Files, Papers und die empirische Evidenz herrschender Rackets

von Kai Lindemann

Die Epstein-Files sind gewissermaßen das Interaktionshandbuch der herrschenden Klassen im 21. Jahrhundert. Im Netzwerk des Finanzberaters Epstein waren Abhängigkeit, Komplizenschaft, gegenseitige Absicherung und Vertuschung krimineller Taten die Regel. Diese Merkmale ergänzen die globalen Strukturen von Steuerbetrug, Staatsplünderung und privilegierter Loyalität, die vor einigen Jahren aus den geleakten Panama-, Paradise- und Pandora-Papers ersichtlich wurden. Zugleich bringt Epsteins misogynes Netzwerk die Verachtung seiner Mitglieder gegenüber Frauen und subalternen Klassen zum Vorschein. Die Dimensionen des Menschenhandels und der ausgeübten sexuellen Gewalt gegen junge Frauen durch „anerkannte“ Leistungsträger schockieren enorm, auch weil sie die menschenverachtenden Ressentiments der Herren offenlegen.

Radikaler Reformismus in Zeiten des Krisenkapitalismus: Zum Gebrauchswert eines transformativen Konzepts*

von Markus Wissen

Angesichts der gegenwärtigen Weltlage brauchen emanzipatorische Kräfte viel Energie und einen langen Atem. Dafür sind Konzepte unabdingbar, die, ausgehend von einer nüchternen Analyse der Situation, strategische Horizonte öffnen. Degrowth, Buen Vivir, Vergesellschaftung oder Care Revolution sind Beispiele für mobilisierungsfähige Entwürfe. Eine Leitidee, die vielen dieser Konzepte zugrunde liegt, ist der radikale Reformismus. Welchen Gebrauchswert hat dieser aktuell für progressive Politik?