mit und das Wissen \u00fcber Wikipedia und linkem Schreiben in der Wikipedia. Aber dazu ein anderes Mal.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zuerst ver\u00f6ffentlicht auf <a href=\"https:\/\/adamag.de\/kritische-wissenschaft-publizistik-zeitschriften\">https:\/\/adamag.de\/kritische-wissenschaft-publizistik-zeitschriften<\/a> (zuletzt dort abgerufen am 21. Juni 2022), jetzt nur noch erreichbar \u00fcber http:\/\/felix-syrovatka.de\/kritische-wissenschaft-alleine-machen-wir-uns-ein\/<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zum Thema siehe auch Heft 2 Jg. 36 vom Mittelweg 36, April\/Mai 2022 mit dem Thema Publikationsregime. Und das interessante Video zum Launch des Heftes, \u00bbPublikationsregime: Wissenschaftliches Arbeiten im Digitalen\u00ab, 12. Mai 2022, https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TOdTUNkCf4k (Abfrage 19. M\u00e4rz 2023).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> So die Monatszeitschrift Oxi, die Zeitschrift Arbeit \u2013 Bewegung \u2013 Geschichte und j\u00fcngst die Prokla. Ob die OXI die in diesen Tagen wirksam werdende Aufk\u00fcndung der Kooperation seitens des nd \u00fcberlebt, steht in den Sternen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Zum Komplex Rezensionen gab es 2022, mit Fokus auf die Geschichtswissenschaft eine Debatte auf HSozKult, siehe <a href=\"http:\/\/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de\/forum\/type=diskussionen&amp;id=5370\">http:\/\/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de\/forum\/type=diskussionen&amp;id=5370<\/a> und http:\/\/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de\/forum\/type=diskussionen&amp;id=5378.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> <a href=\"http:\/\/zvdd.de\/startseite\/\">http:\/\/zvdd.de\/startseite\/<\/a> (zuletzt abgerufen am 19. M\u00e4rz 2023).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> <a href=\"https:\/\/doabooks.org\/\">https:\/\/doabooks.org\/<\/a> (zuletzt abgerufen am 19. M\u00e4rz 2023).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.oapen.org\/\">https:\/\/www.oapen.org\/<\/a> (zuletzt abgerufen am 19. M\u00e4rz 2023).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> <a href=\"https:\/\/doaj.org\/\">https:\/\/doaj.org\/<\/a> (zuletzt abgerufen am 19. M\u00e4rz 2023).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. den R\u00fcckblick von Rainer Rilling, einem der Gr\u00fcnder des linksnet. LinksNet: Ein Unikat &#8211; von links, 2011, https:\/\/www.linksnet.de\/artikel\/26958 (zugriff 19. M\u00e4rz 2023)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von<br \/>\nBernd H\u00fcttner und Sebastian Klauke<\/p>\n<p>Felix Syrovatka hat mit seinem Artikel \u201eKritische Wissenschaft: Alleine machen wir uns ein: Am Rande der Unsichtbarkeit: Kritische wissenschaftliche Publizistik verschwindet, wenn sie sich nicht digitalisiert und zusammenschlie\u00dft\u201c im Sommer 2019 einen lesens- und bedenkenswerten Aufschlag zur \u2013 in unseren Augen dringend n\u00f6tigen Debatte \u2013 zu einem Themenkomplex geliefert, der leider nicht nur von ihm nicht weiterverfolgt worden ist. 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