von Kai Lindemann
Die Epstein-Files sind gewissermaßen das Interaktionshandbuch der herrschenden Klassen im 21. Jahrhundert. Im Netzwerk des Finanzberaters Epstein waren Abhängigkeit, Komplizenschaft, gegenseitige Absicherung und Vertuschung krimineller Taten die Regel. Diese Merkmale ergänzen die globalen Strukturen von Steuerbetrug, Staatsplünderung und privilegierter Loyalität, die vor einigen Jahren aus den geleakten Panama-, Paradise- und Pandora-Papers ersichtlich wurden. Zugleich bringt Epsteins misogynes Netzwerk die Verachtung seiner Mitglieder gegenüber Frauen und subalternen Klassen zum Vorschein. Die Dimensionen des Menschenhandels und der ausgeübten sexuellen Gewalt gegen junge Frauen durch „anerkannte“ Leistungsträger schockieren enorm, auch weil sie die menschenverachtenden Ressentiments der Herren offenlegen.