{"id":602,"date":"2023-09-27T11:17:34","date_gmt":"2023-09-27T09:17:34","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=602"},"modified":"2023-09-27T11:17:34","modified_gmt":"2023-09-27T09:17:34","slug":"wie-die-wohnungen-unleistbar-wurden-zum-beispiel-in-oesterreich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=602","title":{"rendered":"Wie die Wohnungen unleistbar wurden &#8211; zum Beispiel in \u00d6sterreich"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Karl Czasny<\/h5>\n\n\n\n<p>\u00d6sterreich gilt manchen deutschen Linken immer noch als ein wohnungspolitisches Vorzeigemodell, und die Bundeshauptstadt des Alpenstaats genie\u00dft einen geradezu legend\u00e4ren Ruf als das Mekka des kommunalen Wohnbaues (Stichwort &#8222;Rotes Wien&#8220;). Tats\u00e4chlich hat das Land jedoch seine wohnungspolitische Sonderstellung in den letzten Jahrzehnten Schritt f\u00fcr Schritt eingeb\u00fc\u00dft. Karl Czasnys Text wendet sich an ein \u00f6sterreichisches Publikum, um diese Entwicklung aufzuzeigen und zu einem wohnungspolitischen Paradigmenwechsel aufzurufen. Deutsche LeserInnen kann er bei der Entwicklung eines realistischeren Blicks auf die Wohnungspolitik des kleinen Nachbarstaats unterst\u00fctzen und zur \u00dcberpr\u00fcfung einiger Argumente anregen, die auch in den hiesigen wohnungspolitischen Diskussionen eine wichtige Rolle spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00d6sterreich stiegen im letzten Dezennium die Mieten und erst recht die Preise f\u00fcrs Haus- und Wohnungseigentum wesentlich st\u00e4rker als die Einkommen. Die 1,3 Millionen armutsgef\u00e4hrdeten Menschen mussten schon 2020 (also noch vor dem j\u00fcngsten Inflationsschub!) im Mittel fast 40% ihres Einkommen f\u00fcrs Wohnen ausgeben, und bei den \u00c4rmsten der Armen lag dieser Wert gar bei 56%. Was b\u00fcrgerliche KommentatorInnen Sorgenfalten aufziehen l\u00e4sst, treibt ihren links gesinnten KollegInnen Zornesr\u00f6te ins Gesicht. Letztere d\u00fcrften klammheimlich auch Schadenfreude empfinden. Denn die j\u00fcngst noch durch die Inflation versch\u00e4rfte Wohnkostenkrise schuf die Basis f\u00fcr sensationelle Erfolge der Kommunisten bei zwei regionalen Wahlen, war wohl mitbeteiligt am Linksruck an der Spitze der Sozialdemokratie und wird alten sowie neuen Linksstr\u00f6mungen auch in den kommenden Jahren noch so manches Erfolgserlebnis bescheren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Linke sollte jedoch nicht bei ihren Gef\u00fchlsreflexen stehen bleiben, sondern sich ernsthaft bem\u00fchen zu begreifen, <strong>wie<\/strong> es in einem der urspr\u00fcnglich besten Wohnversorgungsysteme Europas so weit kommen konnte. Denn es gilt aus der bitteren Erfahrung der Sozialdemokratie zu lernen, die sich bei der in den letzten Jahrzehnten erfolgten Transformation dieses Systems so verhielt wie der legend\u00e4re Frosch im Topf, dessen Wasser ganz langsam erhitzt wird: Er merkt die in kleinen Schritten erfolgende Ver\u00e4nderung nicht und bleibt so lange gem\u00fctlich im Wasser sitzen, bis er praktisch bei lebendigem Leibe gekocht wird. Weil die meisten der erst in ihrer Summe verh\u00e4ngnisvollen Wohnreformen f\u00fcr sich genommen unspektakul\u00e4r waren, trug sie die Sozialdemokratie gr\u00f6\u00dftenteils mit und lud so einen Teil der Schuld an dem sich zuletzt drastisch versch\u00e4rfenden Leistbarkeitsproblem auf sich. Jene Mitschuld aber ist eine der Ursachen daf\u00fcr, dass ihr viele der besonders stark unter den explodierenden Wohnkosten leidenden Unter- und Mittelschichthaushalte das Vertrauen entzogen und sich dem Rechtspopulismus in die Arme warfen. Die Linke wird diesen verunsicherten, aber nicht endg\u00fcltig verlorenen W\u00e4hlerInnen in der Frage des leistbaren Wohnens nur dann \u00fcberzeugende L\u00f6sungsperspektiven aufzeigen k\u00f6nnen, wenn sie selbst zu einem umfassenden Verst\u00e4ndnis jenes lange gewachsenen und entsprechend vielschichtigen Problems findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgende grobe Skizze wichtiger Konturen der j\u00fcngeren Geschichte unserer Wohnversorgung beabsichtigt auf zwei Wegen zu jenem vertieften Problemverst\u00e4ndnis beizutragen: Zum einen will sie die Aufmerksamkeit auf den f\u00fcr die aktuelle Krise verantwortlichen langj\u00e4hrigen Prozess der Transformation unserer Wohnversorgung lenken. Zum anderen m\u00f6chte sie den Blick f\u00fcr den systemischen Charakter des Zusammenspiels der unterschiedlichen Teile dieses zentralen Bereichs der Daseinsvorsorge sch\u00e4rfen.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>1. Die l\u00e4ngst vergangene heile Welt des Wohnens<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Am Beginn der neunzehnachtziger Jahre lebten wir noch in einer heilen Welt des Wohnens. Das war zwar bei weitem kein Paradies, denn die Fassaden in unseren Gro\u00dfst\u00e4dten waren grau, es gab noch sehr viele Bassenah\u00e4user, und beim Bezug einer in einem solchen Haus gelegenen Wohnung musste man dem Vermieter oft eine illegale Abl\u00f6se im Geldkuvert \u00fcbergeben. Paradiesisch gro\u00df war jedoch das Angebot solcher Altwohnungen, f\u00fcr die es zumeist unbefristete Mietvertr\u00e4ge gab. Und paradiesisch niedrig war die Wohnkostenbelastung der MieterInnen. Im Schnitt lag der Anteil der Bruttokaltmiete am Haushaltsnettoeinkommen bei knapp 10%. Selbst bei Ber\u00fccksichtigung der erw\u00e4hnten Abl\u00f6sezahlungen stieg er nur auf gut 13% an.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese aus heutiger Perspektive unglaublich niedrigen Werte waren die Folge davon, dass \u00d6sterreich nach dem zweiten Weltkrieg einen wohnungspolitischen Sonderweg eingeschlagen hatte. W\u00e4hrend andere europ\u00e4ische Staaten ihr in der ersten Nachkriegszeit streng bewirtschaftetes Wohnungswesen sehr bald wieder f\u00fcr den freien Markt ge\u00f6ffnet hatten, ruhte die Wohnversorgung hierzulande in allen Ballungsr\u00e4umen nach wie vor auf drei \u00f6ffentlich kontrollierten S\u00e4ulen: Die erste bildete der streng regulierte und (besonders in Wien) sehr gro\u00dfe Sektor der bereits erw\u00e4hnten privaten Altmietwohnungen, w\u00e4hrend die zweite in einem (vor allem wieder in Wien) nicht weniger bedeutenden Sektor kommunaler Mietwohnungen bestand. Die dritte S\u00e4ule war ein \u00f6ffentlich gef\u00f6rderter Wohnbau, der durch gemeinn\u00fctzige Wohnungsunternehmen abgewickelt wurde und zuletzt den Bau von Gemeindewohnungen weitgehend ersetzt hatte. Die gemeinn\u00fctzigen Bautr\u00e4ger waren vom Staat mit steuerlichen Privilegien ausgestattet worden und hatten sich daf\u00fcr im Gegenzug auf eine Preisbindung der errichteten Wohnungen verpflichtet. Begrenzt hatte man auch ihre aus dem Wohngesch\u00e4ft resultierenden Gewinne, die wieder in den Erhalt und Neubau von Wohnungen investiert werden m\u00fcssen. Die enge Verkn\u00fcpfung eines auf diese Weise sozial gebundenen Wohnbaukapitals mit der \u00fcberwiegend aus niedrig verzinsten Darlehen bestehenden \u00f6ffentlichen Wohnbauf\u00f6rderung erm\u00f6glichte \u00d6sterreich lange Zeit eine sehr <strong>effiziente<\/strong> (d.h. wenig Budgetmittel verschlingende) Sicherstellung der Leistbarkeit von neu errichteten Miet- und Genossenschaftswohnungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zentrale Bedeutung f\u00fcr das Funktionieren des eben skizzierten Systems der Wohnversorgung hatte das <strong>Zusammenspiel<\/strong> seiner drei S\u00e4ulen. Dabei konnten die einkommensschw\u00e4chsten Haushalte auf die billigen kommunalen Wohnungsbest\u00e4nde z\u00e4hlen, w\u00e4hrend die Aufsteiger- und Mittelschichthaushalte mit dem trotz \u00f6ffentlicher F\u00f6rderung und sozialer Bindung der Bautr\u00e4ger etwas teureren Neubauwohnungsangebot der Gemeinn\u00fctzigen bedient wurden. In einer Art von stillschweigendem Fairness-Abkommen war auch der Sektor der privaten Mietwohnungen in dieses Zusammenspiel einbezogen: Weil die unteren Einkommensschichten zwar durch ihre Steuerleistungen an der Aufbringung der Wohnbauf\u00f6rderungsmittel beteiligt waren, aber nur schwer Zugang zu diesen vorrangig in die Neubauwohnungen der Gemeinn\u00fctzigen flie\u00dfenden Subventionen fanden, ging die Wohnungspolitik im Gegenzug sehr behutsam mit dem f\u00fcr diese Bev\u00f6lkerungsschichten leistbaren Bestand an billigen Altmietwohnungen um. Neben streng kontrollierten Mietobergrenzen (Stichwort: Kategoriemietzins) und einem nicht minder strengen K\u00fcndigungsschutz spielte dabei auch die Erhaltungs- und Sanierungspolitik eine wichtige Rolle. So verzichtete man etwa im Unterschied zu einigen westeurop\u00e4ischen Staaten auf gro\u00dffl\u00e4chige Abbruchsanierungen. Dar\u00fcber hinaus verhinderten eine mehrj\u00e4hrige Zweckbindung der Mietertr\u00e4ge f\u00fcr die Hausinstandhaltung und das Recht der Mieter zur Erzwingung notwendiger Instandhaltungen einen raschen Verfall dieser \u00fcberwiegend noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Wohnungsbest\u00e4nde.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>2. Wie man den privaten Mietwohnungsbestand dem Markt auslieferte<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Verlauf der achtziger Jahre kam es mit dem Ende der sozialdemokratischen Alleinregierung und dem in jener Zeit beginnenden Vormarsch neoliberaler Politikkonzepte im Sektor der privaten Mietwohnungen zu einem schrittweisen Abbau der strengen Preisbindungen. In der ersten Etappe wurden die am besten ausgestatteten Wohnungen aus der Kategoriepreisregelung herausgenommen, was zwar zu sehr vielen an sich erw\u00fcnschten Anhebungen des Wohnstandards f\u00fchrte, zugleich aber die Anzahl der vorhandenen Billigwohnungen empfindlich reduzierte. In einem zweiten &#8218;Reform&#8216;-Schritt ersetzte man dann die Kategoriepreisregelung durch das sogenannte Richtwertsystem. Dieses wird durch eine Vielzahl an Zu- und Abschl\u00e4gen dem tats\u00e4chlichen Qualit\u00e4tsniveau der einzelnen Wohnung besser gerecht als die nur vier Qualit\u00e4tsstufen vorsehenden Ausstattungskategorien. Dar\u00fcber hinaus erfasst es nun auch wieder die am besten ausgestatteten Wohnungen. Es hat aber einen wesentlich<strong> schw\u00e4cheren Preisd\u00e4mpfungseffekt<\/strong> als die vorangehende Kategoriepreisregelung. Au\u00dferdem \u00fcberl\u00e4sst es die sehr gro\u00dfen und die ab 1953 errichteten Wohnungen dem freien Markt.<\/p>\n\n\n\n<p>Begleitet war diese Entwicklung von weiteren Ver\u00e4nderungen im Sektor der privaten Mietwohnungen. Diese erh\u00f6hten ebenfalls den Einfluss des Marktes auf das durchschnittliche Niveau der Mieten, was in Zeiten eines demographisch bedingten, langfristigen Nachfrage\u00fcberhangs zu weiteren Preissteigerungen f\u00fchren musste. So schloss man etwa betr\u00e4chtliche Teile des Bestands von der Geltung des im Mietrecht verankerten <strong>K\u00fcndigungsschutzes<\/strong> aus. Es kam und kommt dadurch bei einem immer gr\u00f6\u00dferen Teil der Wohnungen dieses Sektors zu einem sehr h\u00e4ufigen MieterInnenwechsel, wobei jeder dieser Wechsel mit einer Anpassung der Miete an das jeweils aktuelle Preisniveau verbunden ist. Eine weitere Ursache f\u00fcr diesen folgenschweren Anstieg der Fluktuationsrate bei privaten Mieten liegt darin, dass man viele Wohnungen im Zuge der Sanierung in Eigentumswohnungen umwandelt, die dann (soweit sie der Eigent\u00fcmer nicht selbst nutzt) nur mehr befristet vermietet werden. Waren bis zum Beginn der neunzehnachtziger Jahre die meisten privaten Mietverh\u00e4ltnisse noch unbefristet, so wird 2020 nahezu jede zweite Wohnung dieses Sektors nur noch <strong>befristet<\/strong> vermietet.<\/p>\n\n\n\n<p>In Zeiten hoher Inflation resultieren aber im Sektor der privaten Mieten auch ohne MieterInnenwechsel extreme Preisanstiege. Verantwortlich daf\u00fcr sind die in den meisten Mietvertr\u00e4gen enthaltenen Indexklauseln, die zu einem <strong>Perpetuum Mobile<\/strong> der Mehrbelastung f\u00fchren. Dabei bewirkt die Inflation in einem ersten Schritt einen Anstieg der indexgebundenen Mieten. Letztere tragen dann ihrerseits in einem zweiten Schritt wegen des hohen Anteils der Wohnausgaben im Warenkorb des Preisindex ma\u00dfgeblich zu dessen neuerlichem Ansteigen bei. Durch diesen Mechanismus kam es in den letzten 15 Monaten bei einem Teil der privaten Altmietwohnungen zu vier Mietenerh\u00f6hungen im Gesamtausma\u00df von nahezu 24%. Das liegt weit \u00fcber dem zur Erhaltung der Geb\u00e4ude erforderlichen Ausma\u00df. Es flie\u00dft n\u00e4mlich nur ein Teil der gesamten Hauptmietzinseinnahmen in die Erhaltung. Nach Einsch\u00e4tzung des AK-Wohnrechtsexperten Walter Rosifka <em>&#8222;w\u00e4re die Deckelung der Anhebung des gesamten Hauptmietzinses mit 2 Prozent j\u00e4hrlich eine ausreichende Vorsorge f\u00fcr die Kosten bzw. Kostensteigerungen&#8220;<\/em> bei den Erhaltungsma\u00dfnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die skizzierten Entwicklungen wurden die Funktionen des privaten Mietwohnungssektors der Ballungszentren als R\u00fcckzugsgebiet f\u00fcr Einkommensschwache, als &#8218;Warteraum&#8216; f\u00fcr die auf gef\u00f6rderte Neubauwohnungen sparenden Jungfamilien, sowie als Einstiegsbereich f\u00fcr Zugewanderte und StudentInnen empfindlich beeintr\u00e4chtigt. Die Handlungsanweisungen der neoliberalen \u00d6konomie sehen f\u00fcr Situationen wie diese die Gew\u00e4hrung von Beihilfen f\u00fcr bed\u00fcrftige Haushalte vor. Derartige Beihilfen gab es in \u00d6sterreich lange Zeit nur im Sektor des gef\u00f6rderten Wohnbaues. Dort bezeichnet man sie als Ma\u00dfnahmen der <em>&#8222;Subjektf\u00f6rderung&#8220;<\/em>, um sie von den zur Verbilligung der Errichtung von Wohnraum gew\u00e4hrten Subventionen zu unterscheiden, welche man <em>&#8222;Objektf\u00f6rderungen&#8220;<\/em> nennt. Im gef\u00f6rderten Wohnbau haben sich die Subjektf\u00f6rderungen bestens bew\u00e4hrt, weil die Mieten hier gesetzlich geregelt sind (Stichwort: Kostenmiete) und die Bautr\u00e4ger nicht die M\u00f6glichkeit haben, auf die beihilfebedingte Kaufkraftsteigerung der Mieter mit entsprechenden Preiserh\u00f6hungen zu reagieren. Genau dies ist aber bei den privaten Mieten der Fall. Seit daher die Wohnungspolitik den Anweisungen der neoliberalen \u00d6konomInnen folgend die davor nur im gef\u00f6rderten Sektor etablierten Subjektf\u00f6rderungen auch f\u00fcr private Mietwohnungen gew\u00e4hrt, geschieht, was geschehen muss: Der F\u00f6rdereffekt wird durch entsprechende Mietenanstiege immer wieder ganz schnell von den Vermietern abgesaugt, sodass die beihilfebedingte Kaufkraftst\u00e4rkung der Wohnungsnachfrager letztlich gerade nur den ohnehin bestehenden Preisauftrieb verst\u00e4rkt.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>3. Wie der sozialen Wohnbau zugrunde gerichtet wurde<\/strong><\/a><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wegen der systemischen Verkoppelung der drei S\u00e4ulen unserer Wohnversorgung hatte die \u00d6ffnung des F\u00fcllhorns der Subjektf\u00f6rderung f\u00fcr die privaten Wohnungsm\u00e4rkte auch \u00e4u\u00dferst negative Folgen f\u00fcr den gef\u00f6rderten Wohnbau. Die jetzt in den privaten Sektor flie\u00dfenden Subjektf\u00f6rdermittel gingen n\u00e4mlich der Objektf\u00f6rderung verloren und verminderten so das Angebot an preisg\u00fcnstig errichteten und dauerhaft preisgeregelten Miet- und Genossenschaftswohnungen. Schon sehr bald nach der erstmaligen Gew\u00e4hrung von Individualbeihilfen f\u00fcr private Mietverh\u00e4ltnisse kam es zu einem rapiden Anstieg der Subjektf\u00f6rderausgaben. 2015 flossen dann bereits fast 18% der gut 2&nbsp;Milliarden Euro, die man damals f\u00fcr die Objektf\u00f6rderung von Neubauten und die Subjektf\u00f6rderung zur Verf\u00fcgung stellte, in die Beihilfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese vom Zur\u00fcckfahren der Regulierung des Marktes der privaten Mietwohnungen ausgel\u00f6ste Reduktion des Potentials der Objektf\u00f6rderung ist aber bei weitem nicht die einzige Ursache daf\u00fcr, dass das Angebot an sozialen Mietwohnungen immer weiter hinter dem gesellschaftlichen Bedarf zur\u00fcckbleibt. Dem kontinuierlichen Anwachsen dieser Bedarfsl\u00fccke liegt n\u00e4mlich noch eine ganze Reihe weitere Ursachen zugrunde.<\/p>\n\n\n\n<p>An erster Stelle ist hier die in vielen Teiletappen ablaufende <strong>Reduktion<\/strong> der dem Wohnbau zuflie\u00dfenden Steuermittel zu nennen. Dieser finanzielle Ausd\u00fcnnungsprozesses ging einher mit einer schrittweisen <strong>Verlagerung der F\u00f6rderkompetenz<\/strong> des Bundes an die L\u00e4nder (Stichwort: <em>&#8222;Verl\u00e4nderung&#8220;<\/em>) und mit einer fortschreitenden <strong>Lockerung der Zweckbindung<\/strong> der vom Bund an die L\u00e4nder ausgesch\u00fctteten Wohnbauf\u00f6rderungsmittel. Sie m\u00fcndete schlie\u00dflich 2009 in eine vollst\u00e4ndige Beseitigung der Zweckbindung. In Verbindung mit der Verl\u00e4nderung machte der allm\u00e4hliche Verlust der Zweckbindung die Wohnbauf\u00f6rderung zu einer Spielwiese f\u00fcr die Landespolitik. Denn die bekam nun die M\u00f6glichkeit, die eigentlich f\u00fcr die F\u00f6rderung des Neubaus von sozialen Mietwohnungen bereitgestellten Gelder f\u00fcr ganz andere Ziele (etwa f\u00fcr Bauma\u00dfnahmen im Bereich der Infrastruktur oder f\u00fcr CO<sub>2<\/sub>-Reduktionsma\u00dfnahmen) zu verwenden. Dadurch entstand allein in den ersten auf die vollst\u00e4ndige Aufhebung der Zweckbindung folgenden Jahren bis 2012 eine L\u00fccke von 5.000 zu wenig gebauten Wohnungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die seit der Verl\u00e4nderung der Wohnbauf\u00f6rderung m\u00f6gliche Umwidmung von Wohnbaugeldern betrifft neben den j\u00e4hrlich neu zuflie\u00dfenden F\u00f6rdermitteln auch die <strong>R\u00fcckfl\u00fcsse aus den F\u00f6rderdarlehen<\/strong> fr\u00fcherer Jahre. Sie waren einst ein ganz wesentlicher Garant f\u00fcr die <strong>finanzielle Nachhaltigkeit<\/strong> und die aus ihr resultierende hohe Effizienz der heimischen Wohnbauf\u00f6rderung. Vor dem Hintergrund allgemeiner Budgetknappheit und der in der Zeit des Umstiegs vom Schilling auf den Euro besonders streng beachteten Maastricht-Kriterien transferierten nun aber die L\u00e4nder kurz nach der Jahrtausendwende einen gro\u00dfen Teil der R\u00fcckfl\u00fcsse in die allgemeinen Landeshaushalte, um sie anschlie\u00dfend zu verkaufen. Zwischen 2001 und 2008 wurden im Rahmen dieser Bem\u00fchungen um Budgetkonsolidierung rd.&nbsp;14&nbsp;Mrd. Euro an aushaftenden Darlehen ver\u00e4u\u00dfert. Besonders unverantwortliche Landespolitiker machen selbst noch in der aktuellen Leistbarkeitskrise von dieser M\u00f6glichkeit Gebrauch. So beschloss der N\u00d6 Landtag 2021 mit den Stimmen von \u00d6VP und FP\u00d6 den Verkauf von bis zu 1,65&nbsp;Mrd. Euro an bestehenden Forderungen an die Landesbank Hypo&nbsp;Nieder\u00f6sterreich, die sie dann in einem zweiten Schritt an Finanzinvestoren weiterreichen soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Das j\u00e4hrliche Volumen der neu errichteten Sozialwohnungen leidet aber nicht allein unter dem Verkauf aushaftender Darlehen und einer nicht dem Wohnbau dienenden Verwendung neu zuflie\u00dfender F\u00f6rdermittel. Denn ein betr\u00e4chtlicher Teil der Wohnbausubventionen dient zwar der Errichtung von neuem Wohnraum, ist aber dem sozialen Wohnbau entzogen, weil man damit den <strong>Bau von Eigenheimen und Eigentumswohnungen<\/strong> f\u00f6rdert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei ist nat\u00fcrlich zu ber\u00fccksichtigen, dass der Besitz eines Eigenheims in l\u00e4ndlichen Gebieten seit langem tief in den Wertvorstellungen und Wohnw\u00fcnschen der Bev\u00f6lkerung verankert ist. Man darf sich daher nicht wundern, wenn b\u00fcrgerliche Parteien die daraus resultierenden Erwartungen vieler W\u00e4hlerInnen an die F\u00f6rderpolitik mit gr\u00f6\u00dfter Bereitwilligkeit erf\u00fcllen. In diesem Sinne standen etwa 2022 im schwarz-blau regierten Ober\u00f6sterreich 1.559 gef\u00f6rderten Mietwohnungen 1.744 gef\u00f6rderte Eigentumswohnungen und Eigenheime gegen\u00fcber. Es schmerzt aber doch sehr, dass die Sozialdemokratie und die ihr nahe stehenden Gemeinn\u00fctzigen in den letzten Jahrzehnten offenbar weder bereit noch in der Lage waren, ein breites Miet- und Genossenschaftsangebot zu entwickeln, das &#8230;<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>durch attraktive Formen des verdichteten Flachbaues<\/li>\n\n\n\n<li>und die Kooperation der Bautr\u00e4ger mit sogenannten Baugruppen (das sind Haushalte, welche gemeinsam und selbstbestimmt Wohnraum zur Eigen- und Gemeinschaftsnutzung schaffen wollen)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>echte Alternativen zum Eigenheim bietet. Dieses nun schon jahrzehntelang zu beobachtende Versagen beeintr\u00e4chtigte n\u00e4mlich nicht nur die Wohnversorgung der einkommensschwachen Haushalte des l\u00e4ndlichen Raumes, sondern tr\u00e4gt dar\u00fcber hinaus auch wesentlich zu dem in \u00d6sterreich besonders hohen Grad der Zersiedelung und Bodenversiegelung bei. Schlie\u00dflich ist die Fixierung breiter Bev\u00f6lkerungsschichten auf diese Wohnform auch eine der wichtigsten Ursachen f\u00fcr die viel zu niedrige Energieeffizienz unseres Wohnungsbestands, da das Einfamilienhaus pro Wohneinheit einen deutlich h\u00f6heren Energieverbrauch aufweist als ein energietechnisch gleich gut aufgestelltes Mehrfamilienhaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Sozialdemokratie im Sektor des Wohnungswesens keine offensive Gegenposition zu der von den b\u00fcrgerlichen Parteien und Medien h\u00f6chst erfolgreich propagierten Eigent\u00fcmerideologie entwickelte sondern ihr selbst unterlag, hatte und hat auch f\u00fcr die bereits vorhandenen Sozialwohnungsbest\u00e4nde verheerende Auswirkungen. Denn 1994 verschaffte die gro\u00dfe Koalition aus SP\u00d6 und \u00d6VP den Mietern einer gef\u00f6rderten Miet- oder Genossenschaftswohnung die M\u00f6glichkeit, diese zu kaufen, nachdem sie mindestens zehn (inzwischen sogar nur noch f\u00fcnf) Jahre darin gewohnt haben. Bisher wurden auf diesem Weg rund 8% des aktuellen Gesamtbestands der von den Gemeinn\u00fctzigen verwalteten Miet- und Genossenschaftswohnungen <strong>in Eigentumswohnungen verwandelt<\/strong>. In absoluten Zahlen ergibt das eine Summe von mehr als 50.000 Wohnungen, die jedes Jahr um rund 4.000 weitere Wohnungen anw\u00e4chst. Da sie alle nach Ablauf einer f\u00fcnfzehnj\u00e4hrigen Spekulationsfrist und Mietenbindung durch das MRG frei verkauft und vermietet werden d\u00fcrfen, gelang den Anh\u00e4ngerInnen des freien Wohnungsmarkts mit diesem Coup eine v\u00f6llig ger\u00e4uschlose, von allen Seiten akklamierte Zerst\u00f6rung der sozialen Nachhaltigkeit der Wohnbauf\u00f6rderung.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht ganz so ger\u00e4uschlos, aber letztlich ohne gro\u00dfe Gegenwehr verlief ein weiterer im Endresultat ebenfalls h\u00f6chst erfolgreicher Anschlag, der dasselbe Ziel verfolgte. Er wurde w\u00e4hrend der schwarz-blauen Alleinregierung im Jahr 2003 unter Leitung des damaligen Finanzministers Grasser durchgef\u00fchrt und bestand in der <strong>Privatisierung<\/strong> von rund 60.000 Wohnungen, die zuvor im Besitz eines der \u00f6ffentlichen Hand geh\u00f6renden gemeinn\u00fctzigen Bautr\u00e4gers standen und damit einer unbefristeten Preiskontrolle unterlagen. Man \u00fcberantwortete sie f\u00fcr einen Schleuderpreis von rund 16.000 \u20ac pro Wohnung&nbsp;(!) der Immobilienspekulation, wobei der bei dieser Privatisierung von einem heimischen Konsortium um eine knappe Milliarde&nbsp;\u20ac erworbene Bautr\u00e4ger danach um schlanke 5,2 Milliarden&nbsp;\u20ac an den gr\u00f6\u00dften deutschen Immobilienkonzern weiter verkauft wurde. Hinter diesem K\u00e4ufer verstecken sich finanzkapitalistische Heuschrecken-Fonds (an der Spitze BlackRock, die weltweit gr\u00f6\u00dfte Schattenbank), und er selbst ist bekannt daf\u00fcr, die Rendite seiner Anleger mit allen Mitteln auf Kosten der Mieter zu erh\u00f6hen.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz zusammengefasst, passierte hier also folgendes: Auf der einen Seite entstand privaten Investoren ein sattes Plus von 4,2 Milliarden \u20ac. Auf der anderen Seite wurde der als Ruhepol auf einem \u00fcberhitzten Wohnungsmarkt fungierende heimische Bestand an gemeinn\u00fctzigen Mietwohnungen um rund 10% geschrumpft. Der dadurch entstehende Verlust an leistbarem Wohnraum entspricht in seiner Gr\u00f6\u00dfenordnung etwa dem gesamten Wohnungsbestand einer Stadt wie Klagenfurt. Angesichts der Gr\u00f6\u00dfenordnung dieses kaltbl\u00fctig durchgezogenen Anschlags auf die Daseinsvorsorge der \u00d6sterreicherInnen wirkt es fast wie ein Hohn, dass man dessen Urheber nur daf\u00fcr vor Gericht stellte, dass er im Zuge der Durchf\u00fchrung dieses Coups so nebenbei zehn 10 Millionen&nbsp;Euro auf von ihm selbst und seinen Kumpanen kontrollierte Konten umleitete.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Schurkenst\u00fcck ist aber noch immer nicht das Ende der Liste jener Entwicklungen erreicht, die Volumen, Effizienz und soziale Nachhaltigkeit der heimischen Wohnbauf\u00f6rderung entscheidend schw\u00e4chten. Es sind noch zwei einschl\u00e4gige Transformationen des Systems der Wohnversorgung zu erg\u00e4nzen. Um sie zu verstehen, muss man sich vergegenw\u00e4rtigen, dass alle bisher erw\u00e4hnten &#8218;Reformen&#8216; durchgezogen wurden, <strong>obwohl<\/strong> schon seit den neunziger Jahren ein kontinuierliches Bev\u00f6lkerungswachstums stattfand, das besonders in den Ballungsr\u00e4umen zu Buche schlug und dort in Verbindung mit anderen demographischen Trends einen starken Nachfragedruck auf die Wohnungsm\u00e4rkte aus\u00fcbte. Da die durch jene &#8218;Reformen&#8216; an Armen und Beinen amputierte Wohnbauf\u00f6rderung diesem Druck nicht gewachsen war, musste man zu kurzfristigen &#8218;Probleml\u00f6sungen&#8216; Zuflucht nehmen, die das Problem nicht wirklich l\u00f6sten, sondern blo\u00df aufschoben bzw. zudeckten, mit anderen Worten also, letztlich versch\u00e4rften.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste dieser beiden nur scheinbaren &#8218;Probleml\u00f6sungen&#8216; bestand in Panikreaktionen der seit den neunziger Jahren f\u00fcr die Wohnbauf\u00f6rderung verantwortlichen LandespolitikerInnen auf den in manchen Phasen besonders rasch anwachsenden Nachfrage\u00fcberhang. Da startete man dann schnell kleine <em>&#8222;Wohnbauoffensiven&#8220;<\/em> und gew\u00e4hrte anstelle der klassischen F\u00f6rderkredite blo\u00dfe <strong>Annuit\u00e4tenzusch\u00fcsse<\/strong> zu Kapitalmarktdarlehen. Diese Zusch\u00fcsse haben n\u00e4mlich den kurzfristigen Vorteil, dass man mit ihnen bei gleichem F\u00f6rdervolumen den Wohnbau schneller ankurbeln kann als mit F\u00f6rderkrediten. Auf l\u00e4ngere Sicht kehrt sich dadurch jedoch die anfangs geringere Liquidit\u00e4tsbelastung f\u00fcr den F\u00f6rdergeber in ihr Gegenteil um. Denn die Zusch\u00fcsse f\u00fcr jede in die F\u00f6rderung einbezogene Wohnung m\u00fcssen ja so lange bezahlt werden, wie der jeweilige Kapitalmarktkredit l\u00e4uft. So kumulieren die Zahlungsverpflichtungen, und der wohnungspolitische Handlungsspielraum des F\u00f6rdergebers wird zunehmend kleiner. Dies war in besonderem Ausma\u00df zwischen den Jahren 1990 und 2000 der Fall als sich der Anteil jener hochproblematischen Annuit\u00e4tenzusch\u00fcsse an den Gesamtausgaben der Wohnbauf\u00f6rderung vor\u00fcbergehend von 23% auf 45% erh\u00f6hte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu kurz gedachte Schnellsch\u00fcsse wie jener mit den Annuit\u00e4tenzusch\u00fcssen f\u00fchrten dazu, dass sich die Wohnbauleistung in den letzten Jahrzehnten nicht kontinuierlich entwickelte, sondern einem st\u00e4ndigen <strong>Stop and Go<\/strong> unterlag. Und hier setzte nun die zweite der beiden problemversch\u00e4rfenden &#8218;Probleml\u00f6sungen&#8216; an. Denn das fortw\u00e4hrende Gasgeben und Bremsen bei der Wohnbauf\u00f6rderung bot den nicht durch die strengen Regeln der Gemeinn\u00fctzigkeit gebremsten <strong>gewerblichen Bautr\u00e4gern<\/strong> die M\u00f6glichkeit, in dem davor nur f\u00fcr die Gemeinn\u00fctzigen zug\u00e4nglichen Sektor des gef\u00f6rderten Wohnbaues Fu\u00df zu fassen. Die Gemeinn\u00fctzigen waren n\u00e4mlich nicht flexibel genug, um in den Go-Phasen ihre Produktionskapazit\u00e4ten schnell genug auszuweiten. Die gewerblichen Bautr\u00e4ger, die ohnehin schon lange begehrlich auf die f\u00fcr sie nicht zug\u00e4nglichen Futtertr\u00f6ge der Wohnbauf\u00f6rderung geschielt hatten, sprangen hier nun bereitwillig in die Bresche und wurden mit einem herzlichen <em>&#8222;Vergelt&#8217;s Gott&#8220;<\/em> empfangen. Inzwischen gibt es l\u00e4ngst kein Bundesland mehr, in dem nicht neben den Gemeinn\u00fctzigen auch die gewerblichen Bautr\u00e4ger gef\u00f6rderte Mietwohnungen errichten d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese <strong>\u00d6ffnung der Wohnbauf\u00f6rderung f\u00fcr das sozial ungebundene Wohnbaukapital<\/strong> war gleichbedeutend mit einer doppelten Schw\u00e4chung ihrer Nachhaltigkeit: Weil die gewerbliche Bautr\u00e4ger im Gegensatz zu den Gemeinn\u00fctzigen nicht auf Kostenmieten verpflichten sind, unterliegen die Mieten ihrer gef\u00f6rderten Wohnungen nach dem Auslaufen der F\u00f6rderung nicht mehr einer strengen Begrenzung. Weil sich dar\u00fcber hinaus ihr Kapital im Gegensatz zu jenem der Gemeinn\u00fctzigen nicht auf die Errichtung von gef\u00f6rdertem Wohnraum beschr\u00e4nken muss, gehen ihre im Gesch\u00e4ft mit gef\u00f6rderten Wohnungen erzielten Gewinne f\u00fcr den Finanzierungskreislauf der Wohnbauf\u00f6rderung verloren. Der einst geschlossene Kreislauf wurde so noch st\u00e4rker durchl\u00f6chert, was die urspr\u00fcnglich sehr hohe Effizienz des heimischen Systems der Wohnbauf\u00f6rderung weiter senkte.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>4. Warum der freie Wohnungsmarkt die Probleme nicht l\u00f6ste<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem jahrzehntelangen &#8218;Reform&#8216;-Prozess ist die heimische Wohnbauf\u00f6rderung so etwa um das Jahr 2010 schlie\u00dflich in einem Ma\u00dfe zerst\u00f6rt, dass dieser Karren von keinem noch so ambitionierten Sonderwohnbauprogramm wieder aus dem Dreck gezogen werden kann. Nun schl\u00e4gt daher die Stunde des frei finanzierten Wohnbaus. Jetzt darf der Markt zeigen, was er kann. Da trifft es sich \u00e4u\u00dferst g\u00fcnstig, dass gerade die Folgen einer weltweiten Finanzkrise zu bew\u00e4ltigen sind und die Europ\u00e4ische Zentralbank die Leitzinsen drastisch senkt, um die Wirtschaft ordentlich anzukurbeln und das Deficit&nbsp;spending zu erleichtern. Die niedrigen Zinsen vermiesen dem Kapital viele der davor genutzten Anlagem\u00f6glichkeiten im Finanzbereich, w\u00e4hrend wegen des ungebrochenen Nachfrage\u00fcberhangs auf den Wohnungsm\u00e4rkten die Mieten und H\u00e4userpreise weiter steigen. Dies ruft einen regelrechten Run auf Investitionsm\u00f6glichkeiten im Immobiliensektor hervor&nbsp;&#8211;&nbsp;die sprichw\u00f6rtliche <em>\u201eFlucht ins Betongold\u201c<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich verlocken die im Gefolge der fallenden Leitzinsen sinkenden Kreditzinsen nicht nur viele kleine H\u00e4uslbauer sich auf Teufel komm raus zu verschulden. Auch in den St\u00e4dten wollen jetzt immer mehr Haushalte ihre Wohnungsprobleme durch den Kauf einer kreditfinanzierten Eigentumswohnung l\u00f6sen&nbsp;&#8211;&nbsp;eine durchaus nachvollziehbare Strategie, wenn einerseits die Immobilienpreise und Mieten scheinbar grenzenlos steigen und andererseits alle Medien die Erz\u00e4hlung von einem vor dem Abgrund stehenden Pensionssystem trommeln. Da ist man dann im Alter mit einer ausbezahlten Eigentumswohnung, bei der nur mehr die Betriebskosten anfallen, aus dem Schneider. Das nun Stadt und Land erfassende Eigentumsfieber f\u00fchrt zu einem gewaltigen Anstieg des Gesamtvolumens der Wohnkredite. W\u00e4hrend es 1999 erst ein F\u00fcnftel der verf\u00fcgbaren Einkommen aller Haushalte betrug, macht es 2019 bereits fast die H\u00e4lfte aus.<\/p>\n\n\n\n<p>All dies heizt zwar die Bau- und Immobilienpreise immer st\u00e4rker an. Deren Anstieg beg\u00fcnstigt aber die Spekulation mit Immobilien und lockt dadurch noch mehr Geld in den Immobiliensektor. Beim Preisauftrieb scheint es sich also um ein Problem zu handeln, das seine eigene L\u00f6sung immer gleich mit dabei hat. Das begeistert auch viele Sozialdemokraten. 2013 etwa frohlockt der damalige \u00d6GB-Pr\u00e4sident bei einer den Wohnproblemen gewidmeten Pressekonferenz. <em>&#8222;Geld ist da wie Sand am Meer.&#8220;<\/em> Und der Vorstand der <em>&#8222;Sozialbau&#8220;<\/em> assistiert: <em>&#8222;Einen Zinssatz unter zwei Prozent gab es seit Menschengedenken nicht. Dieses niedrig verzinste Kapital muss in den Wohnbau gelenkt werden.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auf den ersten Blick ist die Leistung, die der Markt nun vollbringt, tats\u00e4chlich beeindruckend. Zwischen 2010 und 2019 gelingt \u00f6sterreichweit eine ann\u00e4hernde Verdoppelung der Baut\u00e4tigkeit. Stehen die Fertigstellungen 2010 noch bei rund 37.000 Wohnungen und Einfamilienh\u00e4usern, so steigt diese Zahl bis 2019 auf \u00fcber 72.000 an. \u00d6sterreich katapultiert damit seine Neubauquote an die Spitze Europas. Zwar nehmen w\u00e4hrend dieses Zeitraums auch die gef\u00f6rderten Fertigstellungen der Gemeinn\u00fctzigen zu. Aber die weitaus gr\u00f6\u00dfte Dynamik geht doch vom frei finanzierten Wohnbau der gewerblichen Bautr\u00e4ger aus. War \u00f6sterreichweit bis 2005 erst ein Drittel der neu errichteten Wohneinheiten freifinanziert, so sind es 2015 schon 44%. Und in Wien gelingt den Gewerblichen gar ein Durchmarsch an die Spitze: Hier waren bis 2005 noch gut drei Viertel der Wohnbauproduktion gef\u00f6rdert, w\u00e4hrend man 2015 bereits zu 63% frei finanzierte Wohnungen errichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut den Lehrb\u00fcchern der neoliberalen \u00d6konomie sollte es im Gefolge einer so starken Ausweitung des Angebots zu einer Entsch\u00e4rfung des Engpasses beim Angebot leistbarer Wohnungen kommen. Genau diese Hypothese wird aber durch den j\u00fcngsten Immobilienboom eindrucksvoll falsifiziert. Und zwar vor allem deshalb, weil es beim Wohnen (wie bei den meisten Grundbed\u00fcrfnissen) nicht nur um die reine <strong>Quantit\u00e4t<\/strong> des zur Verf\u00fcgung gestellten Angebots sondern auch um dessen <strong>Bedarfsgerechtigkeit<\/strong> geht. Und die verfehlt der freie Wohnungsmarkt meilenweit. Denn die Mehrzahl der von ihm gelieferten Wohnungen ist aus einem der drei folgenden Gr\u00fcnde f\u00fcr die Deckung des dringendsten Bedarfs ungeeignet:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Wo AnlegerInnen am Werk sind, die leichte Vermietbarkeit und hohe Rentabilit\u00e4t der Mieten anstreben, errichtet man prim\u00e4r Kleinwohnungen und nicht die vor allem fehlenden Wohnungen f\u00fcr Jungfamilien mit potentiellen Zahlungsproblemen.<\/li>\n\n\n\n<li>Wo das spekulative Motiv dominiert, spielt die Vermietbarkeit und damit auch die Leistbarkeit der Wohnung von vornherein nur eine untergeordnete Rolle, weil man vor allem am quasi automatisch steigenden Wert der Immobilie interessiert ist.<\/li>\n\n\n\n<li>Wo es um Betongold geht, baut man im obersten Preissegment oder f\u00fcr den Zweitwohnungsbedarf. Letzteres ist vor allem in den alpinen Regionen des Landes der Fall, wo betuchte In- und Ausl\u00e4nderInnen Ferienwohnungen mit sch\u00f6nem Panoramablick erwerben.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Mit einem Wort: der Immobilienboom erzeugt vorrangig nicht die den Wohnbed\u00fcrfnissen und der Zahlungskraft breiter Bev\u00f6lkerungsschichten entsprechenden Wohnungen, sondern das f\u00fcr kapitalistische M\u00e4rkte typische Nebeneinander von <strong>Mangel<\/strong> und <strong>\u00dcberfluss<\/strong>. Ersteres bedeutet im Wohnungswesen \u00dcberbelag, \u00fcberh\u00f6hte Wohnkostenbelastung und drohenden Wohnungsverlust, letzteres tritt hier auf in Gestalt der Luxus- und Ferienwohnungen sowie des damit verbundenen <strong>Leerstands<\/strong>. So findet etwa das Leerstandsmonitoring der besonders stark vom Ferienwohnungs\u00fcbel geplagten Hauptstadt Tirols derzeit bei fast 9% aller Wohnungen keine Wohnsitzmeldung.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00fcrde man daher anstelle der <strong>nominellen<\/strong> Fertigstellungszahlen die tats\u00e4chlich <strong>versorgungsrelevante<\/strong> Bauleistung messen, dann s\u00e4he das Resultat dieses mittlerweile zu Ende gegangenen Booms \u00e4u\u00dferst d\u00fcrftig aus. Noch schlechter w\u00e4re die Beurteilung, wenn man neben seinen Leistungen f\u00fcr die Wohnversorgung auch noch seine <strong>negativen Nebenfolgen<\/strong> ber\u00fccksichtigte. Sie resultieren aus dem vom Boom selbst erzeugten Preisauftrieb. Der wurde oben als ein sich immer gleich selbst l\u00f6sendes Problem bezeichnet. Das war bittere Ironie, den von selbst l\u00f6st sich dieses Problem nur f\u00fcr die Spekulanten, die auf k\u00fcnftige Preissteigerungen hoffen d\u00fcrfen. Diejenigen dagegen, die eine Wohnung ben\u00f6tigen, um tats\u00e4chlich in ihr zu wohnen, sind nur von den negativen Konsequenzen der unaufh\u00f6rlich steigenden Mieten und Wohnungspreise f\u00fcr ihre laufenden Ausgaben betroffen. Mit ihnen leidet die gesamte heimische Konsumg\u00fcterwirtschaft, der durch die immer weiter steigenden Ausgaben f\u00fcrs Wohnen ein entsprechend anwachsender Teil der Kaufkraft der \u00f6sterreichischen Haushalte verloren geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Bleiben wir aber beim Wohnungswesen, um die destruktive Dynamik des Immobilienbooms noch etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Unmittelbare Folge des Runs von kleinen und gro\u00dfen Investoren auf den Immobilienmarkt ist der eingangs erw\u00e4hnte drastische Anstieg der H\u00e4user- und Wohnungspreise: Sie zeigen seit 2008 mehr als eine Verdoppelung (plus 135%), w\u00e4hrend die durchschnittlichen Einkommen im gleichen Zeitraum ziemlich parallel zum Verbraucherpreisindex nur um 34% zulegen, also real stagnieren. Am meisten leidet darunter die Bev\u00f6lkerung der alpinen Regionen, weil sie wegen des schon beanstandeten Fehlens genossenschaftlicher Alternativen besonders stark auf die Schaffung von Wohnungs- bzw. Hauseigentum fixiert ist. Da die Banken den \u00e4u\u00dferst gesch\u00e4ftsf\u00f6rdernde Boom nur aufrechterhalten k\u00f6nnen, wenn die EigentumsinteressentInnen mit dem steigenden Preisniveau mithalten, hetzten sie diese in eine immer h\u00f6here Verschuldung hinein. Zuletzt hat \u00fcber die H\u00e4lfte aller Kreditnehmer einen Eigenfinanzierungsanteil von weniger als 20% und fast jeder f\u00fcnfte hat sich auf Tilgungsraten eingelassen, die mehr als 40% des Haushaltsnettoeinkommens wegfressen. Viele junge Menschen, die nur langfristig fallende Zinsen kennen gelernt haben und nicht mit den T\u00fccken des Finanzwesens vertraut sind, lassen sich in dieser Situation von den v\u00f6llig skrupellos agierenden Geldinstituten gar auf Kredite mit variablem Zinsfu\u00df ein. Mitte 2022 ist jedes zweite&nbsp;(!) Wohndarlehen eine solche Sprengfalle mit Zeitz\u00fcnder. Schon ein Jahr sp\u00e4ter wird eine Familie, die zur Tilgung des variabel verzinsten Kredits f\u00fcr ihre Eigentumswohnung 2022 noch 40% des Haushaltseinkommens aufwendet, fast 70% ihrer monatlichen Eink\u00fcnfte direkt an die Bank weiter leiten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wegen der engen Verzahnung der verschiedenen Sektoren des Wohnungswesens machen sich die negativen Folgen des Immobilienbooms aber nicht nur bei jenen Haushalten bemerkbar, die in neueren Eigent\u00fcmerwohnungen leben bzw. eine solche Wohnung bauen oder kaufen wollen. Von dem durch den Boom ausgel\u00f6sten Anstieg der Preise von Baugr\u00fcnden, Baumaterialen und Bauarbeiten ist auch die Errichtung sozialer Mietwohnungen durch die Gemeinn\u00fctzigen schwer beeintr\u00e4chtigt. Ihre Bauleistung kann nicht so stark wachsen, wie dies der Bedarf erfordern w\u00fcrde, und ihre Kostenmieten \u00fcbersteigen das von \u00e4rmeren Haushalten leistbare Niveau. Weil aber in den Ballungszentren alle vom Preisauftrieb verschreckten InteressentInnen f\u00fcr Eigentums- und Genossenschaftswohnungen vor\u00fcbergehend eine Warteposition in einer privaten Altmietwohnung beziehen, induziert der Immobilienboom schlie\u00dflich auch in diesem Sektor einen zus\u00e4tzlichen Nachfragedruck auf die Preise der Neuvermietungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie eng all diese Entwicklungen mit einander verkn\u00fcpft sind und wie fatal das durch ihr Zusammenspiel entstehende Gesamtresultat ist, zeigt sich geradezu lehrbuchhaft am Beispiel des Bundeslands Salzburg. Hier hat der Immobilienboom die Grund- und Baukosten so sehr angeheizt, dass es den gemeinn\u00fctzigen Bautr\u00e4gern trotz mehrfacher Erh\u00f6hung der F\u00f6rders\u00e4tze durch das Land immer schlechter gelingt, zu den maximal m\u00f6glichen Kostenmieten anzubieten. Dies f\u00fchrte dazu, dass in den letzten Jahren die von der Landesregierung angepeilten Zielwerte bei der Neuerrichtung sozialer Mietwohnungen um mehr als 40% unterschritten wurden. In der Folge flossen seit 2019 \u00fcber 130 Millionen Euro ungenutzter Wohnbauf\u00f6rderungsmittel in das Regierungsbudget zur\u00fcck. Wegen der aufgehobenen Zweckbindung der Wohnbauf\u00f6rderung sind sie f\u00fcr immer dem sozialen Wohnbau entzogen. Genau wie jene 1,2 Milliarden Euro an R\u00fcckfl\u00fcssen aus einst vergebenen Wohnbaudarlehen, die der \u00d6VP-Landeshauptmann seit seinem Amtsantritt im Jahr 2013 aus dem einst geschlossenen Finanzierungskreislauf der Wohnbauf\u00f6rderung abzog.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus alldem wird deutlich, dass der Wahlerfolg der auf konsequente Wohnreformen dringenden KP\u00d6&nbsp;PLUS in gerade diesem Bundesland keineswegs ein Zufall war.<\/p>\n\n\n\n<p><a><strong>5. Was jetzt m\u00f6glich w\u00e4re<\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Als die Europ\u00e4ische Zentralbank im Sommer des Vorjahres zu einer schrittweisen Anhebung des Leitzinsfu\u00dfes \u00fcbergeht und die Finanzmarktaufsicht die Banken zu strengeren Kriterien bei der Kreditvergabe verpflichtet, ist das Fest zu Ende. Die Wohnbauleistung geht deutlich zur\u00fcck, Bauarbeiter bangen um ihre Arbeitspl\u00e4tze, \u00d6sterreichs Wirtschaft f\u00fcrchtet, in eine Rezession hineingerissen zu werden, gro\u00dfe Immobilienspekulanten t\u00fcfteln neue Gesch\u00e4ftsmodelle aus, und die stolzen Eigent\u00fcmer der mit variabel verzinsten Krediten erworbenen Wohnimmobilien \u00fcberlegen fieberhaft, wie sie aus der Falle, in die man sie lockte, wieder herauskommen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und was macht der Bedarf an leistbaren Wohnungen?<\/p>\n\n\n\n<p>Der ist ungedeckter denn je. Doch zum Gl\u00fcck wei\u00df die \u00d6VP, wie man das Problem l\u00f6sen kann: Die Finanzmarktaufsicht soll ihre strengen Kreditvergaberegeln wieder lockern, damit sich H\u00e4uslbauer und Eigentumsinteressenten wieder so richtig tief verschulden d\u00fcrfen. So k\u00f6nnte dann \u00d6sterreichs Jugend aller wohnungs-, raum- und klimapolitischen Vernunft zum Trotz an ihrem obersten Lebensziel, dem Traum vom Wohnungs- bzw. Hauseigentum, festhalten. Und so nebenbei k\u00f6nnte dann die \u00d6VP den gerade auslaufenden Immobilienboom vielleicht noch rechtzeitig vor den n\u00e4chsten Nationalratswahlen wieder hochp\u00e4ppeln. Aber nat\u00fcrlich geht es der die oberste Verantwortung f\u00fcr das Wohl dieser Republik tragenden Partei nicht nur um etwas so Triviales wie das n\u00e4chste Wahlergebnis. Worum es wirklich geht, erkl\u00e4rt uns eine Meinungsforscherin im profil vom 28.4.23. Sie wei\u00df, dass wir es hier mit dem grundlegendsten aller Motivationsprobleme zu tun haben, von dessen L\u00f6sung Sein oder Nichtsein dieser Gesellschaftsordnung abh\u00e4ngt. Wenn n\u00e4mlich die Finanzierung von Haus- und Wohnungseigentum nicht mehr m\u00f6glich ist, <em>&#8222;dann fragen sich viele junge Leute, wof\u00fcr sie noch &#8218;reinhackeln&#8216; sollen. Da genie\u00dfen sie lieber das Hier und Jetzt&#8220;<\/em>. Und das muss die Familienpartei \u00d6VP, der es ja um die Zukunft der Kinder dieser Sozialschmarotzer geht, mit allen Mitteln verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Ziel, s\u00e4mtliche unter Aufsicht und zum Wohl des Kapitals in ihren Hamsterr\u00e4dern laufenden Tierchen in Bewegung zu halten und wenn m\u00f6glich zu einem noch etwas schnelleren Trippeln ihrer kleinen Hamsterbeinchen anzuregen, scheint sich leider auch meine eigene Partei, die SP\u00d6, zu verschreiben. Zwar holt sie zun\u00e4chst mit gro\u00dfer Geste gegen<em> &#8222;die Banken&#8220;<\/em> aus, um ihnen jene <em>&#8222;\u00dcbergewinne&#8220;<\/em> zu entrei\u00dfen, die daraus resultieren, dass der Zinsfu\u00df, zu dem sie ihr Geld bei der Europ\u00e4ischen Zentralbank parken, viel h\u00f6her ist als jener, den sie selbst ihren Sparern gew\u00e4hren. Diese \u00dcbergewinne m\u00f6chte sie aber <strong>leider<\/strong> <strong>nicht<\/strong> f\u00fcr erste Schritte auf dem Weg zur Etablierung einer zeitgem\u00e4\u00dfen Wohnbauf\u00f6rderung verwenden. Ihr Vorschlag f\u00fcr die Verwendung der Mittel aus der geforderten Bankensondersteuer zeigt vielmehr auf, wie erschreckend tief die b\u00fcrgerliche Eigent\u00fcmerideologie in die einstige Partei des Sozialen Wohnbaus und der Siedlerbewegung eingedrungen ist. Der zum Test der Publikumswirksamkeit dieses Konzepts vor den Vorhang geschickte Jungobmann der nieder\u00f6sterreichischen SP\u00d6 m\u00f6chte mit jenen Mitteln n\u00e4mlich einen <em>&#8222;Zinspreisdeckel bei Wohnkrediten&#8220; <\/em>f\u00fcr <em>&#8222;H\u00e4uslbauer und alle anderen, die Eigentum erwerben&#8220;<\/em>, finanzieren. Genau wie die von der \u00d6VP vorgeschlagene &#8218;Probleml\u00f6sung&#8216; w\u00fcrde auch dieser Zinspreisdeckel blo\u00df den derzeit relativ sanft ausklingenden Boom des frei finanzierten Wohnbaues k\u00fcnstlich verl\u00e4ngern&nbsp;&#8211;&nbsp;wom\u00f6glich so lange, bis er dann mit einem lauten Knall endet, wie dies zuletzt in Schweden geschah, wo die Immobilienpreise so j\u00e4h abst\u00fcrzten, dass dem Land nun als einzigem in der EU eine echte Rezession droht.<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle dr\u00e4ngt sich daher die Frage auf: Geht&#8217;s noch?<\/p>\n\n\n\n<p>Auch weitere Fragen stehen im Raum, aber bis heute&nbsp;&#8211;&nbsp;eine Woche nach der Unterbreitung jenes SP\u00d6-Vorschlags&nbsp;&#8211;&nbsp;hat sie noch niemand gestellt. Denn angesichts dieser populistischen Nullnummer der Sonderklasse verschl\u00e4gt es sogar einem Herbert Kickl einige Schrecksekunden lang die Sprache. Der hatte k\u00fcrzlich selbst eine Bankensondersteuer gefordert, war aber im Gegensatz zum Obmann der nieder\u00f6sterreichischen SP\u00d6 nicht auf die geniale Idee gekommen, dass man damit einen Zinspreisdeckel finanzieren k\u00f6nnte, durch den das zuerst den Banken weggesteuerte Geld sofort wieder zu ihnen zur\u00fcckwandert. Der SP\u00d6-Zinspreisdeckel ist n\u00e4mlich eine Mogelpackung, die nicht die von den Banken geforderten Zinsen deckelt, sondern nur in einer den Kreditnehmern ausbezahlten Beihilfe f\u00fcr ihre Zinszahlungen besteht. Die soll k\u00fcnftig beim Kauf der ersten Immobilie die Differenz zwischen den von den Banken verlangten Zinsen und den im SP\u00d6-Vorschlag vorgesehenen Maximalzinsen von 3% f\u00fcr einen Kredit von h\u00f6chstens 300.000 Euro abdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Das in Jahrzehnten des wohnungspolitischen Niedergangs kontinuierlich geschrumpfte Verst\u00e4ndnis der SP\u00d6-Strategen f\u00fcr das kleine Einmaleins der Wohnbauf\u00f6rderung reicht offenbar nicht mehr aus f\u00fcr die Einsicht, dass solche Subjektf\u00f6rderungen Gift f\u00fcr jeden effizienten, weil in sich geschlossenen F\u00f6rderkreislauf sind. Wenigstens ihre <strong>verteilungspolitischen<\/strong> Reflexe sollten aber doch noch so weit intakt sein, dass sie begreifen, wie sehr derartige F\u00f6rderinstrumente die ohnehin schon krasse Verm\u00f6gensungleichheit noch weiter versch\u00e4rfen. Vielleicht k\u00f6nnte man sich diesen Aspekt der ganzen Angelegenheit noch einmal von Barbara Blaha, der Leiterin des Momentum Instituts erkl\u00e4ren lassen. Die schrieb vor einigen Monaten \u00fcber die damals von der Regierung als Ersatz f\u00fcr einen echten Mietendeckel aus dem Hut gezauberte Beihilfenl\u00f6sung folgendes: <em>&#8222;Die Regierung schaufelt so noch mehr Geld von unten nach oben. Aus &#8230; unser aller Steuertopf, wandern so mittelbar 250 Millionen auf die Konten der reichsten zehn Prozent. Ausgesch\u00fcttet an die Mieter:innen, direkt weiter\u00fcberwiesen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der SP\u00d6-Zinspreisdeckel ist aber nicht nur in verteilungspolitischer Hinsicht hochproblematisch, sondern unterl\u00e4uft auch das Bekenntnis der Sozialdemokratie zur Losung <em>&#8222;Die Wohnung ist keine Ware.&#8220; <\/em>Indem er den Erwerb der Ware Wohnung erleichtert, unterwirft er sich dem von der neoliberalen \u00d6konomie postulierten <strong>Primat des freien Marktes<\/strong> bei der Wohnversorgung der Haushalte. Dieses Konzept, das dem sozialen Wohnbau nur korrektive Erg\u00e4nzungs- und L\u00fcckenb\u00fc\u00dferfunktionen im Falle eines partiellen bzw. vor\u00fcbergehenden Marktversagens zuordnet, ist derzeit nicht nur in \u00d6sterreichs Wohnungspolitik das Ma\u00df aller Dinge. Es bestimmt vielmehr auch die Perspektive der heimischen Wohnbauforschung. So untersucht etwa eine j\u00fcngst vom WIFO publizierte Studie, <em>&#8222;inwiefern der gemeinn\u00fctzige Wohnungsbestand einen preisd\u00e4mpfenden Effekt auf das gewinnorientierte Wohnungssegment entfaltet&#8220;<\/em>. Sie kommt dabei zu dem Ergebnis, <em>&#8222;dass eine Steigerung des GBV-Marktanteils um zehn Prozent zu einem R\u00fcckgang der unregulierten Mieten um 30 bis 40 Cent pro Quadratmeter f\u00fchrt&#8220;<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Begeisterung des Verbands Gemeinn\u00fctziger Bauvereinigungen \u00fcber die hier best\u00e4tigten D\u00e4mpfungseffekte beweist, wie weit sich der soziale Wohnbau bereits an den Rand dr\u00e4ngen lie\u00df, und wie sehr er sich schon identifiziert mit der Rolle eines blo\u00dfen Marktkorrektivs. Vor dem Hintergrund des vorliegenden R\u00fcckblicks auf vierzig Jahre der kontinuierlichen Zur\u00fcckdr\u00e4ngung des sozialen Wohnbaus l\u00f6sen die Resultate der erw\u00e4hnten Studie etwas weniger Begeisterung aus, sondern regen eher zu einem Gedankenexperiment an. Es stellt die Frage, um wie viel die durchschnittlichen Mieten der \u00d6sterreicherInnen wohl niedriger w\u00e4ren, wenn man all die in den vorangehenden Abschnitten aufgelisteten Akte der Zerst\u00f6rung des heimischen Systems der Wohnversorgung unterlassen h\u00e4tte, sodass dieses noch \u00e4hnlich funktionsf\u00e4hig wie am Beginn der neunzehnachtziger Jahre w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer bei derartigen Gedankenspielen nicht in Wehmut versinken will, muss sich einen ganz gro\u00dfen Ruck geben und einen echten <strong>Paradigmenwechsel<\/strong> ins Auge fassen. Dieser h\u00e4tte den derzeit geltenden Primat des freien Wohnungsmarkts durch ein neues <strong>oberstes Axiom des leistbaren Wohnens <\/strong>zu ersetzen. Es besagt, dass der gef\u00f6rderten Bau von Miet- und Genossenschaftswohnungen durch sozial gebundene Bautr\u00e4ger wieder absoluten Vorrang bei der Wohnversorgung der Haushalte erhalten muss und nicht mehr blo\u00df als Preiskorrektiv f\u00fcr den freien Wohnungsmarkt fungiert, oder als L\u00fcckenb\u00fc\u00dfer, der in die Presche springt, wenn der Wohnbau f\u00fcr renditeorientierte Bautr\u00e4ger gerade wieder einmal zu unprofitabel wurde (wie derzeit gerade der Fall). Damit ein solcher Paradigmenwechsel gelingt, w\u00e4re \u00f6sterreichweit ein F\u00f6rderinstrumentarium zu etablieren, das soweit wie m\u00f6glich nur auf langfristige Billigdarlehen f\u00fcr Kommunen, gemeinn\u00fctzige Bautr\u00e4ger und mit diesen kooperierende Baugruppen abstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die von SP\u00d6 und FP\u00d6 ins Spiel gebrachte Bankensondersteuer k\u00f6nnte diesem f\u00f6rderpolitischen Neustart den n\u00f6tigen Anschub verleihen. W\u00fcrde man sich ferner zur Wiederherstellung der Zweckbindung der Wohnbauf\u00f6rdergelder und zur Unterbindung aller Abfl\u00fcsse dieser Gelder in den Eigentumssektor durchringen, w\u00e4re die \u00f6konomische Nachhaltigkeit des F\u00f6rdersystem als ein in sich geschlossener Finanzierungskreislauf wieder hergestellt. Mit dessen Hilfe k\u00f6nnte man dann sowohl in den st\u00e4dtischen Ballungszentren als auch in den l\u00e4ndlichen Regionen den Bau von sozialen Miet- und Genossenschaftswohnungen wieder auf Schiene bringen. Bei diesem Vorgehen w\u00e4ren au\u00dferhalb der St\u00e4dte die T\u00fcren weit zu \u00f6ffnen f\u00fcr Experimente mit neuen, den Erfordernissen des l\u00e4ndlichen Raumes gerecht werdenden F\u00f6rdermodellen und Kooperationen zwischen gemeinn\u00fctzigen Bautr\u00e4gern, selbst organisierten Baugruppen und Kommunen. Diese Experimente m\u00fcssten neben der Errichtung von verdichteten Flachbauten auch Umbau und Sanierung der gro\u00dfen Anzahl von Einfamilienh\u00e4usern und sonstigen Geb\u00e4uden erm\u00f6glichen, welche im Gefolge der seit Jahren zu beklagenden Ausd\u00fcnnung der d\u00f6rflichen Infrastruktur und des bei den Eigenheimen kontinuierlich stattfindenden Generationswechsels leer stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein derart umfassendes Programm des sozialen Wohnbaus w\u00e4re die Basis f\u00fcr den Aufbau eines f\u00fcr breite Bev\u00f6lkerungsschichten leistbaren und ohne lange Wartezeiten zug\u00e4nglichen Bestands an sozialen Mietwohnungen. Weil dieser auch den Wohnbed\u00fcrfnissen im l\u00e4ndlichen Raum gerecht w\u00fcrde, k\u00f6nnte man mit ihm eine echte Alternative zu den derzeit von der Bev\u00f6lkerung \u00fcber alle Ma\u00dfen geliebten Eigenheimen und Eigentumswohnungen etablieren. Bei der k\u00fcnftig von der F\u00f6rderung auszuschlie\u00dfenden Produktion von Wohneinheiten dieses Typs d\u00fcrfte dann der Markt zur Freude aller neoliberalen \u00d6konomInnen weiterhin seine \u00dcberlegenheit \u00fcber den \u00f6ffentlich gef\u00f6rderten und gemeinwirtschaftlich abgewickelten Wohnbau beweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wurde es jetzt irgendjemandem allzu utopisch? Ja das war Utopie. Und ich h\u00e4tte da noch einige weitere Forderungen zur Mieten- und zur Bodenpolitik auf Lager&nbsp;&#8211;&nbsp;durchwegs ebenso utopisch, zugleich jedoch nicht utopischer als ein fl\u00e4chendeckendes Angebot an ganzt\u00e4giger Kleinkindbetreuung, eine 32-Stundenwoche und ein Termin ohne Wartezeit bei einem Facharzt mit Kassenvertrag. W\u00e4hrend aber all diese Utopien Themen der aktuellen politischen Diskussion sind, weil sie <strong>gesellschaftliche Notwendigkeiten<\/strong> darstellen, sind im Wohnungswesen viele Aspekte des gesellschaftlich Notwendigen immer noch <strong>tabu<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Lasst uns diese Tabus endlich brechen und beginnt zu diskutieren!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Karl Czasny<\/p>\n<p>\u00d6sterreich gilt manchen deutschen Linken immer noch als ein wohnungspolitisches Vorzeigemodell, und die Bundeshauptstadt des Alpenstaats genie\u00dft einen geradezu legend\u00e4ren Ruf als das Mekka des kommunalen Wohnbaues (Stichwort &#8222;Rotes Wien&#8220;). Tats\u00e4chlich hat das Land jedoch seine wohnungspolitische Sonderstellung in den letzten Jahrzehnten Schritt f\u00fcr Schritt eingeb\u00fc\u00dft. 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