Liebe Leserinnen und Leser, vor einigen Jahren (2019) haben wir die Webseite von links-netz aktualisiert. Doch auch die alten Seiten könnt Ihr noch aufrufen. Das geht über die Suche nach Rubriken oder aber im Archiv, das auf der Startseite rechts zu sehen ist, und zwar nach Jahren und Monaten sortiert. Darüber hinaus findet man die […]
Ambivalenz der Empathie
von Tsafrir Cohen
Empathie ist die Fähigkeit und Bereitschaft, andere Menschen, ihre Interessen, Gefühle, Vorstellungen und Lebensweisen zu verstehen. Dies ist die Grundlage aller universalistischen Bestrebungen und bildet nicht zuletzt eine wesentliche Voraussetzung für eine Realisierung allgemeiner Menschenrechte. Aktuell ist immer deutlicher zu sehen, dass autoritäre Regierungen und Bewegungen der Empathie den Krieg erklärt haben und einen systematischen Anti-Universalismus propagieren. Gleichzeitig weist der Empathiebegriff aber auch eine Ambivalenz auf. Er kann auch anti-universalistisch eingesetzt werden.
Files, Papers und die empirische Evidenz herrschender Rackets
von Kai Lindemann
Die Epstein-Files sind gewissermaßen das Interaktionshandbuch der herrschenden Klassen im 21. Jahrhundert. Im Netzwerk des Finanzberaters Epstein waren Abhängigkeit, Komplizenschaft, gegenseitige Absicherung und Vertuschung krimineller Taten die Regel. Diese Merkmale ergänzen die globalen Strukturen von Steuerbetrug, Staatsplünderung und privilegierter Loyalität, die vor einigen Jahren aus den geleakten Panama-, Paradise- und Pandora-Papers ersichtlich wurden. Zugleich bringt Epsteins misogynes Netzwerk die Verachtung seiner Mitglieder gegenüber Frauen und subalternen Klassen zum Vorschein. Die Dimensionen des Menschenhandels und der ausgeübten sexuellen Gewalt gegen junge Frauen durch „anerkannte“ Leistungsträger schockieren enorm, auch weil sie die menschenverachtenden Ressentiments der Herren offenlegen.
Radikaler Reformismus in Zeiten des Krisenkapitalismus: Zum Gebrauchswert eines transformativen Konzepts*
von Markus Wissen
Angesichts der gegenwärtigen Weltlage brauchen emanzipatorische Kräfte viel Energie und einen langen Atem. Dafür sind Konzepte unabdingbar, die, ausgehend von einer nüchternen Analyse der Situation, strategische Horizonte öffnen. Degrowth, Buen Vivir, Vergesellschaftung oder Care Revolution sind Beispiele für mobilisierungsfähige Entwürfe. Eine Leitidee, die vielen dieser Konzepte zugrunde liegt, ist der radikale Reformismus. Welchen Gebrauchswert hat dieser aktuell für progressive Politik?
Gesellschaftskritik am Limit
von Karl Czasny
Der Autor las erst kürzlich das Buch „Kapitalismus am Limit“ und sichtete vorhandene Rezensionen. In dem von Joachim Hirsch für das links-netz verfassten Beitrag mit dem Titel „Ist der Kapitalismus am Ende?“ fand er eine Rezeption, die ziemlich genau seinem Eindruck von diesem Buch entspricht. Deshalb bezieht er sich bei folgender Kurzfassung auf die Argumentation von Hirsch.
Die Donroe-Doktrin im Nahen und Mittleren Osten
von Michael B. Elm
In Europa und den USA entbrannte zu Beginn des Krieges im Iran die Frage, welche Pläne die Trump-Administration für die Zeit danach hat. Wie zu verhindern sei, dass ein bürgerkriegsähnliches Chaos entstehe oder autoritäre Kräfte zurückkehrten wie nach den Kriegen im Irak, Libyen oder Afghanistan. Ob Trump, wie so oft, einfach impulsiv gehandelt hat oder sich gar in einen Krieg hat hineinziehen lassen. Die Fragen sind wichtig, verfehlen aber das grundlegend Neue der Situation. Man hat die Ende letztes Jahres dargelegte National Security Strategy, in der die Trump-Administration ihre Ausweitung der historischen Monroe-Doktrin begründet – die sogenannte Donroe-Doktrin – noch nicht verstanden oder verinnerlicht. Dort heißt es explizit mit Bezug auf die Region des Nahen Ostens, dass das `fruchtlose´ und `kulturfremde´ Nation Building unterlassen werden soll. Trump interessiert nicht, mit welchem Regime er einen Deal abschließen kann.