{"id":928,"date":"2026-01-15T12:06:41","date_gmt":"2026-01-15T11:06:41","guid":{"rendered":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=928"},"modified":"2026-01-15T12:08:05","modified_gmt":"2026-01-15T11:08:05","slug":"interview-micha-brumlik-antisemitismus-in-der-deutschen-linken","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wp.links-netz.de\/?p=928","title":{"rendered":"Interview Micha Brumlik: Antisemitismus in der deutschen Linken*"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-small-font-size\">Micha Brumlik hat einige Zeit in der Reaktion der Zeitschrift <em>links<\/em>, der Vorl\u00e4uferin von <em><u>links-netz <\/u><\/em>mitgearbeitet. Das ging oft nicht ohne Konflikte ab. Streitbar war er immer und hat als kritischer j\u00fcdischer Intellektueller in der politischen \u00d6ffentlichkeit eine wichtige Rolle gespielt. Nun ist er nach langer Krankheit gestorben. Aus diesem Anlass ver\u00f6ffentlichen wir hier ein Interview, das er im Jahr 2007 mit Michael Elm und Brigitta Simb\u00fcrger gef\u00fchrt hat. Es liegt schon lange zur\u00fcck, zeigt aber noch einmal, an wie vielen Fronten er sich engagiert hat und wie aktuell diese immer noch sind, etwa was die Bedeutung des Antisemitismusbegriffs und seine z.T. sehr problematische Verwendung angeht. Siehe dazu auch den Beitrag von Errol Babacan und Laura H\u00f6h vom 20.11.2025 auf dieser Seite.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Das Interview geht auf einen Sammelband zur\u00fcck, der sich mit der Geschichte des Antisemitismus in der deutschsprachigen Linken seit der Zeit der Aufkl\u00e4rung befasst. Ausl\u00f6ser f\u00fcr den Sammelband war eine Kontroverse zwischen Stipendiaten_innen der Hans B\u00f6ckler Stiftung, die sich im Kontext des zweiten Irakkrieges (Dritter Golfkrieg) mit der Frage besch\u00e4ftigten, welche israelkritischen \u00c4u\u00dferungen als antisemitisch und welche als legitim einzustufen sind. Eine Gruppe von Stipendiat_innen entschied sich zur Aufarbeitung der Debatte, die gerade im Umfeld einer sich als links verstehenden Gewerkschaftsorganisation besorgniserregend schien<strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Das im Februar 2005 gef\u00fchrte Interview streift einige der weniger bekannten Lebensstationen und Auseinandersetzungen von Brumlik mit der bundesrepublikanischen Linken, der er aufs Engste verbunden war. Es gibt dar\u00fcber hinaus einen Einblick, in die sich zyklisch verschlechternde Dynamik des Nahostkonflikts und seiner Rezeption in Deutschland. Dass es sich heute noch \u00fcber weite Strecken unverbraucht liest, muss als Indiz einer verh\u00e4rteten Realit\u00e4t gewertet werden. &nbsp;Seine F\u00e4higkeit, die partikulare j\u00fcdische Erfahrung vor dem Hintergrund einer universal verstandenen Aufkl\u00e4rung zu reflektieren und streitbar zu vertreten, ist unersetzbar und fehlt gerade heute.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Sie haben die Entwicklung der Neuen Linken als Teil ihrer eigenen politischen Biographie \u00fcber weite Strecken begleitet. In ihrem 1991 erschienenen Essay Weltrisiko Naher Osten ziehen sie ein recht bitteres Fazit dieses Verh\u00e4ltnisses: &#8222;Juden und geschichtsbewu\u00dfte Menschen m\u00f6gen in Deutschland noch lange und im einzelnen sogar gut leben, heimisch werden sie hier nimmer. Von der eigenen Geschichte eingeholt, steht die deutsche Linke vor einem Scherbenhaufen. Der neuen geschichtlichen Epoche hat sie nichts mehr mitzuteilen.&#8220; K\u00f6nnen Sie den zeitgeschichtlichen Hintergrund dieser Beurteilung ausf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Der zeitgeschichtliche Hintergrund waren die heftigen Debatten vor allem innerhalb der Gr\u00fcnen Partei \u00fcber die Stellungnahme zum zweiten Golfkrieg, namentlich der Frage, ob man es verantworten k\u00f6nne, Israel Verteidigungswaffen gegen eventuelle Angriffe aus dem Irak zu liefern und ob man es zulassen d\u00fcrfe, dass der damalige irakische Diktator Saddam Hussein einfach ein Land annektiert und sich damit massiv und eindeutig gegen das V\u00f6lkerrecht und das internationale Recht vergangen hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Das waren die Gr\u00fcnde f\u00fcr ihren damaligen Parteiaustritt. Wie hat sich ihr Verh\u00e4ltnis zu den Gr\u00fcnen denn weiterentwickelt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Ich bin zweimal ausgetreten. Das klingt heute vielleicht etwas merkw\u00fcrdig. 1991 bin ich ausgetreten, weil die hessische Partei sich nicht in der Lage fand, auch nur der Lieferung \u2013 es war nur eine rein symbolische Diskussion \u2013 von Luftabwehrraketen an Israel zuzustimmen. Ich bin dann, eineinhalb bis zwei Jahre sp\u00e4ter wieder eingetreten, weil ich keine Lust hatte, als parteiloser `Luxus\u00b4-Abgeordneter in der Stadtverordnungsversammlung zu sein. 2001 bin ich nochmals ausgetreten, als die Gr\u00fcne Partei beschlossen hat, den milit\u00e4rischen Einsatz der USA gegen Afghanistan zu unterst\u00fctzen. Nicht einmal so sehr, weil ich gegen diesen Krieg gegen das Taliban-Regime war. Ich war zwar gegen den Krieg, aber ausgetreten bin ich, weil ich gesp\u00fcrt habe, dass die Gr\u00fcne Partei und ihre Basis, das eigentlich nicht wollten und in einer so dramatischen Frage nun ihr Gewissen verbogen haben, nur um die Regierungsf\u00e4higkeit zu erhalten. Da bin ich dann nach wie vor so ehrlich zu meinen, dass man in essentiellen Fragen nicht um des Machterhalts willen seine tiefste \u00dcberzeugung preisgeben sollte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I: <\/strong>In der bundesrepublikanischen Gesellschaft hatte sich bis weit in die politische Mitte hinein ein pazifistischer Konsens mit den Formel `Nie wieder Krieg, nie wieder Auschwitz\u00b4 entwickelt. Kann eine heutige Linke daran noch ankn\u00fcpfen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Das hat sich ja inzwischen in einer gewundenen Weise weiterentwickelt. Ein paar Jahre sp\u00e4ter schon hat man mit der Berufung auf Auschwitz den v\u00f6lkerrechtlich jeweils nicht zul\u00e4ssigen Krieg der Nato gegen Serbien mitsamt deutscher Beteiligung gerechtfertigt, einschlie\u00dflich eines Bombenkrieges gegen die serbische Zivilbev\u00f6lkerung, bei der nun wirklich nicht klar war, ob sie an den genozidalen Massakern an den bosnischen Muslimen in irgendeiner Weise mitbeteiligt gewesen war. Ich m\u00f6chte sagen, was 1991 zuwenig gewesen ist, das war dann ein paar Jahre sp\u00e4ter auch schon zuviel. Man sieht, dass das, was man unter Auschwitz bezeichnet hat, zu einer leicht konvertierbaren M\u00fcnze im au\u00dfenpolitischen Gesch\u00e4ft geworden ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I: <\/strong>W\u00fcrden Sie den damaligen Bezugnahmen von Fischer oder Scharping auf Auschwitz als strategisch bezeichnen oder denken Sie, dass beide noch so in die deutsche Geschichte verstrickt sind, dass sie ihre Vergleiche selbst ernst nehmen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Ich m\u00f6chte zugunsten von Fischer und Scharping annehmen, dass sie das nicht bewusst instrumentell eingesetzt haben, sondern und dazu gab es ja durchaus Anlass, nationale und internationale Warnungen ernst genommen haben. Das tats\u00e4chlich zum ersten Mal in Europa nach 1945 ein neuer Genozid kurz vor der Durchf\u00fchrung \u2013 so nennt man das wohl \u2013 stand.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> W\u00fcrden Sie sagen, dass sich die Einsch\u00e4tzung, die sie im zweiten Golfkrieg in Bezug auf deutsche Linke gewonnen hatten, sich im dritten Golfkrieg wieder finden lassen? Sie haben davon gesprochen, dass heute \u00fcberbewertet werde, was Anfang der Neunziger zu wenig gewesen sei. Wo sehen sie Kontinuit\u00e4ten und wo sehen sie Differenzen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B: <\/strong>Also, was sich nat\u00fcrlich durchzieht, das ist eine \u00e4hnliche pazifistische Grundhaltung. Ich glaube aber dennoch, dass es wesentliche Unterschiede gibt, die nur einfach in der Sache, das hei\u00dft in den Anl\u00e4ssen und Gr\u00fcnden dieser Kriege liegen. Damals konnte man allen Ernstes davon ausgehen, dass der Staat Israel von der Vernichtung bedroht war. Hinterher hat man uns gesagt, dass das \u00fcberhaupt nicht zugetroffen hatte. Diesmal war schon von Anfang an klar, dass eine vergleichbare Bedrohung f\u00fcr den Staat Israel sowie f\u00fcr die umgebenden L\u00e4nder unmittelbar und kurzfristig \u00fcberhaupt nicht anstand und auch wenn man die israelische Presse verfolgt hat und gelesen hat, was der israelische Verteidigungsminister oder der israelische Generalstabschef gesagt haben, dann war beim dritten Golfkrieg offenkundig, dass Israel nicht in seiner Existenz bedroht war. Insofern bin ich \u2013, aber je n\u00e4her man an die eigenen politischen Stellungnahmen r\u00fcckt, umso weniger objektiv wird es \u2013, immer noch der Meinung, dass diese Form der Enthaltsamkeit dem dritten von Georg W. Bush durchgef\u00fchrten Irak-Krieg gegen\u00fcber politisch vern\u00fcnftig gewesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Wie hat sich denn ihr Verh\u00e4ltnis zur deutschen Linken biographisch entwickelt? Welchem Teil der Linken f\u00fchlten Sie sich denn zugeh\u00f6rig, und wie hat das ihr Selbstverst\u00e4ndnis gepr\u00e4gt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Ich habe 1967 Abitur gemacht und als Unterprimaner und Oberprimaner an der Sch\u00fclerbewegung in Frankfurt am Main teilgenommen. Also da war ziemlich klar, dass man antiautorit\u00e4r eingestellt war. Ich war zugleich Mitglied einer zionistischen Jugendorganisation und f\u00fcr uns war es selbstverst\u00e4ndlich, nach dem Abitur als \u00fcberzeugter Zionist nach Israel zu gehen. In den zwei Jahren zwischen 1967-69 in denen ich dort gewesen bin, hat sich allerdings sehr schnell gezeigt, dass diese Naivit\u00e4t nicht an der Tagesordnung gewesen ist, weil sich damals schon abgezeichnet hat, dass die anfangs nur milit\u00e4risch gedachte Besiedelung der Westbank zu einer dauerhaften Annexion mit unabsehbaren Folgen f\u00fchren w\u00fcrde. Zugleich hat sich in einer n\u00e4heren Auseinandersetzung mit der Geschichte des Zionismus und Israels herausgestellt, dass die Darstellungen, die man uns in unserer Jugend erz\u00e4hlt hat, dass das alles friedlich schiedlich vor sich gegangen sei und lediglich die Araber nicht willentlich waren, sich darauf einzulassen, einfach falsch gewesen sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Wir sprechen jetzt vom Zeitraum kurz nach dem Sechstagekrieg. Wie und wo haben Sie das erlebt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B: <\/strong>Ich habe ein Jahr in einem Kibbuz verbracht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I: <\/strong>Und wie war das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B<\/strong>: F\u00fcr einen jungen Mann war das toll. Ich habe zumindest ein Jahr in einer richtig kommunistischen Gemeinschaft gelebt. Wir hatten kein Privateigentum mit Ausnahme von ein bisschen Taschengeld, aber das war auch kein Problem, da wir ja voll versorgt waren. Da waren andere j\u00fcdische junge Leute aus allen Teilen der Welt, aus den USA, aus Australien, aus den Niederlanden und in gehobener Weise war es ein Jahr `Abenteuerurlaub\u00b4.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Da wurden doch auch sicher politische Diskussionen gef\u00fchrt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B: <\/strong>Wir haben schon diskutiert, wie das jetzt mit der Besetzung der arabischen, jordanischen, \u00e4gyptischen und der syrischen Gebiete ist. Welches die k\u00fcnftigen Friedensaussichten seien usw. Aber das war im Kibbuz selbst nicht sehr ausgepr\u00e4gt. Als ich dann nach einem Jahr nach Jerusalem zum Studium gekommen bin, wurde ich sehr schnell zum Anh\u00e4nger und auch Teilnehmer einer trotzkistischen Gruppe <em>Maz Pen<\/em>, die damals \u00fcberzeugt antizionistisch gewesen ist. Ich bin 1969 nach Deutschland zur\u00fcckgegangen und habe im Wintersemester 1969\/70 hier angefangen zu studieren, wobei aus einem, so muss man heute sagen, antitotalit\u00e4ren Impuls heraus f\u00fcr mich immer der Beitritt zu einer Partei kommunistischen Organisation v\u00f6llig ausgeschlossen gewesen ist. Ich habe sehr fr\u00fch Orwells <em>1984 <\/em>gelesen und war zutiefst davon \u00fcberzeugt, dass diktatorische L\u00f6sungen und sei es auch nur auf Zeit, nicht der Weg sein k\u00f6nnen. Deswegen habe ich mich in Frankfurt einer anarchistischen Gruppe angeschlossen. Ob das im Endeffekt soviel besser war, wird man bestreiten m\u00fcssen. Aus dieser Gruppe sind immerhin auch einer der Entf\u00fchrer des Flugzeugs nach Enttebbe hervorgegangen, und ein wesentliches Mitglied war der Komplize von Carlos, Johannes Weinrich. Der Anarchismus hat in keiner Weise davor gefeit, auch militant und brutal zu judenfeindlichen Ma\u00dfnahmen zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Aber sie f\u00fchlten sich um diese Zeit schon der au\u00dferparlamentarischen Linken zugeh\u00f6rig?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B: <\/strong>Ja, unbedingt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Insofern haben sie eine zur bundesdeutschen Linken parallele Entwicklung vollzogen. In der Fachliteratur gibt es ja den Hinweis darauf, dass sich nach dem Sechstagekrieg auch in der damals noch jungen Neuen Linken ein Einstellungswechsel vollzogen hat; n\u00e4mlich von einer weit verbreiteten pro-israelischen Haltung hin zum Antizionismus. Wo setzen sie denn ihre Br\u00fcche zu hiesigen Linken an, mit der sie damals politisch offenkundig weitgehend konform gingen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Naja, ich lege aber Wert darauf, dass ich diese Erfahrung in Israel gemacht habe und nicht von Deutschland aus. Das ist schon ein wichtiger Punkt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Ja. Meine Frage zielt darauf, wann und an welchen Punkten ihre Differenzen mit der hiesigen Linken anfingen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> 1982 nach dem Libanon-Krieg gegen den ich auch sehr heftig protestiert habe. Freunde aus der j\u00fcdischen Gemeinde haben mir immer vorgehalten, dass wenn man als Jude an so etwas teilnimmt, man hier vorhandene antisemitische Ressentiments und Vorurteile nur best\u00e4rkt. Gut, das wusste ich irgendwie, aber es hat mich nicht besonders beeindruckt, da ich \u2013 wie gesagt \u2013 durchaus gesinnungsethische Z\u00fcge habe, und wenn etwas richtig ist, dann muss man das sagen. Als dann bei Demonstrationen gegen den Libanon-Krieg Transparente auftauchten, etwa des Inhalts `Zionisten raus aus Israel-Pal\u00e4stina\u00b4 und nicht nur `Zionismus raus aus Israel-Pal\u00e4stina\u00b4, also als sichtbar wurde, dass ein Teil der antizionistischen Protestierer sich sehr weitreichenden arabisch-nationalistischen Parolen angeschlossen hatte, da begann bei mir ein Prozess des Umdenkens.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Mich w\u00fcrde noch ein anderer Aspekt ihrer damaligen politischen Haltung interessieren, n\u00e4mlich Ihr Verh\u00e4ltnis zum Staat und zur damals regierenden Sozialdemokratie? Ich denke, wenn Sie sich als Teil der au\u00dferparlamentarischen Linken betrachtet haben, dann war es nahe liegend, dass sie auch den Staat in dieser Zeit abgelehnt haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Nein, das war nicht so. Ich war dann Assistent in G\u00f6ttingen eineinhalb Jahre, und da hatte ich Zeit nachzudenken \u00fcber dies oder das und als ich dann 1974 nach Frankfurt zur\u00fcckgekommen bin, bin ich dem <em>Sozialistischen B\u00fcro <\/em>beigetreten. F\u00fcr mich war seither immer klar, Anarchismus funktioniert nicht und R\u00e4tedemokratie funktioniert auch nicht und insofern war ich eigentlich immer f\u00fcr eine linke sozialistische Partei und damit nat\u00fcrlich auch f\u00fcr einen irgendwie links wirkenden Parlamentarismus. Das stand f\u00fcr mich seit 1974\/75 au\u00dferhalb jeden Zweifels und das war auch einer der Gr\u00fcnde, die zu starken Spannungen innerhalb der Redaktion der Zeitschrift <em>Links<\/em> gef\u00fchrt hatten. Da gab es einen Teil, die waren eben R\u00e4tekommunisten, andere \u2013 etwa der verehrte Kollege Joachim Hirsch \u2013 war der Meinung, dass man sich solche Gedanken \u00fcberhaupt nicht machen d\u00fcrfe, sondern dass jetzt die Arbeit der Kritik anst\u00fcnde, und das es ohnehin illusorisch sei, sich auf konkrete Politikmodelle einzulassen. F\u00fcr mich hingegen war der Gedanke von Rechtsstaatlichkeit immer sehr wichtig und da ich ja damals auch schon sehr intensiv Philosophie studiert habe, galt f\u00fcr mich die Leitlinie der Kantischen Philosophie in diesem Kontext als unaufhebbar. Also ohne Rechte und Rechtlichkeit geht es nicht und Recht, das war mir auch relativ fr\u00fch klar, ist in der Tat, da traf dann auch die Analyse der Kritiker zu, Recht ist ohne Staat nicht zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Da teile ich mit Kant eine realistische Anthropologie. Der Mensch ist ein krummes Holz, ich kann mir keinen Umstand vorstellen, unter dem die Menschen so voll entwickelte Individuen sind, dass sie keine Konflikte mehr haben und diese Konflikte gegebenenfalls nur durch einen ausf\u00fchrlichen, am Ende gar nach therapeutischem Diskurs beilegen k\u00f6nnen. Zu unserer aller Lebzeiten wird das jedenfalls nicht geschehen. Unter diesen Umst\u00e4nden ist es doch sicher vern\u00fcnftig, Regeln zu schaffen, mit denen wir in der Tat in letzter Instanz sanktionsgest\u00fctzt uns frei von Angst bewegen k\u00f6nnen und im Rahmen solcher nur von einem demokratischen Staat garantierbarer Rechte unseren Lebenspl\u00e4nen, unserem Gl\u00fcck nachgehen k\u00f6nnen und damit auch unsere Freiheit leben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Ihrer biographischen Selbstvergewisserungsschrift <em>Kein Weg als Deutscher und Jude<\/em> ist zu entnehmen, dass Sie an der Organisation eines Kongresses 1988 zu Antisemitismus in der Linken beteiligt waren. Was wurde da debattiert? Wie muss man sich die damalige Stimmung vorstellen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Da wurde unter anderem eine bestimmte Form der Kritik an Israel diskutiert, die sich sehr stark aus christlichen Motiven gespeist hat. Weiter wurde eine damals noch nicht so stark akademisch ausgepr\u00e4gte feministische Theologie besprochen, die sich in einer sehr traditionell judenfeindlichen Weise gegen das Judentum gewendet hat. Und es wurde vor allem eine bestimmte Form des antiimperialistischen Antizionismus verhandelt, der 1988 schon \u00fcberhaupt nicht mehr in der Lage oder Willens war, zu verstehen, dass ein Teil der Schwierigkeiten im so genannten Nahost-Konflikt eben sehr viel mit der nationalsozialistischen deutschen Geschichte zu tun hatte. Das ist ein Moment, den wir nicht ausreichend gewichtet fanden. Man muss allerdings sagen, dass das schon damals innerhalb der Linken zu heftigen Kontroversen gef\u00fchrt hat. Ich habe seinerzeit noch im <em>Sozialistischen B\u00fcro <\/em>in Offenbach, in der Redaktion der bereits erw\u00e4hnten Zeitschrift <em>Links <\/em>mitgearbeitet und dort hat das zu allerheftigsten Zerw\u00fcrfnissen gef\u00fchrt, was etwa daran deutlich wurde, dass es nicht m\u00f6glich war, in der <em>Links <\/em>auch noch mal einen Artikel zu dieser nun doch antisemitischen Fr\u00fchschrift von Karl Marx zur Judenfrage zu publizieren. Andere Kollegen wollten das nicht und die waren auch der Meinung, dass dieser Kongress letzten Endes nichts anderem diente, als die Linke insgesamt in Verruf zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Lassen Sie uns den theoriegeschichtlichen Aspekt verfolgen. In dem Buch <em>Deutscher Geist und Judenhass<\/em> haben sie die Frage gestellt, ob es eine spezifische Tradition des Antisemitismus im deutschen Idealismus \u2013 zu dem Sie auch den Marx des Vorm\u00e4rz gerechnet haben \u2013 gegeben haben. Wie w\u00fcrden Sie eine solche Traditionslinie charakterisieren und welche Verbindungen lassen sich zur Linken in Deutschland ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B: <\/strong>Wenn ich das heute betrachte, dann ist es vor allem eine Traditionslinie, die sich aus der Aneignung des Neuen Testaments durch einen Teil der idealistischen Philosophen gespeist hat. Ich habe mich in dem Buch mit verschiedenen Denkern des deutschen Idealismus auseinandergesetzt. Relativ gut kommen Kant und Hegel weg, weil sie letzten Endes doch eine universalistische menschenrechtliche Position bezogen haben. Weit ung\u00fcnstiger habe ich Fichte und Schleiermacher beurteilt. Fichte war, obwohl er ein \u00fcberzeugter Demokrat und Republikaner gewesen ist, doch ein ziemlich heftiger Antisemit. Das hat er auch durch bestimmte Auslegungen des neuen Testaments untermauert. Bei Schleiermacher, der ja an und f\u00fcr sich ein sehr liberaler Kopf gewesen ist und ein Leben lang auch die ein oder andere j\u00fcdische Freundin hatte, ist v\u00f6llig klar, dass eben die Bedeutung des Judentums und des j\u00fcdischen Glaubens f\u00fcr das Christentum allenfalls als historisches Faktum bekannt gewesen ist. Angesichts des Umstandes, dass im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts mehr und mehr Juden dazu neigten, sich taufen zu lassen, ist er dann geradezu von panischen \u00c4ngsten \u00fcberfallen worden, dass dadurch ein falscher Geist in die christliche Religion und ins deutsche Volk einziehen w\u00fcrde. Bei Marx findet man das auch wieder. Die Gedankenfigur ist immer: die Juden, das Gesetz und das Geld.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Bei Marx ist ja bekannt, dass seine antisemitischen Formulierungen immer damit gerechtfertigt werden, dass sein Anliegen strukturtheoretisch ist und dass er sich in praktischen Fragen sehr f\u00fcr die Emanzipation der Juden eingesetzt hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Die Frage ist nur, ob man das so trennen kann. Wenn wir bei der Schrift zur Judenfrage nicht w\u00fcssten, dass sie von Karl Marx, sondern etwa von Richard Wagner w\u00e4re, dann w\u00e4ren wir uns sofort einig, dass das ein durch und durch antisemitischer Text ist. Ich glaube, man kann Texte nicht dadurch entschuldigen, dass man sagt: \u201eDer Autor hat es in irgendeiner Weise gut gemeint\u201c. Das finde ich eine etwas schlichte Hermeneutik.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Marx der Judenfrage ist das nach wie vor eine schwierige Debatte, weil die S\u00e4tze, die sich dort finden, also \u201edas Geld ist der eifrige Gott Israels\u201c oder dann auch in einer der Thesen zu Feuerbach, dass Feuerbach die \u201eschmutzige j\u00fcdische Praxis\u201c identifiziert habe. Es sind so eindeutig judenfeindliche \u00c4u\u00dferungen, dass es nicht ausreicht zu sagen, das war strukturtheoretisch gedacht. Es w\u00fcrde ja niemand auf die Idee kommen, die Bedeutung der Marxschen Philosophie zu leugnen, genauso wenig, wie man darauf k\u00e4me, die Bedeutung der Wagner\u2019schen Musik zu leugnen, wenn man sagt, dass Wagner sich auch antisemitisch ge\u00e4u\u00dfert hat. Es hat bei der Linken immer so einen Wagenburgreflex gegeben. Also wenn man jetzt zugibt, dass auch der wesentliche Strukturtheoretiker einfach in einigen Hinsichten nicht nur Unrecht gehabt, sondern auch durch das, was er geschrieben hat, Unrecht getan hat, als ob dann das ganze Programm zusammenbricht. Das war ein wenig souver\u00e4ner Umgang, den man sich vielleicht damit erkl\u00e4ren kann, dass die Linke in der Bundesrepublik Deutschland immer sehr stark unter politischem Druck gestanden hat. Das w\u00e4re vielleicht eine Entschuldigung f\u00fcr diese apologetische Haltung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Kommen wir auf das politische Tagesgeschehen zu sprechen. Sehen Sie eine Verbindung von der neoliberal inspirierten Rot-Gr\u00fcnen Regierungspolitik und einen sich wieder verst\u00e4rkt \u00f6ffentlich zeigenden Antisemitismus?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Naja, in trivialer Hinsicht schon. Trivial hei\u00dft in dem Ausma\u00df, und das sagt ja Wilhelm Heitmeyer auch, wie die soziale Desintegration fortschreitet, wird das Auftreten extremistischer politischer Str\u00f6mungen wahrscheinlicher. Die interessante Frage ist nat\u00fcrlich, warum hier und unter diesen Umst\u00e4nden, wobei sich Deutschland gar nicht so sehr von seinen europ\u00e4ischen Nachbarstaaten unterscheidet, die extremistischen Parteien sich ausschlie\u00dflich rechts und nicht links finden. Das ist in Lateinamerika ganz anders als hier. In Europa finden undifferenzierte, ressentimentgeladene, populistische Stimmungen ihren parteipolitischen Anker vor allem bei Rechtspopulisten und Rechtsextremisten und das ist in der Bundesrepublik Deutschland nicht anders. Also das ist gewisserma\u00dfen die triviale Wahrheit, aber wichtig ist auch, dass der Zustrom oder die Sympathie wachsender Schichten f\u00fcr rechtspopulistische und rechtsextremistische Haltung nat\u00fcrlich nicht ohne die entsprechenden politischen Traditionen in den einzelnen L\u00e4ndern und Regionen begriffen werden kann. Nun ist es richtig, dass der Anteil rechtsextremistischer junger M\u00e4nner in Ost und West ungef\u00e4hr gleich hoch ist. Auf der anderen Seite muss man schon sagen, und damit wird jetzt auch niemand spezifisch beschuldigt, dass es in den ostdeutschen L\u00e4ndern einfach keine demokratische Tradition gibt. Mit Ausnahme dieser 13 Jahre Weimarer Republik, ansonsten hat es von 1871 bis 1989 einfach keine Demokratie gegeben. Wo sollen demokratische Partizipationsformen eigentlich herkommen? Die Lehrerschaft in den Ostdeutschen L\u00e4ndern selbst ist, wenn ich das richtig sehe, resigniert, die waren z.T. sehr SED nah. Dann ist das ja alles abgewickelt und umgepolt worden. Mein Eindruck ist, dass diese Lehrerschaft von der Haltung gepr\u00e4gt ist: \u201eNun wir haben uns einmal politisch die Finger verbrand, das passiert uns ein zweites Mal nicht.\u201c Das hei\u00dft, dass sie demokratische Prinzipien und demokratische Wertebildung jedenfalls nicht mehr zu ihrer eigenen Angelegenheit machen und das hinterl\u00e4sst nat\u00fcrlich dann seine Spuren auch in der Jugend, soweit sie in die Schule geht. Also es l\u00e4sst sich tats\u00e4chlich beobachten, dass ein bestimmtes kollektivistisches Verst\u00e4ndnis des DDR-Sozialismus ebenfalls tiefe Spuren hinterlassen hat. Die nun also f\u00fcr nationalistische Aufladungen empf\u00e4nglich machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Aber der Rechtsextremismus kommt ja nicht nur aus der ehemaligen DDR.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Ja, er kommt nicht nur von dort, aber die Wahlerfolge, das ist ja nun mal nicht zu bezweifeln, die finden in Ostdeutschland statt und ein Anwachsen auch von gewaltt\u00e4tigen \u00dcbergriffen sind auch vor allem in Ostdeutschland zu verzeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nahost-Konflikt und deutsche Linke<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Vielleicht gehen wir noch mal zur\u00fcck auf die deutsche Linke und den Nahost-Konflikt? Warum ist es eigentlich so schwierig, eine linke Position zu formulieren, in die das Bewusstsein \u00fcber die nationalsozialistischen Verbrechen an den Juden und eine reflektierte und kompromisslose Haltung gegen den Antisemitismus mit einer differenzierten Kritik des Nahostkonflikts verbunden ist?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Ich glaube, das ist einfach ein Mangel an differenziertem Denken. Also man muss sich nat\u00fcrlich schon sehr anstrengen und auch sehr kundig machen, um sich etwa in den Details der israelischen Innen- und Au\u00dfenpolitik tats\u00e4chlich zu zurechtzufinden. Es ist nicht so einfach zu verstehen, warum und aus welchen Gr\u00fcnden es zu diesen Siedlungen kam und kommt. Zu verstehen, warum und unter welchen Umst\u00e4nden es zu den Vertreibungen der Pal\u00e4stinenser in den Jahren 1947\/48 gekommen ist und vieles mehr. Es ist auch nicht ganz einfach, sich klar zu machen, welche Funktion Israel im Mittleren Osten spielt und wie nun wirklich seine Beziehungen zu den USA sind. Man geht ja gerne davon aus, dass Israel, so hie\u00df das vor 20-30 Jahren, `der Kettenhund des Imperialismus\u00b4 sei, dass die israelischen Regierungen letzten Endes das tun, was die USA oder eine beliebige US-amerikanische Regierung jeweils von ihnen will. Das ist nat\u00fcrlich viel zu einfach gedacht. Die Verh\u00e4ltnisse sind sehr viel komplexer und vor allem, und das ist vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte gut zu verstehen, erscheint es uns hier so, als sei der Nahostkonflikt der Dreh- und Angelpunkt der Kriegs- und Friedensentwicklung in der ganzen Welt. Das w\u00fcrde sich von Australien oder Sri Lanka aus v\u00f6llig anders ausnehmen, da w\u00fcrde man wahrscheinlich eher denken, dass der Kaschmirkonflikt zwischen Indien und Pakistan viel brisanter ist als der Nahost-Konflikt. Aber ich will noch mal betonen, vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte ist das nicht weiter verwunderlich, angesichts dessen, was das nationalsozialistische Deutschland den europ\u00e4ischen Juden angetan hat, ist klar, dass ein besonderes Interesse dem j\u00fcdischen Staat gilt. Dann gibt es nat\u00fcrlich auch so durchaus verst\u00e4ndliche schlichte Erwartungshaltungen, dass diejenigen, die selbst einmal Opfer waren, wer immer jetzt `die\u00b4 dieses Kollektivs sind, doch aus ihrem Leiden die richtige humanit\u00e4re Einstellung h\u00e4tten erworben haben m\u00fcssen. Aber das Gegenteil ist nat\u00fcrlich der Fall. Also Leiden und Verfolgung machen in aller Regel die meisten Menschen nicht besser, sondern f\u00fchren sie dazu, in Zukunft ihre eigenen Interessen sehr viel deutlicher wahrzunehmen, und genau das ist es, was nun auch ein Teil der israelischen Politik ausmacht. Womit ich nicht sagen will, dass die au\u00dfenpolitischen Interessen des israelischen Staates mitsamt seiner Besatzungspolitik ein unmittelbarer Ausfluss der Erfahrungen des Holocaust sind. Das ist sicher nicht der Fall, aber so etwas schwingt nat\u00fcrlich im Hintergrund immer auch noch mit. Das sind sehr komplexe Zusammenh\u00e4nge, denen sich die meisten Leute entziehen. Wir denken halt immer oder w\u00fcrden uns w\u00fcnschen, dass Menschen, die politisch urteilen, differenziert denken. Aber ich meine, der realistische Blick zeigt einem, dass es darum \u00fcberhaupt nicht geht. Politik eignet sich wie nur wenige andere Felder dazu, wirklich leidenschaftliche Haltungen an den Tag zu legen. Hier kann man manich\u00e4isch denken, hier kann man nun Freund- und Feindbilder aufrechterhalten und gut und b\u00f6se schnell verteilen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Es gibt die These, dass der Antizionismus nach dem Sechstagekrieg gerade vor dem Hintergrund der deutschen Vergangenheit nur von der politischen Linken in Deutschland durchgesetzt werden konnte. W\u00fcrden Sie das teilen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Ja.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Worin zeigt sich denn der Antisemitismus im Antizionismus?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Dass er ein begrenztes politisches Problem zum Kernproblem der Weltpolitik macht. Dass die V\u00f6lker und Menschenrechtsverletzungen der israelischen Regierung als schlimmer angesehen und skandalisiert werden als andere Missetaten dieser Art, die man \u00fcberall finden kann. Und letztlich an der Bereitschaft dieses \u201epolitische Problem\u201c anders als bei allen anderen Problemen, dadurch zu l\u00f6sen, dass man gewisserma\u00dfen die Existenz einer ganzen Bev\u00f6lkerung, n\u00e4mlich der j\u00fcdisch-israelischen, einfach aufs Spiel setzt. Das w\u00fcrde man sonst nicht tun.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Ist der Antizionismus gegenw\u00e4rtig noch ein starkes Element oder hat sich da auch ein Wandlungsprozess innerhalb der Linken vollzogen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Ich glaube, dass sich die politisch artikulierte Linke in den Parteien, die es heute gibt, weder so etwas denkt noch meint. Aber ich verweise auf die Heitmeyer-Umfrage, bei der \u00fcber 50% der Befragten \u00e4u\u00dferten, dass Israel mit den Pal\u00e4stinensern dasselbe mache, was die Nationalsozialisten den Juden angetan haben. Das ist zugleich der Ausweis dessen, dass ein \u00fcberwiegender Teil der hiesigen Bev\u00f6lkerung dem Staat Israel jede Legitimationsgrundlage \u2013 anders als allen anderen Staaten der Welt \u2013 entzieht. Denn was die Nazis gemacht haben, ist einfach nicht legitimierbar. Das ist schon beunruhigend.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das ist eine Umfrage und ich glaube, wir m\u00fcssen hier schon realistischerweise von einer Schere zwischen den so genannten Eliten und dem Wahlvolk ausgehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Aber genau in diesem Spannungsverh\u00e4ltnis konnte man sehen wie beispielsweise J\u00fcrgen M\u00f6llemann den Versuch unternommen hat, mit dem Antisemitismus im Wahlkampf zu punkten. Zeigt sich darin eine Ver\u00e4nderung in dem Diskurs der deutschen \u00d6ffentlichkeit?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Das kann man derzeit noch nicht sagen. Es ist eine Stimmung in der Bev\u00f6lkerung, ob und inwieweit sich das dann \u00fcber diesen Transmissionsriemen der Parteien ins politische Steuerungssystem selbst durchsetzen wird, das l\u00e4sst sich heute nicht absehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Antiamerikanismus und Schuldabwehr<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Erlebt der Antiamerikanismus gegenw\u00e4rtig eine neue Konjunktur in Bezug gerade auch auf den letzten Golfkrieg?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Das sagt man immer so. Ich glaube das nicht. Ich halte das, um es mal ganz platt zu sagen, f\u00fcr eine neoliberale Ideologie. Ich glaube nicht an dieses Konstrukt des Antiamerikanismus. Wenn man die Leute heute auf der Stra\u00dfe fragt, dann geben sie die richtige Antwort: wir m\u00f6gen Hamburger, wir m\u00f6gen Bob Dylan, wir m\u00f6gen die Rockpolitik, wir m\u00f6gen Angela Davis, aber wir m\u00f6gen nicht den gegenw\u00e4rtigen US-amerikanischen Pr\u00e4sidenten und seine Politik. Das ist f\u00fcr mich noch kein Antiamerikanismus. Wenn man sich historisch \u2013 und das ist meine Differenz etwa zu einem Kollegen wie Dan Diner \u2013 nun ansieht, was der historische Antiamerikanismus gewesen ist, etwa der der Nationalsozialisten, dann hie\u00df das Washington, die Wallstreet, Plutokratie, `Negermusik\u00b4 und eine instrumentelle Verwendung von universalistischen Menschenrechten. Das ist glaube ich nichts, was heute jedenfalls breite Bev\u00f6lkerungsstimmungen motiviert, obwohl auf der anderen Seite richtig ist, was sp\u00f6ttische Beobachter so beschreiben: Wenn man irgendeinen Konflikt in der Welt wirklich puschen will, dann muss man nur sagen, dass die USA dahinterstecken. Tillman Z\u00fclch von der <em>Gesellschaft f\u00fcr bedrohte V\u00f6lker<\/em> hat neulich gesagt: \u201eAuch die deutschen Proteste gegen die genozidalen Prozesse etwa in Darfur w\u00fcrden sehr viel st\u00e4rker sein, wenn sich nun herausstellen w\u00fcrde, dass es nicht die \u00f6konomischen Interessen der Volksrepublik China, sondern der USA sind, die zu diesen Genoziden dort f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Aber sind die Klischees einer `j\u00fcdischen Wallstreet\u00b4 oder der von Juden dominierten amerikanischen Kulturindustrie in Hollywood nicht Versatzst\u00fccke antisemitischen Denkens, die im Antiamerikanismus auch heute noch mit zum Tragen kommen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Ja, wenn es so ist, dann ist es so. Aber die Frage ist, wo finden Sie das eigentlich. Wenn ich die Presse aufmerksam lese, sehe ich nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig viele Verweise auf die Ostk\u00fcstenpresse. Ich finde, es hat sich vielleicht mit einer gewissen Selbstgerechtigkeit inzwischen auch in Deutschland herumgesprochen, dass die Politik des US-amerikanischen Pr\u00e4sidenten, also von Bush selbst, sehr stark rechtschristlich evangelikal durchwirkt ist. Dann gibt es, und da kann man dann streiten, immer wieder Hinweise, dass die Neokonservativen, bei denen es viele j\u00fcdische Intellektuelle gibt, letzten Endes aus j\u00fcdisch-ethnischen Motiven heraus eine derartige Politik, wie sie jetzt im Nahen Osten verfolgt wird, vorantreiben. Ich w\u00fcrde das \u00fcbrigens \u00fcberhaupt nicht ausschlie\u00dfen. Einfach vor dem Hintergrund, dass es in den USA \u2013 und das ist jetzt ein Problem mit dem verschw\u00f6rungstheoretischen Denken in Deutschland \u2013 absolut legitim ist, das beliebige Ethnien und Lobbys auch ethnischer und nationaler Provenienz versuchen, ihre Interessen durchzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Das, denke ich, ist unbenommen. Die Frage scheint mir vielmehr zu sein, wie die hiesige Wahrnehmung dieses Verh\u00e4ltnisses ist und da kann man etwa bei einem Redakteur der Zeitschrift <em>jungen Welt<\/em> lesen, dass der Faschismus im Amerikanismus seine sublimierte Fortsetzung f\u00e4nde. Auch in Teilen der Antikriegsbewegung lassen sich solche Bez\u00fcge immer wieder finden, die doch sehr stark an Schuldabwehrmechanismen erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B: <\/strong>Es ist nat\u00fcrlich Bl\u00f6dsinn zu behaupten, dass der Faschismus im Amerikanismus seine Fortsetzung findet, zumal wenn man einen sozialwissenschaftlich-politologisch gekl\u00e4rten Begriff von Faschismus hat. Auf der anderen Seite w\u00fcrde auch ich nicht bezweifeln, dass die gegenw\u00e4rtige US-amerikanische Regierung mit der Institutionalisierung von Rechtlosigkeit jedenfalls auf einem Pfad ist, der sicherlich nicht klassisch faschistisch ist, aber eindeutig den Menschenrechten zuwiderl\u00e4uft und daf\u00fcr muss man dann einen angemessenen Begriff finden. Die Assoziation an den historischen Faschismus ist mit Sicherheit falsch. Aber nat\u00fcrlich zeichnen sich Regimes dadurch aus, dass sie Inseln der Rechtlosigkeit machtbew\u00e4hrt auf ihrem Territorium eingerichtet haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will noch mal ein Beispiel sagen. Es erscheint demn\u00e4chst ein neues Buch des Kulturkritikers Wolfgang Schivelbusch, in dem er auf eine oberfl\u00e4chliche Weise den Nationalsozialismus, den italienischen Faschismus und Roosevelts <em>New Deal <\/em>miteinander vergleicht. Da die Ansprache des Pr\u00e4sidenten oder der F\u00fchrer ans Volk durch das Radio, dort Selbstverpflichtungen, monumentalistische Architektur, Arbeitsbeschaffungsprogramme und anderes mehr. Das ist so eine oberfl\u00e4chliche Sicht der Dinge und da w\u00fcrde ich sagen, da gibt es so etwas wie ein antiamerikanisches Ressentiment. Interessant ist \u00fcbrigens, dass solche Argumentationen mittlerweile auch unter ein paar neoliberalen Journalisten schon die Runde gemacht haben. Mir ist neulich passiert, dass bei einer Diskussion \u00fcber unterschiedliche Regierungsformen ein neoliberaler Journalist gesagt hat: \u201eNun ja also, Sie als Linker, man muss Sie doch darauf hinweisen, dass das Vorbild einer demokratischen Linken, n\u00e4mlich Roosevelt und der <em>New Deal<\/em> ja auch faschistische Z\u00fcgen getragen haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Ich m\u00f6chte noch mal auf das Ph\u00e4nomen der Schuldabwehr zu sprechen kommen. Das ist bekanntlich eine Thematik, die seit geraumer Zeit in der deutschen Linken in Bezug auf Antiamerikanismus aber auch Antizionismus diskutiert wird. Auf der von uns veranstalteten Tagung gab es beispielsweise einen Schlagabtausch zwischen einigen Splittergr\u00fcppchen der ehemaligen <em>Neuen Linken<\/em>. Die vehemente Verteidigung israelischer Staatspolitik von Seiten der Antideutschen wurde etwa als eine Form von Schuldabwehr kritisiert. W\u00e4hrend umgekehrt ein `aufgekl\u00e4rter Antizionismus\u00b4 unterstellt wurde, also eine linke Form der Israelkritik, die letztlich dem islamistischen Terror zuarbeitet. Ich w\u00fcrde gerne wissen, f\u00fcr wie bedeutsam Sie diesen Moment von Schuldabwehr im gegenw\u00e4rtigen Diskurs f\u00fcr die deutsche Linke \u00fcberhaupt noch halten?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B: <\/strong>Wenn man den Begriff der Schuldabwehr in seiner psychoanalytischen Bedeutung ernst nimmt, dann gilt er vielleicht noch f\u00fcr die zweite Generation, also f\u00fcr die Kinder des so genannten T\u00e4terkollektivs, wobei ich den Begriff auch nicht unproblematisch finde. Ob der Begriff f\u00fcr die Enkel oder f\u00fcr die Urenkel in einem engeren sozialpsychologisch psychoanalytischen Sinn noch zu verwenden ist, das w\u00fcrde ich bestreiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde die Antideutschen sind ein sehr interessantes Ph\u00e4nomen, aber ich finde sie buchst\u00e4blich `verr\u00fcckt\u00b4. Weil sie gewisserma\u00dfen aus einem Bed\u00fcrfnis nach einer politisch in sich stimmigen und korrekten Haltung am Ende zu Positionen getrieben werden, die mindestens so \u00fcberdreht sind, wie die der Leute, die sie angreifen. Dazu besteht eigentlich kein Grund.<\/p>\n\n\n\n<p>Also sich aufzuladen, die ganze Sharon\u2019sche Siedlungspolitik mit verteidigen zu m\u00fcssen und am Ende dort zu landen, dass man die politische Ideologie der rechtsradikalen israelischen Siedler mit zu betreiben hat, hat meiner Meinung nach im strengen Sinne etwas Wahnhaftes an sich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Antideutsche und Islamismus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>I: <\/strong>Wie w\u00fcrden Sie die politische Programmatik der Antideutschen charakterisieren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Man ist marxistisch, man ist zugleich in gewisser Weise anarchistisch, man will den Staat nicht und man ist antinationalistisch. Die einzigen, denen man das aus Notwehr zubilligt, sind die Juden und der israelisch-zionistische Staat. Die d\u00fcrfen das aber nur deswegen, weil sie die zerst\u00f6rerische Macht des deutschen Faschismus zu sp\u00fcren bekommen haben, und der deutsche Faschismus ist, wenn ich das richtig sehe, gem\u00e4\u00df der Analyse der Gruppen ein spezifisch deutscher Kapitalismus, der noch einmal schlimmer ist als alle anderen Kapitalismen, die es auf der Welt gibt. Das finde ich ist schon eine Essentialisierung, der man historisch, denke ich, nicht zustimmen kann. Richtig ist sicher, dass im Nationalsozialismus der deutsche Kapitalismus in ganz besonderer Weise seine Wirtschaftsinteressen auf aller unmoralistischen und grauenhaftesten Art und Weise durchgesetzt hat. Aber sehen Sie gegenw\u00e4rtig wird die Gegenrechnung aufgemacht. Das neue Buch von Goetz Aly <em>Hitlers Volksstaat<\/em> will nachweisen, dass es gar nicht der Kapitalismus gewesen ist, sondern im Gegenteil, dass es die sozialstaatlichen Z\u00fcge des Nationalsozialismus gewesen sind, die nicht nur ein paar Konzernherren, sondern auch breiteste Bev\u00f6lkerungsschichten dazu gef\u00fchrt haben, mit dem Vernichtungs- und Ausbeutungsprogramm zu kooperieren. Ich glaube, in der Sicht der antideutschen Linken schie\u00dft das dann zusammen zu einer Idee eines deutschen Nationalcharakters, in dem sich deutscher Kapitalismus und deutsche Sozialstaatsehnsucht zu einem m\u00f6rderischen Gemisch entwickelt haben. Diese Gruppen denken in langen Linien und glauben, dass das zwar oberfl\u00e4chlich durch das Ende des zweiten Weltkrieges durch die Re-Education usw. beseitigt worden sind, aber dass die Tiefenstrukturen dieses deutschen Kapitalismus letzten Endes nach wie vor bestehen und darauf warten, wieder scharf gemacht zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Und die Einsch\u00e4tzung der Selbstmordattentate als antisemitisch motiviertes Kampfmittel?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B: <\/strong>Ich finde, da haben sie einen Punkt. Ich denke, dass die Anschl\u00e4ge der Selbstmordbomber nicht nur ein Ausfluss der Verzweiflung innerhalb der Pal\u00e4stinenser sind. Da spielt in der Tat auch ein erhebliches ideologisches Moment eine Rolle, in dem sich ein radikal islamistischer Judenhass \u00e4u\u00dfert. Das kann man ganz gut nachweisen, wenn man sich die Charta der <em>Hamas<\/em> ansieht, die so eindeutig antisemitisch ist, wie man es deutlicher \u00fcberhaupt nicht mehr haben kann. Wenn man dann h\u00f6rt, dass der verstorbene J\u00fcrgen M\u00f6llemann sich im Fernsehen voller Respekt \u00fcber diese Suicide-Bomber aussprechen, dann sieht man nat\u00fcrlich eine Verharmlosung dieser Ideologie, die es hier gibt. Aber das ganze politische Dispositiv der bundesdeutschen Politik darauf zu reduzieren, das finde ich nun ausgesprochen undifferenziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Ansonsten hat die antideutsche Position nat\u00fcrlich ihren `Charme\u00b4. Auf der einen Seite bezieht man sich auf einen bedeutenden j\u00fcdischen intellektuellen wie Moishe Postone, der mit seinem Aufsatz \u00fcber die Massenvernichtung versucht hat, das ganze werttheoretisch abzuleiten. Man ist im gr\u00fcnen Bereich, man ist korrekt kapitalanalytisch und kann dann gewisserma\u00dfen noch diesen Distinktionsgewinn einfahren, dass man sagt: \u201eWaffen f\u00fcr Israel, wir sind pro Sharon\u201c und: \u201eAlleine die Idee eines Pal\u00e4stinastaates ist Ausfluss v\u00f6lkischen Denkens\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich versuche in Diskussionen diese Leute daraufhin zu befragen was sie wohl meinen, warum auch ein gro\u00dfer Teil der immerhin linksliberalen Mitte in Israel f\u00fcr die Gr\u00fcndung eines Pal\u00e4stinastaates ist. Dann k\u00f6nnen sie meist nichts mehr sagen und meinem h\u00e4mischen Hinweis, dass sie es wahrscheinlich keine Woche in so einer Siedlung mit den Leuten im Gazastreifen aushalten w\u00fcrden, folgt meistens auch nur ein unverst\u00e4ndliches Schulterzucken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I: <\/strong>Nach der etwas umstrittenen Studie des Instituts f\u00fcr Antisemitismusforschung in Berlin hat die Mehrheit der Deutschen \u2013 aber das war allgemein in Europa ein \u00e4hnlicher Wert \u2013 Israel f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung des Weltfriedens angesehen. Sprechen solche empirischen Befunde nicht f\u00fcr die Argumentation der Antideutschen, die dahin geht, dass Israel zum `Juden unter den Nationen\u00b4 geworden ist. Also dass hier tats\u00e4chlich Projektionsmechanismen und Traditionslinien weiterlaufen, die analytisch eine Transformation des Antisemitismus auf nationalstaatlicher Ebene nahelegen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Doch das ist so, aber sie haben es ja selbst angesprochen. Ist das jetzt eine deutsche Spezialit\u00e4t? Dann h\u00e4tten Heitmeyer und seine Gruppe erst mal nachmessen m\u00fcssen, ob die Zustimmung zu diesem einen Item, das lautet: \u201eDas was Israel mit den Pal\u00e4stinensern macht, ist im Prinzip nichts anderes als die Nazis mit den Juden gemacht haben\u201c in Deutschland h\u00f6her ist als in anderen Staaten. \u00dcber 50 % Zustimmung in einer repr\u00e4sentativen Stichprobe, das finde ich wirklich erschreckend. Ob das in Holland, in Norwegen, in Spanien oder in Italien genauso w\u00e4re, da w\u00fcrde ich dann doch mal vermuten, wahrscheinlich nicht. Da haben sie recht, das zeigt, dass es hier nicht gen\u00fcgend bearbeitete und missverstandene Bez\u00fcge zur nationalsozialistischen Vergangenheit gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eins will ich noch erg\u00e4nzen. Zun\u00e4chst einmal k\u00f6nnen solche Umfragen dem Staat Israel v\u00f6llig egal sein. Es handelt sich dabei allem um eine Gef\u00e4hrdung unserer eigenen Demokratie, weil es auf eine groteske Verharmlosung des Nationalsozialismus herausl\u00e4uft. Man kann allerdings sagen, dass wenn sich diese Stimmung irgendwann einmal, bis auf die Kommandoh\u00f6hen der Au\u00dfenpolitik fortpflanzt, dann kann das eine Verschlechterung der Beziehungen zum Staat Israel zur Folge haben. Das kann man jedenfalls mittelfristig, kurzfristig steht das \u00fcberhaupt nicht zur Debatte, nicht ausschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Auf unserer Tagung sprach ein Referent von `Islamnazis\u00b4, um damit die antisemitische Aufladung und historische Verbindung von Nationalsozialismus und Islamismus zu charakterisieren. Ich halte den Ausdruck f\u00fcr irref\u00fchrend, weil er trotz vorhandener Verbindungen zwischen den beiden Ideologien eine nazistische Durchdringung des Islamismus suggeriert, die weder historisch noch politisch gegeben ist. Umgekehrt scheint mir die Einsch\u00e4tzung richtig, dass der Islamismus hierzulande nach wie vor noch untersch\u00e4tzt wird und dass es aus einer bestimmten, vor allem von der Linken kommenden Tradition heraus eine Opferstilisierung der Pal\u00e4stinenser gibt, die zu einer Verharmlosung eines militanten&nbsp; Islamismus beitr\u00e4gt. Teilen Sie diese Einsch\u00e4tzung?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Ich glaube, dass das so ist und ich denke auch, dass etwa Matthias K\u00fcntzel mit seinem Buch <em>Djihad und Judenhass<\/em> wichtige Anst\u00f6\u00dfe f\u00fcr diese Diskussion geliefert hat, von denen ich mir auch einige zu eigen gemacht habe. Auf einer Tagung des deutsch-israelischen Arbeitskreises f\u00fcr den Frieden im Nahen Osten im vergangenen Winter habe ich mit der Orientalistin und Pal\u00e4stina-Expertin Gudrun Kr\u00e4mer sehr heftig \u00fcber dieses Thema debattiert. Ein Punkt ihrer Argumentation hat mich doch \u00fcberzeugt. Sie konnte durchaus zeigen, dass die Figur, die als Br\u00fcckenfigur jedenfalls zum Nationalsozialismus im engeren Sinne gebraucht wird, n\u00e4mlich der Gro\u00dfmufti von Jerusalem, einfach kein Islamist war. Das war ein politisierender, faschistischer, islamischer Geistlicher, eine islamistische Ideologie wie die Moslembr\u00fcder hatte er nicht. Es scheint noch nicht mal nachweisbar zu sein, dass er zu den Moslembr\u00fcdern und anderen wirklich enge Kontakte gehabt hat. Das ist ein Problem, zu dem man sich in ein Verh\u00e4ltnis setzen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Das macht den radikalen Islamismus freilich um keinen Deut besser. Ich glaube wirklich, dass der radikale Islamismus in der Lesart von Ossama Bin Laden bis hin zu den viel gef\u00e4hrlicheren Formen, die er etwa bei dem zur\u00fcckgetretenen malaysischen Premier Mahatir gefunden hat, ein judenfeindliches Programm aufweist, und ich glaube, dass, wenn man heute \u00fcberhaupt von einer aktiven judenfeindlichen Massenbewegung sprechen kann, es eine solche vor allem in einigen arabischen L\u00e4ndern gibt. Aber der Br\u00fcckenschlag zur\u00fcck in die 20er und 30er Jahre ist wahrscheinlich doch nicht ganz so einfach wie Matthias K\u00fcntzel und andere das sehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Dennoch k\u00f6nnte man sagen, dass der radikale Islamismus sich einige Elemente des deutschen und europ\u00e4ischen Antisemitismus zu eigenen gemacht hat. Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Islamismus in dieser Hinsicht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Ich denke, das sind schon weitgehend eigenst\u00e4ndige ideologische Gebilde, die eine eigene Entwicklung haben und die sich nun den islamischen Glauben in \u00e4hnlicher Weise zu einer radikal-faschistischen Ideologie nehmen, wie es das auch in der Zwischenkriegszeit in Europa gegeben hat. In Europa gab es ja nicht nur einen sozialdarwinistischen Faschismus, sondern in Spanien und Rum\u00e4nien sehr wohl auch einen Faschismus mit christlichen Ideologemen. So etwas in der Art sehe ich im radikalen Islamismus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Wie erkl\u00e4ren Sie sich die Zuspitzung des derzeitigen Nahost-Konflikts?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Also wenn im Westjordanland und in Gaza Friede, Freude, Eierkuchen, Wohlstand, Vollbesch\u00e4ftigung und demokratische Wahlen geherrscht h\u00e4tten, dann h\u00e4tte es diese Intifada wohl auch dann nicht gegeben, wenn das irgendwie unter einer milden israelischen Kontrolle gestanden h\u00e4tte. So ist es aber einfach nicht gewesen und wenn man etwa die B\u00fccher der <em>Ha&#8217;aretz<\/em>-Journalistin Amira Hass \u00fcber Gaza liest, kann \u00fcberhaupt kein Zweifel daran bestehen, dass das eine extrem harte und auch v\u00f6lkerrechtswidrige und manchmal menschenrechtswidrige Besatzungsherrschaft ist. Die interessante Frage ist jetzt nur, warum hat das nun diese Form angenommen und keine andere. Also warum gibt es keinen pal\u00e4stinensischen Gandhi? Vielleicht weil die Israelis nicht so relativ zivilisiert vorgegangen sind wie die Briten in Indien? Ich kann es nicht genau sagen. Tatsache ist, und das muss man eben auch erw\u00e4hnen, dass mindestens was den Gazastreifen betrifft, es zu Beginn leider Israel selbst gewesen ist, das aus der Idee des `Teile und Herrsche\u00b4 heraus, die <em>Hamas<\/em> gegen die <em>PLO <\/em>unterst\u00fctzt hat und sich damals offenbar nicht genug dar\u00fcber informiert hat, was f\u00fcr ein Verein das ideologisch tats\u00e4chlich gewesen ist. Als sie es gemerkt haben, war es in gewisser Weise zu sp\u00e4t. Nun ist ja bekannt, dass in Gaza die Autonomiebeh\u00f6rde nicht gut funktioniert oder sie vielfach korrupt ist und die demographischen Bedingungen \u2013 das klingt jetzt vielleicht ein bisschen einfach \u2013 das \u00fcbrige dazu beitragen, dass viele junge M\u00e4nner von bescheidenem Bildungsgrad sich einer eindeutigen politischen radikalen Partei oder Ideologie anschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Wie wird in Deutschland von Linken mit genau diesem sehr vielschichtigen Komplex umgegangen? Es gibt beispielsweise so Initiativen wie die der Friedrich-Ebert-Stiftung, die versucht hat, zusammen mit einem so genannten Forschungsinstitut der <em>Hisbollah<\/em> einen kritischen Dialog zu f\u00fchren, bis hinein zu Positionen aus dem Spektrum der Antideutschen, die vornehmlich f\u00fcr milit\u00e4rische Konfliktl\u00f6sungen pl\u00e4dieren. Also die Ansichten klaffen sehr weit auseinander und uns w\u00fcrde interessieren, was Sie da f\u00fcr den ad\u00e4quaten Umgang halten?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Man kann das diskutieren, und man kann Bildungsangebote machen. Ich habe allerdings keine Ratschl\u00e4ge f\u00fcr die Au\u00dfenpolitik politischer Stiftungen. Wenn es wirklich so ist, dass man der Libanesischen <em>Hisbollah <\/em>nachweisen kann, und ich glaube, dass kann man, dass sie in ihren Sendern judenfeindliche Propagandafilme zeigen und anderes mehr, dann verbietet es sich nat\u00fcrlich von selbst, solche Gruppen zu unterst\u00fctzen oder in irgendeiner Weise anzuerkennen. Auf der anderen Seite liegt es nat\u00fcrlich auch im Interesse bundesdeutscher Parteien zu politischen Gruppierungen sonst wo auf der Welt irgendwie Kontakt aufzunehmen. Das ist ja f\u00fcr die Zukunft auch nicht ganz unwichtig. Also ich w\u00fcrde mal zugunsten der <em>Friedrich-Ebert-Stiftung<\/em> annehmen, dass sie das nicht gewusst haben. Wenn sich zeigen sollte, dass sie es gewusst haben, dann muss man eben innerhalb der Friedrich-Ebert-Stiftung und innerhalb der SPD sehr heftig dar\u00fcber diskutieren, ob es zu einer weitblickenden und weitreichenden Au\u00dfenpolitik dazugeh\u00f6ren kann, sich mit rassistischen und antisemitischen Organisationen an einen Tisch zu setzen. Das w\u00fcrde allen Ernstes auch niemand vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>`Standorte\u00b4 im globalisierten Kapitalismus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>I: <\/strong>Vielleicht sollten wir noch mal auf ihr Verh\u00e4ltnis zur deutschen Linken in dieser desolaten Situation zur\u00fcckkommen. Wo w\u00fcrden Sie sich hier verorten oder wo sehen Sie sich zu Hause, wenn man dieses Wort noch gebrauchen kann?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Ich kann nur sagen, was man einfach noch konstatieren muss, ist, dass mit dem Zusammenbruch des so genannten realen Sozialismus die Hoffnungen auf eine radikale Umstellung und Umgestaltung des Kapitalismus als das Wirtschaftssystems, das eine liberale parlamentarische Demokratie begleitet, gescheitert sind. Es gibt im Moment kein linkes Projekt, das allen Ernstes eine wenn auch politisch in seinen Auswirkungen beherrschbare kapitalistische Wirtschaftsordnung bestreitet. Es gibt verschiedene Vorschl\u00e4ge, wie sie etwa Andr\u00e9 Gorz schon vor 15-20 Jahren gemacht hat, das kann man alles diskutieren. Aber grunds\u00e4tzlich woran dann auch die Antideutschen festhalten w\u00fcrden, n\u00e4mlich die Warenform aufzuheben und daf\u00fcr auch noch einen politischen Weg zu finden, ohne die Verstaatlichung, an die ja niemand mehr glaubt oder die Vergesellschaftung des Genossenschaftswesens, das sind Ideen, die sehr stark an Strahlkraft verloren haben. Ich finde, das muss man schon zugeben. Deswegen ist meine politische Option heute sozialdemokratisch, und bitte verstehen Sie das jetzt nicht parteipolitisch. Ich glaube immer noch, dass die Sozialdemokratie die politische Bewegung ist, die von den verschiedenen politischen Ans\u00e4tzen im 20. Jahrhundert, am glimpflichsten davongekommen ist. Alle anderen haben sich noch st\u00e4rker blamiert oder sind noch fataler gescheitert. Wenn ich von der Sozialdemokratie spreche, meine ich nicht die SPD und schon gar nicht die gegenw\u00e4rtige SPD sondern die sozialdemokratische Grundidee, wie sie etwa von Karl Kautzky, Eduard Bernstein oder August Bebel formuliert worden ist. Das l\u00e4sst sich nach Ablauf von 130-140 Jahren immer noch am ehesten sehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube aber, dass wir nat\u00fcrlich dar\u00fcber hinaus in Fragen der Menschen- und der B\u00fcrgerrechte genauso kompromisslos liberal sein m\u00fcssen. Und ich meine wirklich kompromisslos, was man wiederum an dem Elend der gegenw\u00e4rtigen Neokonservativen erkennen kann, die dauernd von Demokratie und Menschenrechten reden und dann entweder besch\u00e4mt die Augen niederschlagen m\u00fcssen oder mit gro\u00dfer Unversch\u00e4mtheit \u00fcber solche Menschenrechtsskandale wie Guant\u00e1namo oder Abu Graith hinweg gehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> &nbsp;Eine politische Gegenbewegung zum Neoliberalismus wurde in den letzten Jahren in der Antiglobalisierungsbewegung und diversen Initiativen, Stichwort Tobin-Tax, ausgemacht. Dabei wurde allerdings etwa der Gruppe <em>Attack<\/em> vorgehalten, sich in ihrer Kritik des globalisierten Kapitalismus auf das Finanzkapital zu kaprizieren und so der historisch bekannten Verk\u00fcrzung der Kapitalismuskritik, also der Trennung von `schaffendem und raffendem Kapital\u00b4, mitsamt ihren antisemitischen Aufladungen das Wort zu reden.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Kontext ist es sicher auch nicht ganz zuf\u00e4llig, dass Vertreter der Gruppe im M\u00e4rz 2003 anl\u00e4sslich des dritten Golfkriegs gegen den Irak zum Boykott israelischer Waren aufgerufen haben. Das hei\u00dft, hier findet man auch wieder eine linke Bewegung, die sich teilweise eben antisemitischer Muster bedient. Wie sch\u00e4tzen Sie das Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen einer berechtigten Kritik an gegenw\u00e4rtigen neoliberalen Politiken und den antisemitischen Ausw\u00fcchsen der Kritiker ein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Also sagen wir mal aus dem Umstand, dass ein konservativer US-amerikanischer Nobelpreistr\u00e4ger eine Besteuerung des internationalen Kapitalverkehrs gefordert hat, hier und aus der historischen Erfahrung heraus w\u00fcrde es Faschisten und Antisemiten das ahasverisch um die Welt geisternde Kapital als Hauptfeind eingestuft haben, kann ja nicht folgen, dass man den internationalen Kapitalverkehr nun nicht politisch regulieren sollte. Ich finde auch hier muss man wieder differenzieren. Vor dem Hintergrund ist es sicher sinnvoll darauf hinzuweisen, dass das Kapital nun eben nicht nur Finanzkapital ist, sondern dass das Geld und das Finanzkapital ein Ausdruck des Kapitalverh\u00e4ltnisses sind. Aber damit sind wir wieder genau da, wo wir vorhin gewesen sind. Es gibt heute niemand, der ein auch nur diskutables politisches Rezept f\u00fcr eine Wirtschaftsform hat, die nicht auf dem Privateigentum beruht. Ich w\u00fcrde sagen, in dem Augenblick, wenn wir ein solches diskutables und belastbares Konzept haben, kann man weiterreden. Weil Aufhebung des Kapitalverh\u00e4ltnisses, das muss man sich einfach klar machen, hei\u00dft auch Aufhebung des Privateigentums in sehr wesentlichen Dimensionen. Dazu gibt es einfach keine wirtschaftspolitischen Utopien und der Rest steht im Grundgesetz: Eigentum verpflichtet. Ich meine, da kann man schon sehr viel machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I:<\/strong> Das sehen wir ja, wie das verpflichtet. [Bezugnehmend auf einen Gerichtsprozess, in den der damalige Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, verwickelt war.]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B:<\/strong> Ja, siehe Ackermann und so. Nat\u00fcrlich, aber ich w\u00fcrde sagen, dass die Politik im Rahmen dessen, was vom Grundgesetz her m\u00f6glich ist, zu hasenf\u00fc\u00dfig ist und offensichtlich sich auch zu sehr den Erpressungen von Unternehmen ausgesetzt hat. Aber hier begegnet man wieder dem gleichen Problem. Ein radikaler struktureller Marxist \u00e0 la Postone k\u00f6nnte auch schon sagen alleine die konkrete Bezugnahme auf einen Mann wie Josef Ackermann, das ist auch schon fast wieder faschistisch, weil da die Abstraktheit des Kapitalverh\u00e4ltnisses nicht richtig gefasst wird. Womit jede konkrete Ma\u00dfnahme immer auch schnell in den Verdacht ger\u00e4t, der Abstraktheit dieser gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse nicht wirklich entsprechen zu k\u00f6nnen, sondern sie konkretistisch zu unterbieten. Eine ideale Immunisierungsstrategie \u00fcberhaupt irgendetwas zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem heute ist, dass es so zu sein scheint, als ob der Selbstlauf der \u00d6konomie politische Einflussnahme \u00fcberhaupt unm\u00f6glich macht. Ich finde es einfach wichtig im Denken und auch im \u00f6ffentlichen Diskurs, den Primat der Politik wieder zu betonten. Das scheint mir das Hauptproblem des gegenw\u00e4rtigen politischen Denkens zu sein, bei dem die politische Soziologie dar\u00fcber informiert, dass wir es auch mit Steuerungsdefiziten zu tun haben. Vor dem Hintergrund empfinde ich es fast schon wohltuend, wenn Gerhard Schr\u00f6der in Davos von sich aus den Gedanken der Tobin-Tax zumindest wieder in die Diskussion geworfen hat. Damit verbinde ich nicht besonders viele Hoffnungen, aber ich glaube, im Moment muss es \u00fcberhaupt darum gehen, daran zu erinnern, dass Politik n\u00f6tig und m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">* <strong>Das Interview f\u00fchrten Michael Elm und Brigitta Simb\u00fcrger. Ver\u00f6ffentlicht in: Exklusive Solidarit\u00e4t. Linker Antisemitismus in Deutschland (Hrsg.: Matthias Brosch, Michael Elm, Norman Gei\u00dfler, Britta Elisa Simb\u00fcrger, Oliver von Wrochem, Metropol Verlag, Berlin 2007)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Micha Brumlik hat einige Zeit in der Reaktion der Zeitschrift links, der Vorl\u00e4uferin von links-netz mitgearbeitet. Das ging oft nicht ohne Konflikte ab. Streitbar war er immer und hat als kritischer j\u00fcdischer Intellektueller in der politischen \u00d6ffentlichkeit eine wichtige Rolle gespielt. Nun ist er nach langer Krankheit gestorben. Aus diesem Anlass ver\u00f6ffentlichen wir hier ein Interview, das er im Jahr 2007 mit Michael Elm und Brigitta Simb\u00fcrger gef\u00fchrt hat. 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