{"id":679,"date":"2024-02-29T19:53:09","date_gmt":"2024-02-29T18:53:09","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=679"},"modified":"2024-09-27T11:36:48","modified_gmt":"2024-09-27T09:36:48","slug":"the-number-you-are-trying-to-call-is-temporarily-disconnected-oder-das-ende-von-68","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=679","title":{"rendered":"\u201eThe number you are trying to call is temporarily disconnected\u201c \u2013 oder das Ende von 68"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein Rundumschlag<\/h3>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Jens Wissel<\/h5>\n\n\n\n<p>Mittlerweile ist es kaum noch m\u00f6glich, Diskussionen zu f\u00fchren ohne sich in k\u00fcrzester Zeit in einem Freund-Feind Schema wiederzufinden. Das Thema ist dabei fast egal. Alles wird beherrscht von Eindeutigkeit und \u201aklarer Kante\u2018. Analyse, Kontext und Differenzierung spielen, wenn \u00fcberhaupt, eine untergeordnete oder nur taktische Rolle. Jede auch noch so zarte Kritik wird als Angriff aufgefasst. Das k\u00f6nnte etwas zu tun haben mit dem Ende von 68 und dem Sieg der Gegenaufkl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n<p>Bisher hat mindestens jede Generation nach 68 das Ende der 68iger proklamiert. Genau genommen musste man gar keine Generation abwarten bis zur ersten Verabschiedung. Schon in den 1970ern, mit der Entstehung der K-Gruppen war zumindest in Deutschland klar, dass 68 vorbei ist. Danach folgten die diversen sozialen Bewegungen, der Terrorismus, die Autonomen, Punk und No-Future, etc.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich war das aus der jeweiligen Perspektive sogar richtig, aber es wurde weder die Dimension der Umbr\u00fcche, die mit der globalen Rebellion von 1968 einhergingen, noch die Bedeutung ihres Endes verstanden. Oder anders gesagt: Bis auf No Future war jedes Ende von 68 als eine Fortf\u00fchrung unter anderen Vorzeichen gedacht. Wie das Ende aussieht, l\u00e4sst sich offensichtlich nicht vorstellen, wenn man sich noch im Prozess des Niedergangs befindet. Deshalb auch die tausendmal geh\u00f6rte These, es k\u00f6nne nicht schlimmer kommen. Jeder Tiefpunkt wird, gegen jede Erfahrung, als Wendepunkt gesehen, weil ein noch tieferer Tiefpunkt nicht vorstellbar ist, zumindest bis n\u00e4chste Woche. Hierzu hat Rudi V\u00f6ller 2003 eigentlich schon alles gesagt: \u201eJa, einfach die Sache mit dem Tiefpunkt und nochmal &#8217;n Tiefpunkt und noch mal &#8217;nen niedrigeren Tiefpunkt. Ich kann diesen Schei\u00dfdreck nicht mehr h\u00f6ren, muss ich ganz ehrlich sagen.\u201c Und es ist wohl so: man konnte es 2003 schon wissen, dass die Tiefpunkte immer tiefer werden. Aber anders als die deutsche Fu\u00dfball-Nationalmannschaft, die sich dann irgendwann wieder gefangen hat und 2014 Weltmeister wurde, ist von der Linken \u2013 wer auch immer das ist \u2013 \u00e4hnliches nicht zu erwarten. Ok, Weltmeister will man vielleicht auch gar nicht werden, aber es w\u00e4re ja schon etwas, wenn sie nicht g\u00e4nzlich verschwinden w\u00fcrde. Womit wir wieder beim tiefsten Tiefpunkt sind, also das v\u00f6llige Verschwinden der \u201eNeuen Linken\u201c. Vielleicht muss man sich mit diesem tiefsten Tiefpunkt tats\u00e4chlich auseinandersetzen, alles andere grenzt an Realit\u00e4tsverweigerung. Eine materialistische Linke, die die Realit\u00e4t nicht sehen kann oder will, ist eine idealistische Linke und davon gibt es genug. Dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p>Versuchen wir also mal, diesen tiefsten Tiefpunkt in den Blick zu nehmen. Damit komme ich zu meiner ersten These: <em>Alle bisherigen Tiefpunkte waren nur Etappen auf den Weg zum tiefsten Tiefpunkt<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Um das verstehen zu k\u00f6nnen, muss kurz die Bedeutung von 68 umrissen werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was 68 ver\u00e4ndert hat<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>68 hat zur Demokratisierung Deutschlands und zur Auseinandersetzung mit der nicht immer so sch\u00f6nen Vergangenheit beigetragen. Es hat zur Diversifizierung von Lebensweisen gef\u00fchrt und mit der feministischen Bewegung die Durchsetzung gleicher Rechte f\u00fcr Frauen eingeleitet. M\u00e4nner d\u00fcrfen seitdem lange Haare haben und Frauen d\u00fcrfen Hosen tragen und Fu\u00dfball spielen. Nicht nur die Ausbeutung und die ausgebeuteten sind seither divers, sondern auch die Ausbeuter:innen. Es ist also nicht so, dass Adornos Utopie von einer Gesellschaft, in der man ohne Angst verschieden und ohne St\u00e4rke zu provozieren schwach sein darf, verwirklicht worden w\u00e4re. Aber es hat sich etwas ver\u00e4ndert: Mittlerweile sind unterschiedlich Lebensweisen, unterschiedliche Sexualit\u00e4ten, Religionen usw. zumindest von Teilen der Bev\u00f6lkerung akzeptiert und entsprechende Ver\u00e4nderungen der Rechtslage wurden erk\u00e4mpft. Mittlerweile ist zumindest teilweise realisiert worden, dass Deutschsein keine biologische Angelegenheit ist, sondern eine rechtliche, auch wenn es nat\u00fcrlich noch Leute gibt die das nicht verstanden haben. Die Deutschen haben mit 68 auch gelernt, dass Kritik nichts grunds\u00e4tzlich Schlechtes ist und Demokratie von der Kontroverse lebt. Und selbst Adornos Projekt nonkonformistische Intellektuelle auszubilden (siehe Demirovi\u0107 1999), hatte einen gewissen Erfolg. Also halten wir fest: Deutschland ist mit 68 in einen demokratischen Prozess eingetreten in dem seine Bev\u00f6lkerung toleranter, nonkonformer und kritischer gegen\u00fcber Herrschaft wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne 68 zu verkl\u00e4ren, kann gesagt werden, dass die Revolte von 68 zur (zwischenzeitlichen) Zivilisierung Deutschlands ma\u00dfgeblich beigetragen hat. Zwar ist es nat\u00fcrlich Unsinn, was man mit Beginn des Krieges in der Ukraine wieder \u00fcberall h\u00f6ren konnte, n\u00e4mlich dass Deutschland pazifistisch und weltfremd gewesen sei. Es ist schwer zu verstehen, wie man auf diese Idee kommen kann und wie weltfremd (oder schlimmeres) man sein muss, um das zu behaupten. Deutschland war selbstverst\u00e4ndlich nie Pazifistisch, aber es gab und gibt in Teilen der Bev\u00f6lkerung noch einen gesellschaftlichen Konsens, dass die bisherige deutsche Tradition, Konflikte gewaltsam zu l\u00f6sen, vielleicht nicht die beste aller M\u00f6glichkeiten ist. Und nach zwei verlorenen Weltkriegen war das Milit\u00e4rische nicht mehr so angesehen. Vor der Abschaffung der Wehrpflicht konnte man den Wehrdienst verweigern. Es ist nat\u00fcrlich absurd anzunehmen, dass das Milit\u00e4rische f\u00fcr Kriege verantwortlich w\u00e4re, aber lassen wir es mal so stehen. Wer h\u00e4tte vor hundert Jahren schon gedacht, dass ausgerechnet eine deutsche Regierung meint, Angst davor haben zu m\u00fcssen, dass die Deutschen kriegsm\u00fcde werden und das, obwohl sie noch nicht mal selbst k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Bis dahin waren das eher die Probleme anderer Nationen. Halten wir also fest: Mit 68 haben unmittelbar gewaltf\u00f6rmige Konfliktl\u00f6sungen auch in Teilen des deutschen B\u00fcrgertums ihre bis dahin vorhandene unmittelbare Plausibilit\u00e4t<a href=\"#_edn1\" id=\"_ednref1\">[1]<\/a> verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz: Der traditionelle deutsche (preu\u00dfische) Militarismus wurde abgeschw\u00e4cht, das Land wurde demokratisiert und die Bev\u00f6lkerung hat gelernt b\u00fcrgerliche Freiheiten zu akzeptieren. Das ist nicht wenig, zumindest wenn wir bedenken, wo wir gestartet sind.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Tiefster Tiefpunkt nach 68<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und nun wieder zum tiefsten Tiefpunkt: Der Militarismus ist zur\u00fcck, Demokratie noch da, zumindest formal, aber die Betonung muss hier auf noch liegen, und f\u00fcr die b\u00fcrgerlichen Rechte gilt das gleiche. Wenn also in allen drei Bereichen, in denen mit 68 Fortschritte eingeleitet wurden, die alten Geister, wenn auch in anderer Verkleidung zur\u00fcck sind, dann kann dieses Mal mit Fug und Recht gesagt werden, dass wir kurz vor dem tiefsten Tiefpunkt (Demokratie noch da) angekommen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir uns die Frage stellen, warum es so gekommen ist, dann k\u00f6nnte man hier eine Geschichte erz\u00e4hlen, die mit den Maoist:innen im KBW beginnen w\u00fcrde und dann bei den Postmaoist:innen im \u201eZentrum Liberale Moderne\u201c (<a href=\"https:\/\/libmod.de\/\">https:\/\/libmod.de\/<\/a> ) oder in der Regierung von Baden-W\u00fcrttemberg enden w\u00fcrde<a href=\"#_edn2\" id=\"_ednref2\">[2]<\/a>. Das h\u00e4tte zwar eine gewisse Eleganz, weil ich ja oben geschrieben habe, dass das erste Ende, bzw. der erste Tiefpunkt nach 68 durch die K-Gruppen eingeleitet wurde und irgendwie w\u00e4re es sch\u00f6n, beim tiefsten Tiefpunkt dann wieder alte Bekannte zu treffen. Aber das w\u00e4re zu einfach. Es w\u00fcrde die NATOmaoist:innen auch \u00fcbersch\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir werden es inhaltlich versuchen, oder hegemonietheoretisch, wie auch immer, jedenfalls nicht personalistisch, fast h\u00e4tte ich geschrieben persomaoistisch \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Also: Wie konnte es soweit kommen?<\/p>\n\n\n\n<p>Fangen wir an bei der Frage wo die Kritik, oder genauer die Gesellschaftskritik, geblieben ist, weil man Kritik als das Fundament, gewissenerma\u00dfen die Voraussetzung, von allem anderen verstehen kann. Ohne Kritik keine Demokratie und hier spreche ich erst gar nicht von Sozialismus, ohne Kritik kein Antimilitarismus, kein Nonkonformismus, keine Analyse, kein Kontext und kein Verstehen. Was bleibt ohne Kritik? Religion, Mythos, Gut und B\u00f6se. Aus der Perspektive der Aufkl\u00e4rung bleibt ohne Kritik nichts mehr. Kritik ist die Grundlage von allem was aus der Unm\u00fcndigkeit herausf\u00fchren k\u00f6nnte. Und, wer h\u00e4tte es gedacht, ohne Kritik keine kritische Theorie (noch nicht mal kritische Kritik) und auch sonst nichts auf das zu hoffen w\u00e4re, oder anders und zeitgem\u00e4\u00df ausgedr\u00fcckt, mit einem Schuss Pragmatismus: Ohne Kritik kann man damit beginnen auf einen Bunker sparen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist also aus der Kritik geworden? Zur Beantwortung dieser Frage liefern Markus Metz und Georg See\u00dflen wichtige Hinweise. Auf drei Ebenen erodieren die Voraussetzungen von Kritik: Auf der politik-\u00f6konomisch-medialen, der psycho-sozialen und einer semantisch-medialen (Metz\/See\u00dflen 2022, 13).<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der politik-\u00f6konomischen Ebene geht es um die Produktionsbedingungen der \u00d6ffentlichkeit. Um die Zeitungen, das Radio, Diskussionsveranstaltungen, die Verlage und Publikationen. Ihre Stellung wird \u00f6konomisch immer prek\u00e4rer, was sie innerlich aush\u00f6hlt und ver\u00e4ndert. Fehlende Ressourcen, Abh\u00e4ngigkeit von Clicks oder Verkaufszahlen verst\u00e4rken die kulturindustriellen Effekte und untergraben ihre Autonomie. Auf der zweiten Ebene entziehen sich die Objekte der Kritik zunehmend \u201eindem sie sich statt ihrer einen \u201aMarkt der Meinungen\u2018 als Referenz und Echoraum suchen. Da dies als eine direkte Folge das Berufsbild des Kritikers und der Kritikerin erodieren l\u00e4sst, steht bis in die einzelnen Biographien hinein die Unabh\u00e4ngigkeit der Kritik drastisch auf dem Spiel. Das wiederum bewirkt eine Ver\u00e4nderung des Selbstbildes und der Beziehungen untereinander\u201c (12). Auf der semantisch-medialen Ebene zeigt sich, dass die Sprache der Kritik nicht mehr in die Zeit passt. \u201eDamit sind nicht nur die Texte gemeint, sondern ihre gesamte kulturelle Repr\u00e4sentation, also nicht nur, was und wie gesprochen (geschrieben) wird, sondern auch in welchen Formen der Riten und unter welchen mythischen Erscheinungsweisen. Was geschah bei der Transformation eines Gro\u00dfkritikers, einer Gro\u00dfkritikerin in eine:n Super-Influencer:in? Gewiss nicht nur die Verwandlung von Print- und Realraum-Performance zu digitaler Netzpr\u00e4senz, gewiss nicht nur die von Kultur in \u201aKreativwirtschaft\u2018. Und warum geben statt kritischen K\u00f6pfen nun \u201ameinungsstarke\u2018 Medienerscheinungen den Ton an? Gewiss nicht nur, weil Personalisierung und Verspektakelung im \u201eInfotainment\u201c weiter fortschreiten.\u201c (12-13)<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur, hei\u00dft eben dann, doch auch. Die Neuen Medien verst\u00e4rken die genannten Prozesse. Zum einen, weil sie noch mehr als die Alten zur Monopolisierung neigen. Joseph Vogl vergleicht sie mit der holl\u00e4ndischen Vereenigden Oostindischen Compagnie oder der britischen East India Company, die auf die \u201eAusschaltung von Konkurrenz und eine Monopolisierung des Fernhandelns ausgerichtet waren und dabei private Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeiten mit hoheitlichen Kompetenzen, Kapitalinteressen mit der Aus\u00fcbung von Souver\u00e4nit\u00e4tsrechten verkn\u00fcpften\u201c (Vogl 2021, 103). Der \u201eprivate Merkantilismus\u201c der Plattformindustrie zielt mit seinen Investitionen auf Monopolisierung, Beschr\u00e4nkung von Wettbewerb \u201eund die Beherrschung sozialer Infrastruktur\u201c (103). Zum andern, weil \u201edie algorithmische Zeichenstruktur in der Interpretation und Objekt zusammenfallen, Bedeutungsrelationen in Bezeichnungsrelationen aufgehen und Interpretation zugleich Determinationen sind\u201c (135) dazu gef\u00fchrt haben, dass die \u201ecrossmediale Verbl\u00f6dung\u201c (Metz\/See\u00dflen 2022, 7) im \u201ekapitalistischen Surrealismus\u201c von Korrelationen und Scheinevidenzen beherrscht wird. \u201eDas bedeutet einerseits, dass man im \u201eZeitalter von Petabytes\u201c und Clouddiensten auf jegliche Intervention von Erkl\u00e4rungen, Kausalit\u00e4tsfragen, Rechtfertigungen und reflektierenden Subjekten verzichtet. (Vogle 2021, 136) Oder mit dem ehemaligen Focus-Herausgeber Markwort, in der Sprache der alten Medien, gesprochen: \u201eFakten, Fakten, Fakten und immer an die Leser denken\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Theorie verschwunden<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So entsteht eine neue Art Wissenschaft und Wissenschaftsgl\u00e4ubigkeit, die ohne Theorie auskommt (vgl. ebd.). In der \u201eBio\u201c von jedem 10. Twitter, X, oder was auch immer Account stand, oder steht, nach der Pandemie: \u201eTeam Wissenschaft\u201c, dessen Ergebnisse dann munter proklamiert werden. K-Gruppen Stalinisten\/Maoisten, wenn es sie noch geben w\u00fcrde, w\u00fcrden blass werden. Naja, die im \u201eZentrum liberale Moderne\u201c haben das noch drauf. Hier werden Wahrheitsspiele gespielt von Leuten, die bis vor kurzem noch die Wahrheit proklamierten, dass es keine gibt. Wie auch immer, wissenschaftliche Wissenschaftskritik und ungesichertes Wissen scheint pass\u00e9 und Wissenschaft gibt es nur noch im Singular. Mit dem \u201eEnde der Theorie\u201c wird ein \u201eSchlussstrich unter die Auseinandersetzung mit epistemischen Fragw\u00fcrdigkeiten \u00fcberhaupt erhofft und ein ewiger Frieden im Streit der Fakult\u00e4ten in Aussicht gestellt\u201c (Vogl 2021, 137).<\/p>\n\n\n\n<p>Kritik und Theorie w\u00e4ren notwendig um Vereinfachungen entgegentreten zu k\u00f6nnen und durch Differenzierung, in Beziehung setzen und durch Kontextualisierung dichotome Positionierungen zu untergraben. Kritik k\u00f6nnte die Heuchelei der allgegenw\u00e4rtigen Moralisierungen offenlegen und danach fragen was sie f\u00fcr eine Funktion haben. Es ist aber gerade diese M\u00f6glichkeit, die die Kritik verunm\u00f6glicht in Zeiten der Identit\u00e4tspolitik. Kritik setzt eine Distanzierung voraus, gewisserma\u00dfen eine Entidentifizierung. \u201eKritik ist das Medium, das die Dialektik von Identifikation und Differenz kultiviert, also von einer blo\u00dfen Konkurrenz (das Wertvolle und der M\u00fcll) oder vom blo\u00dfen Konflikt (wir und die anderen) zu einem Dialog f\u00fchrt.\u201c (Metz\/See\u00dflen 2022, 13) Diese Entidentifizierung, die selbst in der solidarischen Kritik, notwendig ist, wird heute als Verrat aufgefasst. Wer sich nicht vollst\u00e4ndig identifiziert, geh\u00f6rt zu den Anderen. In der totalen Identifizierung gibt es keine Geschichte, keine Ursachen, keine anderen m\u00f6glichen Entwicklungen, keine wirklichen Ver\u00e4nderungen. Das Gute und das B\u00f6se sind grund-, kontext- und geschichtslos und v\u00f6llig frei von Ambivalenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Insofern ist es nur konsequent Differenzierung und Kontextualisierung als Relativierung aufzufassen. In dem hier genannten Sinne stimmt das. Kontextualisierung und Differenzierung beharren genau hierauf. Kritik und Theorie beharren darauf, dass das B\u00f6se (also die Hitlers von Gestern und Heute) immanent ist und nicht kontextlos, geschichtslos, \u00e4u\u00dferlich. Kritik und Kontextualisierung beharren darauf, dass das Gute (also die Liberalen von gestern und heute) mit dem B\u00f6sen was zu tun haben. Man k\u00f6nnte auch sagen, Kritik ist notwendig dialektisch. Und genau diese Dialektik der Kritik macht sie im Zeitalter der Identifizierung, man k\u00f6nnte auch sagen im Zeitalter des Narzissmus, unm\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Man ahnt es: Gut ist das nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn weil Kritik und Theorie die Grundlage von allem sind, rei\u00dfen sie auch alles mit in den Abgrund. Sie sind gewisserma\u00dfen das Bankensystem der Aufkl\u00e4rung, also im emanzipatorischen Sinne systemrelevant. Wobei die Analogie mit dem Bankensystem irref\u00fchrend ist, denn dann k\u00f6nnte man auf Rettung hoffen. Eher sind sie das Gesundheitssystem der Aufkl\u00e4rung, was die Sache tats\u00e4chlich hoffnungslos werden l\u00e4sst. Hier k\u00f6nnte jetzt nat\u00fcrlich stehen, \u201ehier brach der Gedanke ab, oder, in diesem Moment klingelte die heilige Inquisition an der T\u00fcr und der Autor gestand binnen weniger Minuten \u201evom Teufel besessen zu sein \u2026\u201c. OK, die Inquisition w\u00e4re nur ein Kunstgriff gewesen, um klar zu machen, dass die Lage aussichtslos ist, aber ich rufe Angela Davis in den Zeugenstand, um weiter schreiben zu k\u00f6nnen. \u201eDu musst so handeln als ob es m\u00f6glich w\u00e4re, die Welt radikal zu \u00e4ndern\u201c, oder sagen wir, ich \u00fcbersetze ihre Aussage in die heutige Zeit: \u201eDu musst so schreiben als w\u00fcrde es noch irgendeinen Sinn ergeben zu schreiben und als g\u00e4be es noch jemanden die\/der nach der dritten Zeile weiterliest\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie auch immer, ich schreibe weiter und komme zu der Frage, was es hei\u00dft, wenn die Grundlage von allem untergeht. Wenn die Kritik nicht selbst eine Praxis w\u00e4re, w\u00e4re ich jetzt fast bei einer \u00dcberbau-Basis Theorie angekommen. Es ist aber nicht so, weil die Kritik auch die Voraussetzung daf\u00fcr ist, nach den materiellen Grundlagen ihrer selbst zu fragen, also wie oben angedeutet, nach den Produktionsverh\u00e4ltnissen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Niedergang der Kritik<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wie also \u00e4u\u00dfert sich der Niedergang der Kritik? Im Sieg der Gegenaufkl\u00e4rung und in der R\u00fcckkehr des B\u00f6sen. Genau genommen in der R\u00fcckkehr der Vorstellung des B\u00f6sen. Das w\u00e4re egal, wenn es einfach nur zur allgemeinen Verbl\u00f6dung f\u00fchren w\u00fcrde und nicht zu einer Remilitarisierung Deutschlands und einer Verrohung des B\u00fcrgertums und quasi nebenbei zur zivilgesellschaftlichen Totalisierung. Letzteres \u00e4u\u00dfert sich unter anderem darin, dass inhaltliche Auseinandersetzungen nicht mehr gef\u00fchrt werden. Hauptanliegen in Diskussionen ist es, die andere Seite moralisch zu diskreditieren. Inhalte sind hierf\u00fcr nicht n\u00f6tig, wichtig ist es nur das reale oder imagin\u00e4re Publikum gegen die jeweilige andere Position aufzuwiegeln. Es geht hier nicht nur um Moralisierung, sondern auch um Instrumentalisierung und den Vorrang der Taktik, der jede Diskussion zu Farce werden l\u00e4sst (vgl. Adorno 1969, 180).<\/p>\n\n\n\n<p>Verd\u00e4chtig macht sich schon, wer z\u00f6gert (selbst wenn es der Kanzler ist), oder nicht unmittelbar wei\u00df was zu tun ist, oder anders formuliert, wer nicht unmittelbar wei\u00df gegen wen wie zur\u00fcckgeschlagen werden muss, oder gar die Frage stellt, ob das wirklich weiterhilft. \u201eNirgendwo ist der Obskurantismus j\u00fcngster Theoriefeindlichkeit so flagrant\u201c, wie in der unmittelbaren \u201eFrage nach dem Was tun, die auf jeglichen kritischen Gedanken antwortet, ehe er nur recht ausgesprochen, geschweige denn mitvollzogen ist. [\u2026] Sie erinnert an den Gestus des den Pass Abverlangens\u201c (189). Die Maxime lautet, besser das Falsche tun, als gar nichts. Dabei war es selten so offensichtlich, dass es darum geht den Teufelskreis zu durchbrechen und dem Reflex zu widerstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Mechanik scheint, sp\u00e4testens seit COVID in nahezu allen Diskussionen zu greifen. Tove Soiland hat zurecht darauf hingewiesen, dass die Illiberalit\u00e4t hier im Wesentlichen nicht von der politischen Rechten ausging, sondern von Teilen der Linken. Auch hier ging es um Handlungsf\u00e4higkeit und Stellung beziehen, bis hin zu so denkw\u00fcrdigen Konzepten wie \u201eZero Covid\u201c<a href=\"#_edn3\" id=\"_ednref3\">[3]<\/a>, in denen weit \u00fcber die staatlichen Ma\u00dfnahmen hinausgegangen werden sollte und der Klassencharakter der Ma\u00dfnahmen erst in Reaktion auf die Kritik zur Kenntnis genommen wurde (vgl. Soiland 2023, 106). Obwohl zu diesem Zeitpunkt niemand wissen konnte, was zu tun ist, au\u00dfer vielleicht, dass es besser gewesen w\u00e4re, wenn das Gesundheitssystem nicht vorher schon zugrunde gerichtet worden w\u00e4re, wurde Kritik an den Ma\u00dfnahmen pauschal diskreditiert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wissenschaft als Religion und die Verrohung der Mitte<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch in den folgenden gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, hat der Moralismus in der Linken illiberale Tendenzen bef\u00f6rdert. Unmittelbarer Zugriff auf Fakten und damit auf die Wahrheit, moralische Diskreditierung derjenigen, die widersprechen, Wissenschaft im Singular vertreten durch ausgew\u00e4hlte Expert:innen. Der neue Positivismus in Bezug auf Wissenschaft schl\u00e4gt in Mythos um, Wissenschaft wird so zum Religionsersatz (vgl. Soiland 2023, 134). Den gl\u00e4ubigen Wissenschaftler:innen stehen gesellschaftlich die gl\u00e4ubigen Gl\u00e4ubigen, also die Wissenschaftsskeptiker:innen gegen\u00fcber und da sich Glauben nicht diskutieren l\u00e4sst, ist es nur konsequent, dass man nicht diskutiert, sondern vornehmlich schreit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zivilgesellschaft ist nicht verschwunden, sie hat vielmehr selbst autorit\u00e4re Z\u00fcge angenommen. Gefeiert werden Figuren wie die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Bundestags Strack-Zimmermann: Emotionalisierend, meinungsstark, nichtsahnend, wobei, vielleicht ahnt sie auch etwas, ist aber unerheblich. Man k\u00f6nnte nun einwenden, Strack-Zimmermann ist gar nicht Zivilgesellschaft, sondern Staatsapparat im engeren Sinne, was es nicht besser machen w\u00fcrde. Aber sie ist auch Zivilgesellschaft, denn immerhin ist sie ja auch in so angesehenen NGO`s engagiert wie etwa Rheinmetall, um nur eine zu nennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es g\u00e4be viele Beispiele f\u00fcr die zunehmende Verrohung des B\u00fcrgertums. Der Bundeswehrprofessor Carlo Masalla w\u00e4re ein anderes. Er forderte 2022 in einem Tweet eine auf Terror ausgerichtete Kriegsf\u00fchrung zur Befreiung der Krim (der Tweet wurde mittlerweile gel\u00f6scht kursiert aber noch bei X als Foto). CDU-Verteidigungsexperte Kiesewetter w\u00fcrde am liebsten die geflohenen wehrf\u00e4higen Ukrainer ausliefern (siehe diverse Talkshows), weil das \u201eMenschenmaterial\u201c (nicht seine Wortwahl) knapp wird und nebenbei w\u00fcrde er gerne den Krieg (mit Taurus) nach Russland tragen und dort Ministerien beschie\u00dfen (Naumann in: FR 12.02.2024). Streumunition ist f\u00fcr dieses B\u00fcrgertum nur dann ein Problem, wenn \u201ader Russe\u2018 sie einsetzt etc. etc. Solche Leute gab es schon immer, entscheidend ist, dass sie sich kaum noch rechtfertigen m\u00fcssen und sich nicht am Rand der Debatten bewegen, sondern im Zentrum.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Was sich in Deutschlands politischer Mitte, die auch Ausdruck einer neuen Republik in Zeiten heraufziehender Krisen ist, seitdem breitmacht, ist eine neue Begeisterung f\u00fcr die L\u00f6sung politischer Probleme durch Polizei, Milit\u00e4r und Machtvollkommenheit. Ein neuer Autoritarismus der Mitte, der bis nach links ausstrahlt&#8220; (Neumann 2023). Es ist offensichtlich, dass sich die deutsche Gesellschaft darauf verst\u00e4ndigt hat das \u201aFl\u00fcchtlingsproblem\u2018 und die gesellschaftlichen Verwerfungen, die aus der Vielfachkrise (Demirovi\u0107 et al 2011) folgen, repressiv zu l\u00f6sen. \u201eIdeologisch und faktisch wird eine sicherheitsstaatliche \u201aWohlstandsfestung\u2018 konstituiert, die ihre Grenzen schlie\u00dft und mit technisch immer ausgefeilteren Ma\u00dfnahmen \u00fcberwacht, sich auf milit\u00e4rische Interventionen zwecks Befriedung einer zunehmend konflikthaft werdenden Peripherie einrichtet und die auf die Folgen gesellschaftlicher Spaltungen und Polarisierungen nur noch mit den Mitteln repressiver \u00dcberwachung und \u201aKriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfung\u2018 reagieren zu k\u00f6nnen glaubt\u201c (Hirsch 1995, 160)<a href=\"#_edn4\" id=\"_ednref4\">[4]<\/a>. Die \u201aimperiale Lebensweise\u2018 (Brand\/Wissen) wird mit der Waffe in der Hand verteidigt. Das ist gemeint, wenn von der Verteidigung unserer Werte, oder der regelbasierten internationalen Ordnung, gesprochen wird. Im Rest der Welt wird es auch so verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tatsache, dass die schon angesprochene aufkommende Kriegsm\u00fcdigkeit der deutschen Bev\u00f6lkerung zu einer Bef\u00fcrchtung der Bundesregierung werden konnte, zeigt zweierlei, zum einen, wie weit die Regierung abgedriftet ist, zum anderen aber auch, dass die Kriegsbegeisterung trotz medialer Dauerbeschallung, in der Bev\u00f6lkerung wenig verbreitet ist, wir also, wenn man es ganz genau nimmt, noch nicht auf den tiefsten Tiefpunkt aufgeschlagen sind.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Autorit\u00e4rer Etatismus und zivilgesellschaftlicher Totalitarismus<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In den 100 Milliarden Sonderschulden und der Schuldenbremse und nat\u00fcrlich auch in der Politik der EZB verdichten und materialisiert sich der neue Autoritarismus. Es liegt auf der Hand, dass die Schuldenbremse ein Instrument des Klassenkampfes ist, das durch die Aufnahme ins Grundgesetz der demokratischen Kontrolle entzogen wurde. Das Ergebnis ist, dass eine bestimmte auf Austerit\u00e4t ausgerichtete (monetaristische) Wirtschaftspolitik dadurch vor Wahlergebnissen immunisiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch im Klassenkampf ist die angesprochene Verrohung der \u201aMitte\u2018 zu beobachten. Hetze gegen B\u00fcrgergeldempf\u00e4nger:innen und Fl\u00fcchtlinge wird aus der Regierung heraus betrieben ohne dass sie sich daf\u00fcr rechtfertigen m\u00fcsste. Lohnende Investitionen lassen sich im Bereich von \u00dcberwachungs- und Kontrolltechnologien einfach finden. Dass man f\u00fcr Milit\u00e4r, Grenzregime und Steuersenkungen munter weitere Schattenhaushalte einrichten kann, versteht sich von selbst. In diesem Bereich bleibt der Staat Interventionsstaat. Die Schuldengrenze richtet sich gegen Sozial- und Klimapolitik und nat\u00fcrlich gegen die Verkn\u00fcpfung von beiden, was die Klimapolitik auf Jahre diskreditieren k\u00f6nnte. Dass mittlerweile selbst \u00d6konom:innen \u2013 bis hin zu den sogenannten \u201aWirtschaftsweisen\u2018 \u2013 erkannt haben, dass sie \u00f6konomisch irrational ist und das Land ruiniert, st\u00f6rt die Klassenk\u00e4mpfer:innen nicht. Letztlich geht es um eine liberal-konservative Identit\u00e4tspolitik. Die Folgen sind nicht nur \u00f6konomisch desastr\u00f6s (gesamtgesellschaftlich, nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr die, die sie wollen). In einer Konstellation in der es (nicht nur parteipolitisch) keine ernstzunehmende linke Alternative gibt, wird die extreme Rechte gest\u00e4rkt. Es gibt hier eine klare Korrelation. Insofern sind die Wahlergebnisse der AfD kein Zufall, da hilft auch keine Emp\u00f6rung (hierzu Duque Gabriel, Klein, Pessoa 2023).<\/p>\n\n\n\n<p>Nicos Poulantzas hat diese Form der autorit\u00e4ren Etatisierung schon Ende der 1970er Jahre erkannt (Poulantzas 2002). Einige Zeit sp\u00e4ter hat Colin Crouch den Begriff der Postdemokratie gepr\u00e4gt (2004; dt. 2008) und damit eine Konstellation gemeint, in der es Demokratie, Rechtsstaat und Zivilgesellschaft noch gibt, sie aber innerlich v\u00f6llig ausgeh\u00f6hlt sind. Sie sind gewisserma\u00dfen fassadenhaft geworden. Wahlen werden zwar noch abgehalten, sind aber zu PR-Spektakeln verkommen, in denen die W\u00e4hler:innen bestenfalls Statist:innen sind, wobei viele mittlerweile den Job gek\u00fcndigt haben. Dieses Potjemkinsche Moment hat sich seitdem auf alle staatlichen und halbstaatlichen Institutionen und die technische wie soziale Infrastruktur \u00fcbertragen (f\u00fcr sachdienliche Hinweise auf Bereiche bei denen das nicht zutrifft, ist die Redaktion dankbar). Nach Jahrzenten der Sparpolitik ist der Punkt erreicht, an dem auch die Fassade zu br\u00f6ckeln beginnt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Rassist:innen und Antisemit:innen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch die aufkeimenden Auseinandersetzungen um den neuen Antisemitismus sind von einer erschreckenden Entdifferenzierung gepr\u00e4gt. Der Versuch der deutschen Gesellschaft, die eigene Geschichte zu relativieren und den Antisemitismus zu externalisieren ist, wie in all den Kriegen seit den 1990ern, in denen Deutschland stets gegen die eigene Geschichte k\u00e4mpfte, offensichtlich. Vielleicht l\u00e4sst sich die deutsche Geschichte so gleich mit abschieben. Im Zusammenhang mit Antisemitismus und vor allem mit dem Nahostkonflikt zeigt sich ein weiteres Problem, dass sich mit der Dominanz der Identit\u00e4tspolitik versch\u00e4rft hat. Die jeweiligen Kollektive, mit denen man sich identifiziert, sind als homogene Kollektive gedacht. So ist der Begriff des Postkolonialismus, der zumindest auch als eine Reaktion auf vereinfachende antimperialistische Positionen gedacht war, mittlerweile, zumindest in der Verallgemeinerung &#8211; wieder da angekommen, wo man eigentlich wegwollte: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Was dazu f\u00fchrt, dass sich eine, wo gehobelt wird fallen auch Sp\u00e4hne-Mentalit\u00e4t breit gemacht hat, die verhindert, Hamas als das zu benennen was sie ist: Eine Terrorgruppe, die einen m\u00f6rderischen religi\u00f6sen Fundamentalismus als Befreiungskampf vermarkten will. Auf der anderen Seite wird kaum zur Kenntnis genommen, dass die israelische Regierung in weiten Teilen rechtsextrem ist und unter dem begr\u00fcndeten Verdacht steht, Menschen- und V\u00f6lkerrechtsverbrechen zu begehen. Die Situation ist deshalb so verfahren, weil auf beiden Seiten Kr\u00e4fte das Sagen haben, die kein Interesse an Frieden haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Entscheidend daf\u00fcr, dass keine ernstzunehmende Auseinandersetzung hierzu gef\u00fchrt werden kann, ist die Ausweitung sowohl des Rassismus-<a href=\"#_edn5\" id=\"_ednref5\">[5]<\/a> wie des Antisemitismusbegriffs in den letzten Jahren (siehe Brumlik 2021). Letztlich l\u00e4sst sich die Welt so einteilen: in Rassisten auf der einen Seite und Antisemiten auf der anderen. Und so verl\u00e4uft die Diskussion, unterhalb des Rassismus\/Antisemitismus Vorwurfs geht eigentlich nichts mehr. Auch hier dominiert das taktische Moment, es wird nicht um Inhalte gerungen, vielmehr wird das gegen\u00fcberstehende Kollektiv im Wettbewerb der Opfergemeinschaften zu \u00fcbertrumpfen, bzw., zu diskreditieren versucht. \u201eDer Grund, aus dem die gegenseitigen Debatten zwischen den Zionistinnen und ihren postkolonialen Kritikerinnen und Kritikern so heftig sind, liegt weniger in ihrer Unterschiedlichkeit als darin, dass sie sich in ihrem Bekenntnis zur Identit\u00e4t so erschreckend \u00e4hneln\u201c (Boehm 2022, 153).<a href=\"#_edn6\" id=\"_ednref6\">[6]<\/a> Die v\u00f6llige Dekontextualisierung und Moralisisierung erm\u00f6glichen es letztlich, dass Antisemitismus und Antirassismus (bei Gelegenheit<a href=\"#_edn7\" id=\"_ednref7\">[7]<\/a>) problemlos in den westlichen Militarismus unter rechter Hegemonie eingegliedert werden k\u00f6nnen (Neumann 2023).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Tribalismus und Wahrheit<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>All diese Tendenzen findet man auch in der gesellschaftlichen Linken. Zwar gibt es viele Gruppen, die an unterschiedlichen Punkten Widerstand leisten. Klimabewegung, Bewegungen gegen die Entrechtung der Menschen an den Grenzen, Mieter:innenbewegung, unterschiedliche Solidarit\u00e4tsbewegungen mit dem globalen S\u00fcden, LGBTIQ+<a href=\"#_edn8\" id=\"_ednref8\">[8]<\/a> und so weiter. Sie bleiben aber meist monokausal und wie sagt ein altes senegalesisches Sprichwort: \u201eKeine Theorie kein Zusammenhang\u201c und so werden auch alle einzeln erlegt, oder zerfleischen sich gegenseitig. Die erfolgreichsten, wie Friday for Future werden zudem von der Kulturindustrie korrumpiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier liegt wirklich eine Paradoxie vor. Der linke Tribalismus der letzten Jahre, der Relativismus und Antiessentialismus predigte, hat durch die Aufl\u00f6sung der gesellschaftlichen Zusammenh\u00e4nge einem tendenziell totalit\u00e4ren Wahrheitsspiel den Weg geebnet. Das Spiel ist tats\u00e4chlich neu, weil es nicht mehr darum zu gehen scheint, die eigene Perspektive oder Wahrheit zur Perspektive von allen zu machen, sondern darum, die eigene Wahrheit dominant zu setzen. Mit anderen Worten, es geht gar nicht mehr darum zu \u00fcberzeugen, sondern es geht um eine vorbehaltlose Akzeptanz. In dieser Konstellation wird schon der blo\u00dfe Wunsch, \u00fcber sie zu diskutieren zur inakzeptablen Relativierung. Parallel zur narzisstischen Moral ist die narzisstische Wahrheit antigesellschaftlich und daher diktatorisch. Denn, obwohl sie alle allgemeinen Kategorien zur\u00fcckweist, muss sie dennoch von allen anerkannt werden (Charim 2023, 196). \u201eIm vorherrschenden Narzissmus gr\u00fcndet alles auf der Eigenen [instabilen] Identit\u00e4t\u201c (201). Deshalb sind Kompromisse, oder Einschreibungen, anderer gesellschaftlicher Akteure nicht mehr m\u00f6glich. Die Wahrheit wird in der Relativierung quasi absolut. Relativismus und Antiessentialismus landet so letztlich bei Carl Schmitts \u201eBegriff des Politischen\u201c f\u00fcr den die Unterscheidung von Freund und Feind die Vorrausetzung ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Man wird den Tribalismus und die genannten Probleme nat\u00fcrlich nicht los indem man die Uhr zur\u00fcckdreht. Insofern wird es keine L\u00f6sung des Problems geben, wie im neuen Asterix \u201eDie weisse Iris\u201c, indem alles wieder so sch\u00f6n wird, wie es nie war. Hinzu kommt, dass wir nicht in einem Widerstandsdorf leben, umzingelt von den R\u00f6mern\/Preu\u00dfen. Zugegeben, f\u00fcr Frankfurt gef\u00e4llt mir der Gedanke, aber nein, sind wir nicht. Und auch einen humanit\u00e4ren Korridor nach Frankreich wird es nicht geben. Zwar sollte man, da hat Fredi Bobic recht, das Alte nicht so schlecht reden, wie es wirklich war, aber ein Zur\u00fcck darf es nicht geben. Die Aufl\u00f6sung des Tribalismus geht nur nach vorne, es war ja die neue Linke, die auf die Vielfalt der Lebensweisen bestanden hat. Es kann also nur um eine progressive Aufhebung gehen und um einen neuen Universalismus. Nicht der Universalismus war das Problem, sondern die Tatsache, dass er nie durchgesetzt werden konnte. Beziehungsweise dass er instrumentalisiert wurde f\u00fcr partikulare Interessen, wie zurzeit von der V\u00f6lkergemeinschaft, also dem Westen, also der NATO.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Universalismus<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es war im \u00dcbrigen nicht in Europa, wo der Universalismus am weitesten vorangetrieben wurde, sondern in Haiti. Erst hier wurde versucht die Ideen der Franz\u00f6sischen Revolution wirklich umzusetzen<a href=\"#_edn9\" id=\"_ednref9\">[9]<\/a>. \u201eDer wirksamste Schlag, den man dem Imperium m\u00f6glicherweise \u00fcberhaupt versetzen k\u00f6nnte, best\u00fcnde wohl darin, sich als loyaler Verfechter der Idee einer universellen Menschheit zu bekennen, indem man die anma\u00dfende Annahme zur\u00fcckweist, irgendein politisches, religi\u00f6ses, ethnisches, kulturelles oder durch Klassenzugeh\u00f6rigkeit gekennzeichnetes Kollektiv k\u00f6nne diese Idee exklusiv und andere ausschlie\u00dfend f\u00fcr sich reklamieren.\u201c (Buck-Morss 2011, 199)<\/p>\n\n\n\n<p>Damit bin ich auch schon bei meiner 11. These: <em>Die postmodernen Philosoph:innen und Sprachpolitiker:innen haben nur verschieden \u00fcber die Welt gesprochen; es kommt aber darauf an, sie zu ver\u00e4ndern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dabei geht es gerade nicht darum, das Abscheuliche lieber nicht auszusprechen. Es verschwindet n\u00e4mlich nicht nur weil wir nicht mehr dar\u00fcber reden. Oder anders gesagt, die Welt wird nicht besser, nur weil wir besser \u00fcber sie reden. Der \u201eganze alte Schei\u00df\u201c ist eben leider doch mehr als ein Effekt von Bedeutungszuschreibungen. Die Gr\u00fcnen haben ja gerade in einem gro\u00dfangelegten empirischen Forschungsprojekt gemeinsam mit dem Au\u00dfenministerium unter Beweis gestellt, dass eine \u201afeministische wertegeleitete Au\u00dfenpolitik\u2018 nicht vereinbar ist mit dem Verfolgen geo\u00f6konomischer und geopolitischer Interessenspolitik im globalen Kapitalismus. Aber OK, es h\u00f6rt sich gut an \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDas Konzept einer modernen, offenen und demokratischen Gesellschaft gegen neoliberale Markradikalit\u00e4t und barbarischen Kommunitarismus zu verteidigen ist eine Voraussetzung f\u00fcr ein \u201arichtiges Leben im Falschen\u2018. Das richtige Leben ist das Benennen des Falschen zum Zwecke seiner \u00dcberwindung.\u201c (Metz\/See\u00dflen 2022, 190) Das mache ich mit der Benennung des tiefsten Tiefpunktes zum Zwecke seiner \u00dcberwindung. In dem Text eines alten deutschen Volksliedes hei\u00dft es \u201ewenn die Nacht am tiefsten ist der Tag am n\u00e4chsten\u201c. Ob das auf Gesellschaft \u00fcbertragbar ist, wei\u00df ich nicht, aber der Gedanke ist sch\u00f6n und die gute Nachricht ist, dass es zumindest nicht an Literatur mangelt, die das Falsche richtig benennt, nur ein Bruchteil davon wurde hier verarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Da Revolutionen in Deutschland anscheinend immer im achten Jahr eines Jahrzehntes ausbrechen, hoffe ich auf 2028. Wir haben also noch vier Jahre Zeit, uns zu \u00fcberlegen wie und in welche Richtung das Falsche \u00fcberwunden werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Wiedersehen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\" id=\"_edn1\">[1]<\/a> Die angeblich allgemeine Kriegsbegeisterung zu Beginn des ersten Weltkriegs, betraf wohl haupts\u00e4chlich den Adel und das zum Adel aufschauende B\u00fcrgertum.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\" id=\"_edn2\">[2]<\/a> Das Zentrum Liberale Modere wird von Marieluise Beck und Ralf F\u00fccks gef\u00fchrt. Zumindest letzterer war, ebenso wie Winfried Kretschmann, in der maoistischen K-Gruppe KBW. Bei K\u00fcppersbusch TV gibt es eine gute Reportage zur Rolle des Zentrum Liberale Modere bei der Organisierung der Kriegst\u00fcchtigkeit: \u201eStaatsknete f\u00fcr die richtige Meinung\u201c, URL: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iZ-iEEfBGt0&amp;t=132s\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iZ-iEEfBGt0&amp;t=132s<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\" id=\"_edn3\">[3]<\/a> Das Ziel der Zero Covid Kampagne war es, die COVID Pandemie durch das Absenken der 7-Tages-Inzidenz auf null zu beenden. Dabei wurden weitergehende Ma\u00dfnahmen gefordert als von staatlicher Seite durchgesetzt. Diese w\u00e4ren letztlich nur polizeilich dursetzbar gewesen und h\u00e4tten insbesondere die Menschen besonders getroffen, die zu f\u00fcnft in kleinen Ein-, oder Zweizimmerwohnungen leben m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\" id=\"_edn4\">[4]<\/a> Wie man sieht, ist der Befund nicht neu. Neu ist, dass es kaum organisierten Widerstand dagegen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\" id=\"_edn5\">[5]<\/a> Die Ausweitung des Rassismusbegriffs ging einher mit einer Verengung, weil dem US-amerikanischen Diskurs folgend \u201eRasse\u201c mit \u201eFarbe\u201c zunehmend gleichgesetzt wurde (vgl. Wacquant 2023, 172)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\" id=\"_edn6\">[6]<\/a> Das schrieb Omri Boehm vor den Massakern des 7. Oktobers und der schrecklichen Antwort, an dem grunds\u00e4tzlichen Befund hat sich nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref7\" id=\"_edn7\">[7]<\/a> Immerhin wurde im Februar 2022 versucht den ukrainischen Kampf gegen die v\u00f6lkerrechtswidrige Invasion der russischen Armee als antikolonialen Befreiungskampf zu rahmen.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_edn8\" href=\"#_ednref8\">[8]<\/a> Stand Anfang 2024. Die Tatsache, dass mittlerweile weitere Buchstaben dazu gekommen sein k\u00f6nnten, verweist auf ein weiteres Problem von Identit\u00e4tspolitik. \u201eMan k\u00f6nnte auch sagen; Das Plus ist das Zeichen unerreichbarer Konkretheit\u201c (Charim 2023, 198).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref9\" id=\"_edn9\">[9]<\/a> Das Scheitern der Revolution \u00e4ndert daran nichts.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Adorno, Theodor W. 1969: Marginalien zu Theorie und Praxis, in: Stichworte. Kritische Modelle 2, S. 169-191, Frankfurt\/M.<\/p>\n\n\n\n<p>Boehm, Omri 2022: Radikaler Universalismus. Jenseits von Identit\u00e4t, Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p>Brumlik, Micha 2021: Postkolonialer Antisemitismus?, Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Buck-Morss, Susan 2011: Hegel und Haiti. F\u00fcr eine neue Universalgeschichte, Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p>Charim, Isolde 2023: Die Qualen des Narzissmus. \u00dcber freiwillige Unterwerfung, Wien.<\/p>\n\n\n\n<p>Crouch, Colin 2008: Postdemokratie, Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p>Demirovi\u0107, Alex 1999: Der nonkonformistische Intellektuelle. Die Entwicklung der Kritischen Theorie zur Frankfurter Schule, Frankfurt\/M.<\/p>\n\n\n\n<p>Demirovi\u0107, Alex\/ D\u00fcck, Julia\/ Becker, Florian\/ Bader, Pauline 2011 (Hg.): VielfachKriese, M\u00fcnster.<\/p>\n\n\n\n<p>Duque Gabriel, Ricardo\/ Klein, Mathias\/ Pessoa, Ana Sofia 2023: The Political Costs of Austerity. The Review of Economics and Statistics, S. 1-45; doi: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1162\/rest_a_01373\">https:\/\/doi.org\/10.1162\/rest_a_01373<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Hirsch, Joachim 1995: Der Nationale Wettbewerbsstaat. Staat, Demokratie und Politik im globalen Kapitalismus, Berlin \u2013 Amsterdam.<\/p>\n\n\n\n<p>Metz, Markus\/ Se\u00dflen, Georg 2022: Apokalypse &amp; Karneval. Neoliberalismus: Next Level, Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p> Naumann, Florian 2024: \u201eKrieg muss nach Russland getragen werden\u201c: CDU-Experte fordert Eskalation \u2013 gegen den Worst Case, in: Frankfurter Rundschau, 12.02.2014; URL: <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/forderung-appell-kiesewetter-cdu-russland-krieg-putin-ukraine-waffen-deutschland-zr-92825380.html\">https:\/\/www.fr.de\/politik\/forderung-appell-kiesewetter-cdu-russland-krieg-putin-ukraine-waffen-deutschland-zr-92825380.html<\/a> (zuletzt abgerufen, 12.02.2024)<\/p>\n\n\n\n<p>Neumann, Mario 2023: \u00dcber den deutschen Umgang mit Krieg, Rassismus und Antisemitismus, in: www.links-netz.de, 16. November 2023; URL: <a href=\"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=610\">http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=610<\/a> (zuletzt abgerufen 12.02.2024)<\/p>\n\n\n\n<p>Poulantzas, Nicos 2002: Staatstheorie. Politischer \u00dcberbau, Ideologie, Autorit\u00e4rer Etatismus, Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p>Soiland, Tove 2023: Der hypermoderne Hygienismus und die Linke. Tendenzen eines postideologischen Totalitarismus, in: Das Argument (341), S. 105\u2013149.<\/p>\n\n\n\n<p>Vogl, Joseph 2021: Kapital und Ressentiment. Eine kurze Theorie der Gegenwart, M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wacquant, Loic 2023: Die Erfindung der \u201eUnterklasse\u201c, Berlin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jens Wissel<\/p>\n<p>Mittlerweile ist es kaum noch m\u00f6glich, Diskussionen zu f\u00fchren ohne sich in k\u00fcrzester Zeit in einem Freund-Feind Schema wiederzufinden. Das Thema ist dabei fast egal. Alles wird beherrscht von Eindeutigkeit und \u201aklarer Kante\u2018. Analyse, Kontext und Differenzierung spielen, wenn \u00fcberhaupt, eine untergeordnete oder nur taktische Rolle. Jede auch noch so zarte Kritik wird als Angriff aufgefasst. 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