Seuchenbekämpfung und Proteste

von Helmut Dahmer
Anders als frühere Epidemien, die den europäischen und den amerikanischen Kontinent nicht erreichten oder nur streiften, machte sich der Erreger der neuen Seuche die von Millionen frequentierten Reise- und Handelsstraßen der Gegenwart zunutze, sprang binnen Tagen und Wochen von Land zu Land und von Kontinent zu Kontinent; „Covid-19“ wurde zur „Pandemie“. Ohne Immunität, unvorbereitet, ohne Vorbeuge- oder Heilmittel befinden wir uns in einer Lage, die derjenigen gleicht, in der sich die Bevölkerungen der altamerikanischen Kulturen Mittel- und Südamerikas befanden, als europäische Eroberer, die Konquistadoren, selbst „immun“, sie mit ihnen unbekannten Krankheiten infizierten, an denen sie massenweise zugrunde gingen.

Am Beispiel Ecuador: Warum der Progresismo in Lateinamerika scheitert

von Alberto Costa
In Ecuador hat nicht einfach die Linke gegen die Rechte verloren, schreibt der Ökonom, Ex-Minister und ehemaliger Präsident der Verfassungsgebende Versammlung Alberto Acosta. Die Niederlage von Andrés Arauz steht für die Schwächung und sogar das Scheitern des lateinamerikanischen Progresismo, also der sogenannten linken Parteien und Staatschefs von Venezuela über Brasilien bis Bolivien, die einst weltweit Begeisterung ausgelöst haben.

Was kommt nach dem Wachstum?

von Karl Casny

Vor der Pandemie hatten neben Wachstumskritik auch Auseinandersetzungen zur Ökonomie einer Postwachstumsgesellschaft Hochkonjunktur. Mittlerweile liegen so viele einschlägige Theorien und Konzepte auf dem Tisch, dass man sich immer schwerer zurechtfindet im Dickicht der einander teils überlappenden, teils schroff widersprechenden Ansätze. Hier werden einige der am häufigsten diskutierten Standpunkte etwas genauer betrachtet.

Ein „Linker Green New Deal“?

von Joachim Hirsch

Bernd Riexinger, der eben ausgeschiedene Ko-Vorsitzende der Linkspartei hat eine Broschüre vorgelegt, die einen Beitrag zur innerparteilichen Programm- und Strategiedebatte darstellt und die Umrisse von sowie die Wege zu einem grundlegenden „System Change“ skizzieren soll.

Angst und Herrschaft – Einige staatstheoretische Überlegungen*

von Joachim Hirsch

Zwischen Angst und Herrschaft gibt es einen engen Zusammenhang, der jedoch einige Widersprüche aufweist. Real begründete oder strategisch geschürte Angst hat bei der Legitimation und Stabilisierung von Herrschaft schon immer eine bedeutsame Rolle gespielt. Dies wird etwa deutlich bei der Entstehung des modernen Staates im 16. und 17. Jahrhundert.
Diese und viele andere staatstheoretische Konzepte verweisen auf einen grundlegenden Widerspruch, der darin besteht, dass in einer von Gewalt und Ungleichheit geprägten Gesellschaft Herrschaft zugleich Sicherheit bietet und Freiheit beschränkt.