{"id":879,"date":"2025-08-11T14:56:36","date_gmt":"2025-08-11T12:56:36","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=879"},"modified":"2025-09-26T17:29:40","modified_gmt":"2025-09-26T15:29:40","slug":"mediale-konflikte-um-postkoloniale-studien-und-antisemitismus-in-deutschland-aufstieg-und-fall-der-postkolonialen-studien-in-der-deutschen-oeffentlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=879","title":{"rendered":"Mediale Konflikte um postkoloniale Studien und Antisemitismus in Deutschland"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"wp-block-heading\">Aram Ziai<\/h5>\n\n\n\n<p><em>Einf\u00fchrung der Redaktion: \u201eAntisemitismus\u201c ist zu einem herrschaftstechnischen Begriff gemacht worden, der dazu dient, Kritik an den herrschenden Zust\u00e4nden mundtot zu machen. Dies bezieht sich nicht nur auf die Untaten des israelischen Regimes, sondern auf eine Vielzahl gesellschaftlicher Meinungs\u00e4u\u00dferungen, Organisationsans\u00e4tze, wissenschaftliche und kulturelle Initiativen. Und dies unter Mithilfe gro\u00dfer Teile dessen, was als \u201edemokratische Zivilgesellschaft\u201c bezeichnet wird, etwa f\u00fchrende Medien. Damit breitet sich eine Art sanfter Totalitarismus aus, durch&nbsp;&nbsp; den grundlegende demokratische Strukturen \u2013 freie Diskussion, Information und Meinungsbildung \u2013 besch\u00e4digt werden. Siehe dazu auch den Beitrag \u201eDer Autoritarismus schreitet voran\u201c von Joachim Hirsch vom 13. M\u00e4rz 2025 hier im links-netz.<\/em> <em>Aram Ziai untersucht dies am Beispiel der Kampagnen gegen postkoloniale Theoriebildung und Forschung, Er ist Professor f\u00fcr Entwicklungspolitik und Postkoloniale Studien an der Universit\u00e4t Kassel.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der nachstehende Text ist die gek\u00fcrzte Fassung eines Betrags aus der Zeitschrift PROKLA. Zeitschrift f\u00fcr kritische Sozialwissenschaft. Bd. 55 Nr. 219 (2025).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aufstieg und Fall der postkolonialen Studien in der deutschen \u00d6ffentlichkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit zu Beginn des 21. Jahrhunderts post- und dekoloniale Perspektiven, die sich mit dem Kolonialismus und seinen Nachwirkungen besch\u00e4ftigen, in den deutschsprachigen Geistes- und Gesellschaftswissenschaften zunehmend Anerkennung fanden, wuchs \u2013 sicher auch beeinflusst von den zahlreichen postkolonialen St\u00e4dteinitiativen \u2013 das Interesse der deutschen \u00d6ffentlichkeit an diesem Thema (s. Prokla Nr. 158). Dies hat sich im letzten Jahrzehnt noch verst\u00e4rkt, unter anderem durch die Rezeption internationaler Debatten um <em>Black Lives Matter<\/em> und <em>Rhodes Must Fall<\/em>, aber auch durch die offizielle Anerkennung des V\u00f6lkermords an den Herero und Nama seitens der BRD 2021. Der Historiker Sebastian Conrad (2022: 31) spricht von einer \u201eAufmerksamkeitsexplosion\u201c f\u00fcr die koloniale Vergangenheit. Parallel dazu l\u00e4sst sich als Reaktion eine revisionistische Gegenbewegung beobachten, getragen von konservativen und rechten Publizist*innen, Politiker*innen und Politikwissenschaftler*innen, die mal die Befreiung vom Kolonialismus als eine Katastrophe darstellen (Stein 2015), mal eine Rekolonisierung fordern (Martenstein 2015) oder den Kolonialismus generell als eine legitime und f\u00fcr die Kolonisierten vorteilhafte Herrschaftsform ansehen (Gilley 2019). Die AfD hat unterdessen ihre Forderung nach einer \u201edifferenzierten Aufarbeitung\u201c der deutschen Kolonialzeit nicht nur mit einer Leugnung des V\u00f6lkermords in Deutsch-S\u00fcdwestafrika verbunden, sondern auch mit einem Angriff auf den \u201ekulturmarxistisch inspirierte[n] Post- und Dekolonialismus\u201c (AfD-Fraktion 2019b: 9), der antiwestlich, realit\u00e4tsfern und unwissenschaftlich sei und sich des \u201eintellektuellen Terrors\u201c bediene, um Meinungsfreiheit und Universalit\u00e4t zu unterminieren (AfD-Fraktion 2019b: 10). Diese Vorw\u00fcrfe der politischen Rechten blieben jedoch in der liberalen und linken deutschen \u00d6ffentlichkeit weitgehend unbeachtet und folgenlos. Das \u00e4nderte sich jedoch deutlich in den folgenden Jahren, vor allem dadurch, dass die Vorw\u00fcrfe gegen die postkolonialen Studien um ein entscheidendes Element erweitert wurden: den Antisemitismus (AfD-Fraktion 2022). Dies geschah prim\u00e4r in Folge des Bundestagsbeschlusses von 2019 zur anti-israelischen Kampagne <em>Boycott, Divestment, Sanctions<\/em> (BDS), wobei weder im Antrag von CDU\/CSU, SPD, FDP und B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen selbst (CDU\/CSU u.a. 2019), noch im vorangegangenen AfD-Antrag (AfD-Fraktion 2019a) der Zusammenhang zwischen Antisemitismus und postkolonialen Studien hergestellt wird. Im Zuge der \u00f6ffentlich ausgetragenen Konflikte um Antisemitismus der n\u00e4chsten Jahre \u00e4nderte sich dies doch grundlegend. In vielen Medien &#8211; von der FAZ (Klein 2024) \u00fcber den FOCUS (Fleischhauer 2023), den SPIEGEL (Pfister 2023) bis hin zur taz (Cheema\/Mendel 2020) &#8211; wurden postkoloniale Studien f\u00fcr Antisemitismus verantwortlich gemacht. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein (2024) ist \u00fcberzeugt: \u201eDer ungeniert zur Schau gestellte Antisemitismus in deutschen H\u00f6rs\u00e4len baut auf dem schiefen Theoriegeb\u00e4ude der postkolonialen Bewegung auf\u201c. Die Fundamentalkritik an den postkolonialen Studien, fr\u00fcher dem rechten Rand vorbehalten, hat \u00fcber den Vorwurf des Antisemitismus offenbar die Mitte der Gesellschaft erreicht und bildet die herrschende Meinung weiter Teile der \u00d6ffentlichkeit sowie der Regierung. Dieser Entwicklung m\u00f6chte der vorliegende Beitrag auf den Grund gehen. Dabei zeichnet er zun\u00e4chst einige der erw\u00e4hnten Konflikte in den Medien nach und untersucht dabei, welche Verst\u00e4ndnisse von Antisemitismus den Vorw\u00fcrfen unterschiedlicher Akteure zugrunde liegen. Im anschlie\u00dfenden Teil baut er auf diese Darstellung auf und versucht, anhand dreier Ans\u00e4tze (entgrenzter Antisemitismusbegriff, deutscher Kontext, Eurozentrismus) ein Modell zum Verst\u00e4ndnis der neu gewonnenen Hegemonie einer Fundamentalkritik an post- und dekolonialen Studien als antisemitisch zu erarbeiten sowie deren Theorien f\u00fcr die Untersuchung der erw\u00e4hnten Konflikte produktiv zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Konflikte um Antisemitismus in der deutschen \u00d6ffentlichkeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gab seit 2019 eine Vielzahl von Konflikten um Antisemitismus, von denen hier nur beispielhaft einige herausgegriffen werden, die ein \u00fcberregionales Medienecho erfuhren und \u2013 zunehmend explizit \u2013 mit postkolonialen Studien in Verbindung gebracht worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Konfliktfall 1: Antisemitismus bei Mbembe<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Antisemitismusvorw\u00fcrfen konfrontiert wurde unter anderem der kamerunische Historiker und Sozialphilosoph Achille Mbembe, ein prominenter Vertreter der postkolonialen Studien, der auf der Ruhrtriennale 2020 die Er\u00f6ffnungsrede zum Thema planetarische Solidarit\u00e4t halten sollte. Der kulturpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag von NRW, Lorenz Deutsch, kritisierte, dass Mbembe \u201edie israelfeindliche BDS-Bewegung\u201c unterst\u00fctze, w\u00e4hrend der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung Felix Klein Mbembes Antisemitismus durch Relativierung des Holocaust, Infragestellung des Existenzrechts Israels und Gleichsetzung des Staats Israels mit dem Apartheidsystem S\u00fcdafrikas belegt sah (Protest gegen Auftritt von Mbembe, 2020). Die eher dem linksliberalen Lager zuzurechnende Publizistin Saba-Nur Cheema und der Direktor der Bildungsst\u00e4tte Anne Frank, Meron Mendel, sekundierten, dass f\u00fcr Mbembe das Problem nicht die aktuelle israelische Regierungspolitik sei, die sie selbst kritisieren, sondern \u201edie schiere Existenz des Judenstaats\u201c (Cheema\/Mendel 2020). \u00dcber Mbembe hinausgehend, erweiterten sie ihre Kritik auf die postkolonialen Studien insgesamt, die Antisemitismus \u201enur als eine andere Form von Rassismus\u201c verst\u00fcnden und durch eine \u201efortgesetzte, v\u00f6llig unreflektierte D\u00e4monisierung Israels\u201c zur Reproduktion antisemitischer Denkstrukturen sowie zur \u201eUnf\u00e4higkeit, Antisemitismus als Problem ernst zu nehmen\u201c, f\u00fchrten (Cheema\/Mendel 2020). In der Diskussion wurden verschiedene Begr\u00fcndungen des Antisemitismusvorwurfs genannt und zum Teil auch belegt. Klein sah den Holocaust dadurch relativiert, dass Mbembe in seinem Buch <em>Politik der Feindschaft <\/em>(Mbembe 2017) die ideologischen Hintergr\u00fcnde des s\u00fcdafrikanischen Apartheidsystems und die v\u00f6lkische Ideologie des NS als Manifestationen eines \u00e4hnlichen Musters begreift. Andererseits w\u00fcrde er die Apartheid S\u00fcdafrikas mit der israelischen Besatzungspolitik gleichsetzen. So wird quasi \u00fcber die Bande S\u00fcdafrika eine Gleichsetzung der Verbrechen Nazideutschlands und Israels diagnostiziert, was gemeinhin als Holocaustrelativierung gilt. Der Holocaustforscher Michael Rothberg hat in seiner \u201eEthik des Vergleichs\u201c vorgeschlagen, dieses Stilmittel in zweierlei Hinsicht genauer zu untersuchen (Rothberg 2024). Erstens: Erlaubt der Vergleich die Wahrnehmung von Unterschieden oder werden sie zum Verschwinden gebracht? Zweitens: Zielt der Vergleich auf Solidarit\u00e4t oder auf Spaltung und Konflikt zwischen Opfergruppen ab? Wer Mbembes Texte nach diesen Kriterien pr\u00fcft, stellt zun\u00e4chst fest, dass dieser betont, der Kampf gegen Antisemitismus sei \u201evon absoluter Dringlichkeit\u201c und an anderer Stelle postuliert: \u201eAn jedem der zahllosen Orte der Enteignung, des Traumas und der Verlassenheit ist das Gesicht der Menschheit als Ganzes entstellt. Nicht nur das einer Rasse, eines Stammes oder einer Religion.&#8220; (Mbembe 2020). Insofern wendet er sich mit seinem Vergleich gegen rassistische Ideologien jedweder Art und zielt nicht auf Konkurrenz, sondern auf Solidarit\u00e4t zwischen den Opfern verschiedener menschenverachtender Regime. Wie steht es nun um die von Rothberg gestellte Frage nach dem Umgang mit Unterschieden? Tats\u00e4chlich schreibt Mbembe, dass \u201edie israelische Besatzung der pal\u00e4stinensischen Gebiete (\u2026) in mancherlei Hinsicht an das ber\u00fcchtigte Modell der Apartheid\u201c in S\u00fcdafrika erinnern w\u00fcrde (Mbembe 2017: 84 f.). Es werden eher die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede betont, aber begleitet von der Einschr\u00e4nkung auf die besetzten Gebiete, nicht im Hinblick auf den Staat Israel insgesamt. Auch sieht Mbembe die Politik der Apartheid \u2013 beziehungsweise des Trennungswahns \u2013 nicht nur in Israel, sondern \u00fcberall dort am Werk, \u201ewo gesellschaftliche Kr\u00e4fte das Politische vornehmlich als t\u00f6dlichen Kampf gegen unbeugsame Feinde verstehen\u201c (Mbembe 2017: 117). Der Holocaust wird dabei in einem Zusammenhang mit Kolonialismus und Faschismus gesehen (Mbembe 2017: 114). Den inkriminierten Vergleich des s\u00fcdafrikanischen Apartheidregimes mit dem nationalsozialistischen Deutschland schr\u00e4nkt Mbembe ein, sie seien beide Manifestationen rassistischer Politik, aber \u201ein einer ganz anderen Gr\u00f6\u00dfenordnung\u201c (Mbembe 2017: 89). Unterschiede werden also durchaus wahrgenommen und benannt. Somit ist, Rothbergs Kriterien zugrunde legend, der Vergleich weniger von einer Ausl\u00f6schung von Unterschieden und einer Spaltung von Opfergruppen gekennzeichnet, sondern eher von Solidarit\u00e4t und Menschenrechtsuniversalismus. Hinsichtlich der Frage des Existenzrechts Israels hat sich Mbembe klar positioniert: es sei \u201egrundlegend f\u00fcr das Gleichgewicht der Welt\u201c, so der Autor in dem von Cheema und Mendel zitierten Artikel (Mbembe 2020). Und selbst dort, wo Mbembe behauptet, die Besatzung Pal\u00e4stinas sei \u201ethe biggest moral scandal in our times\u201c, betont er im selben Absatz auch das Recht Israels, \u201eto live in peace\u201c (zitiert nach Carp 2022: 29). Was die Boykott-Kampagne BDS angeht, betont Mbembe, dass er eine Kooperation mit Institutionen oder Individuen ablehnt, die in Verletzungen von V\u00f6lker- oder Menschenrechten in den pal\u00e4stinensischen Gebieten verstrickt sind, aber explizit kein Mitglied von BDS sei (zitiert nach Carp 2022: 42). Teile der Antisemitismusvorw\u00fcrfe basieren somit auf nachweisbaren Positionen (Apartheid), andere jedoch auf kontingenten Interpretationen (Holocaustrelativierung) bzw. auf ungenauen (BDS) oder inkorrekten Aussagen (Existenzrecht Israels).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Konfliktfall 2: Antisemitismus im zweiten Historikerstreit<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Antisemitismusvorw\u00fcrfe wurden auch im Zuge des sogenannten zweiten Historikerstreits erhoben (Friedl\u00e4nder u.a. 2022; Neiman\/Wildt 2022; Zimmerer 2023), der Auseinandersetzung um die Singularit\u00e4t des Holocaust. Der zun\u00e4chst vor allem in den Feuilletons gef\u00fchrte Streit war angesto\u00dfen worden von postkolonialen Thesen zu Kontinuit\u00e4tslinien zwischen dem V\u00f6lkermord an den Herero und Nama in Deutsch-S\u00fcdwestafrika und dem nationalsozialistischen V\u00f6lkermord (Zimmerer 2011), zur Forderung nach einer Enttabuisierung des Vergleichs des Holocaust mit anderen, vor allem kolonialen V\u00f6lkermorden (Zimmerer\/Rothberg 2021) und einer \u201emultidirektionalen Erinnerung\u201c (Rothberg 2021) sowie zur Existenz eines \u201edeutschen Katechismus\u201c in der Erinnerungspolitik (Moses 2021). In der Debatte wurden erneut Vorw\u00fcrfe artikuliert, die postkolonialen Studien w\u00fcrden Antisemitismus den Weg bereiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Exemplarisch sollen zwei Argumentationen an dieser Stelle diskutiert werden. Die Journalistin Tania Martini (2022) verteidigt die These von der Singularit\u00e4t des Holocaust: \u201eDer Massenmord an den europ\u00e4ischen Juden war ein industrialisierter Massenmord und eben genau nicht prim\u00e4r getrieben von \u00f6konomischen oder territorialen Interessen. Es ging nicht darum, andere gef\u00fcgig zu machen oder zu unterwerfen, sondern unter Aufwendung gr\u00f6\u00dfter Ressourcen einen Wahn in sinnloses Morden zu \u00fcbersetzen. Das unterscheidet den Genozid an den Juden fundamental von den kolonialen Verbrechen.\u201c. Diesen qualitativen Unterschied zu leugnen, wie es die postkolonialen Studien t\u00e4ten, bagatellisiere beziehungsweise relativiere den Holocaust.&nbsp; Um diese Differenz zu fassen, pr\u00e4gte Dan Diner den Begriff des \u201eZivilisationsbruchs\u201c. F\u00fcr ihn widerlegte die Shoah die Annahme einer auf Rationalit\u00e4t aufbauenden Zivilisation, die eine \u201egrundlose Massent\u00f6tung [\u2026] schon aus Gr\u00fcnden von Interessenkalk\u00fcl und Selbsterhaltung der T\u00e4ter ausschlie\u00dft\u201c (Diner 1988: 7). Deswegen gehe von der Shoah ein \u201emehr\u201c an Schrecken, ein kognitives Entsetzen aus, das in anderen Genoziden nicht auftrete (Diner 2022: 79). Dieses Faktum sei aber f\u00fcr die postkoloniale Seite \u201eeine als unertr\u00e4glich empfundene Anma\u00dfung\u201c (Diner 2022: 78) und das Bestreiten der Singularit\u00e4t im zweiten Historikerstreit sei somit argumentativ nahezu identisch wie das im ersten (Diner 2022: 77) \u2013 in dem es politisch auf die Verharmlosung der nationalsozialistischen Verbrechen zielte.<\/p>\n\n\n\n<p>Antisemitisch sind die postkolonialen Thesen also in dieser Sicht, weil sie die singul\u00e4re Qualit\u00e4t des Holocaust leugnen beziehungsweise bagatellisieren und Israel als Siedlerkolonie und Apartheidstaat, statt als Zuflucht der \u00dcberlebenden verstehen. Diese Argumentation ist in verschiedener Hinsicht problematisch. Zum einen blendet sie hinsichtlich der vermeintlich grundlosen Vernichtung die Dimension der \u00bbArisierung\u00ab und der materiellen Interessen g\u00e4nzlich aus (Aly 2005). Auch ignoriert sie das A. Dirk Moses (2008) zufolge in Genoziden h\u00e4ufig anzutreffende zweckrationale Muster, die Sicherheit der eigenen Gruppe durch die Vernichtung einer diese (real oder vermeintlich) bedrohenden anderen Gruppe zu erreichen. Zweitens ist in Diners Argumentation unschwer eine Naturalisierung utilitaristischen beziehungsweise nutzenmaximierenden Handelns zu erkennen. Diner zufolge r\u00fchrt das kognitive Entsetzen daher, dass sich die Nazis auch nicht durch materielle Interessen vom Morden abhalten lie\u00dfen, dies ist f\u00fcr ihn der irrationale Bruch der Zivilisation. Drittens erscheint Diners Rede vor dem Hintergrund au\u00dfereurop\u00e4ischer Gewalt- und Genoziderfahrungen eurozentrisch. Warum soll von der jahrhundertelangen Behandlung als Untermenschen, der Versklavung, der Folter, der willk\u00fcrlichen und grausamen allt\u00e4glichen Gewalt, der Vernichtung ganzer Kulturen und den Genoziden im europ\u00e4ischen Kolonialismus (siehe Plumelle-Uribe 2004) weniger Schrecken und Annahmen \u00fcber Menschlichkeit ersch\u00fctterndes Entsetzen ausgegangen sein? Was die Fragen von Israel als Apartheidstaat und Siedlerkolonialismus angeht, ist zun\u00e4chst ganz simpel die Ambivalenz zu konstatieren, die der pal\u00e4stinensische Intellektuelle Raef Zreik beschrieben hat: \u201eDie Europ\u00e4er sehen den j\u00fcdischen Fl\u00fcchtling auf der Flucht, der um sein Leben ringt. Der Pal\u00e4stinenser sieht das Gesicht des kolonialen Siedlers, der sein Land \u00fcbernimmt\u201c (zitiert nach Goldberg\/Confino 2020). Dass es im Zionismus um die Kolonisierung Pal\u00e4stinas und die Vertreibung der Pal\u00e4stinenser gehe, sagten Zionisten wie Jabotinsky und Kaplan in den 1920er- und 1930er-Jahren offen. (Goldberg\/Confino 2020; Shah 2025) Die israelische Direktorin des Simon-Dubnow-Instituts Yfaat Weiss bekr\u00e4ftigt dies: \u201eSelbstverst\u00e4ndlich waren sich alle Zionisten, die sich mit der Besiedlung Pal\u00e4stinas besch\u00e4ftigt haben, dessen bewusst, dass es sich dabei um ein koloniales Unternehmen handelt\u201c. (zitiert nach Brumlik 2021: 119) Und die den Apartheidvorwurf untermauernden unterschiedlichen Rechtsnormen f\u00fcr Pal\u00e4stinenser*innen und Israelis vor allem in den von Israel besetzten Gebieten sind gleicherma\u00dfen von internationalen wie israelischen Menschenrechtsorganisationen ausf\u00fchrlich dokumentiert worden. Beide Bezeichnungen \u2013 Apartheidstaat und Siedlungskolonialismus \u2013 sind dabei durchaus vereinbar mit der Feststellung, dass Israel eine Zuflucht f\u00fcr zahlreiche traumatisierte Holocaust\u00fcberlebende war und ist, auch wenn die verschiedenen politischen Lager die ihnen jeweils unbequeme Seite (Zuflucht einerseits, Siedlerkolonie andererseits) gerne ausblenden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Konfliktfall 3: Antisemitismus in den Reaktionen auf den 7. Oktobe<\/em>r<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Massaker der Hamas und anderer bewaffneter Gruppen an israelischen Zivilist*innen im Rahmen der milit\u00e4rischen Offensive am 7. Oktober 2023 wurde es in den sozialen Medien durch eine Reihe von Personen mit tats\u00e4chlicher oder zugeschriebener anti-, post- oder dekolonialer Positionierung gerechtfertigt. Am bekanntesten wurde ein Post der US-amerikanisch-somalischen Publizistin Najma Sharif (2024), die schrieb \u201ewhat did y\u2018all think decolonization meant? vibes? papers? essays? Losers.\u201c Es gab noch weitere Beispiele positiver Reaktionen, die die Aktion als Befreiungskampf deuteten oder zumindest als verst\u00e4ndliche Reaktion auf die jahrzehntelange Besatzung. Teilweise wurde dabei auf Frantz Fanon Bezug genommen, der Gewalt als notwendiges Mittel zur \u00dcberwindung der gewaltt\u00e4tigen Kolonialherrschaft beschrieben hatte. Diese Reaktionen wurden nicht nur als mangelnde Empathie mit den (meist israelischen und oft j\u00fcdischen) Opfern des Massakers interpretiert, sondern als Antisemitismus. Gleichzeitig wurde Judenhass mit postkolonialer Theorie in Verbindung gebracht oder gleich als ihre Konsequenz angesehen (Klein 2024). Die Argumentationen hinsichtlich des Antisemitismus st\u00fctzen sich dabei auf das bereits diskutierte Verst\u00e4ndnis Israels als Siedlungskolonie und Apartheidstaat. Damit verkn\u00fcpft wird der postkolonialen Theorie vorgeworfen, die Welt rassistisch in wei\u00dfe T\u00e4ter und nichtwei\u00dfe Opfer einzuteilen und Empathie nur f\u00fcr Letztere zu erlauben. Des Weiteren betreibe sie Gehirnw\u00e4sche an deutschen Unis, predige Hass auf den \u201eWesten\u201c, besonders auf j\u00fcdische Menschen und Israel, und sehe die Vorstellung, \u201ewestliche Werte\u201c (Toleranz, Menschenrechte) seien gewaltt\u00e4tigen und Frauen steinigenden Religionen \u00fcberlegen, als koloniales Denken an (Klein 2024, Pfister, 2023, Fleischhauer 2023). Diese Vorw\u00fcrfe sind bei einer n\u00e4heren Betrachtung postkolonialer Theoretiker*innen wie Stuart Hall, Gavatri Chakravorty Spivak oder Edward Said haltlos und allenfalls im Hinblick auf einen Vulg\u00e4rpostkolonialismus in sozialen Medien diskussionsw\u00fcrdig. Im Fall des 1935 im britischen Mandatsgebiet Pal\u00e4stina geborenen Edward Said st\u00fctzt sich der Antisemitismusvorwurf auch auf den in einem Interview von ihm ge\u00e4u\u00dferten Satz, dass \u201edie Pal\u00e4stinenser unter israelischer Besatzung heute genauso machtlos sind wie die Juden in den 1940er Jahren\u201c und Saids \u201eUmdeutung\u201c des \u201ezionistischen Projekts zu einem Kolonialrassismus\u201c, mithin die \u201eLeugnung\u201c des Existenzrechts Israels (Matthies 2024). Unerw\u00e4hnt bleibt oft, dass Said sich klar f\u00fcr eine Vermittlung zwischen zionistischen und pal\u00e4stinensischen Anspr\u00fcchen auf das umstrittene Land ausgesprochen hat (Said 2003) und ein gleichberechtigtes Zusammenleben von j\u00fcdischen und arabischen Menschen in einem demokratischen s\u00e4kularen Staat anstrebte (Said 1979: 52). Er anerkannte auch die Funktion des Staates Israel als Zufluchtsort vor dem Naziterror, bestritt aber, dass die Vertreibung und Entrechtung pal\u00e4stinensischer Menschen eine gerechtfertigte Entsch\u00e4digung f\u00fcr das j\u00fcdische Leiden darstelle (Said 1979: 48). Somit setzte er durchaus die Opfer \u2013 j\u00fcdische damals, pal\u00e4stinensische heute \u2013, nicht aber die T\u00e4ter gleich. Und mit seiner Kritik an der Nakba stellte er Israel in Frage, was in der hegemonialen \u00d6ffentlichkeit eindeutig als antisemitisch wahrgenommen wird. Die mediale Emp\u00f6rung \u00fcber die postkolonialen Studien war eng verkn\u00fcpft mit der \u00fcber propal\u00e4stinensischen Aktivismus, vor allem im Kontext der Verteilung von S\u00fc\u00dfigkeiten in Neuk\u00f6llner Stra\u00dfen nach dem 7. Oktober. Die deutschen Beh\u00f6rden reagierten nicht nur mit dem Verbot der pal\u00e4stinensischen Organisationen Hamas und Samidoun (Bundesregierung 2024), sondern auch mit der Kriminalisierung von Kufiyas und des Slogans \u201eFrom the river to the sea, Palestine will be free&#8220;, der aufgrund einer (wahrgenommenen) Leugnung des Existenzrechts Israels als antisemitisch angesehen wird; teilweise wird er als \u00c4u\u00dferung genozidaler Absichten verstanden. Auch wurde nun verst\u00e4rkt der BDS-Beschluss des Bundestags gegen propal\u00e4stinensische beziehungsweise israelkritische j\u00fcdische Intellektuelle angewandt, die prominentesten unter ihnen waren Nancy Fraser und Masha Gessen. Im November 2024 verabschiedete der Bundestag eine Resolution zum \u201eSchutz j\u00fcdischen Lebens in Deutschland\u201c, gegen die Verfassungsrechtler*innen schwere Bedenken hinsichtlich der Beschneidung von Grundrechten \u00e4u\u00dferten \u2013 wie auch gegen die BDS-Resolution von 2019 (J\u00e4ckels 2024).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hermeneutische Rekonstruktion<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im letzten Teil des Artikels will ich versuchen, die oben beschriebene Konfliktkonstellation \u2013 eine in den letzten Jahren lager\u00fcbergreifende Verurteilung postkolonialer Theorien und Argumente in verschiedenen Bereichen als antisemitisch \u2013 hermeneutisch zu rekonstruieren beziehungsweise zu verstehen. Dabei wird auf drei Ans\u00e4tze zur\u00fcckgegriffen, die nicht in Konkurrenz zueinanderstehen, sondern einander erg\u00e4nzen. Erstens geht es um einen entgrenzten Antisemitismusbegriff auf der Grundlage der Definition der IHRA, zweitens um den spezifisch deutschen Kontext (u.a. in Folge des ersten Historikerstreits), drittens um Eurozentrismus und den Beitrag postkolonialer Theoriekonzepte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ansatz 1: Entgrenzter Antisemitismusbegriff auf Grundlage der IHRA-Definition<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In einer Reihe von F\u00e4llen wurde im vorangegangenen Abschnitt bereits darauf Bezug genommen, dass in den diskursiven Konflikten eine sehr weite Definition von israelbezogenem Antisemitismus angewandt wurde, die sich oftmals auf die Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) st\u00fctzt (IHRA \u2013 International Holocaust Remembrance Alliance 2016).<a><\/a> Israelbezogener Antisemitismus ist nach Thomas Haury eine \u201eUmwegkommunikation\u201c, die das \u201eKommunikationstabu, sich o\ufb00en judenfeindlich zu \u00e4u\u00dfern, unterl\u00e4uft\u201c, indem sie quasi als Ersatz den Staat Israel kritisiert, dies allerdings auf der Grundlage antisemitischer Einstellungen und Projektionen tut (Haury 2024: 42 f.). Die IHRA definiert Antisemitismus als \u201eeine bestimmte Wahrnehmung von J\u00fcdinnen und Juden, die sich als Hass gegen\u00fcber J\u00fcdinnen und Juden ausdr\u00fccken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen j\u00fcdische oder nichtj\u00fcdische Einzelpersonen und\/oder deren Eigentum sowie gegen j\u00fcdische Gemeindeinstitutionen oder religi\u00f6se Einrichtungen.\u201c (IHRA 2016) Die \u201ebestimmte\u201c Wahrnehmung wird allerdings nicht n\u00e4her bestimmt, stattdessen an einer Reihe von Beispielen illustriert, die mehrheitlich den Staat Israel betreffen. Eines dieser Beispiele f\u00fcr Antisemitismus ist: \u201eDas Aberkennen des Rechts des j\u00fcdischen Volkes auf Selbstbestimmung, zum Beispiel durch die Behauptung, die Existenz des Staates Israel sei ein rassistisches Unterfangen\u201c (IHRA \u2013 International Holocaust Remembrance Alliance 2016). Der Rassismusvorwurf (und die verwandten Vorw\u00fcrfe Siedlungskolonialismus und Apartheidstaat) wird hier demnach als Leugnung des Rechts auf Selbstbestimmung j\u00fcdischer Menschen interpretiert. Trotz der ausf\u00fchrlich dokumentierten Evidenz dieser Vorw\u00fcrfe werden sie hier als antisemitisch und somit als unberechtigt dargestellt. Die M\u00f6glichkeit, dass j\u00fcdische Selbstbestimmung auch in einem Staat mit v\u00f6lliger Gleichberechtigung pal\u00e4stinensischer Menschen gew\u00e4hrleistet sein k\u00f6nnte, wird nicht erwogen. Als weiteres Beispiel f\u00fcr Antisemitismus f\u00fchrt die IHRA-Definition an: \u201eVergleiche der aktuellen israelischen Politik mit der Politik der Nationalsozialisten.\u201c (IHRA \u2013 International Holocaust Remembrance Alliance 2016). Es wird also davon ausgegangen, dass alle Vergleiche dieser Art erstens falsch und zweitens von Judenhass motiviert sein m\u00fcssen \u2013 ungeachtet m\u00f6glicher Kriegsverbrechen der israelischen Armee oder generell der fundamental verschiedenen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse (j\u00fcdische Menschen als schutzlose Minderheit im NS-Regime versus j\u00fcdischer Staat als \u00fcberlegene Milit\u00e4r- und Besatzungsmacht im heutigen Nahostkonflikt). Der IHRA-Definition zufolge er\u00fcbrigt sich auch eine Diskussion \u00fcber die Kunstfreiheit im Zusammenhang mit Bildern der \u00bbGuernica Gaza\u00ab-Reihe: sie erf\u00fcllen \u2013 zumindest, wenn von einem Vergleich der Opfer (j\u00fcdische\/pal\u00e4stinensische Menschen) auf einen Vergleich der T\u00e4ter (Wehrmacht\/IDF) geschlossen wird \u2013 den Tatbestand des Antisemitismus nach der IHRA-Definition. Die m\u00f6gliche Instrumentalisierung der Definition f\u00fcr entgrenzte Antisemitismusvorw\u00fcrfe wird deutlich, wenn beispielsweise unterstellt wird, der ganze Nahostkonflikt sei von (israelbezogenem) Antisemitismus gepr\u00e4gt (Deitelhoff u.a. 2023: 17). Damit wird nahegelegt, dass Hass auf j\u00fcdische Menschen, nicht etwa die zionistische Siedlungsbewegung und konkurrierende Anspr\u00fcche auf das Mandatsgebiet Pal\u00e4stina, urs\u00e4chlich f\u00fcr den Konflikt verantwortlich seien. Auch lassen sich auf diese Weise s\u00e4mtliche Verhandlungsl\u00f6sungen ausschlie\u00dfen, nur die Vertreibung und Vernichtung der Gegenseite wird Frieden bringen. In seinem Gutachten \u00fcber die IHRA-Definition kommt der Antisemitismusforscher Peter Ullrich zu folgendem Schluss: \u201eVor allem aufgrund ihrer handwerklichen Schw\u00e4chen, ihrer defizit\u00e4ren Anwendungspraxis, ihres trotzdem teilweise verbindlichen rechtlichen Status und ihrer politischen Instrumentalisierbarkeit mit problematischen Implikationen f\u00fcr die Meinungsfreiheit kann die Verwendung der &#8218;Arbeitsdefinition Antisemitismus&#8216; nicht empfohlen werden. \u2026 [Sie ist] faktisch ein zur Willk\u00fcr einladendes Instrument. Dieses kann genutzt werden, um Grundrechte, insbesondere die Meinungsfreiheit, in Bezug auf missliebige israelbezogene Positionen zu beschneiden.\u201c (Ullrich 2019: 21).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ansatz 2: Der spezifisch (west-)deutsche historische Kontext<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als zweiten Ansatz zum Verst\u00e4ndnis der relativ pl\u00f6tzlich einsetzenden lager\u00fcbergreifenden und hegemonial gewordenen Gegnerschaft gegen\u00fcber den postkolonialen Studien m\u00f6chte ich die (west-)deutsche Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus anf\u00fchren und das Bem\u00fchen, gerade von liberaler und speziell linker Seite, sich von den Verbrechen der Nazis durch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit und eine entsprechende politische Positionierung zu distanzieren. Im Unterschied zum staatlich verordneten Antifaschismus der DDR, musste in der BRD die kritische Distanz zum Nationalsozialismus und eine uneingeschr\u00e4nkte Zur\u00fcckweisung des Antisemitismus \u00fcber Jahrzehnte \u201ehart erarbeitet\u201c (Conrad 2022: 35), beziehungsweise gegen Widerst\u00e4nde erk\u00e4mpft werden \u2013 ein Prozess, der bis heute nicht vollst\u00e4ndig abgeschlossen ist. Vier der \u201eSchlachtfelder\u201c dieses Prozesses m\u00f6chte ich exemplarisch nennen: die Rede von Bundespr\u00e4sident Weizs\u00e4cker, der 1985 erstmals als hochrangiger Politiker der BRD das Ende des zweiten Weltkriegs nicht als Niederlage, sondern als Befreiung charakterisierte; der (erste) Historikerstreit, in dem Habermas Nolte und anderen Historikern die Verharmlosung des Holocaust vorwarf, weil sie diesen mit den Verbrechen Stalins auf eine Stufe stellten beziehungsweise ihn als Reaktion auf diese charakterisierten, und die Singularit\u00e4t des Holocaust affirmierte (Neiman\/Wildt 2022); die Ausstellung zu den Verbrechen der Wehrmacht des Hamburger Instituts f\u00fcr Sozialforschung, die allerorts von Gegendemonstrationen begleitet wurde (Reemtsma 2022); sowie die Kontroverse um das Buch \u201eHitlers willige Vollstrecker\u201c des Politikwissenschaftlers Daniel Goldhagen (Goldhagen 1996). Diese Konflikte k\u00f6nnen als Eckpunkte \u201ef\u00fcr die Festschreibung eines postfaschistischen Konsenses in Deutschland\u201c (Spehr 1999: 95) gesehen werden, der die Erinnerungspolitik des wiedervereinigten Gesamtdeutschlands sehr stark pr\u00e4gte. Meine These ist nun, dass viele Liberale und Linke hierzulande in diesen Konflikten sozialisiert wurden und verinnerlicht haben, dass eine Infragestellung der Singularit\u00e4t des Holocaust und sein Vergleich mit anderen Menschheitsverbrechen (aber auch, als erinnerungspolitische Konsequenz, eine grundlegende Infragestellung der Existenz Israels) eine Strategie der politischen Rechten ist, die es erinnerungspolitisch von progressiver Seite unbedingt abzuwehren gilt. Dabei nehmen sie nicht wahr, dass es der postkolonialen Seite nicht um eine Infragestellung dieses postfaschistischen beziehungsweise postnationalsozialistischen Konsens geht, sondern um seine Erweiterung auf andere rassistische Verbrechen und koloniale V\u00f6lkermorde \u2013 im Sinne des \u201eNie wieder muss f\u00fcr alle gelten&#8220;), m\u00f6glicherweise auch verbunden mit einer neuen Sprechposition f\u00fcr migrantische Deutsche ohne nationalsozialistische Verstrickung. Gegen\u00fcber diesen postkolonialen Bestrebungen kommt es sozusagen zu einem fehlgeleiteten Abwehrreflex, der im Kontext des Nahostkonflikts insbesondere von Seiten der israelischen Regierung, des Zentralrats der Juden in Deutschland und anderen pro-israelischen Akteuren nach Kr\u00e4ften unterst\u00fctzt wird. Insbesondere seit dem 7. Oktober geschieht dies unter anderem mit dem Stilmittel der Gleichsetzung von Hamas mit den Nazis, oder der Gleichsetzung oder zumindest Parallelisierung des ersten Historikerstreits mit dem zweiten (Diner 2022: 77) \u2013 und eben auch mit der Brandmarkung postkolonialer Kritiken an Israel als Siedlungskolonie oder Apartheidstaat als antisemitisch.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ansatz 3: Eurozentrismus und koloniale Muster<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Als dritter Ansatz zum Verst\u00e4ndnis der lager\u00fcbergreifenden Verurteilung postkolonialer Studien als antisemitisch kommt der Eurozentrismus hinzu, von dem auch Liberale und Linke nicht immer frei sind, auch nicht von kolonialen Denk- und Handlungsmustern. Dies zeigt sich in der emp\u00f6rten Verteidigung der \u00dcberlegenheit des Westens sowohl in wissenschaftlicher als auch in moralischer Hinsicht (Pfister 2023), aber auch in spezifischeren Argumentationsmustern, die mithilfe der postkolonialen Theorie identifiziert werden k\u00f6nnen. Das m\u00f6chte ich im Folgenden demonstrieren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Westen und der r\u00fcckst\u00e4ndige Rest:<\/em> Eines der grundlegenden Theoreme der postkolonialen Studien geht davon aus, dass die Subjektkonstruktion des Westens als aufgekl\u00e4rt und fortschrittlich im hegemonialen Diskurs auf das Gegenbild eines r\u00fcckst\u00e4ndigen Anderen angewiesen ist, das es zu zivilisieren gelte (Hall 1994: 173 f.).<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade im Kontext der gegen\u00fcber der documenta 15 ge\u00e4u\u00dferten Antisemitismusvorw\u00fcrfe wurden Stimmen laut, die besagten, man m\u00fcsse sich nicht \u00fcber Antisemitismus wundern, wenn man die Verantwortung f\u00fcr die Ausstellung K\u00fcnstler*innen aus dem globalen S\u00fcden \u00fcberlasse. Dass \u201edie Deutschen\u201c die \u201eKontrolle\u201c \u00fcber die Ausstellung abgegeben haben, habe, so der SPIEGEL, zur \u201egr\u00f6\u00dften kulturpolitischen Katastrophe in der Geschichte der Documenta\u201c gef\u00fchrt (Kn\u00f6fel u.a. 2022). Auch andere Beitr\u00e4ge zu dieser Debatte waren gepr\u00e4gt von dem Gegensatz zwischen dem aufgekl\u00e4rten, antisemitismusbewussten, moralisch \u00fcberlegenen Selbst und den r\u00fcckst\u00e4ndigen Anderen, von einem Othering.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Westen als Tr\u00e4ger universellen Wissens und universeller Normen<\/em>: Dem indischen Historiker Dipesh Chakrabarty zufolge ist \u201eEuropa\u201c implizit das \u201etheoretische Subjekt\u201c in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften: \u201eSeit Generationen haben Philosophen und Sozialwissenschaftler Theorien aufgestellt, welche f\u00fcr die gesamte Menschheit G\u00fcltigkeit beanspruchen. Formuliert wurden diese Aussagen allerdings [\u2026] in relativer und bisweilen absoluter Unkenntnis der Erfahrungen der Mehrheit der Menschheit, das hei\u00dft derjenigen Menschen, die in nichtwestlichen Kulturen leben\u201c (Chakrabarty 2002: 283 f.).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine \u00e4hnliche Haltung war auch bei in den Kontroversen um die documenta fifteen zu erkennen.&nbsp; Das Gremium zur fachwissenschaftlichen Begleitung und zur Aufarbeitung der Antisemitismusvorw\u00fcrfe gegen die postkoloniale Kunstausstellung bestand letztlich ausschlie\u00dflich aus Personen mit europ\u00e4ischem beziehungsweise \u201ewestlichem\u201c Hintergrund. Die einzigen Mitglieder mit nichtwestlichem Hintergrund (und Expertise in den postkolonialen Studien), der Kolonialhistoriker Facil Tesfaye und die sp\u00e4ter einbezogene S\u00fcdostasienhistorikerin Elsa Clav\u00e9, sind aus dem Gremium ausgeschieden, weil sie ihre Perspektiven dort nicht vertreten sahen. Das hinderte den Rest der Kommission nicht daran, den Abschlussbericht auch ohne Perspektiven aus dem globalen S\u00fcden zu verfassen (Deitelhoff u.a. 2023: 11). Die eigenen Vorstellungen, Werte und Definitionen (was antisemitisch ist und was nicht) wurden dabei als universell angenommen, ohne sich auf einen Dialog \u00fcber unterschiedliche Verst\u00e4ndnisse von Antisemitismus einzulassen. Erm\u00f6glicht wurde dies durch die Annahme, der Westen sei bef\u00e4higt, auf der Grundlage partikularer Erfahrung universell g\u00fcltige Normen zu erkennen und zu formulieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche F\u00e4lle finden sich auch in Konflikten um den Antisemitismus der postkolonialen Studien wieder. Achille Mbembes mehrfache Bekenntnisse zum Existenzrecht Israels sind (wie oben dargestellt) in der medialen Debatte schlichtweg \u00fcberh\u00f6rt \u2013 oder bewusst ignoriert \u2013 worden. Der Boykottaufruf von BDS wird mit dem nationalsozialistischen \u201eKauft nicht bei Juden!\u201c identifiziert, obwohl er sich ausdr\u00fccklich gegen den Staat Israel und nicht gegen j\u00fcdische Menschen als solche richtet (CDU\/CSU u.a. 2019: 2).<\/p>\n\n\n\n<p>In \u00e4hnlicher Weise wird der Aufruf \u201eFree Palestine from German guilt\u201c, mit dem propal\u00e4stinensische Gruppen Deutsche dazu aufrufen, die Schuld des Nationalsozialismus nicht durch unbedingte Solidarit\u00e4t mit Israel abzutragen und so die Pal\u00e4stinenser*innen daf\u00fcr b\u00fc\u00dfen zu lassen, mit einem Schuldabwehrantisemitismus, wie er z.B. in der rechtsextremen Parole \u201eSchluss mit dem Schuldkult\u201c zum Ausdruck kommt, in einen Topf geworfen (Deitelhoff u.a. 2023: 83, 89, 92). W\u00e4hrend die erste \u00c4u\u00dferung die Schuld der Deutschen an sich \u00fcberhaupt nicht in Frage stellt (und bisweilen auch von j\u00fcdischen Holocaust\u00fcberlebenden vertreten wird (siehe Hass 2023)), ist die Schuldabwehr klare Zielrichtung der zweiten. <em>Silencing<\/em>: Mit diesem Begriff hat der Anthropologe Michel-Rolph Trouillot beschrieben, wie das f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Menschen in Europa damals undenkbare historische Ereignis einer erfolgreichen antikolonialen Revolution durch versklavte schwarze Menschen in Haiti strategisch beschwiegen beziehungsweise zum Schweigen gebracht wurde (Trouillot 2002).<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Schritt weiter als das \u00dcberh\u00f6ren geht das aktive Verhindern der Artikulation pal\u00e4stinensischer (Al-Taher 2024) und postkolonialer Stimmen mittels zahlloser Ausladungen, durch Auftrittsverbote und K\u00fcndigungen unter Verweis auf die BDS-Resolution des Bundestags. Abgesagt wurde unter anderem die auf der documenta 15 im Mai 2022 geplante Veranstaltungsreihe \u00fcber Kunstfreiheit, Rassismus und Antisemitismus mit dem Titel \u201eWe need to talk\u201c, nachdem der Zentralrat der Juden kritisiert hatte, nicht in die Planung eingebunden gewesen zu sein (Albrecht 2022). Abgesagt wurde im November 2022 ebenso eine vom Goethe-Institut in Tel Aviv geplante Buchdiskussion mit Amos Goldberg, Bashir Bashir und Charlotte Wiedemann unter dem Titel \u201eUnderstanding the Pain of the Others\u201c, als Reaktion auf den Protest der israelischen Regierung (Poppe 2022). Und nicht zuletzt durfte die 2008 mit F\u00f6rderung der evangelischen Kirche erstellte Ausstellung \u00fcber die Nakba&nbsp; \u2013 die Vertreibung der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung im Rahmen der Staatsgr\u00fcndung Israels 1948 \u2013&nbsp; auf dem evangelischen Kirchentag 2023 (vor dem 7. Oktober) nicht gezeigt werden, ohne dass es begr\u00fcndete fachliche Einw\u00e4nde gegeben h\u00e4tte (Benz 2023). Die Liste lie\u00dfe sich fortsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Koloniale Differenz<\/em>: Aim\u00e9 C\u00e9saire hat bereits 1955 die These vertreten, dass aus Sicht der \u201ewestlichen Zivilisation\u201c das unverzeihliche Verbrechen Hitlers nicht das Verbrechen gegen den Menschen an sich, sondern \u201edas Verbrechen gegen den wei\u00dfen Menschen\u201c gewesen sei, die Anwendung kolonialer Praktiken, denen vorher nur Menschen in Europas Kolonien ausgesetzt waren, auf Europa (C\u00e9saire 1968: 12). Er prangerte das Messen mit zweierlei Ma\u00df und die unterschiedliche Gewichtung von Menschenleben an, die unter anderem dazu f\u00fchrte, dass koloniale V\u00f6lkermorde nicht mit einer allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte beantwortet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Muster wird auch im Nahostkonflikt kritisiert: W\u00e4hrend das Existenzrecht Israels trotz seiner gewaltsamen Gr\u00fcndungsgeschichte in der deutschen \u00d6ffentlichkeit als unantastbar gilt (Papp\u00e9 2006), wurde und wird ein souver\u00e4ner pal\u00e4stinensischer Staat seit jeher verhindert, jahrzehntelange v\u00f6lkerrechtswidrige Besatzung geduldet und laut Internationalem Gerichtshof ein m\u00f6glicherweise genozidaler Krieg durch deutsche Waffenlieferungen unterst\u00fctzt . Im aktuellen Gaza-Krieg erkennt der Anthropologe Ghassan Hage \u201ealle Kennzeichen der kolonialen Strafexpedition\u201c wieder: Nachdem die Eingeborenen auf Vertreibung und Zerst\u00f6rung ihrer Lebensgrundlagen mit der Ermordung von Kolonisierenden reagieren, setzen die Kolonisierenden \u201edie fortgeschrittensten T\u00f6tungstechniken gegen eine weit unterlegene Milit\u00e4rmacht ein und gehen zu einem genozidalen Massaker mit dem Ziel \u00fcber, den Eingeborenen eine Lektion zu erteilen, ,die sie nie vergessen werden\u2018. Das ist die Art, wie die Kolonisierenden immer ihre sehr besonderen Toten betrauert haben.\u201c (Hage 2024: 181) Den rund 1.200 israelischen Toten vom 7. Oktober stehen seitdem rund 46.000 pal\u00e4stinensische Opfer des Gaza-Kriegs gegen\u00fcber (Stand: Januar 2025 Statista 2025).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schluss: Eine postkoloniale Perspektive<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hinsichtlich der Fragestellung, wie die Ansicht, dass postkoloniale Studien antisemitisch seien, \u00fcber unterschiedliche politische Lager hinweg hegemonial werden konnte, k\u00f6nnen die hier angef\u00fchrten Ans\u00e4tze (entgrenzter Antisemitismusbegriff, historischer Kontext der BRD, Eurozentrismus und koloniale Muster) zum Verstehen der Konstellation beitragen. Insbesondere die Perspektive der postkolonialen Theorie erweist sich als produktiv zum Verst\u00e4ndnis ihrer eigenen Marginalisierung und der aktuellen diskursiven Konstellation \u2013 nur wenige werden gern mit den blinden Flecken ihres eigenen Selbstbilds konfrontiert. Eine postkoloniale Perspektive sollte sich allerdings mit Stuart Hall bewusst sein, dass klare Linien zwischen Gut und B\u00f6se schwer zu ziehen sind und der Politik bin\u00e4rer Oppositionen eine Absage erteilen. (Hall 1996: 222) F\u00fcr unser Thema hie\u00dfe dies meines Erachtens, dass die Unterschiede zwischen europ\u00e4ischem und zionistischem Kolonialismus, allen voran Antisemitismus als Motiv des letzteren, nicht au\u00dfer Acht gelassen d\u00fcrfen, genau wie die einzigartigen Aspekte des Holocaust zum Beispiel in Form der b\u00fcrokratisch-industriellen Vernichtungsmaschinerie. Auch sollte im Hinblick auf den Nahostkonflikt nat\u00fcrlich auch der Anteil arabischer Akteure (einschlie\u00dflich der Hamas) am Leid der pal\u00e4stinensischen Menschen nicht unerw\u00e4hnt bleiben, aber auch am Leid der j\u00fcdischen beziehungsweise israelischen Menschen durch Terroranschl\u00e4ge und nicht zuletzt das Massaker und die Geiselnahmen vom 7. Oktober. Die Asymmetrie des Konflikts und die Parteinahme f\u00fcr die milit\u00e4risch unterlegene und v\u00f6lkerrechtlich legitimere Seite darf nicht wie in manchen Beispielen des Vulg\u00e4rpostkolonialismus auf den sozialen Medien zu einer Empathielosigkeit mit israelischen Opfern f\u00fchren. Auswege aus der Gewalt sind aus einer postkolonialen Perspektive nur denkbar, wenn ein Begreifen des Schmerzes der Opfer der anderen Seite (Wiedemann 2022) und eine solidarische Verkn\u00fcpfung der Leiderz\u00e4hlungen (Rothberg 2021) an die Stelle einer Opferkonkurrenz treten und jenseits der kolonialen Differenz zu Empathie und Gerechtigkeit f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Literatur<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">AfD-Fraktion (2019a): BDS-Bewegung verurteilen &#8211; Existenz des Staates Israel sch\u00fctzen (28.11.2023). URL: https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/19\/097\/1909757.pdf, Zugriff: 11.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u2013 (2019b): Die deutsche Kolonialzeit kulturpolitisch differenziert aufarbeiten. Deutscher Bundestag Drucksache 19\/15784 (28.11.2023). URL: https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/19\/157\/1915784.pdf, Zugriff: 11.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u2013 (2022): Jetzt Konsequenzen aus dem Antisemitismus-Skandal auf der documenta ziehen &#8211; F\u00f6rderung des Postkolonialismus umge-hend einstellen (28.11.2023). URL: https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/20\/025\/2002598.pdf, Zugriff: 11.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Albrecht, Fabian (2022): Kassel: Documenta sagt Veranstaltungsreihe nach Antisemitismusvorw\u00fcrfen ab (4.5.2022), Zugriff: 13.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Al-Taher, Hanna (2024): Deutsche Staatsr\u00e4son und die Verunm\u00f6glichung Pal\u00e4stinensischer Realit\u00e4t. In: PERIPHERIE \u2013 Politik \u2022 \u00d6ko-nomie \u2022 Kultur 44(2-2024): 250-259. DOI: https:\/\/doi.org\/10.3224\/peripherie.v44i2.08.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Aly, G\u00f6tz (2005): Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus. Frankfurt am Main.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Amnesty International (2022): Israel\u2019s apartheid against Palestinians (1.2.2022). URL: https:\/\/www.amnesty.org\/en\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/MDE1551412022ENGLISH.pdf, Zugriff: 11.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Benz, Wolfgang (Hg.) (2023): Erinnerungsverbot? Die Ausstellung \u201eAl Nakba\u201c im Visier der Gegenaufkl\u00e4rung. Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Brumlik, Micha (2021): Postkolonialer Antisemitismus? Achille Mbembe, die pal\u00e4stinensische BDS-Bewegung und andere Aufreger. Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bundesregierung (2024): Faeser verbietet Hamas und Samidoun (13.11.2024). URL: https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/aktuelles\/hamas-verbot-2234286, Zugriff: 13.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Carp, Stefanie (2022): Rassismus und deutscher Opportunismus. Wie Achille Mbembe f\u00fcr eine deutsche Provinzintrige missbraucht wurde. In: B\u00f6ckmann, Matthias u.a. (Hg.): Jenseits von Mbembe &#8211; Geschichte, Erinnerung, Solidarit\u00e4t. Berlin: 25-44.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">CDU\/CSU u.a. (2019): Der BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten &#8211; Antisemitismus bek\u00e4mpfen. Deutscher Bundestag Drucksa-che 19\/10191 (28.11.2023). URL: https:\/\/dserver.bundestag.de\/btd\/19\/101\/1910191.pdf, Zugriff: 11.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">C\u00e9saire, Aim\u00e9 (1968): \u00dcber den Kolonialismus. Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Chakrabarty, Dipesh (2002): Europa provinzialisieren. Postkolonialit\u00e4t und die Kritik der Geschichte. In: Conrad, Sebastian u.a. (Hg.): Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften. Frankfurt am Main\/New York: 283-312.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Cheema, Saba-nur \/ Mendel, Meron (2020): Postkoloniale Theoretiker: Leerstelle Antisemitismus (25.4.2020). URL: https:\/\/taz.de\/Postkoloniale-Theoretiker\/!5678482\/, Zugriff: 11.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Coonfino, Alon \/ Goldberg, Amos (2024): Vom Fluss bis zum Meer gibt es Raum f\u00fcr verschiedene Interpretationen. In: Peripherie Nr. 174\/175, 233-241.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Conrad, Sebastian (2022): Erinnerung im globalen Zeitalter. In: Neiman, Susan \/ Wildt, Michael (Hg.): Historiker streiten. Gewalt und Holocaust &#8211; die Debatte. Berlin: 31-58.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Deitelhoff, Nicole u.a. (2023): Abschlussbericht, 6.2.2023. URL: https:\/\/www.documenta.de\/files\/230202_Abschlussbericht.pdf, Zu-griff: 20.4.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Diner, Dan (1988): Vorwort des Herausgebers. In: Diner, Dan (Hg.): Zivilisationsbruch. Denken nach Auschwitz. Frankfurt am Main: 7-14.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u2013 (2022): \u00dcber kognitives Entsetzen. In: Friedl\u00e4nder, Saul u.a. (Hg.): Ein Verbrechen ohne Namen. Anmerkung zum neuen Streit \u00fcber den Holocaust. M\u00fcnchen: 69-86.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Fleischhauer, Jan (2023): Unsere Studenten lernen nur noch, unsere Werte zu verachten (8.12.2023). URL: https:\/\/www.focus.de\/politik\/meinung\/focus-kolumne-von-jan-fleischhauer-choreografie-der-wut_id_259476403.html, Zugriff: 11.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Gilley, Bruce (2019): The Case for German Colonialism (11.11.2024). URL: https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/338555799_The_Case_for_German_Colonialism, Zugriff: 11.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Goldberg, Amos \/ Confino, Alon (2020): Debatte \u00fcber den Denker Achille Mbembe: Die andere Seite der Gleichung (1.5.2020). URL: https:\/\/taz.de\/Debatte-ueber-den-Denker-Achille-Mbembe\/!5679420\/, Zugriff: 11.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Goldhagen, Daniel Jonah (1996): Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gew\u00f6hnliche Deutsche und der Holocaust. Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hage, Ghassan (2024): Gaza und das bevorstehende Zeitalter des \u201eKriegers\u201c. In: PERIPHERIE \u2013 Politik \u2022 \u00d6konomie \u2022 Kultur 44(2-2024): 179-185. DOI: https:\/\/doi.org\/10.3224\/peripherie.v44i2.02.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hall, Stuart (1994): Der Westen und der Rest: Diskurs und Macht. In: Mehlem, Ulrich (Hg.): Ausgew\u00e4hlte Schriften 2. Hamburg: 137-179.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u2013 (1996): When was \u201ethe Postcolonial\u201c? Thinking at the Limit\u201d. In: Chambers, Iain \/ Curtis, Lidia (Hg.): The post-colonial question. Common skies, divided horizons. London: 242-260.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hass, Amira (2023): Germany, You Have Long Since Betrayed Your Responsibility (23.11.2023). URL: https:\/\/archive.ph\/unFlc, Zu-griff: 12.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Haury, Thomas (2024): Israelbezogener Antisemitismus. In: Danilina, Anna u.a. (Hg.): Was ist Antisemitismus? Begriffe und Definitio-nen von Judenfeindschaft. G\u00f6ttingen: 42-50.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">IHRA \u2013 International Holocaust Remembrance Alliance (2016): Arbeitsdefinition von Antisemitismus (31.1.2024). URL: https:\/\/holocaustremembrance.com\/resources\/arbeitsdefinition-antisemitismus, Zugriff: 30.4.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">J\u00e4ckels, Pauline (2024): Verfassungsrechtlich nicht haltbar (22.8.2024). URL: https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1184704.bundestagsresolution-zum-schutz-juedischen-lebens-verfassungsrechtlich-nicht-haltbar.html, Zugriff: 13.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Jerusalem Declaration on Antisemitism (2021): Jerusalemer Erkl\u00e4rung zum Antisemitismus. URL: https:\/\/jerusalemdeclaration.org\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/JDA-deutsch-final.ok_.pdf, Zugriff: 30.4.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Klein, Felix (2024): Akademischer Antisemitismus. Hierarchien des Hasses (2024). URL: https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/karriere-hochschule\/akademischer-antisemitismus-hierarchien-des-hasses-felix-klein-19531381.html, Zugriff: 21.2.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Kn\u00f6fel, Ulrike u.a. (2022): Judenfeindlichkeit auf der Kunstausstellung in Kassel. Die gr\u00f6\u00dfte kulturpolitische Katastrophe in der Ge-schichte der Documenta (24.6.2022). URL: https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/antisemitismus-auf-der-documenta-war-es-ein-kontrollverlust-mit-ansage-a-21435bce-3663-4101-88c4-82e6e76f73ab, Zugriff: 24.6.2022.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Martenstein, Harald (2015): \u00dcber Mittel gegen die Ursachen des Fl\u00fcchtlingsstroms (8.10.2015). URL: https:\/\/www.zeit.de\/zeit-magazin\/2015\/41\/harald-martenstein-fluechtlinge-kolonialismus?, Zugriff: 12.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Martini, Tania (2022): Historikerstreit 2.0. Konjunkturen der Erinnerung (28.2.2022). URL: https:\/\/taz.de\/Historikerstreit-20\/!5835129\/.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Matthies, Marcel (2024): Edward Said und die Judenfrage. Ein akademisches Modell f\u00fcr Israelhass (1.10.2024). URL: https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/postkolonialismus-wie-edward-said-ein-akademisches-modell-fuer-den-israelhass-entwarf-110004530.html.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mbembe, Achille (2017): Politik der Feindschaft. Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u2013 (2020): Antisemitismus: Die Welt reparieren (25.4.2020). URL: https:\/\/www.zeit.de\/2020\/18\/antisemitismus-achille-mbembe-vorwuerfe-holocaust-rechtsextremisus-rassismus, Zugriff: 24.10.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Moses, A. Dirk (2008): Empire, Colony, Genocide. Keywords and the Philosophy of History. In: Moses, A. Dirk (Hg.): Empire, colo-ny, genocide. Conquest, occupation, and subaltern resistance in world history. New York: 3-54.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u2013 (2021): Der Kate\u00acchismus der Deutschen (23.4.2021). URL: https:\/\/geschichtedergegenwart.ch\/der-katechismus-der-deutschen\/, Zu-griff: 23.5.2021.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Neiman, Susan \/ Wildt, Michael (Hg.) (2022): Historiker streiten. Gewalt und Holocaust &#8211; die Debatte. Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Papp\u00e9, Ilan (2006): The 1948 Ethnic Cleansing of Palestine. In: Journal of Palestine Studies 36(1): 6-20. DOI: https:\/\/doi.org\/10.1525\/jps.2006.36.1.6.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Pfister, Ren\u00e9 (2023): \u201aPostcolonial Studies\u2018: Wie der Hass auf Israel intellektuell veredelt wird (22.10.2023). URL: https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/postcolonial-studies-wie-der-hass-auf-israel-intellektuell-veredelt-wird-a-d222da2c-c61d-4793-a82b-875f9e6b0732, Zugriff: 22.10.2023.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Plumelle-Uribe, Rosa Amelia (2004): Wei\u00dfe Barbarei. Vom Kolonialrassismus zur Rassenpolitik der Nazis. Z\u00fcrich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Poppe, Judith (2022): Protest von israelischer Regierung: Buchdiskussion gecancelt (11.11.2022). URL: https:\/\/taz.de\/Protest-von-israelischer-Regierung\/!5894515\/, Zugriff: 13.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Protest gegen Auftritt von Mbembe (2020) (17.4.2020). URL: https:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/politik\/protest-gegen-auftritt-von-mbembe\/, Zugriff: 12.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Reemtsma, Jan-Philipp (2022): ,Wehrmachtsausstellung\u2018. In: Neiman, Susan \/ Wildt, Michael (Hg.): Historiker streiten. Gewalt und Holocaust &#8211; die Debatte. Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Rothberg, Michael (2021): Multidirektionale Erinnerung. Holocaustgedenken im Zeitalter der Dekolonisierung. Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u2013 (2024): Holocaust Remembrance and the Ethics of Comparison (18.9.2024). URL: https:\/\/www.massreview.org\/node\/11743, Zugriff: 18.9.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Said, Edward (2003): Imperial Continuity \u2013 Palestine, Iraq, and US policy. URL: https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tgteoJ1LihU, Zugriff: 4.4.2025.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Said, Edward W. (1979): Zionism from the Standpoint of Its Victims. In: Social Text (1): 7-58. DOI: https:\/\/doi.org\/10.2307\/466405.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Shah, Anil (2025): Siedlerkolonialismus in Pal\u00e4stina. In: Prokla Nr. 218, 199-209.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Sharif, Najma (2024): Najma Sharif Alawi auf X: \u201ewhat did y\u2019all think decolonization meant? vibes? papers? essays? losers.\u201c \/ X (13.11.2024). URL: https:\/\/x.com\/najmamsharif\/status\/1710689657757769783, Zugriff: 13.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Spehr, Christoph (1999): Die Aliens sind unter uns! Herrschaft und Befreiung im demokratischen Zeitalter. M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Spivak, Gayatri (1993): Can the Subaltern speak? In: Williams, Patrick (Hg.): Colonial discourse and post-colonial theory. A reader. New York, NY: 66-111.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Spr\u00fcgel, Guido (2022): Eine Vorstellung des Bandes \u201eEin Verbrechen ohne Namen\u201c: Der Katechet des Unsinns (10.2.2022). URL: https:\/\/jungle.world\/artikel\/2022\/06\/der-katechet-des-unsinns.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Statista (2025): Todesopfer und Verletzte im Israel-Gaza-Krieg 2023-2025 | Statista (21.3.2025). URL: https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/1417316\/umfrage\/opferzahlen-im-terrorkrieg-der-hamas-gegen-israel\/?__sso_cookie_checker=failed, Zugriff: 21.3.2025.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Stein, Hannes (2015): Die Entkolonisierung war eine Katastrophe (6.12.2015). URL: https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article149662414\/Die-Entkolonisierung-war-eine-Katastrophe.html, Zugriff: 12.11.2024.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Trouillot, Michel-Rolph (2002): Undenkbare Geschichte. Zur Bagatellisierung der Haitianischen Revolution. In: Conrad, Sebastian u.a. (Hg.): Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften. Frankfurt am Main\/New York: 84-115.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ullrich, Peter (2019): Gutachten zur \u201eArbeitsdefinition Anteisemitismus\u201c der International Holocaust Remembrance Alliance. In: RLS Papers (2).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wiedemann, Charlotte (2022): Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltged\u00e4chtnis. Bonn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ziai, Aram: Konflikte um Antisemitismus bei der documenta 15. Zum Abschlussbericht des Expert*innen-Gremiums. In: Peripherie 2024(174\/175): 288-305.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zimmerer, J\u00fcrgen (2011): Von Windhuk nach Auschwitz? Beitr\u00e4ge zum Verh\u00e4ltnis von Kolonialismus und Holocaust. Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u2013 (Hg.) (2023): Erinnerungsk\u00e4mpfe. Neues deutsches Geschichtsbewusstsein. Ditzingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">\u2013 \/ Rothberg, Michael (2021): Erinnerungskultur: Enttabuisiert den Vergleich! (4.4.2021). URL: https:\/\/www.zeit.de\/2021\/14\/erinnerungskultur-gedenken-pluralisieren-holocaust-vergleich-globalisierung-geschichte, Zugriff: 30.4.2024.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von  Aram Ziai <\/p>\n<p>Seit zu Beginn des 21. Jahrhunderts post- und dekoloniale Perspektiven, die sich mit dem Kolonialismus und seinen Nachwirkungen besch\u00e4ftigen, in den deutschsprachigen Geistes- und Gesellschaftswissenschaften zunehmend Anerkennung fanden, wuchs \u2013 sicher auch beeinflusst von den zahlreichen postkolonialen St\u00e4dteinitiativen \u2013 das Interesse der deutschen \u00d6ffentlichkeit an diesem Thema (s. Prokla Nr. 158). Dies hat sich im letzten Jahrzehnt noch verst\u00e4rkt, unter anderem durch die Rezeption internationaler Debatten um Black Lives Matter und Rhodes Must Fall, aber auch durch die offizielle Anerkennung des V\u00f6lkermords an den Herero und Nama seitens der BRD 2021. Der Historiker Sebastian Conrad (2022: 31) spricht von einer \u201eAufmerksamkeitsexplosion\u201c f\u00fcr die koloniale Vergangenheit. Parallel dazu l\u00e4sst sich als Reaktion eine revisionistische Gegenbewegung beobachten, getragen von konservativen und rechten Publizist*innen, Politiker*innen und Politikwissenschaftler*innen, die mal die Befreiung vom Kolonialismus als eine Katastrophe darstellen (Stein 2015), mal eine Rekolonisierung fordern (Martenstein 2015) oder den Kolonialismus generell als eine legitime und f\u00fcr die Kolonisierten vorteilhafte Herrschaftsform ansehen (Gilley 2019).<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2,5,26],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/879"}],"collection":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=879"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/879\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":896,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/879\/revisions\/896"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=879"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=879"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/wp.links-netz.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=879"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}