{"id":825,"date":"2025-01-31T12:40:17","date_gmt":"2025-01-31T11:40:17","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=825"},"modified":"2025-01-31T12:40:17","modified_gmt":"2025-01-31T11:40:17","slug":"die-usa-am-vorabend-einer-neuen-aera","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=825","title":{"rendered":"Die USA am Vorabend einer neuen \u00c4ra"},"content":{"rendered":"\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Margit Mayer<\/h5>\n\n\n\n<p>Vor der Amtseinf\u00fchrung von Donald Trump kursierten vielerlei, h\u00f6chst unterschiedliche Szenarien dar\u00fcber, wie sich die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der USA unter seiner Pr\u00e4sidentschaft entwickeln k\u00f6nnten \u2013 von Horrorszenarien bis hin zu zivilgesellschaftlichen Wundern. Auch mit sozialwissenschaftlichen Methoden lassen sich nur bedingt Vorhersagen dar\u00fcber machen, wie sich das amerikanische Parteiensystem, die Politik der Trump-Vance-Regierung oder die Stellung der USA in der gegenw\u00e4rtigen spannungsgeladenen und dynamischen geopolitischen Situation entwickeln werden. In diesem Aufsatz beschreibe ich zentrale Voraussetzungen, ohne die eine solche Analyse nicht auskommen wird, n\u00e4mlich die materiellen Interessen der involvierten Akteure in ihrem historischen Kontext. Es geht dabei um die Verschiebung der Interessen alter und neuer Kapitalfraktionen und die Ver\u00e4nderungen des Parteiensystems, in dem beide Parteien inzwischen die Widerspr\u00fcche innerhalb ihrer jeweiligen Klientele nur um den Preis der Selbstaufgabe ihrer ehemaligen Identit\u00e4t b\u00e4ndigen konnten. Aus dem sich inzwischen abzeichnenden \u00bbGruppenbild mit Musk\u00ab, d.h. der Kapitalgruppen, die Trump zur Macht verholfen haben, und deren Widerspr\u00fcchen zu den Interessen der \u00bbMake America Great Again\u00ab-Basis (MAGA), die Trump die notwendigen Stimmen geliefert hat, die schon bald nach dem Wahlsieg zu Tage traten, lassen sich jedenfalls mehr Hinweise auf die k\u00fcnftige Politik der Trump-Regierung ablesen als aus seinen Versprechungen im Wahlkampf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I. Zwei Parteien, die sich angleichen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die meiste Zeit ihrer Geschichte vertrat die Republikanische Partei die Wohlhabenden, w\u00e4hrend die Demokraten als Partei der Arbeiter- und Mittelklassen galten. Das begann sich unter Bill Clintons Pr\u00e4sidentschaft zu \u00e4ndern: Dessen Freihandels- und Deregulierungspolitik initiierte die Deindustrialisierung ganzer Regionen und riskierte damit die \u00bbEntfremdung\u00ab derjenigen Arbeiterschaft, die in h\u00e4ufig gewerkschaftlich organisierten, angemessen entlohnten Jobs ein relativ gesichertes Einkommen hatte. Seine Unterzeichnung des Freihandelsabkommens NAFTA (1993), seine <em>welfare<\/em>-Reform (<em>workfare<\/em> statt <em>welfare,<\/em> also Streichung von Sozialleistungen bei gleichzeitiger Subventionierung des Niedriglohnsektors), und seine insgesamt auf die Wall Street ausgerichtete Politik haben die durch Deindustrialisierung und Globalisierung verursachte Abwertung der heimischen Arbeiterklassen immer weiter vorangetrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahlstrategisch ignorierten die Demokraten diese wachsenden Zahlen der Globalisierungsverlierer, also besonders die Arbeiterklassen in st\u00e4dtischen wie l\u00e4ndlichen Regionen des <em>rust belt<\/em>, und wandten sich stattdessen den urbanen, gebildeten und besserverdienenden Schichten zu. W\u00e4hrend noch 2008 die wei\u00dfe, abgeh\u00e4ngte bzw. sich abstiegsbedroht sehende Arbeiterschaft mehrheitlich f\u00fcr Obama stimmte, setzte 2012 eine doppelte Wanderungsbewegung ein: Die abgeh\u00e4ngte Arbeiterklasse wandte sich st\u00e4rker nach rechts, die urbanen und suburbanen, gebildeten Schichten tendierten mehr zu den Demokraten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Zwischenwahlen von 2014 manifestierte sich eine f\u00fcr <em>beide<\/em> Parteien bedrohliche Krise: Die Wahlbeteiligung st\u00fcrzte im Vergleich zu 2012 um 24 Prozent ab. Eine gro\u00dfe Mehrheit der wahlberechtigten Bev\u00f6lkerung konnte sich offenbar nicht mehr dazu entschlie\u00dfen, Parteien zu w\u00e4hlen, die nur noch vorgeben, ihre Interessen zu vertreten. Obama hatte die Bankenkrise von 2008 auf eine Weise \u00bbgel\u00f6st\u00ab, dass von der Erholung lediglich die reichsten Amerikaner, die Wall Street, und die Finanzspekulanten produzierten \u2013 w\u00e4hrend L\u00f6hne weiterhin stagnierten und Arbeitslosigkeitsraten hartn\u00e4ckig hoch blieben. Die zunehmende Konzentration des Reichtums an der Spitze, gekoppelt mit einer Austerit\u00e4tspolitik f\u00fcr die 90 Prozent, wurden insbesondere der Partei, die traditionell die Arbeiterklasse vertrat und sich deren Sorgen annehmen sollte, angelastet. Zwar schnitten die Republikaner in dieser Wahl etwas besser ab, aber die massive Wahlabstinenz signalisierte eine partei\u00fcbergreifende Unzufriedenheit und damit ein Protestpotenzial, das bei der n\u00e4chsten Wahl auch deutlich zutage trat.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den folgenden Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2016 siegte der Au\u00dfenseiter Trump, Protestkandidat der Tea-Party-Bewegung, der die Washingtoner Elite, die Banken und den <em>\u00bbdeep state\u00ab<\/em> heftigst attackiert hatte. Bei den Demokraten zeigte sich die Kraft der Protestw\u00e4hler bei den Primaries, insbesondere bei den <em>Open Primaries<\/em>, wo Bernie Sanders demonstrierte, dass die vernachl\u00e4ssigten Arbeiterklassen sehr wohl f\u00fcr einen Demokraten stimmen konnten. Da jedoch die F\u00fchrung sowie die Wahlstrategen der Demokratischen Partei sich Stimmenzuw\u00e4chse nur von den \u00bbgehobenen Schichten\u00ab versprachen, setzten sie alles daran, Sanders aus dem Rennen zu werfen, und die Demokratische Partei als Partei der herrschenden Eliten zu etablieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch 2020, als Biden zur Wahl stand, \u00e4nderte sich das Profil der W\u00e4hler, die f\u00fcr die Demokraten stimmten, nur geringf\u00fcgig. Wei\u00dfe <em>\u00bbblue collars\u00ab<\/em> bewegten sich zwar wieder etwas auf die Demokraten zu, aber den meisten Zulauf erhielt Biden von Wei\u00dfen mit College-Abschluss \u2013 wobei diese Gewinne durch Verluste bei hispanischen und bei Schwarzen W\u00e4hlern zunichte gemacht wurden. Das deklarierte Ziel von \u00bbBidenomics\u00ab war, die Interessen der arbeitenden Amerikaner zu priorisieren und gleichzeitig die Wunschliste der progressiven W\u00e4hler zu bedienen, um so dem Trumpismus den Boden zu entziehen. Aber w\u00e4hrend Bidens ersten zwei Amtsjahren sanken die Reall\u00f6hne und die Zinsraten schnellten in die H\u00f6he \u2013 ein starker Kontrast zu den steigenden L\u00f6hnen und sinkenden Hypotheken zu Trumps Halbzeit, woran sich die mit steigenden Lebenshaltungskosten konfrontierten Schichten sehr gut erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies trug sicherlich zur niedrigen Wahlbeteiligung sowie zur schwachen Mobilisierung von Stimmen f\u00fcr Kamala Harris 2024 bei. 89 Millionen Menschen, also 35 Prozent der Wahlberechtigten, sahen offenbar ihre Interessen von keiner der beiden Parteien angesprochen. Harris hat \u00fcber 7 Millionen Stimmen weniger als Biden vier Jahre zuvor eingefahren. Und die, die sie mobilisieren konnte, stammten noch weniger aus dem vormaligen demokratisch w\u00e4hlenden Reservoir.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft, die circa 160 Millionen W\u00e4hler, die f\u00fcr eine der beiden herrschenden Parteien votierten, haben \u2013 wie bereits seit 2008 \u2013 ein Ergebnis produziert, bei dem sich Demokraten und Republikaner in fast gleich gro\u00dfen Bl\u00f6cken gegen\u00fcberstehen. Jedes Mal war der Ausgang \u00e4u\u00dferst knapp. Beide Parteien sind also seither sehr nah an der Macht; keiner von beiden ist es bislang gelungen, eine dauerhafte (Regierungs-)Mehrheit zu halten, obwohl eine solche in der amerikanischen Parteiengeschichte eher die Norm war.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sind sich die beiden Parteien sowohl was ihre W\u00e4hlerstruktur als auch ihre Politik selbst angeht, in vielen Dimensionen sehr \u00e4hnlich geworden \u2013 selbst wenn sie sich noch so sehr als Gegens\u00e4tze pr\u00e4sentieren. So hat die Biden-Harris-Regierung eine Reihe politischer Programme aus Trumps erster Amtszeit \u00fcbernommen, von seiner protektionistischen Industriepolitik und den Einfuhrz\u00f6llen bis hin zur restriktiven Immigrationspolitik und Massenabschiebungen. An Trumps Grenzzaun wurde unter Biden ebenfalls weitergebaut. Und vor allem sind sie sich einig in der Unterst\u00fctzung der Finanz- und Tech-Industrien, also von Wall Street und Silicon Valley.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Biden-Regierung hat allerdings auch einige Reformen versucht, die in eine andere Richtung gingen und zum Teil in der Linken gefeiert wurden, wie etwa die Gesetzespakete \u00bbInflation Reduction Act\u00ab und \u00bbCHIPS and Science Act\u00ab. Aufgrund deren Ausgestaltung kamen diese jedoch weit mehr den Unternehmen zugute als den arbeitenden Klassen. Bisweilen stellte Biden sich auf die Seite von Gewerkschaften und sogar Streikenden. Doch in so gravierenden F\u00e4llen wie dem wegen horrend verschlechterter Arbeitsbedingungen angek\u00fcndigten Streik der Eisenbahner 2022 lie\u00df er diese durch ein Streikverbot disziplinieren. Die Ernennung von Lina Khan zur Vorsitzenden der <em>Federal Trade Commission<\/em>, wo sie gegen die Monopolmacht und deren Missbrauch von Firmen wie Facebook und Amazon vorgehen konnte, wurde in der progressiven Community gefeiert; Kamala Harris jedoch lie\u00df \u2013 unter dem Druck von gener\u00f6sen Spendern der Tech-Industrie \u2013 nicht erkennen, dass sie an Khan festhalten w\u00fcrde. Vor allem haben die Demokraten in den vier Jahren, in denen sie an der Regierungsmacht waren, keinerlei wirksame Schritte gegen die wachsende Klassenpolarisierung der amerikanischen Gesellschaft unternommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Oszillieren der beiden Parteien um das 50:50-Patt herum, wo lediglich ein paar hunderttausend Stimmen in den umk\u00e4mpften <em>swing states<\/em> den Ausschlag geben dar\u00fcber, wer im Wei\u00dfen Haus regieren wird, sowie die zunehmende \u00c4hnlichkeit der beiden Parteien was ihre W\u00e4hlerstruktur und auch ihre Programmatik angeht, verweisen darauf, dass die beiden Parteien nicht mehr Vehikel f\u00fcr klar unterscheidbare Interessen sind, sondern eher zwei Varianten autokratischer Herrschaft, die beide im Dienst des Kapitals agieren. Die einen versuchen \u00fcber das rhetorische Bedienen der Sorgen der vom \u00f6konomischen Wandel und der herrschenden Kultur vernachl\u00e4ssigten Gruppen diese einzubinden. Die meisten Kapitalfraktionen schienen bislang st\u00e4rker den Demokraten zugeneigt, doch sie erhielten letztlich von beiden, was sie mit ihren Investitionen (Spenden und <em>\u00bbdark money\u00ab<\/em>) kauften. Sichtbare Differenzen markierten sie eher in kulturellen, aber f\u00fcr ihre Interessen belanglosen Fragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Parteien st\u00fctzen sich auf fragile Koalitionen, deren jeweilige Bestandteile real kaum \u00fcberlappende, sondern eher antagonistische Interessen haben. Ihre abwechselnde (Vor-)Herrschaft in Washington verbessert nichts an den realen Problemen, die die Kandidaten w\u00e4hrend der Wahlkampfphasen durchaus ansprechen. Beide haben den 90 Prozent, die durch die massive Umverteilung von Verm\u00f6gen nach oben verarmt wurden, nichts anzubieten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>II. Die Trump-Koalition und ihre Financiers<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So wie die Republikanische Partei neuerdings eine Koalition aus Arbeiterschaft und Superreichen darstellt, besteht auch die Trump tragende Koalition aus Kapitalgruppen und Gro\u00dfspendern einerseits, und einer aktivierten Basis andererseits, die sich (prim\u00e4r aber nicht nur) aus der wei\u00dfen Arbeiterklasse rekrutiert, sowie aus KMU-Betreibern inklusive Farmern und Angestellten im Privatsektor (<em>white-collar workers<\/em>). Zum Teil stammen aus diesen Schichten auch die Anh\u00e4nger rechter Bewegungen wie die Proud Boys.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die MAGA-Basis<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit seiner nationalistisch orientierten Wirtschaftspolitik spricht Trump, wie bereits 2016, jene Arbeiter- und Mittelklasse-Schichten an, die unter dem Offshoring der Industriejobs litten, und die Migranten als Konkurrenz am Arbeitsmarkt wahrnehmen. Dazu kommen auch diverse Gruppen in h\u00f6heren Schichten, die sich durch den gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Wandel in ihrem Status bedroht sehen. W\u00e4hrend er ihnen jedoch 2016 einen durch <em>public-private<\/em>-Investitionen in die Infrastruktur getriebenen Boom versprach, hat er im Wahlkampf 2024 st\u00e4rker auf kulturelle und religi\u00f6se Abwehrreflexe gesetzt, und so die sozio\u00f6konomischen Ursachen ihrer Sorgen eher kulturalisiert. Die zunehmende Sichtbarkeit des national-konservativen Fl\u00fcgels in der Republikanischen Partei, vor allem seit J.D. Vance als Vizepr\u00e4sident designiert wurde, gab dieser Basis R\u00fcckendeckung, auch wenn dessen national-chauvinistische Versprechen an die Arbeiterklasse sicherlich kaum in konkrete Ma\u00dfnahmen \u00fcbersetzt werden, au\u00dfer in individualisierende, die Wahlfreiheit des einzelnen Arbeiters unterstreichende Programme. Die Motivation der Trump-Anh\u00e4nger blieb ungebrochen, sie betrieben vor allem in den \u00bbroten\u00ab Staaten auf lokaler Ebene exzellentes Organizing, besonders im zivilgesellschaftlichen Alltag.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Kapitalgruppen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die amerikanischen Wirtschaftseliten sind gespalten, und zwar nicht nur zwischen unterschiedlichen sektoralen Interessen, die angesichts struktureller Stagnation um staatliche Unterst\u00fctzung konkurrieren, sondern auch in Bezug auf Freihandel und Protektionismus angesichts der einerseits engen, andererseits agonistischen Beziehung zwischen den USA und China. W\u00e4hrend seiner ersten Amtszeit versch\u00e4rfte Trump diese Interessenskonflikte innerhalb der dominanten Klasse noch, indem er in regelm\u00e4\u00dfigen Attacken auf Social Media Konzerne wie General Motors, Google, Pfizer, Amazon oder Comcast beschimpfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn des Wahlkampfs verteilten sich die kapitalseitigen Spendengelder folglich nach dem Muster der beiden vorherigen Wahlen: Wall Street, Silicon Valley und weitere zentrale Kapitalgruppen konzentrierten ihre Spenden st\u00e4rker auf die Kandidaten der Demokraten als die der Republikaner. Das erm\u00f6glichte Harris (wie vorher Hilary Clinton und Joe Biden), Trump im Wettlauf um das gro\u00dfe Geld weit hinter sich zu lassen. Obwohl Trump den Gro\u00dfkonzernen und den Reichen massivere Steuerk\u00fcrzungen versprach, schien ihr Einstehen f\u00fcr die existierende Ordnung \u2013 im Gegensatz zu Trump, der eine \u00bbgef\u00e4hrliche Herausforderung\u00ab f\u00fcr diese Ordnung darstelle &#8211; zu \u00fcberzeugen. Aber im September\/Oktober begannen einige der gr\u00f6\u00dften Namen der Finanzwelt sich von ihrer anf\u00e4nglichen Unterst\u00fctzung f\u00fcr Kamala Harris zu distanzieren. Medien berichteten, dass die Top-CEOs bei Goldman Sachs und J.P. Morgan, David Solomon and Jamie Dimon, die sich nach Bidens R\u00fcckzug hinter Harris gestellt hatten, zwar nach wie vor Trumps anti-globalistische und populistische Haltung f\u00fcrchten, aber dass sie angesichts des sich in den Umfragen abzeichnenden Patts kalte F\u00fc\u00dfe bek\u00e4men. Denn was ihre Firmen \u00fcberhaupt nicht gebrauchen k\u00f6nnen, w\u00e4re ein ihnen feindlich gesonnener Pr\u00e4sident Trump.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Verschiebungen im kapitalseitigen Sponsoring<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Um zu verstehen, wie dieser Umschwung zustande kam, hilft ein Blick auf die Entwicklung der Parteispenden durch Kapitalgruppen bzw. der Beteiligung an den jeweiligen Partei-Koalitionen differenziert nach Wirtschaftssektoren seit 2016. Noch vor vier Jahren bestanden <em>beide<\/em> Partei-Koalitionen aus Vertretern des Finanz-, Versicherungs- und Immobilienkapitals, doch Silicon Valley stand fast exklusiv auf Seiten der Demokraten und die extraktiven Industrien weitaus st\u00e4rker auf Seiten der Republikaner. Aufgrund seiner Unberechenbarkeit hatte Trump Probleme, mehr finanzstarke Sponsoren zu finden. Erst als Rebeccah Mercer, Direktorin der Mercer Family Foundation, intervenierte, konnte er sein Wahlkampfbudget aufzuf\u00fcllen. Sie kn\u00fcpfte ihre finanzielle Unterst\u00fctzung an die Bedingung, dass Steve Bannon und Kellyanne Conway f\u00fchrende Rollen in der Kampagne \u00fcbernehmen m\u00fcssten. Diese fokussierten den Wahlkampf dann auf die alten Industrieregionen, was wiederum mehr Gelder einbrachte von Firmen in der Stahl- und Kautschukverarbeitung sowie im Maschinenbau und anderen Unternehmen, die sich von protektionistischen Ma\u00dfnahmen Vorteile erhofften.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter Thiel, Mitbegr\u00fcnder von Paypal und des KI- und Datenanalyse-Unternehmens Palantier, trug mehr als eine Million Dollar bei, und auch aus anderen Teilen Silicon Valleys flossen nun gro\u00dfe Summen, unter anderem von Chefs bei Microsoft sowie von Cisco Systems. Interessant war ebenso der Einstieg gro\u00dfer Private-Equity-Firmen, also des Teils der Wall Street, der feindliche \u00dcbernahmen zu einem Gesch\u00e4ftsmodell gemacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Offensichtlich hatte Trump 2016 noch sehr m\u00e4chtige Gegner im kapitalistischen Lager: Nicht nur unter liberal orientierten Bankern und Unternehmern, sondern auch unter Kapitalisten, die traditionell rechte Agenden unterst\u00fctzt haben. Die Koalition, die Trump unter dem Motto \u00bbAmerica First\u00ab 2016 hinter sich vereint hatte, war also \u00e4u\u00dferst instabil und widerspr\u00fcchlich. Sie bestand aus heterogenen Investorenblocks, die wenig gemein hatten au\u00dfer einer starken Abneigung gegen\u00fcber der herrschenden Demokratischen Regierung. 2021 verlor Trump aufgrund des Sturms auf das Kapitol am 6. Januar stark an Glaubw\u00fcrdigkeit in der Gesch\u00e4ftswelt, viele Unternehmer und deren Vereinigungen entzogen ihm seine Unterst\u00fctzung, Facebook und Instagram sperrten seine Accounts.<\/p>\n\n\n\n<p><em>2024: Bedrohung des Kapitalismus durch die Demokraten oder Bedrohung der Demokratie durch Trump?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Kapitol-Sturm prognostizierten viele entweder ein Auseinanderbrechen der Republikanischen Partei oder die Wiederherstellung der alten Allianz zwischen christlichen Evangelikalen und moderaten Wirtschaftskonservativen. Stattdessen gelang es Trump, die Republikanische Partei komplett hinter sich zu bringen. Und nachdem die W\u00e4hler ihm bei den 2024er-Vorwahlen einen \u00fcberw\u00e4ltigenden Erfolg bescherten, machte er den Vertrauensverlust wieder gut. Nach Trumps Wahlsieg titelte das <em>Wall Street Journal<\/em> in Vorfreude auf die versprochenen Steuersenkungen und Deregulierungen: \u00bbDie Wall Street geifert angesichts der Aussicht auf einen neuen Trump-Boom. Die gigantische Rally an der B\u00f6rse am Mittwoch nach der Wahl verhei\u00dft laut Anlegern und Analysten enorme lukrative Chancen\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Zugrunde liegt den nun akzelerierenden Kehrtwendungen bei Finanz- und Tech-Riesen ein schon l\u00e4nger g\u00e4render Unmut \u00fcber Bidens Politik: Denn Bidens Besetzungen der B\u00f6rsenaufsicht (<em>Securities and Exchange Commission<\/em>, SEC) und der <em>Federal Trade Commission<\/em> (FTC) bedeuteten strenge Regeln in Bezug auf Fusionen und \u00dcbernahmen. Die FTC hatte bereits 2020 ein Verfahren gegen Zuckerbergs Meta er\u00f6ffnet, dem sie vorwarf, der Konzern habe mit dem Kauf von WhatsApp und Instagram 2014 potenzielle Konkurrenz ausgeschaltet und sein Monopol beim Betrieb sozialer Netzwerke unrechtm\u00e4\u00dfig aufrechterhalten. Risikokapital-Firmen wiederum reagierten kritisch auf Bidens Ernennung von Gary Gensler zum Vorsitzenden der SEC und von Lina Khan zur Direktorin der FTC. Praktisch jede der gro\u00dfen Tech-Firmen hat entweder Gerichtsverfahren am Hals oder konfrontiert Ermittlungen durch SEC oder FTC. Viele fanden, Bidens <em>\u00bbtechlash\u00ab<\/em> ginge nun eindeutig weit genug und orientierten sich um.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Medien (bis August) noch \u00fcber \u00bbdie bessere Beziehung von Harris zur Wall Street\u00ab titelten, flossen die Spendengelder und Unterst\u00fctzungserkl\u00e4rungen von Wall Street, aus der Tech-Branche und vom Business Roundtable bereits in Richtung Trump \u2013 und zwar gro\u00dfz\u00fcgiger als zuvor. Auch der reichste Mann der Welt, Elon Musk, wechselte nun zu den Gro\u00dfspendern f\u00fcr Trump, dessen Wahlkampf er fast 280 Millionen Dollar zukommen lie\u00df. Er avancierte zu Trumps wichtigstem Berater und prospektiven Leiter des au\u00dferstaatlichen <em>Department of Government Efficiency<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Neu in der republikanischen (diesmal breiter aufgestellten) Koalition sind die beiden j\u00fcngsten Branchen der Tech-Industrie: Kryptow\u00e4hrung und K\u00fcnstliche Intelligenz. Allein die Lobby der Kryptoindustrie gab f\u00fcr diese Bundeswahlen 265 Millionen Dollar aus \u2013 fast so viel wie alle andern Kapitalgruppen zusammen, was ihnen half, mehr als 270 pro-Krypto Kandidaten in den Kongress zu platzieren. Der zentrale Verband der Industrie, die <em>Blockchain Association<\/em>, ver\u00f6ffentlichte noch vor der Wahl im November eine Wunschliste, in der sie ihre Forderungen an die neue Regierung deutlich machte: ein Ende der restriktiven Bankregeln f\u00fcr Krypto-Unternehmen, die Ernennung eines neuen Vorstands der <em>Securities and Exchange Commission<\/em> (SEC), Regulierung durch eine ihnen freundlicher gesonnene Beh\u00f6rde als die FTC, sowie neue Leitungen im Finanzministerium und bei der Steuerbeh\u00f6rde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Trumps Wahlsieg gab es kein Halten mehr. Der Meta-Chef Zuckerberg, der Trump zwei Jahre lang von Facebook verbannt hatte, war schon im Juli mit gro\u00dfem Lob f\u00fcr den Pr\u00e4sidentschaftskandidaten an die \u00d6ffentlichkeit gegangen. Die endg\u00fcltige Vers\u00f6hnung erfolgte sofort nach dem Wahlsieg, als eine Parade von Firmen- und Vorstandschefs nach Mar-a-Lago pilgerte: Neben Zuckerberg machten auch Tim Cook von Apple, Sundar Pichai und Sergey Brin von Google sowie der Amazon-Gr\u00fcnder Jeff Bezos, der sich fr\u00fcher ebenfalls nur kritisch \u00fcber Trump ge\u00e4u\u00dfert hatte, dem neuen \u00bbK\u00f6nig\u00ab ihre Aufwartung. Meta, Amazon, <a href=\"https:\/\/www.wsj.com\/livecoverage\/stock-market-today-dow-sp500-nasdaq-live-12-17-2024\/card\/uber-and-its-ceo-khosrowshahi-each-give-1-million-to-trump-inauguration-ljEyNPvUB6xTr6iA2mpE\">Uber<\/a>, sowie Sam Altman von Open AI und der CEO des AI-Search-Startup <em>Perplexity<\/em> versprachen obendrein je eine Million f\u00fcr die Feierlichkeiten zur Amtseinf\u00fchrung am 20. Januar 2025. Allen erscheint es sinnvoll, sich mit der neuen Regierung gut zu stellen \u2013 wenn nicht aus Profitstreben und einer \u00bbguten amerikanischen Tradition\u00ab heraus, dann aus Furcht vor Trumps uneingeschr\u00e4nkter Macht oder dem Glauben, dass Widerstand zwecklos sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Entsprechend hat Trump nun der Tech- und Krypto-Branche versprochen, ihren Forderungen nachzukommen. Er hat einige ihrer Vertreter auf wichtige Posten platziert \u2013 wie den PayPal-Mitgr\u00fcnder Ken Howery, die beiden Venturecapitalists Scott Kupor und Sriram Krishnan, sowie den Tech-Boss David Sacks, der als \u00bb<em>white house czar<\/em>\u00ab f\u00fcr Krypto und K\u00fcnstliche Intelligenz\u00ab zusammen mit anderen Neu-Besetzungen ein kryptofreundliches <em>policy environment<\/em> schaffen soll. Dazu geh\u00f6rt auch Paul Atkins, der seit langem fordert, auch Krypto-W\u00e4hrungen weniger zu regulieren. Ihn hat Trump zum Vorsitzenden der SEC, also der amerikanischen B\u00f6rsenaufsicht, ernannt \u2013 als Nachfolger des in der Branche unbeliebten Gary Gensler.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>III. Trump 2.0: Vorhaben und Widerspr\u00fcche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die zentralen Versprechen, die Trump auch schon zu seinem ersten Sieg verholfen haben und die er in diesem Wahlkampf intensivierte, entsprechen den breit geteilten (engen) Interessen s\u00e4mtlicher Kapitalgruppen: Noch mehr Deregulierung f\u00fcr Unternehmen und noch massivere Steuersenkungen f\u00fcr Konzerne und Reiche. Bei s\u00e4mtlichen anderen Vorhaben \u2013 ob in der Wirtschafts- und Handelspolitik, bei der Kontrolle der Migration oder beim geplanten Staatsabbau \u2013 herrscht innerhalb seiner Koalition weniger Einigkeit. Es zeigen sich schon jetzt materielle und\/oder ideologische Gegens\u00e4tze, von denen einige im Folgenden kurz beleuchtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Massenabschiebungen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Massenabschiebungen waren <em>das<\/em> Thema, mit dem Trump seine MAGA-Basis mobilisierte. Auch einige Wirtschaftssektoren w\u00fcrden von Trumps \u00bbKrieg gegen die Immigration\u00ab profitieren, insofern Arbeitskr\u00e4fte, die in permanenter Furcht vor einer Abschiebung leben, kaum bereit sind f\u00fcr ihre Rechte zu k\u00e4mpfen. Andererseits w\u00fcrde die Umsetzung dieses Wahlversprechens unabsehbare Kosten verursachen, und auch die Interessen mancher Kapitalgruppen negativ tangieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In manchen Schl\u00fcsselindustrien wie im Baugewerbe, wo fast 14 Prozent der Besch\u00e4ftigten keinen legalen Status haben, sowie im Gastgewerbe und in der Landwirtschaft, w\u00fcrden die Arbeitsm\u00e4rkte zusammenbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der American Immigration Council berechnete f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der Abschiebung von 11 Millionen \u201aPapierlosen\u2018 315 Milliarden Dollar. Selbst die Auswirkungen von Abschiebungen in kleineren Dimensionen auf die amerikanische Wirtschaft w\u00e4ren desastr\u00f6s.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend seiner ersten Amtszeit hat Trump kurzzeitig versucht, die Zahl \u00bbillegal\u00ab in den USA arbeitender Migranten \u00fcber die Arbeitgeberseite zu reduzieren, also mittels Ma\u00dfnahmen wie <em>E-Verify<\/em>, wobei die Unternehmen \u00fcber die Sozialversicherungsnummern ihrer Besch\u00e4ftigten sicherstellen m\u00fcssen, dass tats\u00e4chlich nur solche mit Aufenthaltstiteln bei ihnen arbeiten. Wenn Trump ein solches \u2013 recht aufwendiges &#8211; Programm nicht ausweitet, wird er dieses Wahlversprechen nicht effektiv umsetzen k\u00f6nnen. Ein paar gro\u00df inszenierte PR-Razzien in Betrieben k\u00f6nnten seine Basis kurzfristig in Laune halten, aber den versprochenen Effekt, den die \u00bbAmerica First\u00ab-Gruppen einfordern, w\u00fcrden sie nicht bringen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Z\u00f6lle, Handels- und Industriepolitik<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schon w\u00e4hrend seiner ersten Amtszeit hatte Trump mit dem Freihandels-Mantra gebrochen und mit seinem damaligen Handelsbeauftragten Robert Lighthizer damit begonnen, Handelspolitik zu v\u00f6llig neuen Zwecken zu nutzen: Handel also nicht mehr nur mit dem Ziel, die bestm\u00f6gliche internationale Arbeitsteilung m\u00f6glichst effizient zu nutzen, sondern dar\u00fcber auch diverse andere Zwecke zu realisieren \u2013 wie zum Beispiel die Senkung von Standards bei den Arbeitsbedingungen, das Reshoring verarbeitender Industrien in den mittleren Westen, \u00fcberhaupt die Diversifizierung der \u00f6konomischen Basis der USA. Biden f\u00fchrte Trumps Z\u00f6lle auf bestimmte chinesische Produkte fort, und erh\u00f6hte sie sogar gegen Ende seiner Amtszeit von 25 auf 100 Prozent. Seine Ziele waren, damit nicht nur der chinesischen Exportindustrie einen Stich zu versetzen, sondern auch zur Erf\u00fcllung seiner Klimaziele beizutragen sowie durch den Schutz heimischer E-Auto-Produktion, Halbleiterindustrie und sauberer Energieproduktion industriepolitische Akzente zu setzen. Trump k\u00fcndigte nun an, auf <em>s\u00e4mtliche<\/em> eingef\u00fchrte Waren Z\u00f6lle zu erheben, sogar auf solche aus Mexiko und Kanada, mit denen er selbst 2018 ein Handelsabkommen abgeschlossen hat. Wie unter Biden sollen sie die heimische Produktion f\u00f6rdern, aber sie sollen auch die Handelsbilanzdefizite mit Partnerl\u00e4ndern, vor allem mit China verringern; und sie sollen Geld in die Staatskasse bringen, um das Haushaltsdefizit verschwinden zu lassen, wom\u00f6glich gar die Einkommenssteuern zu ersetzen. Teile der Wall Street jedoch sind in Sorge, dass eine solch harte Zollpolitik Handelskriege ausl\u00f6sen und letztlich zu Preiserh\u00f6hungen f\u00fchren werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Trump und sein designierter Handelsminister Lutnick sich durchsetzen, werden die USA nicht f\u00fcr alle dann teureren Importe auch heimische Ersatzproduktion haben bzw. k\u00f6nnen sie nicht schnell genug ankurbeln. Au\u00dferdem verteuert sich auch die heimische Produktion, wenn Z\u00f6lle die Preise von importierten Vorleistungsg\u00fctern erh\u00f6hen. China sitzt, vor allem was die Materialien betrifft, die in E-Autos und anderen elektronischen Ger\u00e4ten verbaut werden, schlie\u00dflich am l\u00e4ngeren Hebel. Verschiedene Kapitalgruppen sind also sehr unterschiedlich affiziert durch eine solche harte Zollpolitik. Selbst wenn sie sich einigen k\u00f6nnten: Die h\u00f6heren Preise werden auf jeden Fall die Konsumenten treffen \u2013 grade jene, die in der neoliberalen \u00c4ra dank Billiggut aus Fernost bes\u00e4nftigt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Haushaltsdefizit<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Im Steuerjahr 2024 haben die USA netto 882 Milliarden Dollar f\u00fcr Schuldzinsen ausgegeben \u2013 mehr als f\u00fcr das Milit\u00e4r. Durch die Senkung der Unternehmenssteuern wird Trump das Budgetproblem sogar noch verschlimmern. Unter anderem deswegen hat Trump Musk darauf angesetzt, mit einer neuen \u00bbEffizienzkommission\u00ab den Beamtenapparat in Washington zu verschlanken und damit auch das Defizit zu verringern. Musk schwebt vor, zwei Billionen Dollar aus dem 6,75 Billionen Dollar umfassenden Haushalt zu streichen. Die meisten Bundesbesch\u00e4ftigten (drei Millionen) arbeiten direkt oder indirekt f\u00fcr das Verteidigungsministerium. Da sind K\u00fcrzungen aus Gr\u00fcnden der nationalen Sicherheit sowie ideologischen Gr\u00fcnden kaum m\u00f6glich. Die beiden n\u00e4chsten gro\u00dfen Departments sind <em>Veterans\u2019 Affairs<\/em> (mit 400.000) und <em>Homeland Security<\/em> (mit mehr als 200.000 Besch\u00e4ftigten). Auch in diesen Bereichen w\u00fcrden umfangreiche K\u00fcrzungen und Entlassungen bei den Trump-Anh\u00e4ngern nicht gut ankommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bildungsministerium, schon seit Jahren im Visier der Republikaner, hat kaum mehr als 4.000 Mitarbeiter. Sein Budget von 45 Milliarden Dollar wird vor allem an lokale Schulen verteilt, etwa f\u00fcr sonderp\u00e4dagogische Ma\u00dfnahmen. Der Entzug solcher Mittel in benachteiligten l\u00e4ndlichen Regionen, die selbst kein Geld f\u00fcr solche \u00bbLuxus\u00ab-Programme haben, w\u00fcrde wiederum die Trump-Basis entt\u00e4uschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem verschlingen ganz andere Posten den Gro\u00dfteil des Haushalts: Allein die Altersvorsorge und Medicare, die Krankenversicherung f\u00fcr Rentner, kosten den Staat 2,1 Billionen Dollar j\u00e4hrlich. Trump hatte im Wahlkampf versprochen, diese \u00e4u\u00dferst beliebten Programme nicht anzutasten \u2013 doch darauf muss es wohl hinaus laufen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Staatsumbau<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Ma\u00dfnahmen zur Reduktion des Haushaltsdefizits stehen in engem Zusammenhang mit dem vielleicht wichtigsten Vorhaben der neuen Regierung, dem massiven Ab- und Umbau des Staats.<\/p>\n\n\n\n<p>Das 900-seitige <em>Project 2025<\/em> wurde von der Heritage Foundation geleitet, an der Erarbeitung dieses Plans partizipierten mehr als hundert konservative Organisationen. Eine f\u00fchrende Rolle spielte Russell Vought, ein erzchristlicher Nationalist, der bereits in der ersten Trump-Regierung Direktor bzw. Vize-Direktor des <em>Office of Management and Budget<\/em> (OMB) war und danach das <em>Center for Renewing America <\/em>gr\u00fcndete. Er hat sich dem Ziel verschrieben, den <em>\u00bbadministrative state\u00ab<\/em> mitsamt seinen zigtausenden Beamten abzuschaffen \u2013 und wird dies als neuer Chef des OMB umzusetzen versuchen. Das Amt gibt ihm schlie\u00dflich die M\u00f6glichkeit \u00bballes zu finanzieren, was wir m\u00f6gen, und alles zu streichen, was wir nicht m\u00f6gen\u201c. S\u00e4mtliche administrativen Funktionen sollen von der Bundesregierung nach unten, auf einzelstaatliche und County-Ebenen \u00fcbertragen werden. Ganze Ministerien und Beh\u00f6rden sollen aufgel\u00f6st werden &#8211; insbesondere das Justiz- und Bildungsministerium, das FBI, und die Umweltschutzbeh\u00f6rde EPA. Mit diesem extremen Schrumpfungskonzept steht der libert\u00e4re Fl\u00fcgel innerhalb Trumps Koalition potenziell im Widerspruch zur Wall-Street-Fraktion, denen die Erzielung h\u00f6chster Renditen weitaus wichtiger als die Verschlankung des Staats ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Umsetzung des <em>Project 2025<\/em> \u2013 und darauf ist das neue Team um Trump dieses Mal bestens vorbereitet \u2013 impliziert nicht nur K\u00fcrzungen einzelner Programme, sondern auch die Demontage einer Vielzahl staatlicher Funktionen und die St\u00e4rkung der Exekutive. Dieser Umbau soll insbesondere auf zwei Wegen umgesetzt werden: Erstens mit der Umwandlung von Karrierebeamten in nach politischen Kriterien Berufene. Das hei\u00dft, k\u00fcnftig werden statt Ingenieuren, \u00c4rzten und sonstigen Professionellen dort politisch loyale Leute ohne fachliche oder juristische Expertise arbeiten. Das betr\u00e4fe etwa 50.000 der mehrere Millionen umfassenden Karrierebeamten, die aufgrund ihrer mangelnden Kompetenzen tats\u00e4chlich Chaos anrichten k\u00f6nnten. Zweitens durch die Erm\u00e4chtigung der Exekutive, mittels Aufhebung des <em>Impoundment Control Act von 1974<\/em>, werden die den Haushalt betreffenden legislativen Prozesse ausgehebelt, sodass die Exekutive eigenst\u00e4ndig, unabh\u00e4ngig vom Kongress, \u00fcber Ausgaben verf\u00fcgen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Eingesetzt um den Abbau zu organisieren und \u00bb\u00fcberfl\u00fcssige\u00ab Programme zu streichen, hat Trump Elon Musk, der ein au\u00dferhalb der Regierung angesiedeltes <em>Department of Government Efficiency<\/em> (DOGE), also ein informelles Beratungsgremium ohne eindeutig geregelte Kompetenzen leiten sollen. W\u00fcrde er eine offizielle Regierungst\u00e4tigkeit \u00fcbernehmen, m\u00fcsste er sich von seinen Firmen zur\u00fcckziehen, d\u00fcrfte dort also weder eine F\u00fchrungsposition innehaben noch von seinen Investitionen profitieren. Im Fall von Musk hat das Verschwimmen von enormer privater und politischer Macht neue Dimensionen erreicht. Sein E-Auto-Konzern Tesla profitiert von hohen staatlichen Subventionen, sein Erfolg als Unternehmer h\u00e4ngt eng von der Klima- und Zollpolitik ab. Sein Raumfahrtunternehmen SpaceX lebt von Regierungsauftr\u00e4gen. Seine diversen Firmen haben in den letzten 16 Jahren Auftr\u00e4ge im Wert von mehr als 20 Milliarden Dollar aus unterschiedlichen Ministerien erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb von Trumps Regierungsteam zeichnen sich bereits jetzt Spannungen ab. Das generelle Ziel von B\u00fcrokratieabbau wird zwar einhellig unterst\u00fctzt, aber es steht auch in Widerspruch zu Trumps Pl\u00e4nen f\u00fcr harte Z\u00f6lle und eine restriktive Migrationspolitik sowie zu den Forderungen so mancher Gro\u00dfkonzerne in der Pharmaindustrie oder in der Landwirtschaft, die stark von umfangreichen staatlichen Subventionen f\u00fcr ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen abh\u00e4ngig sind. Nicht zuletzt steht es in Widerspruch zu den Erwartungen der Basis, die sich eine familien- und arbeitnehmerfreundliche Politik Washingtons erhofft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die sich abzeichnende Transformation des US-amerikanischen Staatsapparats w\u00fcrde uns in ein anderes System katapultieren, zweifellos ein kapitalistisches, das nach wie vor einige neoliberale Z\u00fcge tr\u00e4gt (z.B. Deregulierung) \u2013 aber eben auch durch fundamental neue, chaotisch-autorit\u00e4re Merkmale gezeichnet w\u00e4re. Es gibt keine Anzeichen f\u00fcr einen aus den Kapitalfraktionen hervorgehenden koh\u00e4renten pro-MAGA-Block, aber sehr wohl Indizien, dass der neoliberale Konsens der amerikanischen herrschenden Klasse weiter erodiert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide politischen Parteien sind kapitalh\u00f6rig, wobei sich die demokratische Partei eher zur Schaffung \u00fcbergeordneter g\u00fcnstiger Voraussetzungen f\u00fcr das Prosperieren des US-Kapitals anbietet. Die Republikaner dagegen bedienen eher das engere Interesse des Kapitals an der Sicherung maximaler Renditen (indem sie versprechen, den Steuersatz f\u00fcr Konzerne zu senken oder die \u00d6l- und Gasproduktion zu steigern). Mit dieser \u201aArbeitsteilung\u2018 sowie mit ihren jeweiligen ideologischen Schwerpunktsetzungen verprellen die Parteien jeweils auch bestimmte Kapitalgruppen. Offenbar meinen zurzeit gewichtige Teile der kapitalistischen Fraktionen, dass sie die Sicherung der Rahmenbedingungen f\u00fcr ihr Prosperieren gerade nicht so sehr ben\u00f6tigen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Margit Mayer lehrte an der FU Berlin nordamerikanische und vergleichende Politikwissenschaft.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Der vorliegende Beitrag ist die gek\u00fcrzte Fassung eines Artikels, der in der Zeitschrift PROKLA &nbsp;218, Jg.55, Nr.1 im M\u00e4rz 2025 erscheinen wird.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Margit Mayer<\/p>\n<p>Vor der Amtseinf\u00fchrung von Donald Trump kursierten vielerlei, h\u00f6chst unterschiedliche Szenarien dar\u00fcber, wie sich die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft der USA unter seiner Pr\u00e4sidentschaft entwickeln k\u00f6nnten \u2013 von Horrorszenarien bis hin zu zivilgesellschaftlichen Wundern. Auch mit sozialwissenschaftlichen Methoden lassen sich nur bedingt Vorhersagen dar\u00fcber machen, wie sich das amerikanische Parteiensystem, die Politik der Trump-Vance-Regierung oder die Stellung der USA in der gegenw\u00e4rtigen spannungsgeladenen und dynamischen geopolitischen Situation entwickeln werden. In diesem Aufsatz beschreibe ich zentrale Voraussetzungen, ohne die eine solche Analyse nicht auskommen wird, n\u00e4mlich die materiellen Interessen der involvierten Akteure in ihrem historischen Kontext.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[21,10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/825"}],"collection":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=825"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/825\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":826,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/825\/revisions\/826"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=825"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=825"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=825"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}