{"id":853,"date":"2025-05-27T17:26:36","date_gmt":"2025-05-27T15:26:36","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=853"},"modified":"2025-05-27T17:26:36","modified_gmt":"2025-05-27T15:26:36","slug":"das-zeitalter-der-rackets","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=853","title":{"rendered":"Das Zeitalter der Rackets[*]"},"content":{"rendered":"\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Kai Lindemann<\/h5>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ol><\/ol>\n\n\n\n<p>1 Herrschaftskritik im 21. Jahrhundert<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt Zeiten da zeigt die herrschende Klasse ihr wahres Gesicht, wenn ihre radikalen Klassenfraktionen auf repr\u00e4sentativer Ebene sichtbar werden. Sie wirken selbstgerecht, arrogant, gierig, opportun, gewaltt\u00e4tig und verlogen. Das kann durchaus als <em>Charakterzug<\/em> der gegenw\u00e4rtigen Produktionsweise gelten, verr\u00e4t damit aber noch nichts \u00fcber die Legitimit\u00e4t und Praxis dieser Herrschaft. Mit Donald Trump und Javier Milei haben zwei rechtslibert\u00e4re Protagonisten die politische B\u00fchne betreten, die ganz offen und unverhohlen das neoliberale Programm zu voller Geltung bringen wollen. Damit haben sie Erfolg, weil sie sich von der \u201eHeuchelei\u201c des neoliberalen Mainstreams absetzen k\u00f6nnen.<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Sie l\u00fcgen offensichtlich und manifestieren die Legitimit\u00e4t der Unwahrheit. Wir sind im Zeitalter der Gegenaufkl\u00e4rung angekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Rechtslibert\u00e4ren sind indes nichts anderes als eine plakative Reaktion auf die (a)politischen Repr\u00e4sentationen vor ihnen. Ihre unternehmerischen Pr\u00e4missen sind dieselben. Hiervon lenkt oft der \u201eRattenf\u00e4nger-Begriff\u201c Populismus ab. Schon allein anhand der besonderen Rolle, die Rechtslibert\u00e4re gegen\u00fcber den herrschenden Klassen besitzen, wird ersichtlich, dass sie vielmehr \u201eDissidenten der herrschenden Klasse\u201c sind. Sie machen dasselbe, nur anders. Berlusconi hat ihnen vorgemacht, wie man damit Erfolg hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Seit Jahrzehnten werden uns Ph\u00e4nomene vorgef\u00fchrt, die zu dieser Regierungsform f\u00fchrten: Korruption \u00fcber Steuerparadiese und Cum Ex-Gesch\u00e4fte, extreme Ungleichheit, <em>failed States<\/em> undMilliard\u00e4re, die Staaten imitieren wollen \u2013 also nicht Staaten, die vom Kapital dominiert werden, sondern Kapital, das zunehmend zum Staat wird.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Die fortschreitende Privatisierung gesellschaftlicher Aufgaben ist der Treiber dieser Entwicklungen. Private Sicherheitsdienste, Privatarmeen, Private Wohnsiedlungen der <em>Gated Communities<\/em>, B\u00fcrgerwehren und <em>No-Go-Areas<\/em> stellen die staatlichen Exekutivfunktionen in Frage. Unternehmerische Selbstverpflichtungen verhindern gesetzliche Regulierungen; personelle Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft \u00fcber die \u201eRevolving Door\u201c<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a>, ausufernder Lobbyeinfluss und geduldeter Steuerbetrug stellen legislative Steuerungsfunktionen in Frage. Hinzu kommen private Schiedsgerichte und private Medienmacht. Im Rechtslibertarismus gelten nur zwei Rechte, die von keinem Menschenrecht eingeschr\u00e4nkt werden sollen: Es sind die Eigentums- und Vertragsrechte, wie Katharina Pistor es pr\u00e4zise herausgearbeitet hat.<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Zugleich hat die linke Kritik und Analyse die herrschenden Klassen, zumindest seit <em>Occupy Wallstreet,<\/em> v\u00f6llig aus den Augen verloren, obwohl der Reichtum, der Einfluss und die feudale Abkopplung der Kapitalfraktionen immer st\u00e4rker zugenommen haben. Stattdessen werden v\u00f6llig isoliert vom Kapitalverh\u00e4ltnis die abh\u00e4ngigen Klassen betrachtet<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. Vielleicht ist es deswegen nicht verwunderlich, dass sowohl die deutsche Linkspartei, als auch Bernie Sanders und die Gewerkschaften in vielen westlichen L\u00e4ndern die un-materialistischen Begriffe <em>Elite<\/em> und <em>Oligarchie<\/em> verwenden. Schon zuvor wurden gerne ambivalente, mikropolitische Begriffe wie <em>Identit\u00e4t<\/em> und <em>Individuum<\/em> als Grundlage f\u00fcr Emanzipationsbestrebungen genutzt. Kapitalismuskritik wird damit nicht mehr pr\u00e4zise adressiert und schon gar nicht Herrschaftskritik.<\/p>\n\n\n\n<p>In Zeiten des Aufkommens eines neuen Faschismus sind diese Defizite umso problematischer. Schon w\u00e4hrend der ersten faschistischen Welle in den zwanziger und drei\u00dfiger Jahren des letzten Jahrhunderts stand Kritik und Analyse vor \u00e4hnlichen Herausforderungen. Die Klassentheorie schien nicht mehr plausibel. Das exilierte Institut f\u00fcr Sozialforschung nahm sich dieser Herausforderung an und entwickelte daraufhin den Torso-haften Racketbegriff. Ihm lag Horkheimers Diagnose zugrunde:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNicht einbrechende Gangster haben in Deutschland die Herrschaft \u00fcber die Gesellschaft sich angema\u00dft, sondern die gesellschaftliche Herrschaft geht aus ihrem eigenen \u00f6konomischen Prinzip heraus in die Gangsterherrschaft \u00fcber.\u201c<a href=\"#_ftn6\" id=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>2 Der Racketbegriff<\/p>\n\n\n\n<p>2.1 Grundintentionen des Racketbegriffs der Frankfurter Schule<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wort \u201eRacket\u201c ist ein schillerndes Wort. Es bezeichnet sowohl Tennisschl\u00e4ger, als auch verruchte Jobs. Racket meint urspr\u00fcnglich den Zustand der Schutzgelderpressung beziehungsweise die Gruppe, die Schutzgeld erpresst. Die Bezeichnung wird in den USA f\u00fcr illegale Jobs verwendet. Rackets wurden in vielen amerikanischen Studien zum H\u00f6hepunkt des <em>Labor Racketeering <\/em>in den drei\u00dfiger Jahren des letzten Jahrhunderts erw\u00e4hnt.<a href=\"#_ftn7\" id=\"_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die zugespitzte Doppeldeutigkeit, der widerspr\u00fcchliche Klassenbezug und die Analogien zu historischen Formen der Staatlichkeit machen den Begriff f\u00fcr die Herrschaftsanalyse attraktiv. Der <em>Racketeer<\/em> ist der Prinzipal und das <em>Racketeering<\/em> die Aus\u00fcbung seiner Herrschaft. Der Zustand des Klassenkampfs im Faschismus war f\u00fcr Horkheimer der zentrale Beweggrund, die Ursache f\u00fcr die ausbleibende politische Emanzipation in der Herrschaftspraxis zu suchen. So konstatiert er in einem Brief Anfang 1943 an Grossmann:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEigentlich geht es um die Dialektik der Legitimit\u00e4t, (\u2026) inwiefern die Klasse schon immer ein Inbegriff von Rackets war, bedeutet nichts anderes als den Nachweis erbringen, dass die Allgemeinheit des Rechts in dieser Gesellschaft in steigendem Ma\u00df in der Unmittelbarkeit der Herrschaft untergeht, als deren Rationalisierung seit je sie fungiert hatte. (\u2026) Eine Frage wie die vom &gt;Einfluss der Rackets&lt;, zum Beispiel auf die alten Institutionen der europ\u00e4ischen Demokratie, ist dem gegen\u00fcber sekund\u00e4r, denn die Rackets sollen ja nicht als eine Macht jenseits des Systems sondern als die eigentlich bestimmende Form der Klassenherrschaft selber erscheinen.\u201c<a href=\"#_ftn8\" id=\"_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In den klassentheoretischen Vorarbeiten zur <em>Dialektik der Aufkl\u00e4rung<\/em> nahm der Racket-Begriff seinen zentralen Stellenwert ein. Er wurde erstmals in dem unver\u00f6ffentlichten Text <em>Die Rackets und der Geist <\/em>von 1939\/40 erw\u00e4hnt.<a href=\"#_ftn9\" id=\"_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> In diesem Ursprungstext versucht Horkheimer in suggestiver Art die Zielrichtung des Begriffs festzulegen, um ihn sp\u00e4ter in das geschichtsphilosophische Konzept der <em>Dialektik der Aufkl\u00e4rung<\/em> zu integrieren. <em>Die Rackets und der Geist<\/em> ist der wohl bedeutendste \u201eRackettext\u201c, der als Forschungsprogramm zur Analyse von Herrschaft und Gewalt gelesen werden kann.<a href=\"#_ftn10\" id=\"_ftnref10\">[10]<\/a> In <em>Zur Soziologie der Klassenverh\u00e4ltnisse<\/em> und den <em>Reflexionen zur Klassentheorie<\/em>, die vorerst nicht zur Ver\u00f6ffentlichung gedacht waren, wird der Klassenbegriff um Racket-Kategorien erweitert, was zu einer begrifflichen Relativierung des Klassenkampfs f\u00fchrt. Damit wird eine Reformulierung des materialistischen Herrschaftskonzepts, wie es in der Geschichtsphilosophie der <em>Dialektik der Aufkl\u00e4rung<\/em> ausf\u00fchrlicher dargelegt ist, schon angedeutet. Horkheimer haderte mit der \u201eMetaphysik des historischen Materialismus\u201c. Er sah Marx falsch verstanden, wenn vom materiellen Sein auf das wahre Bewusstsein geschlossen wird, ohne die \u201ekomplizierende Rolle der psychischen Zwischenglieder\u201c zu ber\u00fccksichtigen. Noch 1968 konstatierte Horkheimer, \u201edass die Lehre von Marx und Engels noch immer unerl\u00e4sslich zum Verst\u00e4ndnis gesellschaftlicher Dynamik sei, f\u00fcr die Erkl\u00e4rung der inneren und \u00e4u\u00dferen Verh\u00e4ltnisse der Nationen in der Gegenwart reiche sie aber nicht mehr aus.\u201c<a href=\"#_ftn11\" id=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ihn stand in der Marx-Rezeption vielmehr im Vordergrund:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMarx hat nicht gesehen, da\u00df die Scheidung Proletariat \u2013 herrschende Klasse eine Theorie der letzteren ist.\u201c<a href=\"#_ftn12\" id=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der Racketbegriff sollte \u00fcber die \u201epolitische Praxis der herrschenden Klassen\u201c ihr Verh\u00e4ltnis zu den abh\u00e4ngigen Klassen kl\u00e4ren. In diesem dialektischen Verh\u00e4ltnis bewegen sich die abh\u00e4ngigen Klassen zwischen Unterwerfung und Widerspenstigkeit. Es gibt Zeiten wie die unseren, in denen die Ideologien der Unterwerfung mit archaischen Mustern der Leistungsgesellschaft stabilisiert werden. Diese Strategien werden untermauert durch die strukturelle Spaltung und Hierarchisierung der abh\u00e4ngigen Klassen in diverse Arten von \u201eKasten\u201c<a href=\"#_ftn13\" id=\"_ftnref13\">[13]<\/a>, womit ihre Gerechtigkeitsanspr\u00fcche durch die Verw\u00e4sserung unterschiedlicher Referenzpunkte neutralisiert sind. Diese Annahmen f\u00fchrten Horkheimer und Adorno zur theoretischen Relativierung des Klassenkampfs, der sich zur \u201eKlassenanpassung und in Kriege umgewandelt\u201c<a href=\"#_ftn14\" id=\"_ftnref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> habe. Der eigentlich ausbeuterische Klassenantagonismus h\u00e4tte sich damit auf die internationale Ebene als Kampf zwischen verschiedenen Rackets verschoben.<a href=\"#_ftn15\" id=\"_ftnref15\"><sup>[15]<\/sup><\/a> Die Gewerkschaften, so hei\u00dft es bei Horkheimer, \u201ehaben es gelernt, gesellschaftliche Ungerechtigkeit \u2013 selbst Ungleichheit innerhalb ihrer eigenen Gruppe \u2013 als m\u00e4chtige Tatsache hinzunehmen und m\u00e4chtige Tatsachen als das einzige anzusehen, was zu respektieren ist.\u201c<a href=\"#_ftn16\" id=\"_ftnref16\"><sup>[16]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Adorno bringt diesen zentralen Aspekt der Anpassung in seinen Racketausf\u00fchrungen mit der scheinbaren Identit\u00e4t der Interessen ausgebeuteter Klassen mit denen ihrer Ausbeuter auf den Punkt, als wenn er die neuzeitliche Propaganda des \u201e<em>Trickle-Down-Effekts<\/em>\u201c geahnt h\u00e4tte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Interessengleichheit reduziert sich auf die Partizipation an der Beute der Gro\u00dfen, die gew\u00e4hrt wird, wenn alle Eigent\u00fcmer den Gro\u00dfen das Prinzip souver\u00e4nen Eigentums zugestehen, das jenen ihre Macht und deren erweiterte Reproduktion garantiert: die Klasse als ganze mu\u00df zur \u00e4u\u00dfersten Hingabe ans Prinzip des Eigentums bereit sein, das sich real vorab aufs Eigentum der Gro\u00dfen bezieht.\u201c<a href=\"#_ftn17\" id=\"_ftnref17\"><sup>[17]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Mitglied eines Rackets zu werden, w\u00e4re ein \u201ematerielles Interesse aller Individuen\u201c geworden. Die Lohnarbeiter nehmen dabei ihre Stellung in den Produktionsverh\u00e4ltnissen als dasselbe Naturereignis hin, wie sie die Eigentumsrechte ausnahmslos anerkennen. Der Racket-Begriff besitzt damit im Gegensatz zum Elitebegriff einen sozialen Bezug zur herrschenden Klasse und den Klassenverh\u00e4ltnissen. Rackets wollen den Klassenkonflikt verdecken, entsch\u00e4rfen und in ihre Praxis integrieren. Sie wollen die abh\u00e4ngigen Klassen zu Komplizen machen, was sie zweifellos nur k\u00f6nnen, wenn sie ihren \u201eKlassenkampf von oben\u201c schon so gut wie gewonnen haben, wie in heutigen Zeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der liberale Staat der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft und seine tempor\u00e4r faschistisch-bonapartistischen Sonderformen sind f\u00fcr moderne Rackets zweifellos vorteilhafte Herrschaftsformen. Hier k\u00f6nnen Rackets weitaus flexibler ihre Souver\u00e4nit\u00e4tsr\u00e4ume entwickeln und verwalten. Jedoch schr\u00e4nken autorit\u00e4re Regime die Weltmarktf\u00e4higkeit und die Innovationsbereitschaft der unternehmerischen Rackets ein, wodurch ihre Existenz gef\u00e4hrdet sein kann, wie wir es schon heute f\u00fcr die USA erahnen k\u00f6nnen. Insofern ist die Frage nach den Grundlagen liberaler oder autorit\u00e4rer Regime immer eine strategische Frage nach der Dominanz jeweiliger Rackets oder Kapitalfraktionen, die im jeweiligen System bessere Handlungs- und Entwicklungsspielr\u00e4ume entfalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung der Herrschaftsdynamik ist nicht nur f\u00fcr Horkheimers Racket-Fragmente, sondern insgesamt f\u00fcr die soziologischen Studien der kritischen Theorie zentral.<a href=\"#_ftn18\" id=\"_ftnref18\"><sup>[18]<\/sup><\/a> Statik und Dynamik werden in einem dialektischen Verh\u00e4ltnis gedacht. Sie sind f\u00fcr die Kontinuit\u00e4t der hegemonialen, liberal-kapitalistischen Ideologie von gro\u00dfer Bedeutung. Horkheimer beschreibt Ende der sechziger Jahre diese zentralen Eigenschaften anhand der unterschiedlichen Machtbl\u00f6cke im \u201eKalten Krieg\u201c. Er vergleicht die dynamische Racket-Struktur von Arbeit, Kapital und Staat im Westen mit der undynamischen, monolithischen Struktur des Ostens, \u201ewenngleich die im Osten herrschenden Rackets in ihrer wenig entwickelten Wirklichkeit so viel geringere Sicherheit genie\u00dfen als die des kapitalistischen Westens, (&#8230;).\u201c<a href=\"#_ftn19\" id=\"_ftnref19\"><sup>[19]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Insofern ist die Erstarrung \u201ekorrupter Rackets\u201c in den rechtslibert\u00e4ren oder auch staatskapitalistischen Autokratien der Welt immer durch eine ged\u00e4mpfte politisch-\u00f6konomische Dynamik gef\u00e4hrdet. Das Racket ist nur sekund\u00e4r ein Strukturbegriff, weil konkret definierte Strukturen der Dynamik von Herrschaft nicht gerecht werden. Klassenanalysen beschr\u00e4nken sich oft auf Strukturen der abh\u00e4ngigen Klassen. \u201eDiese angeborenen Defekte der Theorie k\u00f6nnten dazu beitragen, zu erkl\u00e4ren, warum heutige Klassenanalysen sich so verbissen auf die Analyse der Klassenstrukturen konzentrieren und das Feld des Klassenhandelns meiden.\u201c<a href=\"#_ftn20\" id=\"_ftnref20\">[20]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Horkheimer ist Herrschaftspraxis immer eine \u201eVerschw\u00f6rung gegen den Geist\u201c, dabei geht es ihm weder um Personen, noch Strukturen, sondern vielmehr im hegelianischen Sinne um das Herr-Knecht-Verh\u00e4ltnis.<a href=\"#_ftn21\" id=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Der reine Verschw\u00f6rungscharakter des Rackets, als auch das Streben nach einer Entpolitisierung ist in der Gangsterbande angelegt:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Verbrecher repr\u00e4sentiert das unrationellere, primitivere Racket gegen\u00fcber dem vom Staat gesch\u00fctzten Klassenmonopol. Sein Beruf weist auf fr\u00fch- und vorb\u00fcrgerliche Formen der Herrschaft zur\u00fcck; sie wuchern als Mafia und Camorra verachtet in der Gegenwart wie gest\u00fcrzte Gottheiten, die vor der neuen Religion zu d\u00e4monischen M\u00e4chten geworden sind.\u201c<a href=\"#_ftn22\" id=\"_ftnref22\"><sup>[22]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>2.2 Aspekte zur Reformulierung des Racket-Begriffs<\/p>\n\n\n\n<p>Eines der grundlegenden Defizite der Racketausf\u00fchrungen der kritischen Theorie ist die geringe Begriffsbestimmung von Gruppen, Kollektiven und deren Abgrenzung zum Herrschaftscharakter der Rackets, denn nicht jede Gruppe, nicht jedes Kollektiv hat einen racketm\u00e4\u00dfigen Herrschaftscharakter nach innen oder au\u00dfen. Allerdings impliziert Horkheimers Begriff des \u201everlorenen Individuums\u201c als Opfer der Rackets eine Gleichsetzung von Masse und Individuum im gesellschaftlichen Kontext, angelehnt an die Ausf\u00fchrungen von Gustave le Bon<a href=\"#_ftn23\" id=\"_ftnref23\">[23]<\/a> und begr\u00fcndet damit eine klare Entgegensetzung zum Kollektiv. Kollektive wie Parteien, Kirchen und Gewerkschaften bilden den interessenpolitischen Vermittlungscharakter zwischen Gesellschaft und Politik. Individuen und Massen sind im politischen Feld ohne diesen Vermittlungscharakter \u201everloren\u201c. Sie m\u00fcssen sich ihre soziale Anerkennung notfalls als Racket imaginieren. In der <em>Minima Moralia<\/em> spricht Adorno diesen psychologischen Kontext am ausf\u00fchrlichsten an:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWenn wirklich, wie eine zeitgen\u00f6ssische Theorie lehrt, die Gesellschaft eine von Rackets ist, dann ist deren treuestes Modell gerade das Gegenteil des Kollektivs, n\u00e4mlich das Individuum als Monade. An der Verfolgung der absolut partikularen Interessen des je Einzelnen l\u00e4\u00dft sich das Wesen der Kollektive in der falschen Gesellschaft am genauesten studieren, und wenig fehlt, da\u00df man die Organisation der auseinander weisenden Triebe unter dem Primat des realit\u00e4tsgerechten Ichs von Anbeginn als eine verinnerlichte R\u00e4uberbande mit F\u00fchrung, Gefolgschaft, Zeremonial, Treueid, Treubruch, Interessenkonflikten, Intrigen, und allem anderen Zubeh\u00f6r aufzufassen hat. Man mu\u00df nur einmal Regungen beobachten, in denen das Individuum energisch gegen die Umwelt sich geltend macht, wie etwa Wut. Der W\u00fctende erscheint stets als der Bandenf\u00fchrer seiner selbst, der seinem Unbewu\u00dften den Befehl erteilt, dreinzuschlagen, und aus dessen Augen die Genugtuung leuchtet, f\u00fcr die vielen zu sprechen, die er selber ist. Je mehr einer die Sache seiner Aggression auf sich selbst gestellt hat, um so vollkommener repr\u00e4sentiert er das unterdr\u00fcckende Prinzip der Gesellschaft. In diesem Sinn mehr vielleicht als in jedem anderen gilt der Satz, das Individuellste ist das Allgemeinste.\u201c<a href=\"#_ftn24\" id=\"_ftnref24\"><sup>[24]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Masse ist nicht das Kollektiv, die Masse ist der Ort, in dem das Individuum zur Monade wird. Deshalb ist das demokratische Kollektiv die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr das Racket. Es ist der Ort, in dem das Individuum die \u201ewahre Demokratie\u201c w\u00e4hlen kann und politisch ist. Im Anti-Kollektivismus der Rechtslibert\u00e4ren treffen sich Racket-Praxis und Neoliberalismus. Der Kampf gegen Kollektive ist nichts neues, doch gegenw\u00e4rtig weit vorangeschritten. Denn die Vereinigungsfreiheit war das letzte Menschenrecht, dass in den europ\u00e4ischen Demokratien garantiert wurde. Kollektive waren schon immer eine Gefahr f\u00fcr unternehmerische Freiheit, f\u00fcr den \u201eHerr im Haus-Standpunkt\u201c. Die heutige von Rechtslibert\u00e4ren oft verwendete und auf Ayn Rand<a href=\"#_ftn25\" id=\"_ftnref25\">[25]<\/a> zur\u00fcckzuf\u00fchrende Gleichsetzung von Faschismus und Kommunismus beruht auf diesem Anti-Kollektivismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Faschismus ist aber keine geschlossene Theorie. Er sucht damals wie heute nach Anschlussf\u00e4higkeit an die hegemonialen gesellschaftlichen Bedingungen. Das waren damals die gro\u00dfen sozialen Kollektive, so wie es heute die Dominanz des Individualismus ist. Treffen tun sich beide Faschismusformen im Sicherheitsstaat bzw. der heutigen \u201eStaatsfaschisierung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute m\u00fcssen weder Donald Trump, noch Javier Milei Ersatzkollektive f\u00fcr abh\u00e4ngige Klassen bilden, wie im Faschismus des 20. Jahrhunderts. Denn heute ist eine Masse, eine Gesellschaft aus \u201everlorenen Individuen\u201c, aus den propagierten <em>Foundern<\/em> und <em>Entrepreneurs<\/em> viel besser zu beherrschen. Der \u201eKlassenkampf von oben\u201c gilt als gewonnen, weil die Gewerkschaften ihre Mobilisierungsf\u00e4higkeit eingeb\u00fc\u00dft haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beutegemeinschaft ist die \u201ezweite Natur\u201c der Klasse im dialektischen Herrschaftsmuster Horkheimers. Es ist die grundlegende Kontingenz kapitalistischer Herrschaft. Das hei\u00dft, Beutegemeinschaften sind nicht \u00fcberall existent, aber \u00fcberall m\u00f6glich. In diesem dialektischen Muster ist der Klassenbegriff von Horkheimer und Adorno nicht vollkommen gekl\u00e4rt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Kritik der liberalen Gesellschaft kann vor dem Klassenbegriff nicht Halt machen, der so wahr und unwahr ist wie das System des Liberalismus.\u201c<a href=\"#_ftn26\" id=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201eKlasse als Racket\u201c impliziert ein Verh\u00e4ltnis zur Herrschaft ebenso wie zur Beute. Horkheimer spricht von der \u201ePartizipation an der Beute\u201c. Die Beutegemeinschaft, als entpolitisierter Raum, ist auf diese \u201eKnecht-Position\u201c zur\u00fcckgeworfen.<a href=\"#_ftn27\" id=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Die \u201ezweite Natur\u201c kann allerdings jederzeit brechen und Widerspenstigkeit als Klassencharakter tritt hervor. Betriebsgewerkschaften, Managergilden der Beratungsindustrie, aber auch Aktion\u00e4re sind einige Beispiele von Beutegemeinschaften, die sich in einem Racketverh\u00e4ltnis befinden. Die gr\u00f6\u00dfte konstruierte und immer nur als Idealbild der herrschenden Klassen propagierte Beutegemeinschaft ist die Mittelschicht. Sie ist ein politisch amorphes Gebilde, in dem die Trends der Unterwerfung in der Leistungsgesellschaft ablesbar sind. Wenn sie ihre Loyalit\u00e4t mit den etablierten Rackets aufk\u00fcndigt, wie wir es in den USA nach dem Abstieg der unteren Mittelschicht und der Hinwendung zum Dissidenten-Racket Donald Trumps gesehen haben, kann man diesen W\u00e4hlerschichten viele Ressentiments vorwerfen, aber Populismus scheint wohl \u00e4u\u00dferst unpassend f\u00fcr den Wechsel von einem Racket zum anderen Racket.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Analyse der Praxis der herrschenden Klassen macht ihre strategischen R\u00e4ume sichtbar. Nichts bietet hierf\u00fcr mehr Einblicke, als Korruptions- und Betrugsskandale, die <em>Leaks<\/em> der Steuerparadiese, die Wechsel von der Politik in die Wirtschaft und umgekehrt, die Verhinderungstaktiken zur Eind\u00e4mmung sozialer Ungleichheit. Es m\u00fcssen nicht allein diese Skandale sein. Es k\u00f6nnen auch offensichtliche Mafiastrukturen in den Staatsapparaten sein. Deshalb besitzt der Racket-Begriff seine empirische Evidenz in Studien \u00fcber L\u00e4nder mit vereinnahmten Staatsgebilden (vor allem Lateinamerika, Afrika). Zwangsl\u00e4ufig impliziert er dort einen personalen Verschw\u00f6rungscharakter der regierenden Rackets, denn hier muss sich Geheimhaltung, Ausbeutung und Verschw\u00f6rung weder legitimieren noch verdecken. Die USA, Ungarn, die T\u00fcrkei und andere rechtslibert\u00e4re L\u00e4nder sind auf dem Weg zu solch vereinnahmten Staatsformen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Racket hat keinen origin\u00e4ren, essentiellen Verschw\u00f6rungsplan, genauso wie es kein \u201eGeneralkartell\u201c gibt.<a href=\"#_ftn28\" id=\"_ftnref28\">[28]<\/a> Ebenso gibt es auch keinen Generalplan der allseitigen Profitinteressen und auch kein \u201estrategisches Zentrum\u201c<a href=\"#_ftn29\" id=\"_ftnref29\">[29]<\/a> der Machtk\u00e4mpfe. Vielmehr bestehen diverse Einflusszentren, die sich vergleichen, anpassen, miteinander konkurrieren und oft auch wieder verschwinden, wenn sie ihren dynamischen Charakter verlieren. Gewiss sind die ideologischen Urspr\u00fcnge des Neoliberalismus inspirierend zur Analyse der heutigen Zeit. Aber es gibt weder ein einheitliches, rechtslibert\u00e4res Programm, noch ein ideologisches Zentrum. Zum Beispiel ist die vormals als zentral f\u00fcr den Neoliberalismus erachtete \u201eGovernance\u201c internationaler Organisationen, wie wir sie noch in der Griechenlandkrise gesehen haben, durch die Ignoranz von WHO, IWF und die rigide Zollpolitik von Donald Trump konterkariert worden. Allein die dynamische Praxis der Rackets bietet hier Anhaltspunkte f\u00fcr eine tiefergehende Analyse. Mit ihr k\u00f6nnen Strategien und Aktionsr\u00e4ume sichtbar werden. Zwar bieten hier die alte neoliberale Schule, als auch die neuen neoliberalen \u00d6konomietheorien, wie der <em>Principal-Agent<\/em>-Ansatz, die <em>Rational-Choice<\/em>-Theorie, die Spieltheorie oder die Netzwerk-Theorie Plausibilit\u00e4ten zur Identifikation der Rackets, aber au\u00dferhalb ihrer Selbsterhaltung eben keine Anhaltspunkte zur Identifikation ihrer Ziele und Absichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Kritik m\u00fcssen die Rackets analysiert werden. Genau hierf\u00fcr gab es mal die von Franz Neumann<a href=\"#_ftn30\" id=\"_ftnref30\">[30]<\/a> und C.W. Mills<a href=\"#_ftn31\" id=\"_ftnref31\">[31]<\/a> inspirierte \u201eGegnerbeobachtung\u201c in vielen Gewerkschaften. Sie wird auch als <em>Power Structure Research <\/em>bezeichnet und ist zumindest ein Versuch, die Beziehungen und Verh\u00e4ltnisse der herrschenden Klassen in den Blick zu nehmen, um so Muster ihrer Racket-Praxis zu erkennen. Nur auf Grundlage einer solchen Kritik k\u00f6nnen ad\u00e4quate Widerstandsformen entwickelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEine wahre Soziologie des Rackets als des lebendigen Elements der herrschenden Klasse in der Geschichte k\u00f6nnte sowohl einem politischen als auch einem wissenschaftlichen Zweck dienen. Sie k\u00f6nnte helfen, das Ziel der politischen Praxis zu kl\u00e4ren: Eine Gesellschaft, deren Muster sich von dem des Rackets unterscheidet, eine Racketlose Gesellschaft. Sie k\u00f6nnte dazu beitragen, die Idee der Demokratie zu definieren, die in den K\u00f6pfen der Menschen noch immer ein Schattendasein f\u00fchrt. Heute haben die Rackets diese Idee in ihre \u00f6konomische und politische Praxis eingebaut.\u201c<a href=\"#_ftn32\" id=\"_ftnref32\"><sup>[32]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>In <em>Die Rackets und der Geist<\/em> hei\u00dft es dazu weiter: \u201eIn der wahren Idee der Demokratie, die in den Massen ein verdr\u00e4ngtes, unterirdisches Dasein f\u00fchrt, ist die Ahnung einer vom Racket freien Gesellschaft nie ganz erloschen. Die Idee zu entfalten, bedeutet freilich die Durchbrechung einer dicken Suggestion, die noch die wahre Kritik am Racket in seinen Dienst stellt.\u201c<a href=\"#_ftn33\" id=\"_ftnref33\"><sup>[33]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>3 Rackets analysieren und \u00fcberwinden<\/p>\n\n\n\n<p>Viele politische und ideologische Entwicklungen haben zur Eskalation des neoliberalen Projekts beigetragen und zum rechtslibert\u00e4ren Zeitalter der Rackets gef\u00fchrt. Rechtslibert\u00e4re Rackets wollen die soziale und demokratische Funktion des Rechtsstaats abschaffen. Allein als Sicherheitsstaat zur Sicherung der Eigentums- und Vertragsrechte soll er fungieren. Die schleichende Entpolitisierung der westlichen Demokratien seit Beginn der neunziger Jahre mit dem inhaltsleeren Slogan <em>It`s the economy, stupid?<\/em> hat hierf\u00fcr beste Voraussetzungen geschaffen. Politik wird einem herrschenden \u00f6konomischen Imperativ unterworfen. Sie wird zur Technokratie. Das Unternehmertum (<em>Entrepreneurship<\/em>) wird gefeiert. Heute gilt der <em>Founder<\/em> neben dem <em>Influencer<\/em> als Ikone des neuen Zeitalters.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hauptarena des neuzeitlichen \u201eTauschprinzips\u201c ist der deregulierte Finanzmarkt, dem die Politik vorbehaltlos folgt. China und Russland k\u00f6nnen sich zwar in einem gewissen Rahmen der Dominanz der <em>Wall-Street<\/em> entziehen, aber nur durch die Angleichung an deren Herrschaftsmuster, so wie Al Capone mit seinen Mafia-Methoden Erfolg gegen die Unternehmermafia hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Racket verfolgt kein politisches Projekt, es ist das politische Projekt. Es ist apolitisch und fordert Unterwerfung unters Eigentum, Treue zum Vertrag und das Ressentiment gegen Andere. Das Racket muss innovativ und anpassungsbereit sein \u2013 deshalb passt es so wunderbar zum Finanzmarktkapitalismus. Am pr\u00e4zisesten ist es mit dem aussagelosen, neoliberalen Konzept des Netzwerks beschrieben. Dessen amorphe, apolitische Gestalt entspricht dem Racket. Das Racket will an die Stelle des Staates treten, formale Staaten und politische Institutionen braucht es lediglich zur Vereinnahmung und Pl\u00fcnderung Hierf\u00fcr hat die neoliberale Theorie den \u201eRent-Seeking\u201c-Ansatz<a href=\"#_ftn34\" id=\"_ftnref34\">[34]<\/a> entwickelt. Die Staatspl\u00fcnderung zeigt sich nicht nur nach 100 Tagen Trump-Regierung in Gestalt von gesch\u00e4tzten 3. Mrd. Dollar-Einnahmen seines Rackets durch Kursmanipulationen und eigene Kryptow\u00e4hrungen, auch in Ungarn und der T\u00fcrkei wird \u00e4hnlich gepl\u00fcndert. Zuvor lief diese Pl\u00fcnderung noch verdeckter, es waren die Finanzmarkt-Rackets und Tech-Rackets in Verbindung mit der Beraterindustrie, die viele Staatshaushalte meist ohne Konsequenzen pl\u00fcnderten. F\u00fcr diese Rackets ist der Staat lediglich ein manipulierbarer Spielball mit totem Geld und sollte nach unternehmerischen Prinzipien verwertet werden. Auch das neue Unternehmer-Kabinett von Friederich Merz l\u00e4sst diesbez\u00fcglich Schlimmes erahnen. Auch f\u00fcr die Neoliberalen in der CDU soll der Staat auf Kollektive verzichten und Sozialpolitik massiv einschr\u00e4nken. Er darf nur als Sicherheitsstaat Instrument der Vergeltung und des Ressentiments sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitgen\u00f6ssische Kapitalismuskritik tut sich indes schwer mit der Analyse dieser Ph\u00e4nomene. Entweder wird soziale Ungleichheit kritisiert \u2013 ohne sie materialistisch im politischen Kontext der herrschenden Klassen zu deuten und in die Kritik zu integrieren.<a href=\"#_ftn35\" id=\"_ftnref35\">[35]<\/a> Oder es wird blo\u00dfe Elitenkritik ge\u00e4u\u00dfert \u2013 ohne diese jedoch auf bestehende Klassenverh\u00e4ltnisse zu beziehen und sich der Frage nach der Legitimation der Eliten zu stellen.<a href=\"#_ftn36\" id=\"_ftnref36\">[36]<\/a> In beiden Varianten erscheinen die abh\u00e4ngigen Klassen oft nur als Opfer oder als Objekt herrschender Verh\u00e4ltnisse. Eine zeitgem\u00e4\u00dfe Kritik der politischen Verh\u00e4ltnisse ben\u00f6tigt aber einen Begriff der herrschenden Klassen. Dann k\u00f6nnte sie auch die problematischen Ph\u00e4nomene unserer Zeit in einem plausiblen Kontext darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade die Rackettheorie kann hierzu einen Beitrag leisten. Sie muss aber noch grundlegend ausformuliert werden. Als Erweiterung der Klassentheorie bietet sie sich f\u00fcr die Analyse von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen, Ungleichheit und Ausbeutung an, in dem sie mehrere Ebenen in den Blick nimmt:<\/p>\n\n\n\n<ul>\n<li>Sie kann die materialistische Staatstheorie in der Konkretisierung der Kategorien \u201eMachtblock\u201c, \u201eKlassenfraktion\u201c und der Praxis der herrschenden Klassen erweitern und pr\u00e4zisieren. Ebenso kann sie die Verschiebungen politischer Foren kl\u00e4ren, also die Gestalt der Entpolitisierung darlegen \u2013 wie es der Herrschaft von Gangsterbanden entspricht. (<em>Politikform<\/em>)<\/li>\n\n\n\n<li>Sie kann die Dialektik des \u00f6konomischen Liberalismus, seine flie\u00dfenden \u00dcberg\u00e4nge von Legalit\u00e4t und Illegalit\u00e4t, also die Rolle der Korruption kl\u00e4ren. (<em>Rechtsform<\/em>)<\/li>\n\n\n\n<li>Sie kann die \u201eAnthropologie von Staatlichkeit\u201c \u2013 das hobbessche Grundprinzip \u201eSchutz gegen Gehorsam\u201c in allen historischen Staatsformationen identifizieren und damit die \u201eZweite Natur\u201c von Herrschaft \u2013 das Racket \u2013 benennen. <em>(Staatsform)<\/em><\/li>\n\n\n\n<li>Sie kann die Dialektik des Klassenhandelns zwischen Unterwerfung und Widerspenstigkeit, zwischen den Beutegemeinschaften der \u201eMittelschicht\u201c und dem Klassenkollektiv kl\u00e4ren und damit die Legitimation der politischen Praxis herrschender Klassen im Racketmuster deuten.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Wenn kapitalistische Vergesellschaftung in Form von oligarchischen Rackets nur eine Imitation feudaler Vergesellschaftung ist, ist ihre \u00dcberwindung ebenso unausweichlich. Heute sehen wir diese feudale Grimasse in Gestalt von Donald Trump als Sonnenk\u00f6nig eines der m\u00e4chtigsten L\u00e4nder der Welt. Der US-Pr\u00e4sident inszeniert sich im Gestus von Handlungsf\u00e4higkeit und Dekrete-Rausch als Gegensatz zu seinen loyalen Vorg\u00e4ngern, die \u2013 so soll nahegelegt werden \u2013 vermeintlich konfliktscheu und h\u00f6rig den technokratischen Maximen der Finanzm\u00e4rkte gefolgt seien. Inwieweit das Programm von Trump und die \u00dcbernahmepl\u00e4ne tats\u00e4chlich Erfolg haben, bleibt noch abzuwarten. Abzusehen ist aber schon jetzt, dass Elemente seiner Politik Einzug in die neoliberale Agenda europ\u00e4ischer Parteien halten. Dramatisch ist daran allein die Tatsache, dass keine linke Partei oder Gegenbewegung in Europa dieser korrupten Racketherrschaft Einhalt gebietet. Rackets und Neoliberalismus verachten demokratische Initiativen und Kollektive, wie zuletzt an der Attacke der CDU\/CSU mit ihrer 551 Fragen umfassenden \u201eAnfrage\u201c gegen zivilgesellschaftliche Organisationen erkennbar wurde. Kirchen werden aufgefordert unpolitischer zu sein und sich damit dem Trend des Zeitalters anzupassen. Gewerkschaften werden mit Einschr\u00e4nkungen des Streikrechts und des Arbeitszeitgesetzes attackiert. Alle Organisationen, die noch mobilisierungsf\u00e4hig sind, gelten im apolitischen Zeitalter der Rackets als suspekt. Wie stark das Wohlstandsgef\u00e4lle werden muss, damit die starre neoliberale Ideologie bricht, bleibt dahingestellt. Das Sozialbanditentum, der alte Ausweg der amerikanischen <em>Labor Rackets<\/em>, scheint hierauf keine vielversprechende Antwort \u2013 ist sie doch nur eine billige Imitation der Praxis der herrschenden Klassen und suggeriert die Frage \u201eWhat\u2019s your Racket?\u201c, die Otto Kirchheimer folgenderma\u00dfen beantwortet hat: \u201eDie Frage dr\u00fcckt aus, da\u00df in unserer Gesellschaft das Erreichen einer bestimmten Position in keiner sinnvollen Beziehung zu den aufgewendeten Anstrengungen steht. Sie l\u00e4\u00dft darauf schlie\u00dfen, da\u00df der soziale Status einer Person vom Vorhandensein oder Fehlen einer Mischung aus Gl\u00fcck, Zufall und guten Beziehungen abh\u00e4ngt, einer Mischung, die systematisch mit allen Kniffen ausgebeutet und verst\u00e4rkt wird, die in der Institution des Privateigentums angelegt sind.\u201c<a id=\"_ftnref37\" href=\"#_ftn37\">[37]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>*Einige der hier aufgestellten Thesen sind im folgenden Buch tiefgehender begr\u00fcndet: Lindemann, Kai: Politik der Rackets, M\u00fcnster 2024<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> R\u00fcdiger Graf 2025: Das Ende der Heuchelei und der politische Klimawandel, unter: <a href=\"https:\/\/geschichtedergegenwart.ch\/das-ende-der-heuchelei-und-der-politische-klimawandel\/\">https:\/\/geschichtedergegenwart.ch\/das-ende-der-heuchelei-und-der-politische-klimawandel\/<\/a> abgerufen am 4.05.2025<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Laut Fernand Braudel triumphiert das Kapital, wenn es zum Staat wird (Vogl 2021, S. 115).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Der sogenannte Dreht\u00fcreffekt, mit ihm wird der flie\u00dfende Wechsel zwischen politischen \u00c4mtern und privatwirtschaftlichen Funktionen beschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Pistor 2019<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> Bestes Beispiel hierf\u00fcr ist das betriebspolitische Organizing, mit dem Klassenpolitik \u201evon unten\u201c gemacht werden soll, ohne dass \u201ealte\u201c Diktum zu beachten: Arbeitsmarktpolitik ist der Kern der Klassenpolitik!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref6\" id=\"_ftn6\">[6]<\/a> Horkheimer 1987a, S. 332<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref7\" id=\"_ftn7\">[7]<\/a> Z.B.: <strong>Berle\/Means 1939, Hostetter\/Beesley 1933, Huberman 1937, Seidman 1938, Solosky 1938<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref8\" id=\"_ftn8\">[8]<\/a> Horkheimer 1996, S. 399<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref9\" id=\"_ftn9\">[9]<\/a><strong>Horkheimer 1985c, S. 287f.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref10\" id=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vgl. Br\u00f6ckling 2019<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref11\" id=\"_ftn11\">[11]<\/a> Blank 2002, S. 52 ff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref12\" id=\"_ftn12\">[12]<\/a> Horkheimer 1988, S. 439<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref13\" id=\"_ftn13\">[13]<\/a> Leiharbeitnehmende und sogenannte Niedrigl\u00f6hner sind Merkmale dieser Entsolidarisierungen, die wie viele gegenw\u00e4rtige Ph\u00e4nomene an den Fr\u00fchkapitalismus mit seinen Tagel\u00f6hnern, Arbeitsh\u00e4usern und Suppenk\u00fcchen erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref14\" id=\"_ftn14\">[14]<\/a><strong>Horkheimer 1985a, S. 85<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref15\" id=\"_ftn15\">[15]<\/a><strong>vgl. Horkheimer 1987a, Nachwort der Herausgeber, S. 439<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref16\" id=\"_ftn16\">[16]<\/a> Horkheimer <strong>1985a, S. 89<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref17\" id=\"_ftn17\">[17]<\/a> <strong>Adorno 1975a , S. 12<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref18\" id=\"_ftn18\">[18]<\/a> Statik und Dynamik (liberal auch Ordnung und Fortschritt) werden von der kritischen Theorie dialektisch auf Herrschaftsverh\u00e4ltnisse bezogen. Das f\u00fchrte Adorno (1984) in den f\u00fcnfziger Jahren aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref19\" id=\"_ftn19\">[19]<\/a> <strong>Horkheimer 1991a, S. 410f.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref20\" id=\"_ftn20\">[20]<\/a> Lockwood 2011, S. 82<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref21\" id=\"_ftn21\">[21]<\/a> Hegel 1987<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref22\" id=\"_ftn22\">[22]<\/a> Horkheimer 1985b<strong>, S. 270<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref23\" id=\"_ftn23\">[23]<\/a> Le Bon 2009<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref24\" id=\"_ftn24\">[24]<\/a> Adorno 1993, S. 50<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref25\" id=\"_ftn25\">[25]<\/a> Jennifer Burns, Trumps Hausintellektuelle, in der <em>Zeit<\/em> vom 27. Februar 2017:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2017-02\/ayn-rand-donald-trump-usa-libertarismus-bestseller\">https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2017-02\/ayn-rand-donald-trump-usa-libertarismus-bestseller<\/a> , abgerufen am 25.04.2025<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref26\" id=\"_ftn26\">[26]<\/a> Adorno 1975a, S. 13<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref27\" id=\"_ftn27\">[27]<\/a> Ein Gewerkschaftsfunktion\u00e4r sprach vor nicht allzu langer Zeit von einer \u201eKlassensprecherisierung der Betriebsratsarbeit\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref28\" id=\"_ftn28\">[28]<\/a> Vgl. Kirchheimer 1964<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref29\" id=\"_ftn29\">[29]<\/a> Entgegen Wienold 2011, S. 257<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref30\" id=\"_ftn30\">[30]<\/a> Neumann 1986<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref31\" id=\"_ftn31\">[31]<\/a> Mills 1962<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref32\" id=\"_ftn32\">[32]<\/a><strong> <\/strong><strong>Horkheimer 1985a, S. 103<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref33\" id=\"_ftn33\">[33]<\/a> <strong>Horkheimer 1985c, S. 291<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref34\" id=\"_ftn34\">[34]<\/a> Buchanan et. al. 1980<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref35\" id=\"_ftn35\">[35]<\/a> z.B. Piketty 2018, Vogl 2010 und 2021<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref36\" id=\"_ftn36\">[36]<\/a> z.B. Hartmann 2018, Sandel 2020, Mills 1962<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><a href=\"#_ftnref37\" id=\"_ftn37\">[37]<\/a>Kirchheimer 1964, S. 79<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Literatur<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Adorno, Theodor W. 1975a: Reflexionen zur Klassentheorie<strong>, <\/strong>in: ders., Gesellschaftstheorie und Kulturkritik; Frankfurt\/Main, S. 7 \u2013 25<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 1984: \u00dcber Statik und Dynamik als soziologische Kategorien, in: Horkheimer, Max \/ Adorno, Theodor W., Sociologica; Frankfurt\/Main, S. 223 &#8211; 240<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Berle, Adolf A.\/Means, Gardiner C. 1939: The Modern Corporation and Private Property; New York<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Blank, Hans-Joachim 2002: Zur Marx-Rezeption des fr\u00fchen Horkheimer, in: Fetscher, Iring\/Schmidt, Alfred (Hg.) Emanzipation als Vers\u00f6hnung; Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Br\u00f6ckling, Ulrich 2018: Gewaltdrohung und Schutzversprechen. Zur Theorie des Rackets; in: <em>WestEnd<\/em> 2018\/2, Sozialisation und familiale Triade, 15. Jahrgang, Heft 2, S. 139 \u2013 152<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Buchanan, James M.\/Tollison, Robert D.\/Tullock, Gordon (Eds.) 1980: Toward a Theory of the Rent-Seeking-Society; Houston\/Texas<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hartmann, Michael 2018: Die Abgehobenen. Wie die Eliten die Demokratie gef\u00e4hrden; Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hegel, Georg Wilhelm Friedrich 1987: Ph\u00e4nomenologie des Geistes; Stuttgart<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Horkheimer, Max 1987a: Vernunft und Selbsterhaltung <em>(Orig. 1942) <\/em>in: Gesammelte Schriften, Band 5; Schmidt, Alfred\/Schmid-Noerr, Gunzelin (Hg.); Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 1985a: Zur Soziologie der Klassenverh\u00e4ltnisse <em>(Orig. 1943) <\/em>in: Gesammelte Schriften, Band 12; Schmidt, Alfred\/Schmid-Noerr, Gunzelin (Hg.); Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 1985c: Die Rackets und der Geist <em>(Orig. 1939-1942)<\/em> in: Gesammelte Schriften, Band 12; Schmidt, Alfred\/Schmid-Noerr, Gunzelin (Hg.); Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 1988:Nachgelassene Schriften 1949-1972<strong>, <\/strong>in: Gesammelte Schriften, Band 14; Schmidt, Alfred\/Schmid-Noerr, Gunzelin (Hg.); Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 1991a<strong>: <\/strong>Zur Kritik der politischen \u00d6konomie <em>(Orig. 1966)<\/em>, in:Gesammelte Schriften, Band 6; Schmidt, Alfred\/Schmid-Noerr, Gunzelin (Hg.); Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 1996: Briefwechsel 1941-1948, in: Gesammelte Schriften, Band 17; Schmid-Noerr, Gunzelin (Hg.); Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hostetter, Gordon L.\/Beesley, Thomas 1933: The Rising Tide of Racketeering, in: <em>The Political Quarterly<\/em>, Vol. IV, S. 403-422<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Huberman, Leo 1937: The Labor Spy Racket; New York<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Kirchheimer, Otto 1964: Zur Frage der Souver\u00e4nit\u00e4t, in: ders., Politik und Verfassung; Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Le Bon, Gustave 2009: Psychologie der Massen; Hamburg<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Lindemann, Kai 2024: Politik der Rackets; M\u00fcnster<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Lockwood, David 2011: Das schw\u00e4chste Glied in der Kette? Einige Anmerkungen zur marxistischen Handlungstheorie, in: Thien, Hans-G\u00fcnter (Hg.), Klassen im Postfordismus; M\u00fcnster<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mills, C. Wright 1962<em>:<\/em> Die amerikanische Elite; Hamburg<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Neumann, Franz 1986: Demokratischer und autorit\u00e4rer Staat; Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Piketty, Thomas 2018: Das Kapital; M\u00fcnchen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Pistor, Katharina 2019: The Code of Capital; Princeton \u2013 Oxford<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Sandel, Michael 2020: Vom Ende des Gemeinwohls. Wie die Leistungsgesellschaft unsere Demokratien zerrei\u00dft; Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Seidman, Harold 1938: Labor Czars, A history of Labor Racketeering; New York<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Solosky, George E. 1938: Rackets and Labor, in: <em>The Atlantic Monthly<\/em>, Vol. 162, S. 393-402<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Vogl, Joseph 2010: Das Gespenst des Kapitals; Z\u00fcrich<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 2021: Kapital und Ressentiment. Eine kurze Theorie der Gegenwart; M\u00fcnchen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wienold, Hanns 2011: Die Gegenwart der Bourgeoisie. Umrisse einer Klasse, in: Thien, Hans-G\u00fcnter (Hg.), Klassen im Postfordismus; M\u00fcnster<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong><em>Literatur<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Adorno, Theodor W. 1975a: Reflexionen zur Klassentheorie<strong>, <\/strong>in: ders., Gesellschaftstheorie und Kulturkritik; Frankfurt\/Main, S. 7 \u2013 25<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 1984: \u00dcber Statik und Dynamik als soziologische Kategorien, in: Horkheimer, Max \/ Adorno, Theodor W., Sociologica; Frankfurt\/Main, S. 223 &#8211; 240<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Berle, Adolf A.\/Means, Gardiner C. 1939: The Modern Corporation and Private Property; New York<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Blank, Hans-Joachim 2002: Zur Marx-Rezeption des fr\u00fchen Horkheimer, in: Fetscher, Iring\/Schmidt, Alfred (Hg.) Emanzipation als Vers\u00f6hnung; Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Br\u00f6ckling, Ulrich 2018: Gewaltdrohung und Schutzversprechen. Zur Theorie des Rackets; in: <em>WestEnd<\/em> 2018\/2, Sozialisation und familiale Triade, 15. Jahrgang, Heft 2, S. 139 \u2013 152<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Buchanan, James M.\/Tollison, Robert D.\/Tullock, Gordon (Eds.) 1980: Toward a Theory of the Rent-Seeking-Society; Houston\/Texas<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hartmann, Michael 2018: Die Abgehobenen. Wie die Eliten die Demokratie gef\u00e4hrden; Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hegel, Georg Wilhelm Friedrich 1987: Ph\u00e4nomenologie des Geistes; Stuttgart<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Horkheimer, Max 1987a: Vernunft und Selbsterhaltung <em>(Orig. 1942) <\/em>in: Gesammelte Schriften, Band 5; Schmidt, Alfred\/Schmid-Noerr, Gunzelin (Hg.); Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 1985a: Zur Soziologie der Klassenverh\u00e4ltnisse <em>(Orig. 1943) <\/em>in: Gesammelte Schriften, Band 12; Schmidt, Alfred\/Schmid-Noerr, Gunzelin (Hg.); Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 1985c: Die Rackets und der Geist <em>(Orig. 1939-1942)<\/em> in: Gesammelte Schriften, Band 12; Schmidt, Alfred\/Schmid-Noerr, Gunzelin (Hg.); Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 1988:Nachgelassene Schriften 1949-1972<strong>, <\/strong>in: Gesammelte Schriften, Band 14; Schmidt, Alfred\/Schmid-Noerr, Gunzelin (Hg.); Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 1991a<strong>: <\/strong>Zur Kritik der politischen \u00d6konomie <em>(Orig. 1966)<\/em>, in:Gesammelte Schriften, Band 6; Schmidt, Alfred\/Schmid-Noerr, Gunzelin (Hg.); Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 1996: Briefwechsel 1941-1948, in: Gesammelte Schriften, Band 17; Schmid-Noerr, Gunzelin (Hg.); Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hostetter, Gordon L.\/Beesley, Thomas 1933: The Rising Tide of Racketeering, in: <em>The Political Quarterly<\/em>, Vol. IV, S. 403-422<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Huberman, Leo 1937: The Labor Spy Racket; New York<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Kirchheimer, Otto 1964: Zur Frage der Souver\u00e4nit\u00e4t, in: ders., Politik und Verfassung; Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Le Bon, Gustave 2009: Psychologie der Massen; Hamburg<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Lindemann, Kai 2024: Politik der Rackets; M\u00fcnster<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Lockwood, David 2011: Das schw\u00e4chste Glied in der Kette? Einige Anmerkungen zur marxistischen Handlungstheorie, in: Thien, Hans-G\u00fcnter (Hg.), Klassen im Postfordismus; M\u00fcnster<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mills, C. Wright 1962<em>:<\/em> Die amerikanische Elite; Hamburg<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Neumann, Franz 1986: Demokratischer und autorit\u00e4rer Staat; Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Piketty, Thomas 2018: Das Kapital; M\u00fcnchen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Pistor, Katharina 2019: The Code of Capital; Princeton \u2013 Oxford<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Sandel, Michael 2020: Vom Ende des Gemeinwohls. Wie die Leistungsgesellschaft unsere Demokratien zerrei\u00dft; Frankfurt\/Main<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Seidman, Harold 1938: Labor Czars, A history of Labor Racketeering; New York<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Solosky, George E. 1938: Rackets and Labor, in: <em>The Atlantic Monthly<\/em>, Vol. 162, S. 393-402<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Vogl, Joseph 2010: Das Gespenst des Kapitals; Z\u00fcrich<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">ders. 2021: Kapital und Ressentiment. Eine kurze Theorie der Gegenwart; M\u00fcnchen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wienold, Hanns 2011: Die Gegenwart der Bourgeoisie. Umrisse einer Klasse, in: Thien, Hans-G\u00fcnter (Hg.), Klassen im Postfordismus; M\u00fcnster<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Kai Lindeman<\/p>\n<p>Es gibt Zeiten da zeigt die herrschende Klasse ihr wahres Gesicht, wenn ihre radikalen Klassenfraktionen auf repr\u00e4sentativer Ebene sichtbar werden. Sie wirken selbstgerecht, arrogant, gierig, opportun, gewaltt\u00e4tig und verlogen. Das kann durchaus als Charakterzug der gegenw\u00e4rtigen Produktionsweise gelten, verr\u00e4t damit aber noch nichts \u00fcber die Legitimit\u00e4t und Praxis dieser Herrschaft. Mit Donald Trump und Javier Milei haben zwei rechtslibert\u00e4re Protagonisten die politische B\u00fchne betreten, die ganz offen und unverhohlen das neoliberale Programm zu voller Geltung bringen wollen.<br \/>\nEs ist nicht verwunderlich, dass Linke zur Analyse der Entwicklungen aif Begriffe wie Elite und Oligarchie verwenden. Geeigneter scheint jedoch der Racket-Begriff des exilierten Institus f\u00fcr Sozialforschung in den 1930er Jahren.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[21,10,8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/853"}],"collection":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=853"}],"version-history":[{"count":1,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/853\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":854,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/853\/revisions\/854"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=853"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=853"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=853"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}